Die Zeit danach

By WunderWeltlerin

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Liebe. Glück. Freude. Trauer. Leidenschaft. Melancholie. Verlassenheit. Hoffnung.... Jedes dieser Gefühle hat... More

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Danach... Zum Schluss

Davor 44

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By WunderWeltlerin

Meine Mam trägt ihr blaues, mit Mustern besticktes Kleid und hochhackige Schuhe. Ich fühle mich unwillkürlich völlig unpassend gekleidet mit meiner ausgeblichenen Jeans, dem blauen Kapuzenpulli und meinen typischen Chucks.

Meine Mam huscht nervös von einem Tischgedeck zum anderen. Als sie einigermaßen zufrieden damit ist, wendet sie sich mir zu, streicht meinen Pulli glatt und zupft an meinem Haar herum, dass ich heute, zur Feier des Tages, offen trage.

Dazu murmelt sie Sachen wie: „Er wird dir gefallen... Er ist extrem bodenständig... Mach mir bitte keine Schande, Lia... Ich hoffe er mag gefüllte Paprikas."

Kurzum – Es ist die Hölle.

Als dann auch noch die Klingel ertönt, muss ich sie stützen, damit sie nicht in Ohnmacht fällt.

Ich höre, wie sie die Tür öffnet und ihn begrüßt. Sie lacht völlig unnatürlich und hysterisch auf und dann sind sie schon hier. Stehen vor mir.

„Lianna, das ist Liam. Liam, meine Tochter Lianna."

Er sieht gut aus. Mitte Vierzig, graue Schläfen, ansonsten schwarzes Haar, Bartstoppeln und – zu meinem Frust in einem maßgeschneiderten Anzug. Wieder befällt mich dieses unangenehme Gefühl. Vermutlich hatte der mehr als unsere Stromrechnung und die Gasrechnung zusammen gekostet.

Er streckt mir seine Hand entgegen und ich nehme sie ohne Zögern. Sein Händedruck ist warm, fest und er sieht mich dabei mit stahlblauen, freundlichen Augen an. Ich beschließe, ihn vorerst zu mögen.

„Ich bin Lia.", korrigiere ich meine Mam, werfe ihr einen Seitenblick zu und füge ein „So nennen mich alle." hinzu.

Das Lächeln meiner Mam verrutscht für einen Augenblick und ich habe sofort ein schlechtes Gewissen, sie zu necken, wenn sie so offensichtlich aufgeregt ist.

Wir setzen uns an den Esszimmertisch und meine Mam schenkt sich und Liam ein Glas Rotwein ein, während ich an meiner Cola nippe.

Sie werfen sich verliebte Blicke zu und meine Finger verkrampfen sich um das Glas. Ich kann es nicht abstellen. Ich bin nicht stolz darauf, aber ich bin eifersüchtig.

Die meiste Zeit plappert meine Mam sich um Kopf und Kragen. Es ist nur still, wenn sie isst oder trinkt.

Liam lächelt dabei und hängt an ihren Lippen, während er sie dabei ansieht, als wäre es das Spannendste, was er je gehört hat, auch wenn sie nur davon berichtet, wie lange sie im Supermarkt in der Schlange stehen musste, oder den Abgabetermin für einige Bücher verpasst hatte, die sie bei der Bibliothek ausgeliehen hatte.

Sie ergänzen sich perfekt. Sie redet gerne, er hört gerne zu.

Und ich beobachte sie und bringe kein einziges Wort über die Lippen. Ich mag ihn sogar, Liam. Aber es ist ungewohnt, dass ich bei mir zu Hause mit einem Mann zu Abend esse. Und dieser Mann zufällig mit meiner Mutter liiert ist, macht mich ziemlich... Hach, ich weiß nicht, was es mit mir macht. Es ist auf jeden Fall unangenehm.

Plötzlich ertönt die Klingel und wir drei zucken alle gleichermaßen erschrocken zusammen. Sie waren gerade in eine Diskussion über die Schweinerei des Preisunterschieds der Paprikas zweier unterschiedlicher Marken vertieft und ich habe dabei jede ihrer Bewegungen genauestens analysiert.

Ich bin nicht minder überrascht als Mam, als diese mit Karlie im Schlepptau zurück zum Tisch kehrt.

„Moralischer Beistand.", raunt sie mir schmunzelnd zu, als sie sich neben mich setzt und sich eine Cola einschenkt.

„Ach was – Du wolltest ihn nur von Nahem sehen. Ich interessiere dich doch gar nicht.", gebe ich durch zusammengebissene Zähne zurück.

Karlie kichert teuflisch. „Angenehmer Nebeneffekt, beste Freundin."

Ich bin ihr dankbar. Sie lockert alles auf mit ihrer gelassenen und offenen Art. Mit jedem Witz, den sie reißt, entspanne ich mich mehr. Am Ende des Abends hat sogar Liam gerötete Wangen vom Lachen und ich verkünde, dass ich Karlie nach Hause begleiten werde. Sie beachten mich kaum und versinken in dem jeweiligen Blick des Anderen, sodass ich mir meine Jacke schnappe und in die Kühle des Abends trete.

Wir schlendern Seite an Seite durch die mondbeschienenen Straßen und schweigen.

„Er ist nett.", sagt sie schließlich.

„Ich weiß.", antworte ich. Ende des Gesprächs.

Wir verabschieden uns vor ihrer Haustür. Auf dem Heimweg habe ich endlich Zeit, meine Gedanken herunterzufahren und alles noch einmal sorgfältig durchzugehen.

Liam ist nett. Ich weiß. Die Frage ist jetzt nur, ob er das auch bleibt, oder ob er am Schluss so wie Phil endet, der eine einstweilige Verfügung gebraucht hat, um meine Mam und mich in Ruhe zu lassen.

Phil ist mein Vater. Biologisch gesehen. Ansonsten hat er sich alle Rechte als Vater verspielt.

Er hat meine Mam verprügelt. Immer wieder.

Mich hat er zwar nie angefasst, aber zu sehen, wie er meine Mam misshandelte, die ihn trotz allem immer noch liebte, tat mehr weh als alle Schläge die er mir verpassen hätte können.

Ich war damals zehn, als ich vom Gericht befragt wurde. Und ich denke noch immer, dass ich dort maßlos untertrieben habe.

Die Schwäche meiner Mam war mir peinlich. Ich wollte doch, dass sie die Stärkste von allen war. Dass es sie war, die ihn anzeigte, und nicht ihre beste Freundin Bethany, die er ebenfalls ein- zweimal geschlagen hatte.

Ich schüttle einige Male den Kopf, um die verstörenden Bilder meiner Mam mit blauen Flecken und schlimmen Blutergüssen loszuwerden.

Auch in dieser Zeit stand Karlie mir bei, wie immer, wenn ich ihre Hilfe brauchte. Ich weiß, dass ich mich immer auf sie verlassen kann – komme was wolle.

Wenn ich da gewusst hätte, dass es sehr wohl so kommen würde, dass ich sie nicht mehr an meiner Seite haben würde, hätte es mich wahrscheinlich in dieser Sekunde umgebracht.

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