Wir blieben auf der Straße vor seinem Auto stehen und er bot mir an, mich nach Hause zu fahren. Ich schaute aber rüber zu dem kleinen Mädchen. Sie saß noch immer da und beobachtete die Menschen, die auf den Wegen entlang liefen.
»Ich würde sie gern begrüßen.«
»Dann geh schon, ich warte hier«, räumte er ein.
»Ist nicht nötig, Du musst nicht fahren. Ich finde auch alleine nach Hause.«
»In dem Aufzug? Niemals!« Wenn er nur wüsste.
»Na gut, dann bin ich gleich wieder da, Chef...«, betonte ich zum zweiten Mal an diesem Abend. Er hob eine Augenbraue hoch, griff nach meinem Arm und zog mich an sich.
»Nicht frech werden Prinzessin...«, hauchte er auf meine Lippen, küsste mich aber nicht. Obgleich ich fühlte, dass er es gerne getan hätte. Schnell wich ich vor ihm zurück, wenn ich geahnt hätte, was dieser Abend mit meinen Gefühlen anrichtet, wäre ich getürmt.
Ich schaute mich kurz um und lief dann über die Straße rüber zu meiner kleinen Freundin, die mir schon oft aus der Patsche geholfen hatte, in den letzten Tagen. Wir redeten oft und ich sah sie mittlerweile fast täglich. Ich setzte mich zu ihr und bekam ein Lächeln geschenkt.
»Angel!«, freute sie sich und drückte mich so herzlich, dass alle Schmerzen vergessen waren. »Geht es dir wieder besser?«, fragte sie besorgt und musterte mein Gesicht. Wenn sie mich so anhimmelte war alles besser. Ich nickte. Wenn sie sich anlehnte, genossen wir beide die Zuwendung. Ihre Umarmung, machte mir nichts aus. »Ist das dein Freund?« Schielte sie an mir vorbei und lehnte sich vor. Ihr Interesse galt Dimitri, der an sein Wagen gelehnt stand und eine rauchte. Sie hatte mich gesehen als ich von ihm zu ihr gelaufen war.
»Keine Ahnung Süße. Eigentlich ist er mein Chef.«
»Wie kann man denn da keine Ahnung haben?«, fragte sie irritiert und brachte mich zum Lächeln.
»Weißt du, manchmal mag man jemanden sehr, doch ist nicht mit ihm zusammen. Es ist kompliziert.« Neugierig musterte sie ihn.
»Er sieht böse aus.«
»Ist er aber nicht. Vielleicht etwas zu ernst.«
»Hast du ihn lieb?«, fragte mich ihre süße Kinderstimme und ich erinnerte mich an die letzten Monate. Einen Augenblick ließ ich die Gedanken zu und auch die Gefühle, was ich besser nicht hätte tun sollen. Da waren Gefühle für ihn, die so stark waren, dass sie mich manchmal zu ersticken drohten.
»Sehr sogar.« Um ihre Fragerei zu unterbrechen, kitzelte ich sie aus. Laut gluckste sie auf und rutschte auf der Treppenstufe weiter weg. »Verrätst du mir denn heute deinen Namen?« Immer noch kichernd nickte sie.
»Juli, wie der Monat.« Ihr Lächeln zeigte mir eine Zahnlücke, ihr vorderer Schneidezahn fehlte. Ein Milchzahn. Zuckersüß. Man konnte sich in ihren braunen Augen verlieren. Sie war niedlich und vor allem hübsch, auch unter dem ganzen Schmutz. Ich zog sie an mich und kuschelte mit ihr. Man musste sie einfach liebhaben und herzen. Ich gab ihr wie jeden Tag, wenn ich herkommen konnte mein Essen, Obst und etwas Süßes. »Du siehst hübsch aus«, sagte sie mit vollem Mund.
»Du bist aber viel hübscher!«, brummte ich spielerisch.
»Nein du!«
»Du bist das hübscheste kleine Mädchen, dass ich kenne.« Ich stupste sie auf die Nase und seufzte. »Ich muss leider wieder los...« Sie lächelte.
»Kommst du morgen wieder?« Ich umarmte sie ein letztes Mal und strich durch ihr zerzaustes, langes, braunes Haar.
»Ich versuche es, dann bring ich dir eine Bürste mit für deine Haare.« Ihre Augen leuchteten auf.
»O ja, das wäre toll.« Ich verabschiedete mich endgültig und kehrte zum Auto zurück.
»Du weißt, sie wäre in einem Heim besser aufgehoben...«, merkte er an.
»Bist du dir da wirklich sicher? In diesem System aktuell? Da rutscht jeder Kriminelle durch. Die Polizei wird in der ganzen Stadt von den Russen geschmiert. Ich weiß es von Joel und Iris. Sie kommt aus einem Kinderheim«, antwortete ich ihm und stieg ins Auto, als er mir die Tür aufhielt. Er ging rum, stieg ebenfalls ein und fuhr los.
