So noone told you life was gonna be this way clap clap clap clap
Mein Handywecker riss mich aus dem Schlaf. Ich war hellwach und schaute auf die Uhr – 6.00 Uhr morgens. Heute war mein erster Schultag an einer irischen Schule. Ich war so aufgeregt. Anne und ich hatten besprochen, dass sie zuerst duschen gehen würde und ich ging erstmal in Boxershorts und T-Shirt, sprich meinem Schlafanzug, in die Küche, in der Maura schon am Herd stand und Pancakes machte. Harry und Niall saßen am Tisch und aßen bereits welche.
„Good morning.“, rief ich in die Runde und lächelte zufrieden. Alle schauten mich an und lächelten zurück.
„Mornin' Molly. You'd like to eat a pancake, too?“, fragte Maura und schüttete gerade die letzte Kelle Teig in die Pfanne.
„Don't worry, I've got an extra dough in the fridge. I know how much Niall eats so..“ Sie lachte und ich musste auch lachen und schaute ihn an. Er grinste frech und stopfte sich einen Pancake nach dem anderen in den Mund.
„Yes, I'd really like to eat some pancakes. Thanks.“ Ich setzte mich an den Tisch, gegenüber von Niall. Gerade in dem Moment stand Harry auf und räumte seinen Teller weg. Er hatte wohl schon genug.
„Did you wake up because of me?“, fragte Niall mich und schaute von seinem Pancake – Berg auf.
„No you didn't wake me up. My alarm did.“, beruhigte ich ihn.
Er nickte zufrieden und wandte sich wieder seinen Pancakes zu.
Maura brachte mir meine und ich trank ein Glas Orangensaft dazu. Lange hatte ich kein so leckeres Frühstück mehr. Also vor der Schule meinte ich.
„Mum, when does the bus arrive?“, fragte ich Maura, obwohl ich es komisch fand sie Mum zu nennen, tat ich es trotzdem. Ich würde mich schon dran gewöhnen, dachte ich.
„It arrives at 7.20 am.“, antwortete sie.
Wir hatten grade 6.30 Uhr und ich war mit frühstücken fertig. Niall stand auf und nahm unsere Teller mit und ich stand auf, um zu sehen wie weit Anne war. Ich wollte schließlich auch irgendwann noch duschen. Ich ging die Treppe hoch, als sie mir entgegen kam. Wir umarmten uns und sie ging in die Küche frühstücken und ich ging duschen.
7.05 Uhr und ich stand vor dem Spiegel im Bad und überlegte was ich mit meinen Haaren machen sollte. Ich entschied mich für offene Haare mit Glätteisen bearbeitet. Danach noch eben Kajal und Mascara und fertig.
Ich ging in mein Zimmer, schnappte mir meine Schultasche und stellte sie in den Flur. Ich hatte noch zehn Minuten, bis der Bus kam. In der Küche war nur noch Maura und räumte die Spülmaschine ein. Aus dem Wohnzimmer hörte ich wie Anne und Harry sich unterhielten. Ich wollte mich grade an die Tür stellen und lauschen, als Niall die Treppe runter kam.
„What are you doing?“, fragte er mich verwundert und legte den Kopf schief.
„U-uh nothing. Nothing.“, stotterte ich und fuhr mir durch die Haare.
Er lachte und schaute auf seine Armbanduhr.
„It's 7.15 am. Let's get ready.“
Ich nickte und zog mir meine Vans an. Da es hier in Mullingar kälter war um diese Jahreszeit, zog ich mir meine schwarze Weste über meinen beigen Cardigan und nahm mir meine Schultasche. Ich klopfte an die Wohnzimmertür, steckte meinen Kopf durch und gab ihnen mit einem Handzeichen Bescheid, dass wir los mussten. Sie nickten und zogen sich ihre Sachen an. Wir verließen alle gleichzeitig das Haus und riefen noch im Chor: „Bye!“
Maura rief aus der Küche zurück: „Bye. Have fun girls. See you later!“
Der Bus kam pünktlich um 7.20 Uhr und freie Plätze gab es auch noch. Anne zog mich in eine Zweierreihe, sodass ich quer durch den Bus stolperte. Was war denn der über die Leber gelaufen?
„Sag mal, alles klar bei dir?“ Ich schaute sie fragend an und zeigte ihr einen leichten Vogel.
„Harry ist vollkommen krank!“ Sie war so wütend, dass sie gegen die Lehne ihres Vordersitzes schlug und sich prompt ein Junge umdrehte, der sie erschrocken ansah. Sie zuckte mit den Schultern und er drehte sich kopfschüttelnd wieder um.
„Wieso denn das jetzt?“ Ich kam überhaupt nicht mit. Was war denn da im Wohnzimmer gerade abgelaufen?
„Der hat mir doch wirklich verboten mit ihm in der Schule zu reden, weil seine Freundin ihn sonst verlassen würde.“, schnaubte sie.
Ich war perplex. Wie war der denn drauf? Oder eher gesagt, wie war denn seine Freundin drauf? Eifersucht ist ja okay, aber man muss es ja nicht direkt übertreiben.
