Ark - Der Sturm

By JeremyBuendia

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Jack ist ein junger Mann. Die erste Liebe soll fur ihn mehr als nur ein leidenschaftliches Abenteuer werden... More

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Ark - Der Sturm

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By JeremyBuendia

Widmung:

meine Wüstenblume.

Prolog

Als ich 17 war habe ich Emily Jones kennen gelernt. Sie war rein hübsches Mädchen und ist es wahrscheinlich immer noch. Sie hat mich, rückblickend, einiges gekostet: Meine Unschuld, mein gutes Herz und meine Gefühle, aber ich will nicht vorgreifen,...

1 - Anfang vom Ende

Als Emily das Klassenzimmer betrat, war sie ein Engel für mich. Als sie durch die Tür schritt wurden Ihre blonden Haare von einem Lufthauch durch gewirbelt und von den Leuchtstoffröhren im Gang angestrahlt. Sie sah aus als ob sie geradewegs aus dem Himmel kommen würde und einen Heiligenschein auf hätte.

Das war Emily's erster Auftritt und er war wirklich preis trächtig. Ich musste sie anstarren als sie durch die reihen auf ihren neuen Platz zu ging.

Ich war schon immer ein aufmerksames Kind. Und so entging mir nicht das sie tiefe Augenringe hatte. Auf den zweiten Blick sah sie nicht mehr ganz so schön aus wie auf den ersten. Ihre Haare, die vorhin zu einem Heiligen Schein wurden, sah ich nun, waren stumpf und zerzaust. Ihre Arme waren so dünn das ich glaubte unter der haut den Knochen zu sehen und ich dachte einen Moment ich würde unter Ihrem Ärmel einen blauen Fleck herausstechen sehen.

Ich war auch schon immer ein merkwürdiges Kind. Obwohl sie so aussah, wie sie aussah, mit all ihren unübersehbaren Problemen die unter ihrer Oberfläche brodelten, konnte ich meinen Blick nicht von Ihr abwenden und war ihr, so sagt man glaube ich, verfallen.

Sie saß einen Tisch neben mir und den ganzen restlichen Tag machte ich nichts anderes als sie unauffällig anzusehen. Fast anzustarren. Im nach hinein bin ich mir sicher, das sie ständig gewusst hatte, das ich sie ansah. Ich glaube Frauen spüren das immer, wenn man sie ansieht.

Der Tag ging vorbei und Emily war das einzige woran ich dachte als ich nach Hause ging. Zu Hause, das waren ein Fernseher, eine Mutter die davor saß und ein warmes Essen das sie auf den Tisch gestellt hatte, das ich schweigend aß. Mein Vater kam immer erst spät Abends nach Hause.

Schweigend ging ich auf mein Zimmer und legte mich auf mein Bett und als es bald dunkel wurde, machte ich das Licht aus und stellte mir Emily's Gesicht vor das in der Dunkelheit über mir schwebte.

Am nächsten Tag ging ich mit pochendem Herzen zur Schule. Ich konnte es kaum erwarten, sie wieder zu sehen. Gewöhnlicherweise ging ich immer früher zur Schule als ich da sein musste. Zu Hause bei mir war es in der Früh meist sehr ungemütlich, denn es war die einzige Zeit in der mein Vater auf meine Mutter traf.

Beide waren sie sehr unglücklich, aber sie waren einfach nicht unglücklich genug sich dies ein zu gestehen. Trennung, ich glaube dieses Wort dachten sie nicht einmal.

Es war am Ende des Sommers und der Herbst hatte schon Einzug gehalten. Die Bäume hatten Ihre Blätter verloren und der Wind wurde von Tag zu Tag schneidender und manchmal dachte ich, der Wind würde mir unter die Haut schneiden.

Die Häuser an denen ich vorbei kam waren nicht neu, aber sie waren auch noch nicht wirklich alt, sie sahen nur ungepflegt aus. Die Fenster milchig, die Ziegelwände überzogen von einem schmierigen Grau. An den Wänden hingen Plakate, aber die meisten waren nur noch Fetzen, schon weg gewaschen vom Regen. Der kalte Wind trieb einige abgerissene Plakate vor sich her und ich genoss das Rascheln des trockenen Papieres zusammen mit dem des Laubes das bunt überall auf dem Boden lag und jetzt weg geweht wurde.

Es war noch früh und der Tag hatte noch nicht richtig angefangen. Die Sonne war kurz vor dem aufgehen und mir gefallen diese Momente. Dieses schummrige Licht, dieses Gemisch aus schwachen Sonnenstrahlen und dem letzten Rest der sparsamen Straßenleuchten. Ich war erst 13 aber ich hatte schon angefangen zu rauchen. Ich mochte es den bitteren Rauch ein zu atmen, ihn zu schmecken und dann genüsslich wieder hinaus zu pusten. Ich war 13 und ich rauchte weil es mir schmeckte und weil es mich beruhigte. Ich war wirklich ein merkwürdiges, ja gestörtes Kind.

Später saß ich in der Klasse. Ich war immer einer der ersten und ich werde mein Leben lang dieses friedliche Neonlicht lieben, das sie morgens in allen Klassenzimmern brennen ließen. Ich liebe einfach diese beruhigende Wirkung.

Emily kam kurz nach mir, hat sie zu Hause auch solche Probleme? Morgens waren wir beide immer allein in unserem Klassenzimmer. Aber es war heute etwas anders als gestern. Ihr langes blondes Haar hatte sie sorgfältig über Ihr linkes Auge gekämmt. Etwas an ihrem Gang stimmte auch nicht, sie hinkte nicht direkt, aber es schien mir so als ob ihr das auftreten mit dem einen Fuß Schmerzen bereiten würde.

Schnell huscht sie zu Ihrem Platz. Wir waren die Einzigen im Klassenzimmer. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und ging zu Ihr hinüber. Als sich mein Schatten über ihren Tisch zog, fuhr sie erschreckt herum," ich hatte dich gar nicht bemerkt."

„Macht nichts, ich hätte mich wahrscheinlich auch nicht bemerkt." Ihre Haare waren etwas verrutscht und ich konnte das blaue Auge sehen das sie zu verbergen versuchte. Verwunderung oder Entsetzen fühlte ich nicht mehr in diesem Moment, immerhin konnte ich mir denken, wo dieses blaue Auge herkam,"kann ich dir irgendwie helfen?"

„Nein, kannst du nicht, lass mich in Ruhe," blaffte sie mich an und beeilte sich ihr Veilchen wieder unter ihren wunderschönen Haarsträhnen zu verstecken.

„Wenn du reden willst, ich habe zeit," bot ich ihr an und als sie nicht reagiert ging ich enttäuscht wieder zu meinem Platz zurück.

Emily faszinierte mich, diese verletzte Schale die sie niemandem zeigte, weil sie ja gar nichts zeigte. Sie machte nichts. In der Pause stand sie in einer dunklen Ecke der Aula und unterhielt sich mit niemandem. Ich glaube sie hatte noch nicht einmal ein Brot dabei.

„Was machst du da?" fragte ich sie, nachdem ich mich noch einmal überwunden hatte. Ich war wirklich nervös und das sah man mir auch an.

„Nichts, kannst du mich nicht in Ruhe lassen?"

„Könnte ich schon," sagte ich, aber ich wollte nicht so schnell aufgeben," war das dein Vater?"

„Mann, lass mich doch in Ruhe, wenn ich mit dir reden wollen würde, dann,... ach leck mich doch," sie wollte sich an mir vorbei drücken, aber ich ließ sie nicht vorbei.

„Komm mit, ich zeige dir einen Platz an dem man wirklich seine Ruhe hat," ich nahm ihre Hand und zog sie hinter mir her. Niemand achtete auf uns und ich führte sie durch die Tür zu den Treppen hinter dem Schulhaus. Hier war wirklich niemand," also willst du mir jetzt sagen, wer das war?"

„Wieso willst du das denn überhaupt wissen?" Sie sah mich an und es zerbrach mir das Herz. In ihrem blick lag soviel Schmerz.

„Du bist mir gestern schon aufgefallen und, naja,... heute Morgen konnte ich mir vieles zusammen reimen," ich stockte," bei mir zu Hause ist es,..."

„Ja, aber wirst du geschlagen?" Sie weinte und drehte sich weg. Ich nahm sie in den Arm und konnte spüren wie sie sich in meinen Arm fallen ließ," es war mein Vater," schluchzte sie," er war betrunken."

Anstatt etwas zu sagen hielt er sie in den Armen und roch an ihren Haaren. Sie rochen etwas miefig, aber es störte mich nicht weiter. Es schien mir als ob die Liebe einfach ein bisschen miefig war, wie sollte sie denn sonst riechen, wenn ich meine Eltern ansah.

Sie wischte sich die Tränen weg und wollte sich schon wieder von mir weg drehen,"du kannst mir ja auch nicht helfen," schnäuzte sie.

„Ich kann dir nicht helfen, aber ich kann für dich da sein," ich war ein hoffnungsloser Romantiker, aber ich sollte gleich eines besseren belehrt werden.

Emily stieß mich von sich weg,"na und!" Ihre Ohrfeige traf mich mitten im Gesicht und mir brannte die Backe auf der sofort ein roter Handabdruck erschien," das bringt mir nichts."

Was soll ich denn machen, untätig stand ich da und hielt mir die Backe. Ich starrte sie mit entsetztem Blick an. Noch nie hatte mir eine Frau eine Ohrfeige gegeben.

„Es tut mir leid," sie heulte richtig und lehnte sich wieder an mir an," ich,... ich weiß nicht was ich machen soll. Mein Vater schlägt mich andauernd. Obwohl ich gar nichts gemacht habe."

„Oh man," seufzte ich, was sollte ich denn auch anderes sagen und nahm sie wieder in den Arm. Ein wenig erwartete ich wieder eine Ohrfeige. Ich konnte spüren wie sie sich anspannte, aber sie ließ sich dann nur wieder in meine Arme fallen, als ob es ihr letztes aufbegehren gegen mich gewesen wäre. Wir standen bestimmt fast eine halbe Stunde so hinter dem Schulhaus und vergaßen alles um uns herum.

„Du hast schöne Haare," murmelte ich, mehr zu mir als zu ihr, aber sie hörte es.

„Wie?"

„Naja,..." Ich konnte spüren wie mir das Blut ins Gesicht schoss. „Ich meinte nur, deine Haare, sie sind einfach schön."

„Findest du?" Sie sah mich mit einem unwiderstehlichen Lächeln an. Ihre Zähne blitzen wie Elfenbein zwischen ihrem elfenhaften Lächeln hervor."

„Ja." Ich musste schlucken. Schlagartig war mein Hals trocken geworden und ich konnte nicht mehr sprechen. Sie schlug verführerisch die Augen nieder und es war ein um alle mal um mich geschehen.

Im Nachhinein weiß ich nicht mehr ob sie es mit Absicht gemacht hat oder ob es einfach ihre Art war. Ich glaube sie war einfach so. Auch in den folgenden Jahren bekam sie mich so zu allem was ich eigentlich nicht machen wollte.

Langsam, als ob alles auf einmal in Zeitlupe ablaufen würde, beugte sie sich zu mir herauf und gab mir einen Kuss auf die Wange,"danke, Jack Tattoon, so etwas hat noch nie jemand zu mir gesagt. Das finde ich wirklich lieb von dir."

Wie betäubt stand ich da und sah zu wie sie sich davon machte und wieder zurück in unser Klassen zimmer ging, denn der Unterricht würde gleich wieder anfangen.

Mein Gesicht brannte und ich keuchte. So etwas intensives hatte ich noch nie in meinem Leben erlebt. Und das war ein Kuss. Was würde dann erst passieren wenn ich etwas anderes mit einer Frau machen würde?

Als Emily schon lange um die Ecke verschwunden war, mir das Blut aus dem Gesicht gelaufen war und ich wieder normal atmen konnte folgte ich ihr. Im Klassenzimmer war alles wie immer. Wie konnte denn alles wie immer sein wenn ich gerade das schönste Mädchen der Welt geküsst hatte? Als ich zu meinem Platz ging, starrte ich sie an. Keine Reaktion. Ungerührt von meinem Blick sah sie ungerührt zur Tafel, an der der Lehrer schrieb, was wir würden machen müssen.

Ich musste mich damit abfinden, für sie war es nicht so viel gewesen wie für mich. Der Lehrer an der Tafel schrieb ungerührt weiter. Mir kam es vor, als ob der Kuss den sie mir gegeben hatte, und sei es nur auf die Wange, ein Erdbeben hätte auslösen müssen. Ich fühlte mich immer noch wie vom Donner gerührt.

Verstohlen, suchte ich die ganze Unterrichtsstunde, nach einem Zeichen, das es wirklich so war, wie ich es mir eingebildet haben musste, aber es geschah nichts. Höhnisch klingelte die Glocke, am Ende des Tages und entließ uns alle in einem schier endlosen Strom auf die Straße und in die überforderte Stadt.

Im hinausgehen steckte ich mir meinen MP3-Player ins Ohr und hörte Musik. Rock. Schnell und hart. Ich hatte in den letzten Wochen gefallen daran gefunden, als ich im Internet gesurft hatte und zufällig auf ein paar Lieder gestoßen war.

Mein Vater war einmal an meinem Zimmer vorbei gekommen und hatte mich gefragt ob ich eine Jukebox hätte. Nach seinen Worten hätte es ihn nicht gewundert wenn ein paar Rocker aus meinem Zimmer gestürmt kämen um sich über seinen heiß geliebten Schnapssammlung her zu machen. „Klingt nach einer richtigen Rockerhöhle, wie aus den alten Filmen," hatte er gesagt, mir kurz den Kopf getätschelt und war dann wieder in sein Büro gegangen.

Das war das letzte mal, das ich eine „Beziehung" zu meinem Vater hatte. Ich gebe zu, danach hatte er es recht schwer mit mir, genauso wie meine Mutter. Aber jede Pubertät ist hart, daran kann ich leider nichts ändern.

Die Straßen sahen im Herbst schon immer gleich trostlos aus. Ich ging eine hinunter die mich zum Park führen würde. Dort ging ich immer hin wenn ich über etwas nachdenken wollte. Ich liebte den Park, weil es kein richtiger Park war. Nicht mehr. Schon seit Jahren fehlte der Stadt die nötigen Mittel um alles in Stand zu halten und so wucherten an jeder Ecke die Sträucher über die Straßen und es gab bestimmt hunderte kleine Verstecke in die man sich flüchten konnte um nicht gesehen zu werden.

Seit bestimmt 3 oder 4 Jahren, kam ich regelmäßig alleine hier her. Um genauer zu sein bin ich das erste mal hier her gekommen, als ich gemerkt habe das meine Familie unglücklich ist.

Natürlich habe ich mich am Anfang gefragt ob es nicht meine Schuld war. Könnten meine Eltern sich nicht trennen wenn ich nicht da wäre? War ich der einzige Grund der uns unter einem Dach gefangen hielt?

Nach und nach war ich zu der Annahme gekommen, das es nicht so war. Zwar hatte ich oft Schuld, besser ich war oft der Grund warum die beiden stritten, aber es war eigentlich doch nur, weil sie sich nicht einigen konnten wie ich erzogen werden sollte und so entstand eine gefährliche klaffende Lücke in meiner Kindheit. Diese Lücke, es war einfach die fehlende Erziehung. Niemand sagte mir wie ich etwas zu tun hatte oder wie man Gefühle interpretierte.

Das ist der Grund für meine immer noch existierende Gefühlskälte die manche Menschen schockiert.

Als sich meine Eltern das erste mal so sehr anschrien das ich es, in meinem Zimmer hören konnte, lief ich einfach aus dem Haus und lief immer weiter weg. Nach einer oder zwei Stunden kam ich in den Park und irrte durch die Dämmerung. Als Kind empfand ich es als beängstigend, die herauf ziehende Dunkelheit und die Einsamkeit. Ich ging einen schmalen Weg hinunter, überhangen von unendlichen vielen Ästen, so dass es mir vorkam als ob ich durch einen Tunnel laufen würde. Der Wind rauschte in den vielen Blättern und es erschien mir wie das Wispern vieler Stimmen.

Plötzlich krachte und knackte es im Unterholz und ich sprintete in blinder Panik davon, nicht mehr darauf achtend wohin ich lief. Zweige und Blätter rissen an meiner Kleidung, meinen Haaren und meinem Gesicht, aber schließlich kam ich frei. Ich fiel hin und rappelte mich wieder auf. Vor mir war eine kleine Lichtung, nicht größer als unser Wohnzimmer und auf einer Seite konnte man zum Fluss hinunter. Die Sonne war gerade untergegangen und das goldene Licht schien noch auf die Wiese. Nach all der Angst, fühlte ich mich hier sicher.

Stundenlang saß ich an dem Fluss der durch unsere Stadt floss und starrte ins Wasser. Die Dämmerung war vorbei gegangen und es war Nacht geworden. Ich verbrachte einige Stunden so. Irgendwie war mir klar gewesen das sie nicht nach mir suchen würden, aber es enttäuschte mich schon ein wenig. Wahrscheinlich hatten sie nicht einmal gemerkt das ich weg war.