»Wie meinst du das?« Ich erinnerte mich an eines der Gespräche mit ihr. Nach und nach öffnete sie sich mir und wir wurden sowas wie Freunde. Bei jedem Treffen etwas mehr.
»Sie ist weggelaufen vor dem Heimleiter. Ihre Worte waren: - nachts, wenn alles leise war, kam ein schwarzer Mann an mein Bett und hat versucht mich zu entführen. Er hat mich ständig beobachtet- ich werde sie sicher nirgends hinbringen.« Dimitri musterte mich eindringlich und schaute zum Fenster raus. »Im Ernst?« Ich nickte. »Solche Kerle verdienen die Todesstrafe...« Er versuchte nicht weiter, mir irgendeinen Vorschlag zu unterbreiten. »Was ist mit ihren Eltern?« Ich schloss mein Jäckchen, mir war irgendwie kalt.
»Weiß ich nicht, darüber spricht sie nicht.«
»Ist genauso verschlossen wie du was?«
»Manche Sachen brauchen keine Worte. Müsstest du doch am Besten wissen.« Er warf mir lediglich einen Blick zu.
Vor der Akademie setzte er mich dann ab. Kurz verabschiedete er sich mit einem eindringlichen Mustern, während seine Finger durch meine gelockten Haare glitten. Plötzlich zog er sich zurück, stieg in den schwarzen Audi und fuhr davon. Auf den ersten Blick hielt er sich an meine Worte und hielt Abstand. Mit jedem Essen aber brach er die Distanz zwischen Chef und Angestellter wieder.
Als ich grade zur Auffahrt hoch wollte, spürte ich plötzlich einen Ruck an meiner Schulter, eine Hand, die nach Rauch stank und mir den Mund zu hielt.
»Hast du uns vermisst, kleine Angel?«, flüsterte mir eine Stimme ins Ohr. Sie gehörte Jackson. Heute war er wieder mit zwei Freunden unterwegs und völlig betrunken. Er packte mich an den Haaren und stieß mich zu einem seiner Kumpels. Grob rissen ihre Hände an mir und drückten mich zu Boden.
»Das traut ihr euch nur, wenn keiner da ist. So armselig...«, hustete ich nach dem Schlag in den Magen. Müde, ich war unendlich müde. Sollten sie doch haben, was sie wollten. Dann würden sie vielleicht endlich gehen, dann würde Dimitri mich auch nicht mehr wollen und dieser Wahnsinn ging endlich vorbei. Hoffnungslos und am Ende meiner Kräfte, blieb ich liegen. Die Schmerzen waren zu heftig und der feste Griff, machte mich bewegungsunfähig. Während seine Freunde auf meinem Händen knieten, zerriss Jackson mein Kleid. Sie stritten sich.
»Alter verpiss dich! Zuerst bin ich dran klar. Die Schlampe gehört mir!« Ich verfiel in ein Taubheitsgefühl. Ich war es so leid... »Heißes Kleidchen hast du da an. Nett, dass du dich extra schick für uns gemacht hast... Verstehe langsam, was Dimitri von dir will. Wenn du mal ruhig bist, bist du gar nicht so ätzend.« Ich konnte nicht schreien, sie hielten mir den Mund zu. »Halt schon still, du hast keine Chance. Heute kriege ich dich du Biest ...« Ein kaltes, abgebrühtes Lachen. Mit letzter Kraft strampelte ich mein Bein frei und trat mehrmals hintereinander mit voller Wucht, gegen ein Auto, in der Hoffnung, dass die Wachen, am Eingang der Akademie mich hörten. Das war meine letzte Chance. Ich spürte wieder einen Schlag in den Bauch, der mich endgültig ruhig stellte. Sie hielten mich fest auf den Boden gedrückt, vertieft in ihren Wahn. So betrunken, dass sie nicht mal ihre Hose auf bekamen. Endlich, grade als ich das reißen an meinem Slip bemerkte, ging nach wiederholtem Treten die Alarmanlage los. »Du...«, zog Jackson erschrocken an meinen Haaren und Ohrfeigte mich.
»Hey! Was ist denn da los?«, erschrocken ließen die Kerle von mir ab. Eine Taschenlampe schien in unsere Richtung und die Wachleute entdeckten uns, die Jungs suchten binnen Sekunden das Weite als ein Schuss von einem der Wachmänner fiel. Um Haaresbreite verpasste Terry die Gruppe Jungs. »Um Himmelswillen, Angel ...« Terry hockte sich zu mir und half mir vom Boden auf. Mir tat der Bauch weh, schon seit Tagen und ich konnte mich nicht mehr selbst auf den Beinen halten. Ich hatte Angst, der Schmerz war entsetzlich. Kalter Schweiß jagte über meinen Körper. Es fühlte sich an, als würde mir der Bauch aufreißen. Terry trug mich in die Lobby der Akademie, wo seine Frau Chloe uns erschrocken entgegen kam. Sie fing an zu weinen, als sie mich sah und streichelte mir über den Arm. Unfähig zu reden, konnte ich nur nicken, als sie mich fragte, ob es wieder die gleichen Jungs waren. Ich schmeckte mein eigenes Blut, weil ich so fest auf meine Lippe biss.