„Ach, das klärt sich schon wieder Süße. Reg' dich nicht unnötig auf.“ Ich versuchte sie irgendwie zu beruhigen.
Sie atmete einmal tief ein und wieder aus. Wir fuhren eine halbe Stunde mit dem Bus. Es war ein Schulbus, der auch nur an unserer Schule hielt. Als der Bus hielt, blieben Anne und ich sitzen bis der größte Teil der Schüler den Bus verlassen hatte und wir uns nicht durch die Menge quetschen mussten. Am Busausgang warteten Niall und Harry auf uns. Sie führten uns zum Sekretariat, mussten aber leider direkt zum Unterricht gehen. Vor der Tür vom Sekretariat zeigte Niall einen Gang entlang, an dessen Ende eine Pausenhalle zu sehen war. Er meinte, in der großen Pause würde er immer da sitzen und wir könnten uns ihm anschließen, wenn wir wollten. Ich nickte und lächelte ihn an. Gerade als ich mich umdrehen wollte, um ins Sekretariat zu gehen, merkte ich wie mich jemand am Arm festhielt und umdrehte. Ich ging davon aus, dass es Niall war, doch auf einmal hörte ich Anne aufquietschen und das klang nicht gut. Bevor ich auch nur realisieren konnte, was hier los war, merkte ich wie mir jemand einen Kuss auf die Wange gab. Niall war nicht mehr hier. Es war.. Harry. Ich war geschockt und rührte mich keinen Zentimeter. Ohne ein Wort ging er und drehte sich auch nicht mehr um. Ich hatte den Kiefer runter geklappt und drehte mich in Zeitlupe zu Anne um, die nicht groß anders aussah. Ich versuchte mich wieder zu fangen, schüttelte den Kopf und ging ins Sekretariat. Direkt hinter mir ging Anne. Das Büro war nicht sehr groß. Die Schule war generell nicht sehr groß. Man konnte sich ziemlich leicht zurecht finden. Am Schreibtisch saß eine junge Frau, die uns direkt mit einem Lächeln begrüßte.
„Good morning sweeties. I assume you two are Anne and Molly?“
Wir nickten und lächelten sie an. Sie stand von ihrem Platz auf und ging in einen kleinen Raum nebenan. Keine zwei Sekunden später schob sie einen Wagen durch die Tür, in dem Bücher lagen. Sie stellte zwei Stapel zusammen. Diese bestanden jeweils aus 6 Büchern. Ich konnte gar nicht richtig zuhören. Dafür war ich noch viel zu sehr durch den Wind. Warum tat Harry das? Er meinte das bestimmt nur freundschaftlich. Ganz sicher, glaubte ich.
Wir nahmen uns die Stapel und stopften die Bücher in unsere Taschen. Erstaunlicherweise passten alle rein und es war immer noch Platz übrig. Danach bekamen wir noch einen Zettel mit dem Plan von der Schule drauf und einen auf dem der Stundenplan abgedruckt war. Zum Schluss drückte sie uns noch einen Schlüssel mit unserer Spindnummer drauf in die Hand. Sie lagen glücklicherweise direkt nebeneinander. Wir verabschiedeten uns freundlich und machten uns auf die Suche nach dem Deutschraum. Fing ja ziemlich entspannt an. Wie typische Touristen liefen wir durch das Schulgebäude mit dem Plan unter der Nase. Fehlte nur noch eine Kamera, die uns um den Hals hing. Die Fremdsprache konnten wir ja schon. Es gab nur eine Treppe. Die Hauptreppe, und die führte in den ersten Stock. Von da aus konnte man nach links und nach rechts abbiegen. Rechts war ein Schild an der Tür mit der Aufschrift Science. Wir bogen nach links ab und standen in einem langen Flur mit lauter Räumen rechts an der Wand. Links waren ganz viele Fenster, was den Gang schön hell aussehen ließ. Neben den Türen waren kleine Schilder mit der Raumnummer drauf. Wir mussten in Raum 106. Die erste Tür hatte die Nummer 100 auf dem Schild stehen. So ging das dann immer weiter, logischerweise war dann die sechste Tür der Deutschraum. Anne und ich standen noch eine kleine Weile vor der Tür und schauten uns an. Ich atmete einmal tief ein und wieder aus. Dann klopfte ich an die Tür und hörte prompt ein lautes Yes, please der Lehrerin. Wir gingen in die Klasse und blieben in der Tür stehen, da wir nicht genau wussten was mir machen sollten. Die Lehrerin guckte uns verwirrt an, öffnete den Mund, um was zu sagen und schloss ihn direkt wieder. Sie ging an ihr Pult und nahm einen Zettel in die Hand. Dann schaute sie uns erneut an. Ich wusste nicht was ich machen sollte. Die ganze Klasse starrte uns an und ich schaute immer mal wieder zu Anne, die mit den Schultern zuckte. Sie wusste auch nicht was wir machen sollten. Dann fing die Lehrerin an zu reden.