Nach Stunden kam ich nach Hause, aber es hatte sich wirklich nichts geändert. Es war so, als ob sich eine bleierne Schwere über unser Haus gelegt hätte. Man konnte es spüren wenn man es betrat, alles an diesem Haus strahlte Trostlosigkeit und Einsamkeit aus.

So verbrachte ich also meine Jugend, in Einsamkeit, Trostlosigkeit und mit Eltern die sich nicht mal um sich selbst kümmern konnten.

Als ich an diesem Tag in den Park ging, ließ mich der Anblick, das Gefühl, wie mich Emily geküsst hatte nicht mehr los. Was sollte das bloß? Sie hatte sich wirklich nichts mehr anmerken lassen.

Der städtische Park - so hieß er immer noch, obwohl niemand in der Stadt sich mehr darum kümmerte, lag wie verwaist da. Ich wusste zwar, das ich nicht allein war, aber ich machte mir keine Gedanken darüber. Hier lungerten immer Jugendliche aus der ganzen Stadt herum. Im Sommer wurde hier meistens gegrillt - und sich dann auch betrunken. Bis heute hatte mich das nie interessiert.

Ich schlenderte über die zugewucherten Wege, hin zu meiner Lichtung und bemerkte nicht das ich nicht allein war. Hinter mir, immer im Schatten der Bäume, huschte ein Schatten. Als ich zu der Wand aus Blättern kam, die mich von meinem Versteck trennte, sah ich mich noch einmal um. Ich wollte nie das noch jemand anders mein Geheimnis kannte.

Als ich auf die Lichtung trat, schmiss ich meinen Rucksack auf den Boden und ging direkt zum Wasser.

Das Wasser ist mein liebstes Element. Nicht nur weil es so selten ist heutzutage tage. Es ist stetig. Ich denke, jedes mal wenn ich in einen Fluss oder Teich schau, hoffe ich die Stetigkeit zu entdecken, die meinem Leben fehlte.

Ich saß auf der leichten Uferböschung und blickte über den breiten Fluss. Das regelmäßig dahinfließende Wasser, das säuselnd und glucksend an mir vorbeilief, beruhigte mich. Ich ließ die Gedanken schweifen, und kam doch nur wieder bei Emily an. Bei Ihren Haaren. Bei dem Duft, nach Rosen, ihrer hübschen Haaren. Dem Gefühl ihrer weichen Lippen, als sie mich auf meine Wange geküsst hatte. Und der Frustration die sich in meinem Bauch breit machte als ich daran dachte das sie sich wirklich nichts mehr anmerken ließ. Mit klickendem Feuerzeug zündete ich mir eine Zigarette an. Der blaue Dunst, der aufstieg als ich ihn ausatmete und dann von der leichten Brise verweht wurde, beruhigte mich tatsächlich etwas.

Wenn sie meint, sie kann so mit mir umspringen, so wie sie will, dann hat sie sich aber geschnitten. Wütend, warf ich einen Stein ins Wasser. Aber plötzlich flog noch ein zweiter hinter her.

Erschrocken drehte ich mich um, nur um dort, wenige Meter hinter mir, Emily zu sehen, die über mich hinweg auf was Wasser hinaus starrte. Im ersten Moment konnte ich mich nicht zwischen sprachlos und sauer entscheiden.

„Denkst du, ich habe nicht bemerkt wie du mich heute angestarrt hast?"

Sie war knallhart. Sofort konfrontierte sie ihn mit den wichtigen Fakten. Langsam erhob ich mich und machte endlich den Mund zu.

„Was machst du hier?"

„Ich, ich wollte mit dir reden," sie schaute zu Boden," bitte, denk nicht das du mir, bitte denk nicht das es mir egal war."

„Hab ich aber, du hast nicht einmal zu mir gesehen, ich hab gedacht, dir wäre das alles egal." Ich war ein geschnappt.

„Bitte, ich weiß bloß nicht, ich weiß nicht wie man das alles,... ich habe keine Erfahrung mit einem Freund oder so, du weißt schon,..." Ihre Stimme zitterte ein wenig und man konnte genau hören wie sehr sie dieses Thema schmerzte. Sofort hatte ich ihr alles verziehen.

„Ist es wegen deiner Familie?"

Auf einmal sackten Ihre Schultern ab und sie ließ sich hängen. Es war als ob eine große Last von ihr abfallen würde, man konnte fast das vibrieren des Bodens beim Aufprall spüren. Ihre Blick rutschte ein wenig in die Ferne. Fahrig spielte sie mit Ihren Händen herum.

„Willst du drüber reden?" Das war wirklich die originellste Frage die mir einfiel. Ich merkte genau dass das was sie erzählen wollte, tief in ihrem Inneren beschäftigte, aber ich wollte nicht das sie wieder dicht machte. Behutsam legte ich ihr meinen Arm um die Schultern und führte sie zum Ufer. Zusammen setzten wir uns auf die Böschung und ich hielt sie im Arm, darauf wartend das sie etwas zu mir sagte.

„Mein Vater ist brutal, das habe ich dir ja schon gesagt," sie seufzte," er trinkt viel und dann, manchmal wenn er trinkt, rastet er einfach aus. Er schlägt mich dann und früher hat er auch eine Mutter geschlagen." Eine lange Pause trat ein. „Eines Tages, er hatte wirklich viel getrunken, kam ich von der Schule nach Hause. Er lag auf der Couch, meine Mutter war in der Küche. Als ich die Tür öffnete, ich war ein wenig zu spät dran, sprang er auf und lief durch den Flur auf mich zu." Es fiel ihr sichtlich schwer da zu erzählen. „Ich stand wie erstarrt da, als er auf mich zu stürmte. Ich konnte ganz genau sehen wie wütend er war. Sein Gesicht war tief rot und er atmete schwer. Im letzten Moment bevor er mich erreichte, kam meine Mutter aus der Küche. Sie hatte ein Messer in der Hand. Sie wollte mich beschützen verstehst du? Nur beschützen." Emily fing an zu schluchzen. „Sie hat meinen Vater schwer verletzt. Hier oben an der Schulter." Tränen flossen Ihre Wange herunter. Es war ein unsäglicher Schmerz ihr dabei zu zu sehen. Ich zog sie zu mir heran und tröstete sie. Am Ende waren ihre Augen so rot wie die Untergehende Abendsonne. Und aus diesem Rot leuchtete mir Ihre tief grünen Augen entgegen.

„Man hat sie zum Tode verurteilt," sie versuchte die letzten Tränen zurück zu kämpfen," so jemandem wie uns gibt man doch keine Chance." Sie starrte auf die Stelle wo die kleinen Wellen des Flusses den Sand immer wieder vor und zurück schoben.

„Was meinst du damit?" fragte ich sie, ich verstand nicht.

Man muss dazu sagen das unsere Stadt, sie ist nicht normal. Wir sind die letzte Stadt, und davon sind wir auch nur in einem kleinen Teil eingesperrt. Unser Stadtteil, wenn man es denn so nennen will, unterteilt sich auch wieder in verschiedene Lager. Es gibt einen Vorort, mit vielen kleinen Einfamilien Häusern, Gärten und so weiter. Dort wohnte ich. Dort wohnten die Menschen die wenigstens nicht Arm waren. Hinter dem Vorort kam ein City mit einem riesigen Platz um den herum viele Hochhäuser standen, in denen die Reichen lebten. Dann gab es noch den Park, das Arbeiterviertel, in dem anscheinend Emily lebte, denn dort lebten die, die zwar arbeiteten aber nichts von der Gesellschaft zu erwarten hatten. Und dann gab es noch das Ghetto. Es drückte sich an den äußersten Rand der Stadt und wurde von wirklich jedem gemieden.

„Ich bin eine von den Arbeitern," sie sah mich an und ich konnte sehen das sie Angst hatte," willst du jetzt nichts mehr mit mir zu tun haben?"

Sie hatte Angst weil niemand aus meiner Schicht freiwillig etwas mit einem aus diesem Viertel zu tun haben wollte. Aber es machte mir nichts aus. Ich liebte sie. Sie war wundervoll, also was interessierte es mich wo sie herkam?

"Ich mag dich seit dem ich dich das erste mal gesehen habe und ich höre jetzt nicht auf damit," war alles was ich zu ihr sagte.

"Das ist schön," sie ließ ihren Kopf auf meine Schulter sinken und so saßen wir da und genossen die Zeit die wir zusammen hatten.

"Das schlimmste," fing sie an," ist, das mein Vater, er hat meine Mutter nie geliebt, glaube ich. Seit die Polizei sie abgeführt hat,... er hat nie wieder über sie geredet, nie gut jedenfalls. Manchmal schimpft er auf sie, aber das ist doch alles bloß passiert weil sie mich beschützen wollte. Das tut mir so leid, wenn ich nicht wäre, dann würde meine Mutter jetzt noch leben,..." Tränen rannen ihr über das Gesicht, aber ich konnte sie verstehen, es muss eine unheimlich schwierige Situation für sie sein.

Den ganzen Nachmittag redeten wir über unsere Familien und Probleme und kamen uns dabei immer näher. Die ganze Zeit umschlang ich sie entweder mit meinen Armen oder wir hielten Händchen. Es war der schönste Nachmittag den ich jemals in meinem Leben hatte, noch nie in meinem kurzen Leben hatte ich mich jemandem so sehr geöffnet.

Spät am Nachmittag, die Sonne war schon halb am Horizont versunken und tauchte die Silhouette der Stadt in dunkles Violett, machten wir uns auf den Weg. Natürlich wollte ich ganz Gentleman sein und Emily nach Hause bringen, aber sie wehrte sich vehement," wenn uns irgendjemand sieht, ich bekomme Ärger zu Hause, verstehst du? Es würde mich wahnsinnig freuen wenn du mich nach Hause bringen könntest und ich wünschte dieser Nachmittag würde niemals enden, aber ich werde nur wieder geschlagen, bitte versteh das."

Wir gingen an diesem Abend beide getrennt nach Hause, ich wollte nicht das sie wegen mir Probleme bekommt. Meine Mutter döste nur wieder auf der Couch den Schlaf der Resignierten, keine Ahnung wo mein Vater war. Ich ging einfach an ihr vorbei in mein Zimmer und schlug die Tür zu, es interessierte ja sowie so niemanden was ich heute erlebt hatte. Das war mein Leben, aber es hatte gerade eine schöne Würzung bekommen.

2 - Freunde sind der Anfang vom Ende

Es war über ein Jahr vergangen, mittlerweile war ich 15 und Emily würde es in ein paar Wochen auch werden. Meistens trafen wir uns nach der Schule an unserem schönen Platz und verbrachten Zeit miteinander. Im Winter hatten wir Decken dabei und ich machte ein kleines Lagerfeuer an, damit wir uns wärmen konnten. Mit der Zeit waren wir uns immer näher gekommen. Oft kam sie mit neuen blauen Flecken zu mir und weinte. Ihr ganzes Leben, so schien es mir, war eine Aneinanderreihung von Schmerz und Enttäuschung. Jeden Nachmittag versuchte ich ihr so schön wie möglich zu machen, damit sie den Schmerz den sie erlebte vergessen konnte.

Mittlerweile saßen wir näher bei einander in der Klasse. Fast nebeneinander. Uns gefiel der Gedanke das niemand in der Schule wusste das wir ein Paar waren. Im Unterricht warfen wir uns verstohlene Blicke zu und in den Pausen beobachteten wir uns aus den entlegenen Ecken der Aula.

Mit jedem Tag wurde sie noch schöner. Natürlich kam der Tag an dem ein Junge in der Schule sie ansprach. Manche waren wirklich charmant, manche grob und ungehobelt. Aber sie ließ jeden fahren und warf mir danach einen lüsternen Blick zu, ich will nur dich, sagte er.

Aber wir fanden auch Freunde, nicht nur an der Schule. Pete war in der neunten und hing mit uns rum weil niemand sonst sich mit ihm abgeben mochte. Er war ein wirklich netter Kerl, der aber dazu neigte sich manchmal ziemlich daneben zu benehmen.

Eddie war nicht mit uns auf der Schule, er war auch schon 17 und hatte sie hinter sich. Anscheinend konnte oder wollte er aber keine Arbeit finden und er wartete immer schon wenn wir Nachmittags frei hatten auf uns.

Der letzte war der dicke Bill. Wir nannten ihn immer dicker Bill weil er, naja er war eben dicker als wir, nicht viel, er war nicht fett, aber schlank eben auch nicht.

Zusammen waren wir eine richtige Clique und wir unternahmen immer mehr zusammen. Heute trafen wir uns wieder im Park. Natürlich nicht an unserem geheimen Platz, den hielten wir immer noch streng geheim, damit wir etwas für uns hatten, aber wir hingen immer öfter im Park herum.

Es war immer nur ein kindisches herum Gelabere, aber ich merkte wie die Zeiten ernster wurden. Am Anfang rauchten wir hin und wieder eine Zigarette zusammen, aber schon bald rauchte unsere Gruppe richtig, erwachsen. Es hieß nicht mehr, Boa, ich zünd mir mal eine an, wie etwas auf das man übertrieben stolz sein kann, weil es einen erwachsen macht, nein, wir rauchten einfach.

Wir spielten auch nicht mehr einfach Fußball nachmittags, wir saßen da und jeder der an uns vorbei ging wurde von uns angepöbelt. Wir hatten uns eine Parkbank gesucht und verteidigten diese hartnäckig gegen jeden der an uns vorbei gehen wollte.

Ja, in dieser Zeit war ich wirklich ein Prolet mit nichts anderem als Scheiße im Kopf.

Es war ein warmer Nachmittag im Frühsommer. Pete, Eddie, Emily und ich hatten uns im Park, auf unserer Bank, wo denn auch sonst, getroffen.

„Wie geht's Leute?" fragte uns Eddie als er gerade an kam. Gemütlich fläzte er sich zwischen uns auf die Bretter und schaute in die Gegend.

„Passt schon und dir?"

Wir waren gute Freunde mittlerweile, aber so wirklich viel über uns, also mich und Emily wussten sie nicht, für die anderen waren wir ganz normal. Vor allem waren wir für sie kein Paar.

„Was machen wir denn heute," wollte Pete gelangweilt wissen. Es war ja auch ein echt langweiliger Tag. Heute kam hier niemand vorbei, zumindest noch niemand den wir anpöbeln konnten und sonst bot sich auch nichts spannendes.

„Hey Leute," schrie der dicke Bill der gerade um die Ecke kam," ich hab da was für uns ergattert!" Stolz zog er unter seiner Jacke eine Flasche Schnaps heraus. Es war irgendein billiger Fusel, aber für uns etwas vollkommen Neues. Noch nie hatte einer von uns so etwas getrunken. Es war auch schwer genug an so etwas zu kommen. Alkohol war eine Mangelware bei uns, und wenn er dann mal im Markt stand, dann verkaufte man ihn bestimmt nicht ein paar dummen Jugendlichen.

„Woah, schmeckt das krass," sagte Bill prustend nachdem er einen tiefen Schluck genommen hatte.

„Lass mich auch mal." Die Flasche ging um bis sie leer und wir mehr oder minder gut angetrunken waren. Dieses Gefühl, ich glaube jeder kennt es, der erste Alkohol den man trinkt in seinem Leben ist prägend. Ich, zum Beispiel, mir wurde speiübel, während Emily sich köstlich zu amüsieren schien.

Die Welt um mich herum tanzte ein wenig, sie schwummerte leicht hin und her, und nach einer Weile fühlte ich mich auch noch schwindelig. Mein Magen drehte sich von oben nach unten und ich rannt hinter einen der Büsche um zu kotzen.

Ich kniete auf dem von Laub übersäten Boden und hielt mir meinen Magen. Von drüben konnte ich laute Stimmen hören, aber sie erkundigten sich nicht nach mir. Irgend jemand rief etwas, das klang wie:" Lasst,..." aber er wurde in seinen Worten abgeschnitten, der dicke Bill schrie," na, was haben wir denn da, willst du vorbei?" Es war die typisch gehässige Art die Bill in seiner Stimme hatte wenn er jemanden traf der Schwächer war als er. Manchmal verachtete ich ihn dafür.

Wankend kam ich wieder aus dem Busch hervor und sah wie sich die Jungs um einen jungen Mann drängten. Er hatte ein zerfledderte alte Jacke an und in den Hosen waren einige Löcher. Er hatte dunkle, fast schwarze Haare und ein mageres Gesicht. Sein Blick hatte etwas leeres und, ich konnte nicht so wirklich einordnen wohin er sah, es schien fast als ob er durch alle hindurch sah, zu einem Ort, der weit weit entfernt schien. Eddie stieß ihn an der Schulter und er wankte ein wenig hin und her. Ich fragte mich ob er wohl etwas getrunken hatte, denn er schlingerte so unruhig hin und her, schlimmer noch als unsere Gruppe.