»Diese Kerle, sie werden jedes Mal brutaler. Wir bringen dich ins Krankenhaus, ich werde mich um dich kümmern. Niemand sonst, versprochen«, räumte sie ein, wissend, dass ich Angst vor Kliniken und Krankenwagen hatte. Sie war Ärztin und soweit ich wusste, eine sehr gute und verschwiegene.
In der Klinik, brachte sie mir eine Wärmflasche ans Bett und legte sich einen Augenblick zu mir. es war spät in der Nacht. Ich lehnte mich an die dunkelhäutige, liebe Frau und genoss, wie sie mir über die Stirn streichelte. Wie eine Mutter. Mir liefen ein paar Tränen über die Wange und sie flüsterte mir zu, dass alles gut werden würde. Diese Bauchschmerzen ließen anderes vermuten.
Es war spät und doch konnte ich trotz Müdigkeit nicht schlafen. Ich blickte auf mein Handy, musterte in der Dunkelheit Dimitris Gesicht auf einem Foto als die Ärztin gegangen war. Mit zitternden Fingern tippte ich seine Nummer ins Telefon aber als er ran ging und ich seine Stimme hörte, kam kein Ton aus meinem Mund. Als hätte mir jemand die Lippen zugeklebt.
»Hallo? ...Angel?« Ich legte wieder auf und schluchzte in mein Kissen. Weinte mich in den Schlaf und betete, dass die Hölle bald aufhörte. Wenn ich es ihm jetzt sagte, würde er nur schrecklich sauer sein.
Als die Ärztin am frühen Morgen mit den Ergebnissen der Untersuchung zurück kam, erzählte sie mir, von einer Stauchung im Bauchraum - eine Entzündung. Sie erkannten auch einige geprellte Rippen. Ich war zu dünn und hatte einen gebrochenen Finger. Erst als Joel mich abholte, ließen sie mich gehen.
»Hast du gehört, was die Ärztin gesagt hat? Nicht viel mehr und du hättest tot sein können«, wiederholte Joel entrüstet und war ganz blass. Er schlug auf sein Lenkrad und Fluchte immer wieder während wir mit dem Auto auf dem Weg nach Hause waren. Ich wandte den Blick ab. Ich wirkte Müde aber sonst sah man nichts. Diesmal hatten sie mein Gesicht verschont.
»Setzt du mich bitte am Studio ab. Ich muss mich wenigstens abmelden. Ich ruf dich an, wenn ich gehe. Okay?«, bettelte ich vorsichtig. Widerwillig setzte er mich am Studio ab und mehr wollte ich auch gar nicht. Er musste nicht einverstanden sein, denn seine Sorge verstand ich.
Ich stieg langsam die Treppen rauf, grüßte High und Drago kurz, die mich anstarrten, als wäre ich eine Fremde.
»Habt ihr immer noch Verbot mit mir zu reden? Feiglinge, ich mag eigenständig denkende Männer lieber, als abgerichtete, nachtragende Steinklötze. Wenn ihr bei euch sowas Freundschaft nennt, will ich gar nicht mehr zu euch gehören.« Kaum eine Reaktion. High schluckte aber verharrte. Ich seufzte ließ die beiden Kaffeebecher stehen. »Vorsicht sind noch heiß, verbrennt euch nicht.« Meine Stimme klang fremd. Ich fühlte mich heute auch fremd in meinem eigenen Körper. So schlich ich durch die dunklen Gänge des Studios, die bloß von ein paar runden Lampen in der Wand beleuchtet wurden. Ich war ziemlich stark geschminkt, als würde ich eine Dark Night im Kiss besuchen. Strenger Zopf, schwarze Röhrenjeans, eine langärmlige, schwarze Bluse mit Unterbrustkorsett, schwarze Stiefel mit 8 cm Absätzen und am Hals trug ich ein breites Band mit einem tropfenförmigen, silbernen Anhänger. Es verdeckte die starken Würgemale an meinem Hals. Es war, als würde mich die Kleidung davon abhalten, auseinander zu fallen.
Im Büro hörte ich dann Stimmen und klopfte an die Tür. Nach kurzem Warten, hörte ich Dimitris Stimme die mich rein bat. Als ich zur Tür rein kam, schauten mich die Jungs von $!N wortlos an, sie hatten irgendwas mit Dimitri besprochen. Der stand an seinen Schreibtisch gelehnt und musterte mich eindringlich. »Ja, ja ich bin bleich und dünn, zu schwarz gekleidet - das durfte ich mir schon von meinem Fahrer anhören. Bitte nicht noch mal Boss. Ich hab nur ne Erkältung und will später zur Dark Night ins Kiss zusammen mit Iris«, nahm ich Leonardo und Dimitri den Kommentar vor weg und belog sie. Eine gute Erklärung. Nie hatte ich so viel gelogen, wie in letzter Zeit. Ich war sichtlich erschöpft. So lief ich zum Fenster, wo ich mich auf der Sessellehne niederließ und deutlich zu erkennen gab, dass ich keine Fragen wollte. Dimitri sagte zwar nichts aber seine grauen Iriden studierten meine Gestalt eindringlich. Da musste ich durch. Irgendwann würde es schon vergehen - dieses miese Gefühl in der Brust und der Schmerz im Bauch.