Emily stand weiter hinten und sah zu, wie sie den Mann immer heftiger hin und her stießen. Es einfach ertragend stand er da, etwas Rat und rastloses in seinen Augen. Wir sahen schweigend zu wie sie ihn immer weiter untereinander hin und her stießen.

„Was ist denn das?" Schrie der dicke Bill," was bist du denn für ein Schlappschwanz? Kannst du dich nicht wehren?" Das sah ihm typisch, immer auf der Suche nach Streit und Ärger. Was man zu Hause nicht bekam, das holte man sich dann eben auf der Straße.

„Lasst .. mich ..." kam es mühevoll aus dem hageren heraus gebrochen.

„Was, mehr kommt da nicht?" Augenscheinlich hatte sich der Dicke zum temporären Anführer unserer Gruppe auf geschwungen. Sein wildes Haar, zerzaust und ungeordnet, sprach Bände. Man konnte ihm ansehen das er das meiste aus der Flasche genommen hatte. Der Alkohol machte ihn aggressiv und nun packte er sein Opfer am Kragen und zerrte ihn zu seinem Gesicht. Ich konnte förmlich spüren wie es sich anfühlen musste seinen Alkohol geschwängerten Atem auf der Haut und in der Nase zu haben. Vergeblich versuchte er dieser Fahne aus zu weichen, aber anscheinend kam er wieder etwas zu Bewusstsein," was wollt ihr denn?"

„Was hast du uns denn an zu bieten?" Gellte Bills schiefe Stimme ihn an.

„Ja, was hast du denn uns so anzubieten?" grölten die anderen beiden im Chor und versetzten ihm ein paar Stöße in die Rippen.

„Ich,.." hektisch suchte er in seinen Taschen nach etwas, vielleicht nach seinem Geldbeutel. Mir grauste es, das waren Ausmaße, von denen ich nie gedacht hätte das unsere Nachmittage sie annehmen würden. Was auch immer er gesucht hatte, er hatte es gefunden, es war eine kleine Plastiktüte, nein eher ein kleiner Daumennagel großer Batzen, der in Frischhaltefolie eingewickelt war.

„Na, was haben wir denn da?" Anerkennend zog Bill die Augenbrauen hoch. Anscheinend erkannte er, was er da vor sich hatte. Rüde stieß er den armen in die Arme von Eddie der ihn noch ein wenig piesakte und riss ihm die Folie aus der Hand,"lass ihn gehen," sagte er zu Eddie und widmete dem was er bekommen hatte seine ganze Aufmerksamkeit.

Der total Verwirrte flüchtete schnell um die nächste Ecke und wir sahen ihn nie wieder. Neugierig drängten wir uns nun alle um Bill.

„Was ist das?" Pete war der erste der fragte, keiner von uns hatte dieses bräunliche Zeug, dass da eingepackt war schon einmal gesehen.

„Das meine Herren," und mit einem koketten Seitenblick auf Emily," und Damen, ist Marihuana. Ihr wisst schon das Zeug das man raucht und das einem süße Träume schenkt."

„Was? Drogen?" Ich sog erschrocken die Luft ein. Das alles hier lief ein wenig aus dem Ruder, dachte ich. Alkohol, Rauchen und Leute anpöbeln, schön und gut, das tut im normal Fall keinem Weh. Aber Drogen? Damit war nicht zu spaßen. Schon oft hatte ich in der Schule Horrorgeschichten gehört über Menschen die auf Trips hängen geblieben sind oder die alles verloren haben wegen ihrer Sucht, die nun auf der Straße hausen mussten.

„Was stellst du doch denn so an, Jackie?" Bill wollte mich vor führen. Er genoss es gerade sichtlich das alle auf ihn hörten,2 ist doch bloß ein bisschen Gras, nichts tragisches, los, hat mal wer eine Kippe für mich?"

Er nahm die Zigarette und setzte sich auf die Bank. Sorgfältig dröselte er sie komplett aus und ließ den ganzen Tabak in seine offene Hand fallen. Als er fertig war nahm er ein bisschen was von dem Gras und mischte es mit dem krümeligen Tabak und stopfte alles wieder zurück in die leere Hülse. Stolz auf sein Werk hielt er es in die Höhe," sehr verehrtes Publikum, dies hier," er beschrieb einen Kreis in der Luft," ist eine Marihuana Zigarette. Darf ich um Feuer bitten?"

Allen ernstes gab ich ihm ein Feuerzeug, sah zu wie er sie anzündete und den Rauch inhalierte. Er hielt die Luft an und wir starrten ihn alle gebannt an als ob er gleich in die Luft fliegen könnte. Nach einer schier unendlichen Zeit blies er den beißenden Rauch in die Luft," oh ja das ist gut."

Anscheinend zeigte es schon Wirkung bei ihm, denn seine Lieder schlossen sich halb und er sah aus als ob er gleich einschlafen würde.

„Was macht es, wie fühlst du dich,2 Emily trat ganz nah zu ihm hin. Das gefiel mir nicht, er warf ihr so wie so schon immer so widerliche Blicke nach das ich es fast nicht ertragen konnte.

Nun zog er sie mit der Hand ganz nah zu sich heran und sagte mit einer rauchigen Stimme, nein, wäre es nicht Bill gewesen hätte ich fast schon Astral angehauchten Stimme, zu ihr:" Naja, ich bin noch nicht ganz drauf, aber ich fühle mich leicht und Probleme habe ich auch nicht,..." Er bot ihr den Joint an.

Ich beobachtete sie, hatte ich doch Angst das sie es auch versuchen würde, was mir gar nicht recht wäre. Ich wollte nicht das alles so aus dem Ruder läuft. Halt, schrie es in meinem Kopf, das geht mir alles zu schnell.

Ungläubig sah ich zu wie sie ihn nahm, zwischen ihre wunderschönen Lippen steckte die ich nun schon sooft geküsst hatte und daran zog.

Als sie fertig war, als sie die Luft angehalten und ausgeatmete hatte, kam sie zu mir," komm Jack, du musst das auch probieren," sie versuchte mich mit ihrem Wimpern Aufschlag zu verführen. Und verdammt nochmal es klappte. Aber ich entdeckte noch etwas anderes in ihren Augen als sie mich ansah, es war das gleiche, was ich schon bei dem jungen Mann gesehen hatte. Dieses in das Unbestimmte Starren war nun auch in ihren Augen zu finden. Sie hatte mich überzeugt, aber irgendwie dachte ich, es wäre nicht ganz meine Freundin, das war nicht wirklich Emily. Das war ein transparentes Abziehbildchen von Emily.

Nervös und zitternd nahm ich den glimmenden Stängel von ihr entgegen. Ihr Lippenstift hing noch am Filter und ich mochte nicht an Bill denken, der ihn gerade auch schon im Mund gehabt hatte.

Ich musste mich beherrschen als ich den starken Rauch mit der ungewohnten Gewürznote einatmete. Es kratzte und der Rauch schmeckte nicht sonderlich gut, es erinnerte mich eher an das Fell eines nassen Hundes.

„Nicht ausatmen," beschwor mich Emily und ich gab mir allergrößte Mühe das auch nicht zu tun. Sofort spürte ich ein kribbeln in den Fingerspitzen und meine Lunge, die so verkrampft versuchte nicht aus zu atmen, wurde weich und entspannt. Langsam ließ ich die Rauchwolke entweichen und gab Emily die Spezialzigarette zurück.

Bill drückte sich an Emily vorbei,"na, wie ist das? Ist doch geil oder? Ich weiß gar nicht warum du dich anstellst wie ein Mädchen, sogar Emily ist taffer als du,..." Wenn es jemanden gab den ich auf dieser Welt nicht mochte dann war es Bill, dieser aufgeblasene Luftballon voller heißer Luft.

Zu dem Kribbeln in meiner Hand mischte sich noch etwas anderes. Auf meiner Zunge schmeckte es nach Verbitterung und ich hatte nicht das Gefühl das sich meine Probleme in Luft auflösen würden. Im Gegenteil. Vor meinem geistigen Auge, der Blick wurde von Schlieren getrübt, sah ich im Zeitraffer meinen Heimweg. Die Haustür schlug auf und ich rannte ins Wohnzimmer. Meine Mutter döste nicht auf der Couch. Mein Vater war zu Hause und die beiden stritten wieder. Die kühle Brise auf meiner Haut sagte mir, das ich noch im Park war. Aber die Bilder waren eindeutig von zu Hause, in diesem Moment.

Ich stand in einer Ecke des Wohnzimmers und sah zu wie der Mund meines Vaters immer weiter wurde und er immer laute rund lauter schrie. Mit jedem Schrie wurde der Farbton seines Kopfes dunkler. Auf dem Küchentisch stand eine angebrochene Flasche seines teuren Whiskeys und das Glas daneben war umgekippt. Die bernsteinfarbene Flüssigkeit tropfte auf den Boden.

Meine Mutter saß auf dem Sessel und hatte ihr Gesicht in den Händen begraben. Die Tränen sickerten unter ihren Händen hervor, geschüttelt von Heulkrämpfen, saß sie schutzlos da, ihm ausgeliefert.

„Wieso sagst du es mir nicht," schrie mein Vater," wieso sagst du mir nicht wo du gestern warst?" Er trat gegen den Sessel auf dem sie saß und sie wurde auf den Boden geworfen. Angsterfüllt sah sie zu ihm auf.

„Warum?" Seine Stimme wurde schrill und heißer. Kleine Spucketröpfchen flogen durch die Luft. Seine Hand erhob sich drohend neben ihrem Gesicht.

„Sag es mir jetzt? Wer war das Arschloch mit dem du gestern Nacht gefickt hast?"

Keine Antwort von meiner Mutter.

Seine Hand die durch Luft schnitt.

Das klatschende Geräusch, das sie machte als er sie im Gesicht traf.

Meine Mutter, wie sie, vollkommen wehrlos, von den Gewalten die auf sie einprasselten, hin und her geworfen wurde. Sie versuchte weg zu kriechen, schaffte es aber nicht ehe er sie zu sich her zog und ihr noch einmal ins Gesicht schlug. Ich konnte erkennen, wie sich eine breite Spur von rotem Blut, einen Weg aus der Nase suchte und auf den Boden tropfte.

Ohne ein Wort zu sagen sprang ich auf und lief los. Gedämpft und weit weg konnte ich die Stimmen meiner Freunde hören, die wissen wollten wo ich hin lief. Wenn ich normal ging brauchte ich etwa 20 Minuten von zu Hause bis in den Park.

Nach fünf Minuten stand ich im Wohnzimmer und sah mich um. Keine Flasche auf dem Tisch. Keine Schnaps lache am Boden. Kein umgeworfener Sessel. Nichts. Nur meine Mutter, Marianne, die auf dem Sofa, benebelt von etlichen Tabletten schlief. Vorsichtig ging ich zu ihr und begutachtete ihr Gesicht.

Als ich ihr gegenüberstand, öffnete sie leicht die Augen," Jack, schön das du da bist. Willst du etwas essen?"

Ich wollte kotzen, dieses benebelte, dieses, ich fand kein Wort dafür. Ich hatte es heute zu oft gesehen, Drogen verseuchte Blicke, dumm und tumb sahen sie aus, ich konnte es mir nicht mehr mit an sehen.

Wütend stapfte ich aus dem Wohnzimmer und machte mich auf den Weg zurück in den Park. Das Kribbeln in den Fingern war immer noch da und es fühlte sich ein bisschen an als ob meine Beine eingeschlafen wären. Ich machte meine Musik an, ich ertrug die Gedanken die mir gerade, nach dem was ich gesehen hatte du den Kopf rasten einfach nicht.

Laute, aggressive Musik dröhnte durch meine Ohren und beruhigte mich etwas. Ich ging langsam, ich musste mich beruhigen, nach allem was geschehen war, wollte ich einfach,... ich weiß nicht was ich wollte. Nach einer schier endlosen Zeit kam ich wieder im Park an und suchte meine Freunde.

Ich konnte nicht fassen was ich zu sehen bekam als ich gerade um die Ecke biegen wollte wo ich los gerannt war. Aus dem Busch hinter der Biegung um die ich gerannt war, kam gerade Emily. Sie hatte mich noch nicht gesehen. Anscheinend war sie pinkeln gewesen, denn sie machte sich gerade ihre Hose zu. Aber wieso hatte sie Grasflecken und Erde an den Knien?

Bill folgte ihr direkt aus dem Gebüsch und auch er musste erst noch seine Hose zu machen. Er drückte ihr einen Kuss auf die Wange und machte sich auf den Weg und erstarrte dann als er mich sah.

„Da ist die kleine Heulsuse ja wieder, na was ist, willst du noch einen Zug, vielleicht lässt Emily dich dann auch noch ran, sie wird schrecklich, naja du weißt schon was ich sagen will, wenn sie etwas geraucht hat. Stimmt's nicht Schätzchen?" Er drehte sich zu ihr um und warf ihr einen süffisanten Blick zu.

Emily war sprachlos. Ihr Kinn war heruntergefallen und ihr Mund stand offen. In ihren Augen stand eine Mischung aus Unglauben, Verzweiflung und Scham. Ich wusste das sie jetzt, als sie mich sah, auf einen Schlag wieder nüchtern geworden war. Sie stammelte etwas das ich aus dieser Entfernung nicht mehr verstehen konnte.

„Was habt ihr denn ihr beiden, ihr seht ja aus, als ob ihr einen Geist gesehen hättet," Bill war wirklich nicht die hellste Kerze im Leuchter, er verstand nichts. Nicht einmal als ich auf ihn zu lief mit erhobenen Fäusten. Erst als ich ihm eine mitten auf die Nase verpasste raffte er es und starrte mich ungläubig entsetzt an," du bist in sie verknallt Wieso sagst du denn nichts? Man scheiße, das wusste ich nicht."

Anstatt ihm zu antworten schlug ich ihn nochmal ins Gesicht. Ich konnte gar nicht aufhören damit.

"Man, es tut mir doch leid, was willst du denn noch. Ich hab's doch nicht gewusst. Hör auf damit bitte," flehte er, der mittlerweile in die Knie gegangen war.

Es war als ob ich ein Ventil für meine Jahre lang angestaute Wut gefunden hatte. Schlag um Schlag fielen auf ihn ein.

Von den Schreien alarmiert kamen die anderen um die Ecke und eilten Bill zu Hilfe. Eddie und Pete rissen mich von ihm weg und hielten mich fest. Strauchelnd rappelte Bill sich auf und auch Emily kam endlich zu ihnen herüber.

„Du bist gar nicht so eine Pussy, wie ich die ganze zeit gedacht habe." Mit der Hand wischte er sich das Blut das aus seiner Nase und vom Mundwinkel herab liefen weg. Dann holte er aus und platzierte seine Faust mitten in meinem Gesicht. Erst blitze es vor meinen Augen und dann spürte ich den bohrenden Schmerz, der mir durch das ganze Gesicht fuhr.

Es folgten noch ein paar Schläge gegen die ich mich nicht wehren konnte, meine Arme wurden immer noch von Pete und Eddie nach hinten gerissen. Irgendwann hing ich nur noch in den Seilen, wie ein Boxer der gerade einen riesigen Kampf verloren hatte.

„ich hoffe das ist dir eine,.." aber Bill wurde unterbrochen. Er hatte gerade noch einmal zu einem finalen Schlag ausgeholt, als ich eine laute Stimme von hinten hörte.

„Was macht ihr scheiß Zecken denn da?" Bill fuhr erschrocken hoch und seine Augen weiteten sich. Auch Eddie und Pete ließen mich fallen und drehten sich um, nur um sofort die Beine in die Hand zu nehmen und weg zu laufen. Bill folgte ihnen sofort. Nur Emily kam zu mir und kniete sich neben mich hin," geht es dir gut? Jack, es tut mir,..."

Mit meiner letzten Kraft schrie ich sie an," verschwinde du Schlampe,..." Das Blut lief mir das ganze Gesicht herunter und ich spuckte etwas davon auch in Gras. Einer meiner Zähne fühlte sich locker an.

Emily blickte sich gar nicht lange um, sondern lief einfach hinter den anderen her. Meine so genannten freunde ließen mich einfach so auf dem Boden zurück nach dem sie mich so übel zugerichtet haben. Naja, immerhin habe ich angefangen.

Unendlich viele Grashalme schoben sich von links in mein Blickfeld als ich auf den Boden fiel und kraftlos liegen blieb. Kurz darauf konnte ich Stiefel, schwarze Lederstiefel, vor mir sehen," na was haben wir denn da?"

Zwei starke Arme hoben mich hoch, obwohl ich immer noch nicht die Kraft hatte, mich selbst auf den Beinen zu halten. Vor mir stand jemand, nur wenig älter als ich. Seine Haare waren kurz geschoren und er trug eine Eisenstange mit sich herum.

„Du siehst nicht aus wie ein typischer Junkie," stellte mein Gegenüber treffend fest," was haben die denn mit dir gemacht?"

„Der eine hat mit meiner Freundin gefickt, da hab ich ihm eine mitgegeben."