Da standen wir jetzt beide in diesem Raum und schwiegen uns an. Viele Worte lagen vor mir in der Luft, doch ich ließ die Lippen geschlossen und sprach nicht eines davon aus.
Die Jungs diskutierten indessen über ein paar Konzerte und planten die nächsten Wochen. Ich brachte ihnen die Sachen, um die sie mich baten, erledigte Wege für Dimitri und fuhr einmal quer mit dem Taxi durch die City. Erst spät am Abend setzte ich mich mit einem Kaffee wieder zu ihnen.
»Willst du was hören?«, fragte Cube. Ich versuchte mich zu konzentrieren aber ohne Erfolg.
»Klar.« Als sie die neue Songs anspielten, versank ich in den fesselnden Beats. Die letzten Sachen hatten sie alleine gemacht. Sie waren der Hammer.
»Und was sagst du?« Ich schaute auf und lächelte.
»Gut. Wirklich sehr gut. Sie sind erotisch, zornig und düster - ohne Kitsch. Ich mag es. Kann ich das letzte Dark Sun nochmal hören?« Danach schwieg ich wieder und zog mich zum Fenster zurück. Ich setzte mich auf den Sims und genoss den leichten Wind und die Rockballade. Mein Hals schmerzte.
* Mittlerweile, war sie einem Geist ähnlicher, als mir lieb war. Angels Stille wurde immer lauter. Noch nie war ihre Distanz mir gegenüber so groß und stark. Sie antwortete mir nur noch, wenn sie musste. In den vergangenen Wochen, hatte sie so viele Mauern gebaut, dass ich einfach nicht an sie ran kam. Sie machte vollkommen dicht. Ein Buch mit scheinbar undurchdringlichen Siegeln. Dass etwas passiert war, stand außer Frage. Müde und einsam wirkte sie aber ich konnte nicht zu ihr durchdringen. Sie versuchte mir stehts alles Recht zu machen, als Assistentin hatte sie sich mehr als nützlich erwiesen. Kaum bemerkte sie einen Fehler, versuchte sie alles, ihn schnell und unauffällig wieder auszubügeln. Ihr störrisches Verhalten brachte mich jedesmal zur Weißglut. Wurde sie zu kratzbürstig, warf ich sie raus. Anders war sie kaum mehr zu handhaben, wenn sie in ihrer Gefühlskälte badete und alle um sich herum angiftete.
*Es würde diesmal dauern bis die Wunden heilten. Erschöpft lehnte ich mich außerhalb seines Sichtfeldes gegen die dunklen, kalten Wände im Flur. Erst mitten in der Nacht gegen vier Uhr, kam ich vom Dach zurück. So wollte ich ihn glauben lassen, dass ich bei dieser Dark Night war. Ich brühte mir in der Küche einen Rosenblüten Tee auf und dachte er wäre schon nach Hause. Als ich aufs Dach zurück wollte, hörte ich aber seine Stimme hinter mir.
»Angel, komm rein!«, rief er mich zu sich ins Arbeitszimmer. »Hier, das sind Besorgungen. Ich warte auf einen Termin, du müsstest die Sachen später für mich abholen sobald alles öffnet. Außerdem brauch ich dich Morgen am Abend für ein Event als Tänzerin. Was exotisches. Ein Outfit habe ich dir dort schon hingelegt.« Ich schaute zum Sofa und geriet in Panik. Das war viel zu kurz, viel zu wenig Stoff. Das ging nicht. Schnell überlegte- und suchte ich eine Ausrede.
»Gibt es ein Problem?« Müde fuhr ich mir mit der Hand durchs Haar und sah zur Uhr. Mir fiel nichts ein.
»Das muss ich früher wissen, ich hab jetzt schon was anderes vor.« Als ich rausgehen wollte, folgte er mir und wir rannten David fast über den Haufen.
»Warte! Was soll denn das heißen, du wirst morgen nicht tanzen? Du liegst mir ständig deshalb in den Ohren.«
»Weil ich nicht kann und auch nicht will.«
»Du willst nicht tanzen?«
»Ja, genau das habe ich gesagt. Das ich tanzen möchte, juckt dich doch sonst nicht.« Meine Verletzungen verboten es und auch die Worte der Ärztin waren deutlich genug. Eine solche Belastung, würde mein Körper im Moment nicht aushalten.
»Hast du vor mir eine Erklärung zu geben?«
»Nein... Ich bin müde und hau jetzt ab...« Als er mich am Arm packte, verpasste ich ihm mit der flachen Hand eine Ohrfeige. Die war geladen mit viel Wut. Erschrocken von meiner eigenen Geste, wich ich zurück und lief raus. Das hatte er nicht verdient und doch wollte ich einfach, dass er mir fern blieb.
Draußen schlug mir ein frischer Wind entgegen und die Wachmänner erschreckten, als ich die Tür nach draußen aufstieß. Kalt wünschte ich eine gute Nacht. Es begann zu nieseln. Es war schon lange dunkel und meine Hände froren. Ich steckte sie in die Taschen meiner schwarzen, neuen Lederjacke, die am Rücken mit Spitze besetzt war. Sie war Figurbetont, wirkte sauber, modern und sportlich. Heute trug ich eines meiner aktuellen Lieblingsoutfits.
Im Schaufenster kontrollierte ich mein Aussehen, nichts zu sehen, schaute ich auf das gut deckende Make-up und die Korkenzieherlocken in den Haarenden. Das Unterbrustkorsett über dem Top trug ich vor allem, um mich besser zu fühlen. Es stützte und linderte die Schmerzen, des letzten Übergriffes. Zum Glück passierte diesmal nichts, doch die Angst war mein ständiger Begleiter.
Erleichtert kehrte ich am frühen Mittag zurück und legte ihm seine Anzüge ins Büro über das schwarze Ledersofa mit den roten Kissen. Ich rieb mir die Hände und ließ meine Jacke einfach eine Weile an, öffnete sie aber.
Kurz verschwand ich in der Küche, um mir einen Tee zu holen und setzte mich dann auf das Sofa zurück um die Post durchzuschauen und die Anrufbeantworter abzuhören. Ein paar der Anrufe klärte ich ab und machte ihm Notizen an die Pinnwand. Da gab es immer was zu tun. Es gab auch immer Briefe, Bewerbungen, Fanpakete oder Umschläge mit Tapes.
Ein Räuspern ging durch den Raum. Ich war schon wieder zusammengezuckt. Wo kam er so plötzlich her?
»Kein Tanzen, kein Gesumme, keine Musik? Und du behauptest noch immer, da wäre nichts?« Ich behielt die Augen auf dem Papier und zuckte desinteressiert mit der Schulter. Dimitri hielt lange inne, nach dem er mich gefragt hatte. »Dir ist klar, dass ich dir schon lange kein Wort glaube?«
»Keine Ahnung was du meinst? Selbst wenn, mein privater Kram, geht dich nichts an, also hör endlich auf zu fragen. Dimitri wohin sollen deine Fragen führen? Du wolltest mir damals nicht zuhören, als ich es dir erzählen wollte. Also, nur weil du jetzt Lust darauf hast , werde ich dir nicht meine Probleme erzählen.« Für was? Für ein noch kaputteres Herz?
»Wichtige Anrufe?«, fragte er weiter, was mich dazu bewegte, kurz aufzusehen. Seufzend zuckte ich mit der Schulter.
»Einige«, überlegte ich und ging zu ihm rüber an den Schreibtisch, um nach dem Zettel zu schauen. Ich warf einen flüchtigen Blick und hob ein paar Akten an.
Verdammt. Eine Falle. Er wollte die Distanz verringern. Als mich seine warme Hand plötzlich an der Taille berührte, zuckte ich zusammen. Innerlich löste die Wärme und die Berührung eine ganze Kernschmelze bei mir aus. Irgendwie war seine Geste wohltuend. Er hatte den Zettel entdeckt, den ich suchte und ging an mir vorbei. Ich spürte seine brennenden Augen auf mir.
»Angel...« Seine Stimme klang warm. Absichtlich aber unauffällig schmiss ich Akten vom Tisch und hockte mich schnell runter um sie aufzuheben, damit er die Tränen in meinen Augen nicht sehen konnte. Ich musste dann erst mal den Raum verlassen.
Solange ich es mit Abstand betrachtete, kam ich klar. So funktionierte ich. Wie eine Puppe. Ein Uhrwerk.
* Mir lag nicht nur das Beobachten, sondern für gewöhnlich auch das Beeinflussen. Bei hohen Tieren in der Finanzwelt hatte ich es bedeutend einfacher, als bei ihr. Mittlerweile blockte sie alles ab, was ich versuchte. Das Herz dieser Frau, war so abgründig, wie warm. Unfassbar stark. Ich war in jeder Hinsicht beeindruckt von ihr. Auch wenn ich es oftmals nicht zeigte. Eine eindeutige Stellungnahme. Ganz oder gar nicht. Wie sie von Anfang an gesagt hatte, bekam man sie nur, wenn man ihr etwas schenkte, dass man mit Geld nicht bezahlen konnte. Es war für mich, seit dieser Nacht nicht schwer, ihr das zu geben aber es kostete doch eine Menge Verantwortung die ich eigentlich nicht wollte, weil sie zu schwer wog. Aber sie würde nicht's anderes annehmen. Nein, diese Frau würde ihren Platz an meiner Seite niemals teilen. Nicht auf intimer Ebene. Nicht mal mehr ihre Gefühle. Sie konnte wohl damit leben, dass ich andere Frauen hatte, auch wenn es sie verletzte aber nicht, ihren Platz oder ihre Gefühle zu teilen. Gefühlsmäßig zog sie verdammt hohe Mauern. Ich hatte sie verletzt. Die Distanz war das Echo. Dass ich ihr viel bedeutete, war das einzige, was sie nicht verbarg.