„Mutig, immer hin waren das drei."

„Na und, ich habe auch gedacht meine Freundin wäre mir treu!"

„Meinst du das Mädchen das da war? War das Emily Jones?"

„Ja, woher weißt du das?"

„Ich komme aus dem gleichen Viertel, sie ist bei uns bekannt wie ein bunter Hund,.. hast du denn gedacht sie wäre dir wirklich treu?"

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich es geglaubt. Aber das erklärte natürlich warum sie nie wollte das ich sie nach hause brachte..

„Oh scheiße, das macht echt fertig," ich sackte noch einmal zusammen und spürte wie etwas in mir zerbrach.

Mein Gegenüber zog mich auf meine Füße hoch und legte mir die Arme auf die Schulter. Er roch etwas nach Schweiß und Metall, als ob er gerade von der Arbeit gekommen wäre," willst du was trinken? Wir laden dich ein."

Anstatt meine Antwort abzuwarten, schleppte er mich einfach mit sich und seine Gruppe folgte ihm.

„Mach dir keinen Kopf, so was passiert jedem mal," das waren, auch wenn man es nicht glaubte, wirklich tröstende Worte in diesem Moment.

Schweigend gingen wir durch die gesamte Stadt, bis wir im Arbeiterviertel ankamen. Es war genau so wie ich es mir vorgestellt hatte. Plattenbauten, Reihe in reihe, zwischen Teerstraßen und staubig braunen winzigen Rasenflächen.

Zwischen diesen, man konnte es gar nicht anders nennen, Straßenschluchten, gingen wir nun nebeneinander einher. Nach ein paar Minuten kamen sie zu einem der Plattenbauten, der sich von den anderen Unterschied. Normalerweise waren etwa alle 20 Meter Eingänge die etwa einen Meter nach oben versetzt waren. Aber bei diesem speziellen Haus, war ein Eingang eingelassen, der nach unten führte, es war ein Kellereingang direkt zur Straße.

Obwohl es gerade einmal etwa fünf Uhr nachmittags war, dröhnte laute Musik auf die Straße heraus. Meine Stimmung hob sich. Diese Sorte von Musik gefiel ihm. Laut, schnell und aggressiv, so wie er sie sich immer anhörte.

„Na, gefällt es dir? Komm erst mal mit rein." Sprach der hochgewachsene mit dem kahl rasierten Schädel und der Eisenstange. Langsam folgte ich ihm die Treppe herunter. Eigentlich müsste ich Angst haben, wer weiß schon was das hier für Gestalten sind und was sie mit mir vorhaben? Aber, wieso hätten sie mich dann erst mal vor Bill beschützen sollen und dann den ganzen Weg hier her führen?

Die Tür nach drinnen war mit einem dicken Stoff verhangen. Anscheinend wollten sie nicht das jemand von draußen sah was sie da drinnen machten. Jetzt wurde mir schon ein wenig mulmig.

„Keine Angst, die beißen nicht," klopfte er mir noch einmal auf die Schulter und schritt dann vorbei an mir in den Keller. Vor mir öffnete sich ein langer Keller, hell erleuchtet von Glühbirnen. An der linken Seite ging eine Bar die Wand entlang und auf der anderen Seite standen Tische und Stühle. Ein alter Mann stand hinter dem Tresen und schenkte Bier in rauen mengen aus.

Überall konnte ich junge und ältere Männer mit kahl rasierten Schädeln sehen. Dazwischen Frauen. Alle lachten und hatten ihren Spaß, niemand achtete soweit auf mich, nur ein paar interessierte Blicke kamen von der Bar.

„Hallo alle miteinander," begrüßte mein Begleiter sie, so laut das sie es über die Musik hinweg hören konnten.

Zusammen gingen wir zur Bar an einen freien Platz und setzten uns auf einen Platz," zwei Bier, Manny. Danke!"

Er drehte sich zu mir um," also zu aller erst, ich bin Jimmy und du heißt?"

„Ich bin Jack. Jack Tatoon." etwas verlegen in Gesellschaft so vieler Fremder Menschen und etwas nervös, ich wusste ja immer noch nicht was dieser Abend bringen würde," danke, danke das du mir im Park geholfen hast, womit habe ich das denn verdient?"

„Nichts zu danken," er klopfte mir schon wieder auf die Schulter und schob mir eines der erschienen Biere zu,"Prost!" Er nahm einen tiefen Schluck.

„Ich kann diese Drogen nehmenden scheiß Zecken einfach nicht leiden, und du hast nicht danach ausgesehen als ob du wirklich dazu gehören würdest. Naja, zumindest nicht mehr. Oder gehörst du immer noch zu denen?"

„Nein, ab heute nicht mehr."

„Und jetzt kommt eine ganz wichtige Frage," er beugte sich zu mir und sah mir tief in die Augen," was sagst du zu Drogen?"

Angeekelt verzog ich das Gesicht," ich hasse dieses Scheißzeug. Was es aus den Menschen macht ist nicht mehr aus zu halten, ich wünschte es gäbe dieses Zeug nicht!"

Anscheinend hatte ich die richtigen Worte getroffen, denn Jimmy stand auf, mit dem Bierglas in der Hand und drehte sich zu den anderen um.

„Habt ihr das gehört, Drogen sind Scheiße, endlich weg mit dem Dreck!" Seine Worte hallten durch den Keller und andere stimmten ein. Fast alle warfen die Hände in die Luft und jubelten.

Als es wieder ruhiger wurde kam er wieder zu mir," du hast es erfasst, das Problem sind die Drogen. Wie findest du das es in unserer Stadt aus sieht?"

„Naja," ich überlegte. Der Park war natürlich verwildert weil niemand es etwas machte. Die Plattenbauten hier sahen auch so aus als ob sich niemand darum kümmern würde. Der große Platz, er war verfallen. Jetzt, wo Jimmy mich darauf ansprach, natürlich, alles war so zerfallen, weil die ganze Stadt wie in einem Winterschlaf da lag. In einem Drogen Schlaf. Meine Augen wurden groß.

„Na, du hast es kapiert glaube ich. Hier wird nichts gemacht, schon seit Jahren ist nichts mehr passiert. Die Politik schläft und die Menschen dämmern nur durch ihr Leben. So darf das nicht weiter gehen." Aus seiner Stimme sprach eine mühsam unterdrückte Wut. Seine Finger krallten sich so sehr um sein Glas das seine Knöchel weiß hervorstanden.

„Und was wollen wir machen? Ich meine, wir können doch eh nichts ausrichten," seufzte ich.

„Doch das können wir, wir können denen da oben gewaltig in den Arsch treten. Verstehst du? Jeder da oben schwebt mit seinem Kopf in einem Drogennebel, die merken erst das was passiert wenn wir schon bei ihnen im Wohnzimmer stehen."

„Du meinst?" Ich wurde etwas fahl, wünschte sich Jimmy einen Volksaufstand? Einen gewalttätigen Mob der durch die Straßen zog?

„Ja, genau das meine ich, stell dir doch nur einmal vor was wir alles erreichen könnten? Eine Stadt in der alles so läuft wie es sollte. Keine Schichten mehr, keine soziale Verurteilung. Der Staat hilft den Menschen mehr, so wie er es machen sollte. Die Menschen wären alle wirklich gleich berechtigt und vor allem würde es hier endlich einmal wieder schön aussehen. Kannst du dir das vorstellen?"

„Ja, aber du brauchst doch bestimmt einen ganzen Haufen Leute, die lassen dich doch nicht einfach so in die Regierungszentrale, oder meinst du sie werden dir Tür und Tor einfach öffnen?"

„Natürlich nicht, aber wir sind nicht allein. Du bist nicht der erste mit dem ich rede. Alles in allem,... wir sind hunderte."

„Wie lange planst du das schon?"

„Lange, bestimmt schon zwei Jahre. Mein Vater ist gestorben weil sie ihn mit Alkohol abgefüllt haben. Die Mutter meines besten Freundes wurde von einem betrunkenen überfahren und mein Bruder,.. er war im Park und wurde von einem drogensüchtigen abgestochen, wegen ein bisschen Geld. Das darf alles nicht so passieren. Wenn wir an die Macht kommen werden alle Drogen vernichtet und wir werden auch dafür Sorgen das der Alkohol verschwindet. Sollen sich doch die Reichen zu Tode trinken und nicht die Armen die eh schon so wenig haben."

„Und wie stellst du dir das mit der Gleichberechtigung vor?"

„Weißt du warum so viele von uns Armen jeden Abend einen Rausch haben wollen?"

„Weil alles so mies ist hier?"

„Genau, sie sehen keine Chance das es mal aufhört, das sie mal nicht mehr den ganzen Tag schuften gehen müssen um ihre Familie mit dem nötigsten zu versorgen."

„Und wie willst du das ändern?"

„Na, mit mehreren Sachen, es wird eine Rente geben, wenn ein Arbeiter 50 oder sagen wir 55 ist, dann kann er sich zur Ruhe setzen und muss nicht mehr schuften gehen. Wir bauen Schule, je besser man gebildet ist, desto einfach wird es aus einer Schicht heraus zu kommen und in die nächste aufzusteigen. Wir müssen das aufweichen, es darf nicht so sein, das man einfach sein ganzes Leben lang an einem Platz rum gammeln muss, verstehst du, wenn wir den Menschen das ermöglichen wird alles besser. Die ganze Stadt wir ein Paradies für uns, verstehst du? Wir wären alle glücklich!"

„Und du denkst du kannst das durchsetzen?"

„Ja, das kann ich, mit deiner und der Hilfe der anderen. Wir müssen viele sein, dann können wir etwas verändern." Verschwörerisch legte er mir die Hände auf die Schultern und blickte mich an:" Bist du dabei? Willst du die Welt verbessern?"

Gedanken rasten durch meinen Kopf und ich wusste nicht so ganz genau was ich denken sollte. Das klang alles schon sehr einleuchtend was er zu mir sagte. Aber konnte ich bei so etwas wirklich helfen?

„Kann ich darüber nach denken oder muss ich dir jetzt sofort eine Antwort geben?"

„Ich bring dich um, wenn du jetzt nicht ja sagst," laut lachte er," nein, ist in Ordnung, komm trinken wir noch etwas." Er nahm mir mein leeres Glas weg und stellte ein neues volles vor mich hin. Ich fühlte mich wohl hier. Hier schienen alle so nett und anständig zu sein.

Ich verbrachte den Abend mit Jimmy in dieser Kneipe, bis es wirklich spät wurde. So etwa gegen ein Uhr fragte er mich, ob er mich nach Hause begleiten solle, die anderen könnten ja auf mich warten, aber ich lief lieber alleine. Keiner, nicht einmal Emily hatte gewusst wo ich wohnte.

Diese Nacht schienen die Sterne wirklich hell über mir und ich fühlte mich, obwohl meine Nase beim atmen noch etwas weh tat, eigentlich sehr gut. Dich Luft roch frisch heute Nacht. Der Winter war noch nicht ganz vorbei, nachts wurde es manchmal immer noch verdammt kalt. So zum Beispiel heute Nacht. Ich sah meinen Atem vor mir aufsteigen und beschloss mir noch eine Zigarette an zu zünden.

Der Heimweg dauerte länger als ich gedacht hatte, vielleicht lag es aber auch daran das ich mich ein wenig betrunken fühlte. Allerlei Gedanken schossen mir durch den Kopf. Ich wusste, was die Drogen anbelangte, hatte Jimmy wirklich Recht. Aber wenn er wirklich einen Aufstand anzetteln wollte, konnte das wirklich gut gehen? Man konnte doch bestimmt nicht so einfach in den Regierungspalast spazieren, einen Wachmann umhauen und dann sagen, so jetzt regiere ich? Allerdings amüsierte mich diese Vorstellung, einfach in das Büro des Ältesten zu gehen, ihm zu sagen er sollte gehen und dann die Geschäfte übernehmen. Alles was Jimmy sich vorstellte klang wirklich gut, zu gut vielleicht, aber es würde das Leben der Menschen hier bestimmt besser machen.

Nicht wirklich darauf achtend wohin ich ging, kam ich zu dem einen großen Platz über den wir heute schon geredet hatten. Die großen Steinplatten auf dem Boden waren ungerade. Zwischen manchen lugte Unkraut hervor. Und die meisten waren total aus den Fugen geraten. Eine Reihe von Straßenlaternen säumte den Platz. Eigentlich funktionierte nur noch jede vierte oder fünfte. Wären die Sterne und der Mond in dieser Nacht nicht so hell gewesen, hätte man nichts erkennen können.

Große Gebäude, alle mit mindestens fünf Stockwerken, umringten den Platz und in den meisten brannte zumindest in den obersten Etagen noch Licht. Das höchste Gebäude war der Regierungspalast. Früher einmal musste er wirklich schön anzusehen gewesen sein, mit seiner weißen Front und dem majestätischen Balkon in der Höhe des vierten Stockes.

Ich kam von Süden und wollte über die Nordseite weiter nach Hause gehen, aber ich hörte Schreie und blieb lieber im Schatten stehen. Auf der gegenüberliegenden Seite sah ich wie zwei Polizisten auf einen Obdachlosen eintraten und ihn nicht entkommen lassen wollten.

Was konnte ich schon machen, dachte ich und ging auf dem selben Weg wieder zurück, auf dem ich gekommen war. Nach einer halben Stunde kam ich zu Hause an. Die Tür stand nicht mehr offen, aber drinnen brannte Licht. Ein unbehagliches Gefühl beschlich mich.

Leise versuchte ich die Haustüre zu öffnen und mich in mein Zimmer zu schleichen. Es half nichts, mein Vater stand schon in der Wohnzimmertür bevor ich die Tür ganz auf hatte. Meine Mutter stand direkt hinter ihm. Na wenigstens waren sie einmal auf einer Seite, dachte ich mir, auch wenn es nur ein schwacher Trost war.

„Was hast du dir gedacht?" fragte mein Vater mit seiner tiefen Bassstimme.

„Nichts, ich war,... es war ein scheiß Tag für mich,..."

„Achte auf deine Ausdrucksweise, junger Mann."

„Tut mir leid, wenn ihr euch Sorgen gemacht habt, hättet ihr nicht machen müssen, ich kann auf mich aufpassen."

„Ja das sehen wir, was ist denn passiert?"

Ich wollte einmal zu meinen Eltern ehrlich sein und beschloss ihnen vom ganzen Nachmittag zu erzählen. Ich machte mich auf unvorstellbar viel Ärger gefasst, aber anscheinend imponierte meinen Eltern das ich ihnen alles erzählte.

Rückblickend denke ich, dass meine Eltern schon damals erkannt haben, wozu ich noch einige Monate gebraucht hatte, nämlich das ich erwachsen geworden war. Ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens ist das man für seine Taten Verantwortung übernimmt.

Nur den Teil am Schluss ließ ich weg. Das ich mit Jimmy in dieser Bar gewesen war und was wir geredet hatten, ich glaubte einfach das dies meine Eltern, zu Recht, zu sehr beunruhigen würde.

„Du, du wirst so etwas aber nicht mehr machen, oder?" Meine Mutter war natürlich besorgt.

„Nein, werde ich nicht."

„Und du wirst dich auch von dieser kleinen fernhalten?" Wollte mein Vater wissen.

„Natürlich."

„Gut, dann geh jetzt ins Bett."

Ich ging nach oben in das Badezimmer. Es gab noch eine letzte Sache die ich heute machen wollte, nachdem ich schon so einen radikalen neuen Weg eingeschlagen hatte. Meine Haare, sie waren Schulterlang, fielen auf den weißen Fliesenboden als ich sie mir alle abrasierte und mich danach mit einem vollkommen neuen Lebensgefühl ins Bett legte.

Ich fragte mich, wie wohl meine alten Freunde reagieren würden als ich am nächsten Tag in die Schule ging. Die Entscheidung, ob ich Jimmy bei dem Aufstand helfen wollte oder nicht hatte ich noch gestern Abend, noch bevor ich zu Hause angekommen war gefällt. Ich konnte mir nicht vorstellen nichts zu unternehmen, während alle machten was sie wollten. Als ich die beiden Polizisten gesehen hatte wie sie den Obdachlosen geschlagen hatten, das war zu viel gewesen.

Ich kam pünktlich in der Schule an, nicht viel zu früh, so wie die letzten Jahre, aber Emily saß schon auf ihrem Platz und sah mich an. In ihren Augen lag immer noch Reue, aber als sie mich sah kam noch Schock dazu. Sofort kam sie zu mir," was hast du mit deinen wunderschönen Haaren gemacht?"

„Abgeschnitten."

„Gehörst du jetzt auch zu diesen gleich geschalteten und dummen Hirnis?"

„Und wenn, was ginge es dich an? Hast doch Bill, dem seine Haare werden auch irgendwann lang genug sein."

„Man, ich wollte doch nur noch etwas von diesem Zeug haben, verstehst du das nicht?"

„Nein, verstehe ich nicht. Und jetzt lass mich in Ruhe!"

„Wieso bist du denn jetzt so? Das war nur einmal, es wird nie wieder passieren, kannst du mir nicht verzeihen?" Es störte mich das sie es für so selbstverständlich nahm das ich ihr verzeihen sollte.

„Du bist eine abartige Schlampe und jetzt lass mich in Ruhe!"

„Du bist auf einmal so ein engstirniges Arschloch geworden, wie kann man sich in einer Nacht so sehr verraten," sagte sie wütend und zog dann wieder ab. Dies war der erste Tag an dem ich sie nicht im Unterricht verstohlen an sah.

Heute war auch der erste Tag seit langem an dem ich die Pause wirklich alleine verbrachte. Große Lust mich in Aula sehen zu lassen hatte ich nicht, aber ich glaube das war ein glücklicher Zufall. Schnell hatte ich mir in der Aula etwas zu essen geholt und war dann in den weiten der Flure verschwunden. Ganz weit ab der Aula hatte ich ein Treppenhaus gefunden und mich dort hin gesetzt. Hinter mir waren Fenster, also war es nicht dunkel, aber vor mir zog sich der dunkle Gang über viele Meter hin.

Gemütlich aß ich meine pappigen Nudeln und freute mich nicht sonderlich darauf noch den ganzen Nachmittag in dem stickigen Klassenzimmer zu verbringen, mit Emily und wirklich langweiligem Unterricht. Als ich so da saß konnte ich von weiter oben Stimmen hören. Und Lachen. Die Leute da oben schienen wirklich Spaß zu haben. Ich hatte gerade fertig gegessen und stellte mein Tablett neben mir ab. Zögernd ging ich nach oben, ich wollte meinen alten „Freuden" eigentlich nicht in die Hände laufen, aber die Stimmen hörten sich nicht wirklich danach an.

Als ich um den letzten Treppenabsatz bog, bot sich mir ein überraschendes Bild. Vor mir, auf der Treppe, saßen lauter Jungen, alle mit kurz geschorenen Haaren. Ich wollte meinen Augen nicht trauen. Vereinzelt saßen auch ein paar Mädchen zwischen ihnen.

„Hallo." Ich war schüchtern, immerhin wusste ich nicht wie sie auf mich reagieren würden.

„Hey," einer der größten Jungs stand auf und ging auf mich zu," wer bist du denn?"

„Ich bin Jack Tattoon und wer seid ihr?"

„Leute die man unbedingt kennen sollte, Jimmy hat uns schon gesagt das du uns vielleicht suchen würdest. Schön, das du dich entschlossen hast bei uns zu bleiben."

Ich wurde wirklich freundschaftlich aufgenommen von Leuten die mich noch nicht einmal gekannt hatten als sie heute Morgen aufgestanden waren. Jetzt machte es mir auch nicht mehr so viele Sorgen den anderen über den Weg zu laufen. In einer Gruppe fühlt man sich einfach immer sicherer und es war ein gutes Gefühl zu einer Gruppe zu gehören, die nicht nur pöbeln und Drogen im Kopf zu haben schien.

3 - Der Plan reift

Es verging noch ungefähr ein Jahr, mittlerweile war ich sechzehn geworden, bis Jimmy fand das wir einigermaßen genug waren um es zu versuchen. Unsere Vorsichtsmaßnahmen erinnerten an eine geheime Sekte. Unsere erste Regel lautete: Wir reden nicht über das Projekt. Unsere zweite Regel lautete: Wir reden nicht über das Projekt.

Erst recht in der Öffentlichkeit nicht. Wir ließen uns auch nie in großen Gruppen auf der Straße sehen. Wenn wir in unserer Kneipe waren verließen wir sie nie in größeren Gruppen als drei oder vier. Mehr Leute als nötig wurden auch nicht eingeweiht. In den Kellern in den Plattenbauten schraubten wir an Waffen, meistens Eisenstangen, weil sich diese relativ einfach beschaffen ließen. Mit jedem Tag wurden wir angespannter und nervöser. Was wenn die da oben doch gemerkt hatten was wir vor hatten.

„Wir brauchen einen Plan," sprach Jimmy eines Abends an was uns alles auf der Seele lag," ich meine wir können nicht mehr lange still halten, ich weiß uns allen brennt es unter den Fingernägeln."

Wir hatten so etwas wie ein Führungsgremium gebildet. Ein Rat der von allem Bescheid wusste. In einem Hinterzimmer von Mannys Kneipe trafen wir uns ein oder zwei mal im Monat. Jeder von uns, ich war einer der ausgewählten, war für etwas anderes zuständig. Im Laufe der Zeit hatte sich heraus gestellt das ich ein großes Talent zum organisieren hatte. Ich war zuständig dafür den Überblick zu behalten und alles in die richtigen Wege zu leiten.

„Ja, was meinst du genau J." Es war uns zur Mode geworden uns nur noch mit den ersten Buchstaben an zu reden, manchmal kam es zu Verwechslungen bei Jimmy und mir.

„In den nächsten Wochen müssen wir los schlagen, wir müssen auf den Platz und in den Regierungspalast. Aber wir haben uns bis jetzt noch keinen Plan wie wir das anstellen. Wir brauchen Informationen zu Lage und allem was wir sonst noch brauchen. J kannst du das machen?"

„Ja, das kann ich machen, wir sollten auf jedenfall herausfinden wie wir am unauffälligsten auf den Platz kommen ohne das man uns zu Früh bemerkt. Der Überraschungseffekt ist dann einfach größer."

„Recht hast du."

„Ich werde mich dort heute Abend umsehen und dann sage ich euch Bescheid. Danach können wir den Plan ausarbeiten."

Es war etwa elf Uhr als wir uns verabschiedeten. Seitdem ich meinen Eltern damals gezeigt hatte wie erwachsen ich eigentlich war, sahen sie mich mit anderen Augen und ließen mir mehr Freiheiten.

Im Gegenzug kam ich nur sehr selten betrunken nach Hause und Drogen, das war überhaupt kein Thema mehr. Auch begegnete ich meinen Eltern jetzt mit mehr Respekt. Ich redete mehr mit meiner Mutter und hin und wieder kam es sogar vor das wir alle zusammen an einem Tisch aßen. Die Lage zu Hause schien sich zu entspannen. Natürlich wussten sie nicht woran ich in meiner Freizeit arbeitete, dem Umsturz des Systems und der Verbannung der Drogen.

Ich wusste nicht genau was sie dazu sagen würde, aber bald würden sie es erfahren. Meine Mutter, sie nahm, Gott sei dank, weniger ihrer Pillen, aber sie würde meine Hilfe brauchen, denn nach der Revolution würde es diese nicht mehr geben.

An diesem Abend hatte ich nicht vor so schnell nach Hause zu kommen. Ich nahm den Umweg über den großen Platz. Nach dem Umsturz würden wir ihn Platz der Revolution nennen, hatten wir beschlossen.

Unsere Pläne waren wirklich utopisch, wir wollten nur das beste für die Menschen um uns herum. Eine Rente, keine Kriminalität, keine Drogen, wir waren jung und naiv genug zu glauben das sich dies durch einen einzigen Umsturz erreichen lassen würde. Manchmal wenn ich Nachts wach lag und nachdachte, fragte ich mich, wie die Menschen es wohl aufnehmen würden? Immerhin wäre es mit ihrem gewohnten Leben von diesem auf den anderen Tag vorbei. Und die meisten Menschen hassten Veränderungen.

Noch konnte man wenn man durch die Stadt ging, jede Menge leere Gesichter sehen. Leer gefegt von Emotionen durch ihre Psychopharmaka, betäubt und allein gelassen mit sich selbst.

Nur, allein kann man das Leben nicht durchstehen und lebend kommt man da einfach nicht raus.

Wir wollten für alles stehen was wir nicht mehr sehen konnten. Für Gemeinschaft, für Rechtschaffenheit und für Frieden, so sehr sich das auch widersprach. Einmal, vor sehr langer Zeit glaubte ich gelesen zu haben, das man Frieden nur durch Krieg erlangen kann, weil man anders den Frieden nicht zu schätzen weiß.

Es war eine laue Frühsommernacht. Die Sterne über mir blinkten unendlich und der Sternenhimmel wirkte wie gemalt. Keine Wolke trübte den Blick in die unendliche Weite über mir.

Möglichst unauffällig stahl ich mich durch kleine Gassen und über den großen Boulevard der zum zukünftigen Platz der Revolution führte. Eine genaue Idee von dem was ich eigentlich machen würde hatte ich nicht. Sicher, ich wollte wissen wie es im Regierungspalast aussieht, aber wie sollte ich denn da rein kommen? Wahrscheinlich würde ich das gar nicht schaffen und ich müsste unverrichteter Dinge wieder abziehen. Immerhin konnte ich feststellen das der Regierungspalast das einzige Haus der ganzen Stadt war, das wirklich Tag und Nacht besetzt war, in vielen Fenstern brannte noch Licht. Außerdem war es das größte mit seinen neun Stockwerken. Von dort oben hatte man wahrscheinlich einen wahnsinnigen Ausblick.

In dieser Nacht standen sogar vier Polizisten vor dem Gebäude. Sie waren alle mit Schlagstöcken und Schilden bewaffnet. Wir hatten uns dagegen sogar primitive Schwerter gebaut. Also wenn alle Wachen nur diese Stöckchen hatten, wären wir au der sicheren Seite.

Ich postierte mich in einem Hauseingang auf der anderen Seite des Platzes. Ich setzte mich dort auf die Stufen und zog meine Kapuze tiefer ins Gesicht. Ich wollte wie ein Penner wirken, und mit den Schmutzflecken auf meinem Pulli tat ich das auch. Schnell zündete ich mir eine Zigarette an, jeder Penner raucht dachte ich.

Bestimmt eine halbe Stunde harrte ich dort auf dem kalten Boden aus, aber keiner der Uniformierten dachte auch nur daran sich zu bewegen, sie waren diszipliniert, das war ein Punkt der uns im Weg stand.

Es musste ein anderer Plan her. Schwankend stand ich auf und tat so als ob ich wirklich betrunken sei und stolperte quer über den Platz auf die Gruppe zu. Schon nach ein paar Metern bemerkten sie mich und wollten mich verscheuchen, aber wenn man vom Alkohol vernebelt ist macht man nichts was einem gesagt wird, unbeirrt steuerte ich weiter auf die Männer zu.

„Hau ab." Rufe nutzten nichts, sie wussten auch nicht was ich vor hatte. Ich war nur noch etwa 20 Meter von den Männern und vom Eingang weg, mein Ziel hatte ich fast erreicht.

„Aber,.. kalt,.." lallte ich ihnen entgegen.

„Egal, verschwinde hier, oder wir zeigen dir wo hin du verschwinden solltest." Demonstrativ ließen sie ihre Knüppel kreisen um mich ein zu schüchtern. Sie wichen sogar endlich von ihren Plätzen und kamen auf mich zu. In einem Halbkreis versuchten sie mich zurück zu drängen. Auf den Boden schauend, schwankend und lallend ging ich weiter auf sie zu.

„Willst du wissen wo die Leute hin kommen, die wir hier gar nicht gebrauchen können?" Langsam beschlich mich das Gefühl das ich mich auf etwas eingelassen hatte, das ich nicht mehr kontrollieren konnte.

„Ich,... mir ist so kalt,..."

„Das hättest du früher sagen sollen," ein Mann mit braunen Haaren und gespielter Fürsorge kam auf mich zu. Seine Hand legte er auf meine Schulter und er tat so als ob er mich rein führen wollte.

„Was sollen wir mit ihm machen?" Hinter der vorgehaltenen Hand flüsterten sie," da oben wollen sie doch immer wieder mal einen? Die haben ihren Spaß mit so einem bemitleidenswerten Arsch."

„Ja, das ist eine gute Idee, da oben brauchen sie so was, vielleicht bekommen wir ein bisschen was extra." Er rieb sich mit einer habgierigen Geste die Finger. Im Geiste machte ich mir eine Notiz das wir diese Polizisten würden ersetzen müssen. Ich dachte daran generell alle Polizisten aus dem Staatsdienst zu entlassen, aber ich wollte noch einmal mit Jimmy darüber reden.

Sie schleppten mich einen langen, vom grellem Licht einer Neonröhre erleuchteten Gang entlang über den Linoleumboden. Weiter hinten machte der Gang einen Knick und wir kamen zu einem Aufzug. Schade, dachte ich, so konnte ich nicht viel von dem Gebäude sehen. Außerdem konnten wir uns nicht einfach auf einen Aufzug verlassen.

Die Zahlen zogen auf dem kleinen Display als rote Zahlen vorbei und bei jeder Ziffer ertönte ein leises Kling. Wir fuhren tatsächlich bis in den neunten Stock hinauf. Es gibt Opfer die man bringen muss, dachte ich bei mir, wenn ich hier lebend nicht mehr heraus kommen würde.

Die acht wechselte zur neun und mit einem leisen Surren glitten die beiden Hälften der Tür aus einander und gaben den Blick auf eine wirkliche Couch Landschaft frei. Alles war in weiß gehalten.

Auf all den weißen Sesseln und den vielen Couchmöbeln, saßen bestimmt zwanzig Männer und Frauen. Ich konnte kein bestimmtes Alter ausmachen das hier vorgeherrscht hätte. Auf dem niedrigen Tisch in der Mitte stand eine große Flasche Sekt und ein paar weiße Linien zogen sich über den Tisch. Das war es also was sie benutzten um ihren Aufgaben und dieser Welt zu entfliehen.

„Wir haben draußen ein kleines Spielzeug für sie gefunden," sagte der vermeintliche Anführer meiner Peiniger. Ein großer dunkelhaariger, der etwa um die dreißig sein musste und mich unsanft auf den Boden vor die Couch stieß. Ich rollte über den Teppich bedeckten Boden, wohl gemerkt auch in weiß, und kam vor der Couch zum liegen.

Ein junger, sehr adrett und modisch gekleideter Mann stand auf und besah sich mich. Prüfend ließ er seinen Blick über mich wandern.

„Auf so einen wie dich haben wir gewartet, uns war schon langweilig." Seine Stimme war nasal und er sang gekünstelt um sich gebildeter dar zu stellen, als er es in Wirklichkeit wahrscheinlich war.

Einen vorsichtigen Blick riskierend, konnte ich erkennen das meine Lage im Moment wirklich Aussichtslos war. Vor dem Aufzug standen die Polizisten und warteten darauf das er auf ging. Gerade ertönte das klingeln und die Türen fuhren aus einander. Mit einem Satz war ich auf den Beinen und am Fahrstuhl. Ich versuchte beide Männer in ihn hinein zu werfen. Es gelang mir nur halb. Einen riss ich von den Beinen der andere fiel mit mir zusammen in das kleine Quarre das mich nach unten bringen sollte. In meinem Unglück hatte ich ein bisschen Glück, die Tür begann sich zu schließen, noch bevor der Mann in der Uniform sich aufrappeln konnte. Ein letzter Blick in die Runde, sagte mir, das so etwas nicht alle Tage vor kam und das sie noch keinen Penner gesehen hatten, der, vermeintlich betrunken, so etwas hatte schaffen können.

Die Tür hatte sich geschlossen und das typische Gefühl, diese leichte Schwerelosigkeit stellte sich ein.

Wir waren schon im achten Stock angekommen als sich mein ehemaliger Wärter, wenn auch nur kurzzeitig, durch ein Stöhnen bemerkbar machte. Er öffnete die Augen und nestelte nervös an einer Tasche an seiner Hüfte. Etwas metallisches und glänzendes ragte daraus hervor. Ich verpasste ihm einen Schlag ins Gesicht.

Seit meiner Schlägerei im Park vor einem Jahr war ich kräftiger geworden. Wir machten oft Sport. Es lenkte uns ab von der großen Aufgabe die vor uns lag. Nach meinem Schlag hob er die Hände schützend über sein Gesicht.

Wahllos drückte ich einen der Knöpfe, unten warteten sie bestimmt schon auf mich und ich wollte ihnen nicht in die Arme laufen. Der Fahrstuhl ging auf, ich war im fünften Stock. Ich klemmte den Schlagstock meines Opfers in die Tür und verhinderte so das sie den Aufzug benützten könnten.

„Was ist das?" Ich deutete auf den metallischen Gegenstand den ich gerade entdeckt hatte.

„Eine Waffe," in seinem Blick lag etwas flehentliches, ich glaube er wollte nur noch lebend hier raus.

„Wie funktioniert sie?" Ich blickte ihm zornig in die Augen und nahm ihm dabei seine Waffe ab.

„Da ist ein Abzug, den musst du drücken."