Bis zu einem bestimmten Punkt und dann durfte ich ihr nicht mehr näher kommen. Viel Platz beanspruchte sie nicht, doch sie nahm sich ihren Bereich, in dem sie lieber für sich war und niemanden in diese rote Zone ließ. Seit dem Abend, wo ich bei ihr war, ließ sie keinen Körperkontakt mehr zu. An dem Morgen darauf hatte ich sie mit meiner Art wieder Mal mehr verletzt, als mir bewusst war.
Ihr Schweigen alarmierte mich. Sie tanzte weniger und es gab aktuell nichts, was mich mehr nervte. Ich wollte nicht, dass sie Angst vor mir hatte oder vor mir zurückwich. Es sollte mich nicht interessieren, was in ihrem Kopf vorging, wenn es nicht mit der Arbeit zu tun hatte. Es war doch mein Wunsch... Jetzt dachte ich an nichts anderes mehr. Dieses Mädchen musste eine Hexe sein, die mich verflucht hatte. Eine Sirene, die mir auf hoher, dunkler See den Verstand raubte.
Sie setzte sich mir gegenüber auf die Lehne der Couch und schlug die Beine leicht übereinander, grade Haltung - stolze, distanzierte Blicke. Einer der Momente, wo ich sie entweder in meine Arme oder einfach in mein Bett zerren und ihr die Kleider vom Leib reißen wollte - um danach von ihr zu kosten. Der Duft ihres Parfüms machte mich heute wahnsinnig.
»Komm her...«, brummte ich genervt. Sie verhielt sich professioneller als ich. Doch sie spielte mit ihren Reizen. Ganz verborgen aber sie tat es. Verunsichert strich sie sich eine Strähne aus dem Gesicht und musterte mich. Zögernd stand sie auf. »Sieh dir das Konzept an, sag mir, was du davon hältst.« Wieder nur ein Vorwand, damit ich sie aus der Nähe betrachten konnte. Eine Weile überlegte sie und studierte die Entwürfe.
»Es gefällt mir aber...« Ihre Augen leuchteten ein wenig auf, als sie mich ansah. Da waren wirklich immer noch Gefühle. Egal was sie versuchte - mich zu blenden, war zwecklos. Dabei hatte ich gelernt niemanden an mich ranzulassen. Ich dachte mein Herz war schon kalt und tot. Da kommt sie daher, weckt in mir den Drang sie glücklich zu machen. Ich wollte sie lachen sehen. Erstmals versuchte ich den inneren Kampf in mir auszutragen und sie nicht anzufassen.
War ich noch gewillt, meinen Regeln zu folgen? Um jeden Preis? Um meinet Willen, sollte ich sie vielleicht brechen. Sie war ein Mädchen, dass es wert war, meine Frau zu werden. Und ich, ich stieß sie weiter und immer härter weg.
Doch war sie geblieben.
Sollte ich sie wirklich hergeben, wegen dieser Schatten, die mir folgten? Konnte ich sie beschützen?
Ich musste total bescheuert sein. Sie zwang mich zu nichts, im Gegensatz zu mir. Sie drängt mich nie, im Gegensatz zu mir. Mir blieb trotz ihrer Liebe, jede Freiheit. Zum ersten Mal fühlte sich dieses Wort richtig an. Ihre Liebe. Sie verlangte nicht viel von mir und im Grunde hatte sie es längst. Ihr dunkelbraunes Haar fiel weich, duftete wieder so angenehm und ihre Haut, war eben und rein. Eine Puppe aus Glas. Ihrem Puppengesicht fehlte jedoch etwas ... Es war ihr sanftes, warmherziges Lächeln. Das was ich hier mit ihr machte, hatte sie nicht verdient. Ihr würde eine einfache Affäre niemals reichen, dass war mir zu jeder Zeit bewusst und ich hatte ihr glaubhaft gemacht, dass sie mehr sein könnte um sie zu bekommen.
Ich musste wissen, was passiert war. Was sie so traurig machte. Manchmal wirkte es, als hätte sie Angst. Nachdenklich sah auch sie mich an. Irgendwas versuchte sie schon die ganze Zeit zu sagen. »Angel... was ist mit dir los?«, versuchte ich es wieder. »Tu nicht als wäre alles Okay. Ich kann dir helfen aber das geht nur, wenn du mit mir redest. Du hast doch irgendwas.« Meiner Berührung wich sie aus. Sie zwang sich zu einem Lächeln und zuckte mit den Schultern.
»Nichts, womit ich nicht klar käme.«
»Du lügst. Du gehst fast kaputt daran, sag mir was passiert ist?« Sie seufzte.