„Danke." Der Rest war mir klar. Man musste kein Genie sein um zu erkennen das man die Öffnung von sich weg hielt. Der Kolben den man in die Hand nahm, war aus Holz, aber trotzdem fühlte er sich schwer an. Der Wachmann wurde von mir in einen langen Traumlosen Schlaf geschickt und ich machte mich daran einen Weg nach unten zu finden. Weiße Türen reihten sich auf diesem Stockwerk nacheinander auf und kamen mir im vorbei rennen wie eine endlose Kette vor. Bis zum anderen Ende des Ganges brannte Licht, doch dort hinten gingen die Lichter aus. Mein Glück war das vor mir ein grünes Licht prangte. Es zeigte einen Mann, der in die Richtung eines Pfeils rannte. Auch in der Schule hatten wir solche Fluchtwege gehabt. Anscheinend konnten sie alles aus schalten, nur die Notbeleuchtung nicht. Überall blinkten nun rote Lichter und ich rannte in die Richtung der grünen Schilder. Mein Atem kam keuchend und ich hoffte das diese Flucht bald vorbei wäre.

Endlich kam ich an eine Tür über der ein grünes Schildchen leuchtete. Leise öffnete ich die Tür und horchte nach unten, von wo mir trampelnde Schritte entgegen hallten. Sie suchten mich also.

Was sollte ich nun machen? Meine Hände begannen zu schwitzen. Wenn sie auch alle Waffen hatten, dann würde ich ziemlich alt aussehen.

Verstecken. Das war das einzig sinnvolle was ich tun konnte. Ich rüttelte an den ersten Türen im Gang. Keine ging auf. Das Trampeln konnte ich nun durch die geschlossene Tür hören. Noch eine Tür. Verschlossen. Die Nächste. Verschlossen. Alle waren verschlossen. Ein Notfallplan musste her.

Wie ein wahnsinniger sprintete ich in die entgegen gesetzte Richtung zurück zum Aufzug. Ich war so in Hektik das ich die zierliche Gestalt in einem der Türrahmen nicht bemerkte, bevor sie sich mir in den Weg stellte. Schweiß rann mir von der Stirn. Das Auftauchen der Gestalt war wie ein Schlag mit einem Gong. Für einen Moment schien die Welt still zu stehen. Die zierliche, ja fast magersüchtige Frau zog mich einfach in den dunklen Raum.

In Windeseile wurde mir mein Pulli über den Kopf gezogen und noch bevor ich mich wehren konnte drückte sie ihre Lippen auf meine. Was war hier los? Ich taumelte und wusste nicht mehr wo oben und wo unten war. Schreie gellten durch den Gang und kamen immer näher und näher. In wenigen Sekunden hätten sie uns erreicht, ich wusste nicht was geschah, ich merkte nur, das meine Retterin - oder mein Todesengel - mich nicht aus dem Kuss entließ. Ungeschickt versuchte ich mich aus dieser Umklammerung zu entwinden, schaffte es aber nicht.

„Sei bloß still und mach nichts, lass mich reden, ich versuche dir zu helfen." Ihr Zischen als sie kurz von meinem Mund abließ, ich erinnerte mich, es war Emily die mich hier rettete.

Schicksalsergeben küsste ich sie weiter. Die Männer konnten nicht weiter als ein paar Meter von der Tür weg sein und wurden langsamer. Anscheinend hatten sie die Türe schneller entdeckt als ich.

„Wer ist da?" Die dunkle Stimme dröhnte durch die Düsterheit zu uns.

„Was ist hier los? Wollen sie Mister Warren stören?"

„Oh, entschuldigen sie bitte Master. Wir suchen einen Eindringling, er soll sich hier aufhalten, in diesem Stockwerk, haben sie ihn gesehen?"

„Sehen wir so aus als ob wir etwas sehen würden?"

„Nein, bitte entschuldigen sie nochmals."

Die Männer gingen langsamer weiter. Emily ließ mich los und ging zur Tür.

„Komm schnell, es wird nicht lange dauern bis sie uns auf die Spur kommen, komm," sie packte seine Hand und ging hinter den Männern hinaus auf den Flur. Der letzte war gerade um die Ecke gebogen als sie aus der Tür kamen.

„Und jetzt ganz ruhig, tu so als ob du hier her gehörst."

„Was machst du hier?" Ich war entsetzt, ich wusste nicht was ich nun denken sollte. Seitdem wir uns getrennt hatten, oder viel mehr seit dem ich mich von ihr getrennt hatte, waren wir uns nicht mehr außerhalb unseres Klassenzimmers über den Weg gelaufen.

„Willst du hier raus kommen oder einen Kaffeeklatsch halten?"

Stumm folgte ich ihr zum Treppenhaus. Immer noch war alles von rot und grün erleuchtet. Langsam gingen, wir schlenderten eher, ins Treppenhaus und eine Treppe nach der anderen hinunter. Als wir uns sicher waren, das wir allein waren, beeilten wir uns.

„Also, wenn wir da draußen auf Widerstand stoßen, lauf einfach so schnell du kannst, hast du verstanden?" Tief und ernst sah sie mir in die Augen und wartete auf ein Zeichen das ich verstanden hätte. Ich nickte. Noch einmal küsste sie mich," das hat mir wirklich gefehlt, du kannst gut küssen."

Mit der Hüfte stieß sie die Tür auf und blickte den langen, leeren Flur hinunter. Niemand der sich uns in den Weg stellte. Wir machten uns auf den Weg. Bei der letzten Biegung vor dem Eingangsportal hielt ich die Luft an. Draußen standen bestimmt fünf oder sechs Männer, eher Schränke, mit dem Rücken zu uns.

„Also, sobald wir draußen sind, laufen wir so schnell wir können, Haken schlagen, sonst erschießen sie uns. Das sieht nicht sehr angenehm aus. Einmal haben sie da oben einem Penner einfach aus Spaß ins Bein geschossen und ihn verbluten lassen. Glaub mir, so etwas wollen wir nicht erleben, aber wenn wir schnell sind schaffen wir es nach draußen ohne uns eine Kugel ein zu fangen."

Einen zaghaften Schritt späte, drehte sie sich noch einmal um," wenn wir es nicht schaffen, dann triff mich bitte, du weißt schon wo im Park, ich werde direkt dort hin laufen wenn ich nicht getroffen werde, bitte komm, ich will mir keine Sorgen um dich machen."

Auf einmal stieß sie einen markerschütternden Schrei aus, der sogar mir das Blut in den Adern gefrieren ließ und rannte los. Die Rechnung ging auf. Die Männer in Schwarz waren verblüfft und rechneten nicht mit uns, wir hatten bestimmt zwanzig oder dreißig Meter Vorsprung bevor es anfing um uns herum zu zischen und die kleinen Metallgeschossen in den Boden einschlugen.

Emily verlor sich in der Dunkelheit und ich war in diesem Moment um eine Ecke gerannt und erst einmal in Sicherheit. Ich hörte nicht auf zu rennen und lief direkt in den Park. Es war dort bestimmt am sichersten, wenn man bedachte das dort nur Gestrüpp und keine Nachtbeleuchtung existierte. Wenn ich es bis dahin schaffen würde, könnte mir nichts mehr passieren. Der Park wäre meine Sicherheit.

Hinter mir krachte eine der Kugeln in das Mauerwerk der Ecke und riss ein großes Stück der Mauer heraus. Die Pistole die ich an mich genommen hatte steckte hinten in meinem Hosenbund, aber nun bekam ich Angst das sie einfach los gehen würde.

Weiter, ich rannte immer weiter, wie ein Verrückter, Hauptsache ich konnte meinen Verfolgern entkommen. Die Straße vor mir zog sich bis ins unendliche und ich rannte in einem fort. Als ich über die Schulter hinweg um sah konnte ich sehen, das sie mir bis zur Ecke gefolgt waren. Sie luden ihre Waffen nach und schienen aus der Puste zu sein. Denn einer meiner Verfolger war korpulent und stützte sich auf seine Knie, ich glaubte das er jeden Moment kotzen würde.

Ich drehte mich im laufen und drückte ab um sie ein zu schüchtern. Ich hoffte das ich niemanden treffen würde, aber sicher konnte ich mir nicht sein. Ich schoss nur einmal, denn sofort als die Kugel in der Wand neben ihnen auftraf, wichen sie zurück hinter die schützende Ecke und ich musste mir meine Munition aufheben, bald würde ich sie dringender brauchen.

Als ich sicher war das sie nicht um die Ecke sahen, bog ich schnell in eine der Querstraßen ein und dann gleich nochmal. Ich hoffte das ich sie so abgeschüttelt haben würde. In einem ruhigen Moment, ließ ich mich gegen eine der Mauern sinken und hockte mit dem Kopf zwischen den Knien da. Mein Herz pochte mir bis zur Schädeldecke und meine Lunge brannte wie das Feuer in der Hölle, ich musste husten. Noch nie in meinem Leben glaubte ich soviel gelaufen zu sein. Meine Beine schmerzten und ich musste mich zwingen wieder auf zu stehen.

Zitternd machte ich die nächsten Schritte, bis ich den Schmerz so weit verdrängt hatte das ich wieder ein wenig schneller laufen konnte. Das Rauschen in meinen Ohren war fast so schlimm wie das in meinem Kopf. Was machte Emily nur immer mit mir wenn wir uns über den Weg liefen? Warum war sie so besorgt um sie? Und warum machte ich mir solche Gedanken um sie, eigentlich dachte ich, ich hätte sie schon längst abgehakt.

Eine Viertelstunde, voller Paranoia, später kam ich im Park an und suchte mir meinen Weg zu meinem Platz. Die Uniformierten Schränke waren mir nicht mehr gefolgt, aber man konnte ja nicht vorsichtig genug sein in solchen Zeiten.

Auf meiner Lichtung konnte ich Emily sehen, die sich gegen den klaren Sternenhimmel abhob. Als sie mich hörte, drehte sie sich erschrocken um. Sie zuckte zusammen und atmete erleichtert auf als sie mich erkannte.

Schweigend ging ich an ihr vorbei und stellte mich an den Fluss. Ich packte mir eine Zigarette aus und rauchte sie. In letzter Zeit war es mir wichtiger fitter zu sein, deshalb rauchte ich weniger. Der Rauch malte riesige Schwaden in die Nacht, die der Wind davon trieb.

„Was war das?" Das war das einzige, das ich imstande war zu sagen.

„Ich habe dich gerettet, gern geschehen, wirklich,..." natürlich war sie enttäuscht, sie musste denken das ich ihr so dankbar war das ich ihr um den Hals fallen würde.

„Danke." Es kam kalt, so wie ich mich gerade fühlte. Mühsam hatte ich mich soweit unter Kontrolle, das sie nicht merken konnte wie sehr sie mich durcheinander gebracht hatte," hast du gedacht, wir würden uns jetzt versöhnen und wären ein glückliches Paar?"

„Irgendwie." Sie klang wie ein kleines Mädchen das hoffte einen Lutscher zu bekommen.

„Da hast du falsch gedacht." Ich drehte mich um und ging zu ihr. Ich musste mich von etwas überzeugen. Als ich ihr in die Augen sah, konnte ich erkennen, das dieses alte Problem immer noch zwischen uns stand. Eigentlich war sie klar, sie war hier, aber nicht ganz, es war als wäre Ihr Blick bewölkt. Es kam mir vor als schaue ich in einen Schacht aus Wolken, an dessen Grund ein Stern funkelte.

„Du hast dich nicht verändert Emily." Enttäuscht ließ ich von ihr ab, aber was hatte ich erwartet? Wollte ich eigentlich auch diese Versöhnung? Sie war das einzige Mädchen für das ich jemals Gefühle gehegt hatte.

Natürlich hatte ich im letzten Jahr noch andere Mädchen kennen gelernt und war auch mit einigen zusammen gewesen, aber für keine von ihnen, hatte ich Gefühle, wirkliche, tiefgehende Gefühle. Ich mochte sie, aber mehr war da auch nie. Und nur wenn ich an Emily dachte, was in der letzten Zeit eigentlich eher selten vorgekommen war, regte sich tief in mir etwas.

„Warum sollte ich denn? Mein Leben ist schön, warum sollte ich das ändern?"

„Warum ist dein Leben denn schön? Du bekommst doch gar nichts mehr mit von deinem Leben, es würde mich wundern wenn du mir eine zusammenhängende Erinnerung schildern könntest seit dem ich dich verlassen habe. Ich kenne genug wie dich."

„Du kennst mich nicht. DU,... du bist einfach stur geworden und hast dich eingegraben und niemand kommt mehr an dich ran." Sie schrie, anscheinend hatte ich sie mit dem was ich gesagt hatte wirklich getroffen.

„Du weißt doch gar nicht wie schwer das ist, Jack, du hast keine Ahnung, dein Leben ist einfach."

„Du denkst mein Leben ist einfach? Wirklich, denkst du das? Ich halte es wenigstens aus und muss mich nicht betäuben."

„Aber es ist so schwer, das kann man nicht aus halten, nicht in so einem Leben, mein Vater wird von Tag zu Tag schlimmer."

„Das kann ich mir vorstellen, du siehst grässlich aus und wahrscheinlich kommst du tagelang nicht nach Hause."

Tatsächlich hatte sie abgenommen. Ihr früher so schönen Wangen waren eingefallen, ihre Augen, stumpf, das Haar zerzaust und teilweise auch verfilzt und sie war so sehr abgemagert das ich dachte wenn ich sie anhauchen würde flöge sie weg.

„Findest du das? Früher fandest du mich schön!"

„Ja, aber du sagst es früher!"

„Was hat dich so verändert, was hat deine Gefühle für mich so verändert?"

Wütend drehte ich mich zu ihr um und schrie," ja, ich hatte mal Gefühle und dann hast du sie genommen und hast sie vernichtet, in ein paar Minuten hast du es geschafft alles kaputt zu machen. Ich habe an uns geglaubt. Ich habe geglaubt das wir ein Leben führen können, zusammen und du hast mir gezeigt wie blöd das war. Ein Leben mit dir, ha, das ich nicht lache."

„Wegen dieser einen Sache?" Tränen rannen über ihre Wangen, aber sie ließen mich kalt. An diesem einen Nachmittag waren die Gefühle zu ihr verdorrt wie eine Pflanze in der Wüste.

„Du hast immer gesagt es wäre Schicksal das wir zusammen sind, bedeutet das gar nichts mehr?"

„Ist es nicht etwas spät nach einem Jahr, wieder damit an zu fangen?"

„Nein, ich habe einfach nie aufgehört zu glauben das wir wieder, du weißt schon, es war nie jemand so gut zu mir wie du."

„Noch schlimmer," ich war kurz davor ihr eine Ohrfeige zu geben, alles was sie sagte fühlte sich an wie ein Schlag in die Leistengegend, nein noch schlimmer. Mein Herz verkrampfte sich," wie kannst du zu mir sagen das du jemals etwas für mich empfunden hast wenn du etwa mit jedem hattest der dir über den Weg gelaufen ist? Ich kenne die Geschichten über dich."

„Und du glaubst das?"

„Ja, im Gegensatz zu dir haben mich meine Freunde nicht enttäuscht, wir sind für einander da. Du, du denkst nur an dich."

Ihr Gesicht wurde aschfahl und ihre Schminke hatte Bahnen unter ihren Augen gezogen. Sie sah noch grässlicher aus als noch vor ein paar Minuten und sie schien von Minute zu Minute schlimmer aus zu sehen.

„Du bist ein richtiges Arschloch geworden, dein Herz ist kalt wie Eis. Du wirst niemals wieder glücklich werden, glaub mir das."

„Na und wenn schon, wer sich an keine Frau hängt kann auch nicht enttäuscht werden!"

„Und was denkst du wie es mir geht?"

„Hör doch mal auf über dich zu reden und über dich nach zu denken, du bist so egoistisch. Egal was ich jemals über uns gedacht oder gesagt habe, es stimmt nicht, siehst du? Wir sind verschieden und wir könnten nie mit einander leben!"

Sie zuckte zusammen," nie wieder?" Ihre Stimme war fast ein Flüstern.

„Ja, nie wieder, was erwartest du denn nach allem was passiert ist?"

Schweigend drehte sie sich um und wollte gehen, aber es gab noch dinge die ich wissen musste," was hast du da gemacht?"

„Ich hab mit jedem gevögelt," die Kälte war wieder in ihre Stimme zurück gekehrt. Sie hatte ihre Gefühle an einen dunklen Ort, tief in ihrer Seele vergraben zurück gedrängt und war wieder die alte die sie auch schon war, bevor sie sich heute wieder getroffen hatten," ich hab jedem da das Gehirn raus gevögelt um an Drogen zu kommen, Wichser." Die Blätter raschelten noch kurz als sie verschwand. Ich hoffte inständig das dies nun die letzte Begegnung mit ihr gewesen sei, aber wer konnte das bei diesem Mädchen schon wissen?

4 - Der Sturm

Der nächste Morgen kam unerbittlich wie der erste Frost. Nach meinem ekelhaften Gespräch mit Emily war ich nach Hause gegangen und hatte mich aufs Bett gelegt. Die Straßenlaterne hatte ihr Licht durch mein Fenster geworfen und ich hatte nur an die Wand gestarrt.

Sie hatte sich Mühe gegeben, aber das spielte nun alles keine Rolle mehr. Ich konnte ihr hoffentlich klar machen wie aussichtslos es war das wir beide jemals wieder ein paar wurden, es war das letzte was ich jemals wollte.

Nach einer Nacht in der ich nur unruhig geschlafen hatte, traf ich mich mit Jimmy und den anderen, immerhin war es Samstag.

Wir standen am Rand einer Wiese und sahen den anderen zu wie sie Fußball spielten.

„Was hast du gestern noch heraus gefunden?"

„Eine Menge. Ich habe mir den Regierungspalast von innen angeschaut."

„Wie hast du denn das geschafft," sein Blick verriet wirkliche Verblüffung.

„Tja, ich bin gut. Ich habe mich als Penner getarnt da haben sie mich einfach hoch geschleppt. Anscheinend entführen sie öfter obdachlose, um sie dann um zu bringen."

„Diese perversen Schweine."

„Ja, bald wird das ein Ende haben. Pass auf, es gibt einen Aufzug und ein Treppenhaus. Ganz oben im obersten Stockwerk ist eine Wohnung, ziemlich hässlich wenn ich das mal so bemerken darf, und da sitzen sie alle. Ich habe alle gesehen, den Rat, den Präsidenten, einfach alle."

„Spitze, jetzt müssen wir uns nur noch überlegen wie wir es schaffen rein zu kommen," Jimmy kratzte sich am Kinn und setzte sich ins Gras. Gedankenverloren zündete er sich einen Glimmstengel an.

„Es gibt noch etwas das es schwerer macht," er holte die erbeutete Waffe aus seiner Tasche," absolut tödlich, kennst du so was?"

„Ich habe davon gehört, gerüchteweise, aber ich habe nie eine gesehen oder gedacht das es sie wirklich gäbe." Jimmy nahm die Pistole und tastete sie ab ob sie auch wirklich echt war. Schwer lag sie in seinen Händen und schimmerte schwarz metallisch," was machen wir jetzt?"

„Gute Frage."

Eine Weile lang saßen sie schweigend im Gras. Sie machten sich Gedanken wie sie es schaffen könnten in den Regierungspalast zu kommen, ohne dabei zu sterben.

„Wir brauchen auf jeden Fall ein Ablenkungsmanöver," kam mir eine zündende Idee," wenn sich alle auf den Weg machen nach zu sehen was passiert ist, dann können wir die verbleibenden Wachen vielleicht überwältigen."

„Das ist eine gute Idee, aber wie wollen wir sie ablenken? Ein Auto anzünden oder so etwas in der Art?"

„Ich dachte eher daran das wir ihnen etwas in irgend eines der Stockwerke Katapultieren, dann gehen ein paar nachsehen und sind auf einem der Stockwerke unterwegs. Unten stehen sie immer vor der Tür und die werden wir dann überrennen. Wir können uns ihre Waffen schnappen und mit jeder die wir erbeuten steigen unsere Chancen."

„Und wenn wir die Wachen haben, dann müssen wir nur noch diese Drogensüchtigen in Gewahrsam nehmen und wir haben gewonnen!" Jimmys Miene hellte sich auf.

„Genau," stimmte ich zu," wenn wir unten im Erdgeschoss sind teilen wir uns auf, eine Gruppe geht durch Treppenhaus und nimmt die Leute die nachsehen gegangen sind hoch. Die andere Gruppe geht durch den Aufzug und nutzt den Überraschungseffekt." ich machte eine kleine Pause und trank einen Schluck Wasser.

„Wir werden beide gleichzeitig oben ankommen und können sie so ganz einfach auf ihren Ärschen festnageln."

„Wunderbar, deswegen bist du meine rechte Hand Jack! Wann soll es los gehen?"

„Wie weit sind wir denn? Ist alles fertig?"

„Ja, wir haben alle etwas mit dem wir zuschlagen können, wir sind viele und jeder brennt darauf endlich an zu fangen, schau sie dir doch nur an wie viel Mühe es sie kostet ruhig zu bleiben."

Wirklich, man merkte es, wenn man den Jungs beim spielen zu sah. Die Verbissenheit mit der sie den Ball verfolgte, die Gewalt mit der sie auf den Ball eintraten, sie waren mehr als bereit, sie wollten am liebsten heute noch los schlagen.

„Wie schnell können alle da sein?"

„In einer Stunde oder sogar noch schneller wenn es sein muss, sie würden alles stehen und liegen lassen."

„Gut, so schnell muss es gar nicht sein. Sag allen Bescheid, sie sollen sich heute Nachmittag mit uns in der Bar treffen, um drei." Jimmy stand auf und machte sich davon. Es fühlte sich nicht so an, als ob ich nun auf einmal der Boss wäre, es war mehr so als bildeten wir alle einen gleich berechtigten Führungsring.

Selbst ging ich noch einmal nach Hause bevor ich um drei wieder in der Bar sein müsste. Meine Eltern sollten nicht einfach da stehen, wenn mir etwas passieren würde. Ich wollte einen Brief für sie hinterlassen um sie nicht ganz alleine zu lassen im Fall der Fälle. Die Beziehung zu meiner Mutter hatte sich wirklich gebessert und das wollte ich auch ausdrücken.

Als ich mich wieder auf den Weg in die Bar machte, warf ich den Brief in den Briefkasten vor dem Haus und hoffte das meine Eltern nichts merkten. Wenn sie ihn jetzt schon lesen würde, wäre nicht aus zu malen was sie machen würden.

Mannys Bar war unbeschreiblich voll. Alle grüsten mich und ich musste suchen bis ich Jimmy fand. Ein Stimmengewirr herrschte im Raum, das mir war als ob ich meine eigenen Gedanken nicht mehr hören könnte.

Jimmy stand ziemlich weit hinten an der Wand und unterhielt sich mit einem der Jungs.

„So, da bin ich, sind alle da?"

„Müssen sie, ich habe ihnen gesagt wer zu spät kommt wird gehängt."

„Na gut, ganz so drastisch hätte es nicht gleich sein müssen," ich blickte mich kurz um und suchte mir einen Stuhl von dem aus ich reden könnte," alle her hören," verschaffte ich mir Gehör," ich habe etwas zu erklären und wir haben nicht ewig Zeit."

Schlagartig war es still im Raum, ich glaubte das ich in der Ecke eine Nadel hinfallen hörte. In kurzen Worten erläuterte ich schnell meinen Plan und achtete darauf das ihn wirklich jeder verstanden hatte.

„Es ist wichtig das wir unauffällig sind, ich will nichts größeres als eine Fünfer-Gruppe sehen. Wenn wir zu früh auffallen sind wir auf geschmissen."

Nach und nach machten alle sich auf den Weg. Alle in kleinen Gruppen. Ein paar, darunter auch Jimmy und ich mit unseren Gruppen. Nach etwa zehn Minuten waren wir am zukünftigen Platz der Revolution angekommen.

Ich hatte Anweisung gegeben das sich die meisten in den Straßen um den Platz herum verstecken sollten, vielleicht in einem Café oder sonst wo, aber wenn wir zu viele waren auf einmal, dann würde jemand Alarm schlagen.

Unsere beiden Gruppen, in denen Jimmy und ich, gekommen waren, trennten sich auch. Wir gingen in der entgegengesetzten Richtung um den Platz herum. Der Plan sah vor das sobald wir nur noch wenige Meter vom Eingang weg waren, wir wollten unauffällig flanieren und hatten uns so gut getarnt wie möglich, sollte auf der anderen Seite mit einem Gummiband ein Stein in eines der Fenster katapultiert werden. Wir hofften das niemand unsere Jungs dabei sah und das sie nach drinnen rennen würden.

Die Dämmerung hatte eingesetzt und mit einem leichten Aufatmen beobachtete ich da die Straßenlaternen noch nicht an gingen. Der Himmel war verhängt von Wolken. Es würde eine dunkle Nacht werden. Geschickt trennte ich mich von meiner Gruppe und schlenderte zu Jimmy herüber.

„Denkst du wir können die anderen Lampen auch noch ausschalten irgendwie? Wenn es ganz dunkel wird es leichter, denke ich."

„Ich schaue was wir machen können, aber verlass dich nicht drauf. Wenn es dunkel wird, dunkel genug, werde ich das Zeichen geben."

Es war ausgemacht, das wenn die Dämmerung dunkel genug war, würde Jimmy seinen Hut abnehmen. In den Sekunden danach sollte es den Einschlag geben.

Meine Hände wurden etwas feucht, ich wollte mir noch eine letzte Zigarette anzünden, bevor der große Sturm losbrechen würde. Mein Feuerzeug wollte nicht beim ersten mal anspringen und ich musste es öfter versuchen. Ich konnte spüren wie mir ein Schweißtropfen von der Stirn lief. Ich musste mir eingestehen, das ich nervös war. Ich fasste mir an den Hals und konnte mein Herz spüren. Es presste das Blut durch meinen Körper. Ich atmete flach. Wir standen etwa fünf Meter vom Eingang des Regierungspalastes entfernt. Einen scheuen Blick nach oben werfend, stellt eich erleichtert fest, das die Wolken nicht weiter zogen, sie schienen sogar noch dichter zu werden. Das war einmal eine Sache die ihn beruhigte, außerdem konnte er feststellen, das die Straßenlaternen nun doch angingen, nur nicht hier wo sie standen. Nur das Licht aus dem Eingang erhellte die Szene und bot ihnen ein wenig Schutz.

Gerade noch so konnte ich die andere Seite des Platzes, die vielleicht hundert Meter weit weg war, erkennen. Mich zog jemand am Ärmel und ich sah gerade noch aus dem Augenwinkel wie Jimmy seinen Hut abnahm und sich über die Stirn wischte. Nur Sekundenbruchteile später, zumindest kam es uns so vor, ertönte ein lautes Krachen, gefolgt vom Klirren der eingeschlagenen Glasscheiben. Etwa die Hälfte der Soldaten brüllte etwas und die andere Hälfte lief ins Innere des Palastes nachdem sie gesehen hatten das eine Fensterscheibe fehlte. Ein paar machten sich auch auf den Weg auf den dunklen Platz und wollten wohl herausfinden was die Ursache war. Lange würden sie nicht brauchen. Wir hatten ausgemacht, das sobald es klirrte, alle auf den Platz stürmen würden, möglichst uns hinterher, aber das die meisten draußen bleiben würden um dafür zu sorgen das uns niemand ins Innere folgen würde.

Jimmy rannte los auf den ersten Mann zu. Unsere Schlagstöcke hatten wir als Gehhilfen getarnt und sie staunten nicht schlecht das wir au einmal so behände los liefen. Dem ersten schlug ich so hart gegen den Kopf das er sofort umfiel und auf dem Pflaster landete. Im gleichen Moment wollte mich ein zweiter zu Fall bringen aber ich ließ ihn nicht. Mich unter seinem Schlag weg duckend stieß ich ihm meine Schulter in die Magengrube. Er landete sofort auf dem Boden. An seiner Hüfte war eine Waffe und ich nahm sie an mich. Die zweite hatte ich auch dabei. Doppelt so viele Waffen - doppelt so Angst einflößend.

Jimmy war vor mir im Palast und rannte mit seinen Leuten zum Treppenhaus. Auch er hatte zwei der Revolver in den Händen. Hinter uns kamen schon die ersten an und postierten sich an der Tür. Ich winkte ihnen, das noch ein paar rein kommen sollten. Zu fünft würde es wahrscheinlich ein bisschen schwierig werden.

Wenn ich mich richtig, gab es alles in allem gerade einmal fünfzig Sicherheitsleute und sie alle waren nie gleichzeitig bei der Arbeit. Also waren es im schlechtesten Fall zwanzig Gegner mit denen sie es aufnehmen musste.

„Kommt schon, ein bisschen schneller," brüllte ich über das hektische Treiben hinweg. Aus einem der kleinen Räumen stolperten gerade noch zwei Männer, aber ich war schon an Ihnen vorbei, bevor sie auch nur ihre Gürtel geschlossen hatten. Hinter mir konnte ich noch ihre überraschten und dann schmerzerfüllten Schreie hören.

Bevor wir auch nur daran gedacht hatten den Palast zu stürmen, hatten wir fest gelegt das wir niemanden töten würden, sollte sich nicht das eigene Leben in Gefahr sein. Vor mir tauchten die Edelstahltüren des Aufzugs auf. Der Weg war frei und wir drückten den Knopf. Es war ein schreckliches Gefühl zum Warten gezwungen zu werden. Ich drückte den Knopf so heftig da sich Angst hatte ich hätte Ihn kaputt gemacht.

Kling - Kling - Kling machte es, schmerzte schon fast im Kopf. Es verhöhnte uns so lange warten zu müssen. Noch andere sammelten sich hinter mir.

„Es können nicht alle mit," wandte ich mich an sie und atmete auf als endlich die Türen hinter mir auf glitten. Einer der Jungen stürzte an mir vorbei, ich konnte nur noch hören wir er schmerzerfüllt aufschrie.

Im Aufzug stand ein Wächter mit einem Blut überströmten Messer. Erschrocken blickte er von seinem Messer auf den jungen Mann, dessen Leben er gerade beendet hatte. Er begann zu schreien und wir stürmten auf ihn ein. Ich konnte es nicht aufhalten. Die jungen Männer hinter mir umringten den Mann und zerrten ihn heraus. Sein Messer fiel klappernd auf den Boden. Seine Schreie gingen unter in dem wütenden Brüllen des Mobs. Das letzte was ich von ihm hörte klang erstickt.

„Wir müssen weiter," trieb ich meine Gruppe an," los, alle rein. Los, jetzt."

Wir zwängten uns alle, Schulter an Schulter, in die kleine Kammer und fuhren in das oberste Stockwerk. Ich wusste das es in Wirklichkeit nicht einmal eine halbe Sekunde sein konnte, aber es fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Als wir in der Höhe des fünften Stocks waren konnten wir einen Schuss hören und hofften, das nicht noch einer unserer Kameraden gestorben war.

Sechs. Meine Stirn war voller Schweiß, kam es mir nur so vor, oder war es wirklich so heiß hier drinnen? Sieben. Meine Hände zitterten. Ich stand direkt an der Tür und war der erste der in den Raum kommen würde, sollte Jimmy es nicht schaffen. Acht. Die Zeit zog sich unendlich und konnte er Acht zuschauen wie sie auf dem kleinen Bildschirm erschien. Dann kam das typische Ruckeln wenn ein Fahrstuhl anhielt. Danach machte es ein surrendes Geräusch und die Tür öffnete sich einen Spalt. Ich versuchte so viel wie möglich zu erkennen und sobald ich konnte sprang ich aus dieser Sardellenbüchse und ging hinter einer Couch in Deckung. In der kurzen Zeit hatte ich erkennen können das die meisten sich im hinteren Teil dieser Wohnung zusammengefunden hatten und voller Angst sahen sie zu uns her rüber. Davor aber standen noch fünf dieser Gorillas und bildeten eine natürliche Grenze zwischen uns und dem Sieg unserer Sache. Weit hinter mir, in der Ecke des Raumes sprang die Tür auf und Jimmy trat in den Raum und hielt zwei Pistolen auf die Männer. Er schnaufte laut, er musste die Treppen im vollen Schritt gelaufen sein. Ich richtete mich auf und das Wort an die anwesenden Herrschaften.

„Pfeifen sie Ihre Hunde zurück," erpresste ich sie und hielt meine Waffen auf sie," sehen sie einmal aus dem Fenster. Wenn wir das wollen kommen sie hier lebend nicht mehr raus. Ich würde also sagen sie stehen in unserer Gewalt.

Die Wachmänner wechselten verunsicherte Blicke und wichen einen Schritt zurück," was sollen wir machen?"

„Sagen sie ihnen das sie ihre Waffen ablegen sollen, ansonsten kann das hier böse ausgehen."

Ich stieg über die Couch hinweg und ging auf unsere Geiseln zu. Vor einem ihrer Bewacher blieb ich stehen. Den einen Lauf richtete ich auf ihn, den anderen auf die Menge hinter ihm. Eine junge Frau, etwa in meinem Alter sackte in sich zusammen und kotzte auf den Boden. Sie hatte bestimmt etwas genommen was ihr jetzt nicht bekam. Im allgemeinen sah gerade keiner danach aus, als ob ihm das hier Spaß machen würde. Allerdings waren einige doch wirklich benebelt gerade und verstanden wahrscheinlich gar nichts von dem was hier passierte.

„Schön wenn ihnen die Leben der Menschen die sie beschützen egal sind," ich ging an dem breiten Mann vorbei der nur nervös und verunsichert schaute. Das ich so viel Selbstbewusstsein hätte, wäre mir im Traum nicht eingefallen. Vielleicht war dies einfach ein Instinkt von mir, dieses kalte und rein pragmatisch denkende," aber ihr eigenes Leben wird ihnen doch etwas Wert sein oder?" Fragend sah ich jeden an und wartete auf eine Reaktion.

„Das habe ich mir fast gedacht. Wir haben etwas vor bereitet wo sie sich gerne alle Zeit der Welt nehmen können um sich Gedanken um Ihr Leben zu machen, ab Morgen wird es nämlich nicht mehr so sein wie früher." Ich wandte mich von ihnen ab und bedeutete meinen Männern, jeden fest zu nehmen und zu entwaffnen.