»Frag besser nicht. Ich kann nicht reden... Nicht darüber. Nicht mit dir... das willst du lieber nicht hören.«
»Vielleicht lässt du mich das selbst entscheiden.«
»Weißt du noch, was du willst? Du wolltest doch Privates vom Beruf trennen. Ich kann das nicht, ich kann dir nicht vertrauen. Ich kann dir das was du willst nicht geben. Erwarte nicht von mir, dass ich dir Privates erzähle, damit du es mir noch schwerer machen kannst. Die Gefühle sind auch so unheimlich schwer unter Kontrolle zu bekommen.« Ihre Augen glänzten. »Ich will deine Hilfe nicht...« Mit der Taktik kam ich nicht weiter. Sie zu bedrängen, machte es nur schlimmer. Ich merkte aber das sie Trost gebrauchen konnte.
»Angel, ich sehe das dich etwas quält und krank macht. Was es auch ist, du scheinst es nicht alleine in den Griff zu bekommen. Es gibt kaum etwas, dass ich dir nicht ermöglichen kann.« Keine Musik, kein Tanzen. Ihre kleine Welt bestand daraus. Sie bestand aus den beiden Wörtern. Da lief etwas falsch. Sie blockte. Daher setzte ich mich, um weniger bedrohlich zu wirken.
»Schön für dich, kauf dir endlich einen Hund und geh dem mit deiner Fürsorge auf die Nerven.« Ich griff nach ihrem Arm, als sie gehen wollte - zog sie zu mir auf den Schoss und ließ sie nicht mehr los. Erst wirkte sie angespannt aber als ich meine Nase in ihr langes, dunkles, wohlduftendes Haar tauchte und meine Hand über ihre Wange strich, lehnte sie sich an mich. Endlich, endlich ließ sie sich trösten. Meine Hände streichelten über ihre Arme und den zierlichen Körper, der in diesem Outfit, sündiger denn je aussah. Eine kühle Schönheit, strahlte sie darin aus. Teil dessen, was sie verbarg? Ich hatte ja keine Ahnung, was sie versteckte... Heute fehlte mir zum ersten Mal ihre Herz erwärmende Art. Die süßen Röcke, die sie sonst für mich trug, um mich zu ärgern.
Irgendwie musste ich zu ihr durchdringen. Ich hob sie hoch, wischte die Sachen die im Weg lagen weg und setzte sie vor mir auf den Tisch. Als ich sie küssen wollte, drehte sie ihren Kopf weg. »Dimitri tu das nicht... Das Thema hatten wir zu oft. Ich bin nicht eines deiner Mädchen«, flüsterte sie. Ich brauchte nichts sagen, es dauerte nicht lange bis ich ihren Blick wieder bekommen hatte. Nach kurzem Blitzen in ihren Pupillen, brach ihr Widerstand und sie gab sich meinem Kuss hin. Ihre rosigroten, vollen Schmolllippen waren viel zu verführerisch. Ich leckte leicht mit der Zungenspitze über ihre Lippen, die noch nach Himbeeren schmeckten, die sie in der Küche gegessen hatte. Meine Zunge glitt zwischen ihren Lippen hindurch und sie hielt sich mit ihren Händen an meinen Schultern fest. Meine Küsse wanderten über ihr Gesicht, reisten zu ihrem Nacken und ihren Schultern. Meine Finger lösten die Knöpfe ihrer schwarzen Bluse, die sie vorhin angezogen hatte und spürten ihre weiche Haut, als sie ihre Brust berührten. Sie seufzte schwer auf, doch plötzlich, sobald meine Finger den Saum ihrer Jeans erreichten, spürte ich ihre Hände, die sich gegen meine Brust stemmten und mich mit leichtem Druck, zurück in die Realität holten. »Vergiss es...«, flüsterte sie fauchend, versuchte Tränen zu verbergen. Sie sah mir in die Augen und ich wusste, was sie von mir hören wollte. »Ich bin kein Mädchen für nur eine Nacht, dass weißt du.«
»Alles andere funktioniert nicht Babe. Du warst schon dumm, dich überhaupt zwischen meinen vier Wänden zu verirren. Ich halte dich hier nicht fest, wenn du es wirklich gewollt hättest, dann hättest du längst gehen können. Trotzdem bleibst du. Wenn du dich auf mich einlässt, wirst du ein Leben lang eine Zielscheibe sein. Ich bin ständig besitzergreifend, egoistisch und eifersüchtig. Wie viele meiner Geschäftspartner haben dich schon vor mir gewarnt? Zu viele. Da wo ich herkomme ist es ziemlich dunkel.«
»Das weiß ich längst. Ich wurde entführt, angeschossen und bedroht. Hier sitze ich, trotz allem. Niemand hat mich so oft verletzt wie du. Wie willst du mich beschützen, wenn du ständig Kilometer weit flüchtest. Ich stehe schon lange hinter dir und du denkst immer noch Dunkelheit ist mir fremd. Du siehst mich an, wenn du wolltest, könntest du auch mich durchschauen aber du hast Angst vor dem, was du finden könntest«, äußerte sie und sie hatte Recht.