Die Wohnung hier oben, hoch über der Stadt war unübersichtlich und, vor allem, schrecklich eingerichtet.

„Wo sie gerade alle noch da sind," wandte ich mich noch einmal an sie," sie haben einen wirklich beschissenen Geschmack." Ich trat gegen eines der Sofas und lies sie nun weg bringen. Unser Plan bestand darin sie in einem Keller in der Arbeitersiedlung den wir im geheimen zu einem Gefängnis ausgebaut hatten zu inhaftieren. Nach einander wurden sie an Jimmy und mir vorbei geführt.

Ich wollte mich noch in dieser Wohnung umsehen und sicher gehen das sich niemand hier versteckte. Weiter hinten machte der Raum eine Biegung und ich sah dort nach. Gerade noch konnte ich die zu fallende Tür sehen. Ich zog die Revolver aus meinem Hosenbund.

Hinter der Tür war eine Treppe die nach oben auf das Dach führte. Ich stürmte sie nach oben. Der Wind peitschte mir entgegen und trieb mir Tränen in die Augen. Das Dach war übersichtlich. Es war flach und es ragte nur ein Schornstein nach oben, sonst aber verdeckte nichts die Sicht.

Er entdeckte sofort den Flüchtigen. Aber er war nicht allein. Eine junge Frau war bei ihm, nur nicht freiwillig. Sie zeterte und versuchte sich los zu reißen.

„Lass mich los," bettelte sie," ich kann dir doch auch nicht helfen."

„Sie werden mich schon hier raus lassen wenn ich dich als Geißel habe."

Natürlich erkannte ich Emilys Stimme sofort. Niemals hätte ich sie mit jemandem verwechseln können.

„Nein." Ich musste gegen den Wind anschreien.

Erschrocken drehte der Man n sich um und starrte mich an," wie?"

„Die würde ich nicht mal retten wenn sie mir eine Millionen bieten würden."

„Na, mal schauen was du dazu sagst?" Grob riss er Emily am Arm herum und presste ihr das Messer gegen den Hals," na, immer noch so cool Bursche?"

Aus den Augen dieses Mannes sprach die Verzweiflung die eher schon an Wahnsinn grenzte. Schritt um Schritt wich er vor ihm zurück. Kalt blickte ich ihn an und an Emily vorbei, ich würdigte sie nicht einmal eines Blickes. Der Lauf meines neuen Revolvers zielte genau auf seinen Kopf.

„Lass den Scheiß und hilf mir hier raus zu kommen, dann wird ihr auch nichts passieren."

„Wie ich schon gesagt habe, das ist mir egal. Das scheint wirklich nicht dein Glückstag zu sein. Das ist meine Ex Freundin, die hat mich mit der halben Stadt betrogen, denkst du ich heule der eine Träne nach?"

„Sei nicht so stur. Wenn du mir jetzt hilfst lege ich auch ein gutes Wort für dich ein!"

„Wo denn? Schau dich mal um, es ist alles vorbei. Wir beherrschen jetzt die Stadt. Wenn du aufhörst und dich ergibst, vielleicht lege ich dann für dich ein gutes Wort ein."

„Wir werden niemals die Macht verlieren, verstehst du, auf die eine oder andere Art werden wir immer weiter an der Macht bleiben."

Seine Schritten waren klein, aber sie trugen ihn zielstrebig immer weiter in die Richtung der Brüstung. Weit war er von dieser nicht mehr entfernt. Ohne mich von ihm beeindrucken zu lassen schob ich mich immer näher zu ihm. Meine Schritte waren größer und unser Abstand wurde immer kleiner.

„Leg das Messer hin und komm mit runter, dir wird nichts passieren, ich verspreche es dir."

„Klar, als ob ich so einem Revolutionär wie dir glauben würde."

Schätzungsweise war er noch drei Schritte von seinem sicheren Tod und dem Emilys entfernt.

„Kannst du aber, wir stehen zu unserem Wort, im Gegensatz zu euch, von euch hört man nie etwas."

Noch Zwei.

„Warum auch? Wir hatten alles so schön in die Wege geleitet. Jeder war benebelt und wir konnten tun und lassen was wir wollten und haben euer Geld bekommen. Was denkst du wie reich wir sind. Ist es das was du willst? Geld? Ich gebe dir unvorstellbar viel. So viel, das könntest du in deinem ganzen Leben nicht ausgeben!"

Noch einen.

„Kein Interesse und jetzt lass den Scheiß, noch ist nichts passiert."

Keiner mehr.

Der Entführer stolperte über die Brüstung und verlor den Halt. Einen Moment lang hing er in der Luft oder an Emily, so genau konnte man das nicht sagen. Mit beiden Händen fuchtelte er in der Luft herum und versuchte das Gleichgewicht zu halten, aber er schaffte es nicht und stürzte.

Ich machte einen Satz und war bei Emily und konnte sie gerade noch umklammern bevor sie ihm folgen konnte. Während er nach unten auf den Beton fiel, kamen wir beide hart auf dem Boden auf.

Keuchend rappelten wir uns auf.

„Danke." Sie blickte zu Boden als ob sie nicht wissen würde was sie als nächstes sagen sollte,"wieso?"

„Was?"

„Du hast doch so kalt geklungen und hast nur auf ihn eingeredet. Ich habe dich beobachtet du hast mich nicht einmal angeschaut."

„Vielleicht sind wir ja jetzt fertig mit einander, oder was willst du noch außer das ich dein Leben, gerettet habe?"

Ich wischte mir den Staub von den Hosen und ging hinüber zu der Brüstung und blickte nach unten. Ein Kreis hatte sich gebildet und mitten in dem Kreis lag der junge Mann mit dem wirren Blick. Nur war der Blick jetzt kalt und leer und starrte sinnlos in den Himmel. Seine Arme und Beine standen in komischen Verrenkungen von ihm ab. Eine lache aus Blut bildete sich unter ihm.

Schweigend ging ich zur Treppe zurück und steckte den Revolver wieder weg. Ich hoffte inständig das Emily mir nicht nach kam und sie tat es auch nicht. In diesem Moment hätte ich es nicht aus gehalten. Allein durch ihren Anblick fühlte es sich so an als ob mein Herz zerspringen würde.

„Was ist los?" Jimmy sah das etwas mit mir nicht stimmte. Ich hatte mir den Arm aufgeschürft, aber das war nicht schlimm.

„Komm, wir müssen eine Revolution für gewonnen erklären."

Gemeinsam machten wir uns auf den Weg nach unten in den dritten Stock, wo ein riesiger Balkon auf den, nun wirklichen, Platz der Revolution zeigte.

Es war ein unbeschreiblicher Anblick der sich uns bot. Der gesamte Platz war überfüllt mit Menschen. Unsere Leute standen da und warteten auf ein Zeichen. Als sie uns sahen brachen sie in Jubel aus. Wie auf ein Zeichen rissen Jimmy und ich die Hände hoch. Uns standen die tränen in den Augen, denn unser Plan der Freiheit und des Friedens war aufgegangen. Wir waren uns sicher das wir es besser machen würde als die vor uns. Durch eine Gasse in der Menschenmasse wurde der letzte Gefangene abgeführt. Einige warfen Äpfel auf sie.

Nach und nach ebbte der Beifall ab und es wurde ruhig genug das wir anfangen konnten unsere Vorstellung vor den Menschen zu verkünden. Hinter den ganzen Jungen mit den kahlen Köpfen sammelten sich auch immer mehr andere Bürger. Sie traten aus den Gebäuden am Platz, manche sahen auch aus den Fenstern, und strömten durch die Straßen hier her. Obwohl alles nicht länger als eine halbe Stunde gedauert haben konnte wusste es anscheinend schon die ganze Stadt und versammelte sich nun hier.

Ganz weit hinten konnte ich meine Eltern erkennen. Sie weinten und sie winkten mir zu. Aus dieser Entfernung konnte ich es nicht genau sagen, aber ich glaube sie freuten sich.

„Es lebe die Revolution." Wir schrien beide aus voller Kehle und wieder brandete der Jubel über uns herein.

„Wir haben es geschafft, die alte Herrschaft ist abgestreift. Die Alten sind besiegt. Wir sind frei ein schöneres neues Leben zu beginnen." Sie hatten lange überlegt was sie sagen würden und waren dann dabei geblieben ein paar Worte an die Bevölkerung zu richten und ihnen zu sagen worin das Neue bestand.

„Die Herrschaft die sie über uns gezwungen haben ist vorbei." Nach jedem Satz jubelten sie alle und auch einige der Eingetroffenen stimmten ein. Wir waren nicht so alleine wie wir uns lange gewähnt hatten. Bestimmt hatte es vielen nicht gefallen sich ständig betäuben zu lassen und alleine gelassen zu werden.

„Es wird einige Neuerungen geben die ab Heute und Jetzt in Kraft treten." Das war mein Part. Ich trat an die Brüstung und faltete ein Papier auseinander das ich in der Innentasche meiner Jacke mit mir herumgetragen hatte seit dem wir es fertig geschrieben hatten. Es war so etwas wie meine heilige Schrift geworden.

Ich räusperte mich und sprach dann so laut ich konnte:

„Nummer eins: Alle sind so frei und wertvoll wie der Mensch neben Ihnen."

Wir dachten dass dies sicherstellen würde das sich alle als gleich wertvoll empfinden würden.

„Nummer zwei: Drogen sind verboten und Alkohol wird stark reguliert."

Selbstredend nach diesen Jahren voller Betäubung.

„Nummer drei: Die Stadt wird von einem Fünfköpfigen Rat regiert. Dieser ist nicht allmächtig. Wichtige Gesetze und deren Änderungen bedarf der Zustimmung des Volkes."

Wir wollten keine allmächtige Regierung mehr, die tun und lassen konnte was sie gerade wollte.

„Nummer vier: Jedes Ratsmitglied ist den Bürgern dieser Stadt zu jedem Zeitpunkt Rechenschaft schuldig und jede Entscheidung die keiner Volksabstimmung bedarf, bedarf mindestens einer Abstimmung im Rat."

Damit auch keiner aus dem Rat auf die Idee käme einfach die Gesetze zu ändern oder Dinge auf den Weg zu bringen die er nicht rechtfertigen kann.

„Nummer fünf: Das wichtigste Gesetz: Keines dieser fünf Gesetze darf, weder von Volk noch von Rat, jemals geändert werden. Der Sinngehalt muss erhalten bleiben."

Wir wollten wirklich sicher gehen.

„Abschließend möchte ich noch ein paar Dinge sagen. Wir die wir die Revolution geführt haben, setzen uns hiermit als Rat ein. Dieser Rat bleibt vier Jahre bestehen und kann dann von jedem Wahlberechtigten neu gewählt werden, nur aber fünf Ratsmitglieder darf es geben. Außerdem wird es in den nächsten Tagen einige Razzien unserer neuen Polizei geben um jede Droge aufzuspüren. Jeder Verkäufer dieser illegalen Substanzen, der vorher alles abgibt darf mit Strafmilderung rechnen, aber wir werden jeden finden und die Strafen werden drakonisch."

Beim nächsten Punkt musste ich sehr an meine Mutter denken," für alle Abhängigen, die nicht denken das sie es alleine schaffen bieten wir Hilfemöglichkeiten an. Kostenlose Beratungsstellen und Therapien."

Ich machte eine kurze rhetorische Pause," Auf eine sagenhafte Zukunft!" Der Jubel der diesmal durch die Menge lief schien gar nicht mehr aufhören zu wollen. Nach einer Weile gingen Jimmy und ich wieder hinein und setzten uns auf einige Stühle die wir fanden.

Schon bald klopfte es an die Tür. Meine Eltern hatten sich durch die nun ausgelassen feiernde Menschenmenge gekämpft und wollten nun zu uns.

„Jack," rief mein Vater, ein wenig hatte ich Angst vor dem was jetzt kommen würde," wir sind stolz auf dich, dass ein so guter junger Mann aus dir geworden ist. Was du getan hast, hätte sich keiner getraut. Wir sind wirklich stolz auf dich. DU hast dich wirklich gemacht. Und das du es so, wir sind beeindruckt das du das hier alles geschafft hast."

Ich fiel meinem Vater und meiner Mutter in die Arme, das war mehr als ich mir jemals in meinem Leben gewünscht hatte.

„Alleine war ich aber nicht, Mutter, Vater, das ist Jimmy, wir sind so zu sagen die Köpfe der Revolution." Ich deutete auf Jimmy der sich erhob und meinen Eltern seine Hand anbot.

„Es freut mich sie kennen zu lernen."

Es hatte etwas von einer Familienfeier, als meine Eltern, einige andere „hochrangige" und wir in der Suite des Palastes feierten. Diese Feier ging bis spät in die Nacht, war aber nicht halb so laut wie die auf dem Platz der Revolution, der nun wirklich so heißen durfte und nicht nur in meiner Vorstellung.

„Gleich Morgen reißen wir aber dieses hässliche Zeig hier raus, so können wir ja nicht regieren." Jimmy und ich lachten, aber auf einen Schlag wurde mir bewusst das ich nun die Verantwortung nicht mehr nur für mich trug sondern für die ganze Stadt.

Emily sah ich den ganzen Abend nicht, aber ich konnte mir denken was sie gerade machte, wahrscheinlich würde sie sich gerade ihre letzte Dröhnung besorgen oder einen großen Vorrat davon anlegen. Im Moment wollte ich nicht über sie nachdenken.

Als die Feier in vollem Gange war, musste ich einmal an die frische Luft. Mein Kopf schmerzte. Zur Feier des Tages hatten wir eine Flasche uralten Schnaps von Jimmys Vater aufgemacht. Mir schwante das ich am nächsten Tag noch heftigere Kopfschmerzen haben würde. Niemand bekam mehr als zwei Gläser, wir hielten uns an unsere eigenen Regeln.

Ich trat an die rückwärtige Brüstung des Palastes. Mir wurde auf einmal klar das ich noch nie außerhalb der Mauern dieser Stadt gewesen war. Was war hinter diesen hohen Mauern? Ich wusste das es noch viele Gewächshäuser gab und das wir von einer Wüste umringt waren, Jimmy hatte dort gearbeitet. Aber gesehen hatte ich es noch nie.

Auf dem Dach wehte eine kühle Brise. Die Wolken waren wie verflogen und ich konnte die Sterne sehen. Es war eine wirklich schöne Nacht. Die Sterne funkelten wie Edelsteine. Tief atmete ich die frische Nachtluft ein, schon ging es mir besser. Ich wollte nur noch ein wenig diese wunderbare Aussicht über die Wüste genießen. Ich hatte es mir nicht vorstellen könnte wie eine Landschaft aussehen würde aber jetzt in der Nacht war es als würde er blau schimmern es war ein wirklich schöner Anblick.

„Es ist wirklich schön hier," sagte eine junge Frau hinter mir, aber ich wusste sofort wer es war. Sie ließ mir mein Blut in den Adern gefrieren.

„Ich dachte du würdest dir in diesem Moment da Gehirn weg rauchen oder spritzen, hast du denn nichts besseres zu tun?"

„Was ihr gesagt habt, das mit der neuen Ordnung und allem. Ich will einen neuen Anfang verstehst du? Mir ist klar geworden das es falsch war,... du kannst es dir nicht vorstellen, wie leer mein Leben im letzten Jahr war. Du fehlst mir Jack."

Bei diesen Worten schlang sie von hinten die Arme um mich, aber ich schüttelte sie schnell wieder weg. Nie wieder wollte ich das mich eine Frau so verletzen könnte, wie sie es getan hatte.

„Nein heißt nein."

„Bitte, gib mir diese Chance, ohne dich schaffe ich es nicht."

„Wir bieten eine wirklich gute Therapie ab. Komm einfach morgen Früh, da macht das Zentrum auf und du bekommst gratis eine Beratung."

„Jack,..." sie wisperte.

„Geh oder ich lasse dich ins Gefängnis werfen." Mein Tonfall hatte sich nicht verändert während ich mit Ihr gesprochen hatte. Langsam entfernte sie sich von mir und ging zur Treppe. Leider wusste ich genau das dies nicht das letzte mal war das ich sie gesehen hätte, mir graute schon vor der nächsten Begegnung.

Aber im Moment wollte ich nicht daran denken. Am Horizont hatte ich etwas entdeckt das meine Aufmerksamkeit fesselte. Ein Licht saß auf etwas das ich für eine Bergspitze hielt. Was war das? Ich beschloss es mir am nächsten Tag noch einmal an zu sehen, vielleicht konnte ich auch irgend wo ein Fernglas finden.

Mit einem guten Gefühl im Bauch ging ich zu den anderen hinunter und feierte noch mit Ihnen.Morgen würden noch genug Aufgaben auf mich warten. Unter anderem das Licht. Es würde immer noch da sein. Jedes mal wenn ich es mir ansehen würde. Kein Stück würde es sich bewegen über die Zeit.

Ende

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