»Angel versteh es doch. Ich schlafe lieber allein. Ich esse lieber allein und hier bei mir, da gibt es keine Ponys und Teddybären. Da gibt es kein Weiß und schon gar kein Rosa.« Ihre Iriden mustern mich. Ehrlich leuchteten sie mich an.
»Das ist deine Wunschvorstellung von meiner Welt. So siehst du mich gern aber sie mich an. Es ist nicht die Realität.« An ihr war nichts gekünstelt, auch wenn ihr Lächeln mich oft versuchte zu täuschen. Sie hatte gesagt, dass sie mehr empfand, oft. Doch in diesem Moment, konnte ich es auch selbst in ihren aquamarinblauen Augen sehen. Zu spät, hatte sie damals gesagt. Egal wie kalt ich blieb, wie rüde ich mir ihre Nähe erlaubte und ihre Schutzzone durchbrach, in die sie sonst niemanden ließ. Als würde sie hinter einer Glasscheibe stehen und den Rest der Welt von ihren Gefühlen ausschließen. Genau wie ich. Trotz alledem, waren da Gefühle, die alle Barrieren durchbrachen. Selbst meine eigene. Egal was ich zu sagen schien, sie schaute mich an und ich sah nur dieses verliebte, verträumte Leuchten.
Sie seufzte, lächelte so bittersüß. »Dafür, dass du lieber alleine schläfst und alleine isst, hast du mich sehr oft gebeten mit dir zu essen und bei dir zu schlafen. Du machst dir was vor. Die Nacht bei mir... ich hab dich nie zufriedener gesehen. Wie ein Chef verhältst du dich mir gegenüber nicht. Einem Liebhaber wären viele dieser Dinge die ich tue egal. Sieh mich an! In meinen Augen siehst du sicher keine Ponys und rosa Hasen. Ich mag Ponys, ich streichel sie gern aber das liegt in meiner Natur. Ich bin eine Frau und sie sind klein und niedlich... Aber zu Allem was dich umgibt, fühle ich mich derart hingezogen, dass es mir Angst macht. Gegen diese Gefühle kann ich nichts tun. Egal wie eklig du zu mir bist und wie sehr ich es mir wünsche. Und sei dir sicher, wenn du meine Grenzen nicht akzeptieren lernst, gehe ich. Der Schritt fällt mir nur unheimlich schwer.« Angel senkte den Blick einen Moment und lächelte mit Tränen in den Augen auf. »Keine Küsse, kein nichts kein gar nichts mehr! Klar soweit? Ich brauch niemanden der mich wie ein Stück Wäsche behandelt. An- und auszieht, wie es grade genehm ist. Durchwäscht und bügelt bis alles wieder grade ist. Irgendwann ist es nicht mehr zu retten und das hast du vielleicht schon erreicht. Ich passe mich an aber nur wenn der Wert stimmt und ich Rede nicht von Geld. Für keinen Job der Welt, werde ich mit irgendwem Sex haben, ohne das Liebe im Spiel ist. Dann kann ich mich auch durch die Gegend treiben lassen, wie es mir beliebt. Dann ist es egal ob du mir gegenüberstehst oder irgendein anderer. Was ist daran reizvoll? Wo ist der Reiz, alles haben zu können, ohne Wert? Das was du willst, gebe ich nicht her. Akzeptiere mein Nein. Zur Not, werde ich gehen. Ich habe genug von deinen Spielchen...« Ich konnte jedes Wort fühlen, das sie von sich gab. Sie zitterte. Ich hatte Sehnsucht nach dem was sie mir verweigerte, ihrem Körper und nun auch noch nach ihrem Herz. Sie rutschte vom Tisch und tippte auf das neue Konzept. »Wie gesagt, gefällt mir aber es fehlt etwas, Abenteuer...« Es wurde immer wärmer im Büro und ihre Wangen glühten. Ihre Augen waren glasig.
*Ich setze mich weit weg von Dimitri auf die Couch. Fast hätte ich mich dazu hinreißen lassen, ihn an mich ran zu lassen. Ich wollte nur eines von ihm hören. Vorher bekam er gar nichts. Meine Wangen glühten, während ich den Stapel an Bewerbungen durchging. Mir wurde schwindlig und meine Muskeln brannten wie Feuer.
»Du siehst nicht gut aus, es ist ziemlich warm hier drin, mach eine Pause oder zieh wenigstens deine Jacke aus.« Ich sah auf und hatte fast die Hälfte des Stapels hinter mir.
»Du kannst dich ja so schon kaum zusammenreißen«, merkte ich an und legte die Bewerbungen weg, zog den Reißverschluss meiner Jacke runter und riss eines der Fenster auf, bevor ich mich auf die Couchlehne zurücksetzte, um den Rest noch zu erledigen. Da ich recht klein war, saß ich hin und wieder gern etwas höher. Eine Weile spürte ich seinen Blick noch auf mir, bevor er sich wieder seiner Arbeit widmete.
KAPITEL ENDE