„Good morning girls, my name is Mrs. Miller and I'm your german teacher. Please envisage yourself to the class.“
Anne und ich schauten uns an und versuchten uns gegenseitig mit unseren Blicken dazu zu bringen als erste zu gehen und sich vorzustellen. Ich gab auf, wie immer und stellte mich mittig vor das Pult, sodass ich direkt vor der Klasse stand und jeden sehen konnte. Bevor ich anfing zu reden, stellte ich noch meine Tasche neben das Pult, damit ich mich beim Reden wohler fühlte. Also fing ich an und stellte mich meinem Deutschkurs vor: „Hello everyone. I'm Molly Stein. I'm 16 years old and I'm from Cologne in Germany. The coming six weeks I'm going to this school. Yea.. I think, that's it.“
Der Kurs starrte mich an wie eine Seltenheit im Zoo. Das war gruselig. Ich blieb vorne stehen und schaute Mrs. Miller an. Sie nickte lächelnd und richtete sich dem Kurs zu.
„Do you have any questions? Anything you'd like to know about Molly?“, fragte sie und zwei Hände schossen in die Luft. Ich konnte nicht erkennen wessen Hände es waren, da die Personen, die zu den Händen gehörten in der letzten Reihe verschwanden. Mrs. Miller nahm einen Tom dran und er fragte: „Is this nice girl over there your best friend?“ Er zeigte auf Anne, die wie auf Knopfdruck knallrot wurde. Ich musste lachen und nickte Tom zu.
Die zweite Hand gehörte Harry. Was wollte der denn jetzt? Er saß in der ebenfalls in der letzten Reihe.
„Do you have a boyfriend?“, lächelte er mich zuckersüß an.
„No, I don't. I'm a single pringle.“, sagte ich mit einem frechen Grinsen.
Ein Raunen ging durch die Klasse. Mrs. Miller stand von ihrem Stuhl am Pult auf und beendete die Fragerunde. Sie zeigte auf einen freien Platz in der zweiten Reihe neben einem dunkelblonden Mädchen, dass sehr nett aussah. Ich nahm meine Tasche und setzte mich neben sie. Sofort drehte sie sich zu mir um und fing an zu reden.
„Hey I'm Emily. Nice meeting you. I heard so much of you. Niall's such a liar. You're even prettier than he said.“
Ich kam gar nicht richtig mit. Niall redete von mir? Ich musste bei dem Gedanken daran, dass er anderen erzählte wie süß ich wär, lächeln und konnte nicht mehr aufhören. Plötzlich blieb mir die Luft weg. War sie etwa seine Freundin?
„A-are you hi-his gir-girlfriend?“ Ich hatte noch nie so viel gestottert.
Sie lachte. Was sollte das denn jetzt bedeuten? Ich kriegte hier innerliche Panikanfälle und die lachte mich ernsthaft aus. Nett.
„No I'm not. Don't worry. Niall's single. I'm Liam's girlfriend. Liam is Niall's best friend. Don't panic. You can go get him.“
War das so offensichtlich? Gott, war ich verwirrt und überfordert. Aber es war so erleichternd zu wissen, dass Niall keine Freundin hat, dass ich erstmal aufatmen konnte.
Jetzt musste Anne sich vorstellen. Sie hat ungewöhnlich wenig gestottert. Englisch war einfach ihre Sprache. Am Ende gab es wieder eine kleine Fragerunde und dieser Tom meldete sich erneut.
„Are you also a single pringle?“, lachte er und wurde bei der Frage etwas rot. Der Typ kam mir so bekannt vor. Ich wusste nur nicht mehr woher. Krampfhaft dachte ich nach, aber ich kam nicht drauf. Alzheimer.
Anne nickte nur als Antwort auf diese Frage und fügte ein scherzhaftes Forever alone hinzu. Der Kurs lachte und Anne setzte sich auf ihren Platz direkt neben mir. Emily stellte sich ihr vor und dann begann der Unterricht.
Nach einer Doppelstunde Deutsch hatten wir erst Chemie und dann Physik. Emily begleitete uns die ganze Zeit und beantwortete all unsere Fragen. Sie war wirklich nett. Ich mochte sie auf Anhieb, abgesehen von der Sache mit Niall.
In jedem Kurs setzten wir drei uns zusammen. Zum Glück hatten wir alle Kurse zusammen. Liam war genau wie Niall in der elften und somit im Unterricht nicht bei ihr. Harry beachtete uns gar nicht richtig. Er hatte mir zwar die eine Frage gestellt, aber das war auch schon alles gewesen. Die ganze Zeit verbrachte er mit seiner Freundin und der wollte ich ehrlich gesagt nicht zu nahe kommen. Wenn ich ganz ehrlich war, sah sie aus wie eine riesige Schlampe. Sie hatte blonde lange Haare, die sie zu einem hohen Pferdeschwanz zusammengebunden hatte und knallroten Lippenstift aufgetragen. Ihr Kleidungsstil war mehr als gewöhnungsbedürftig. Sie trug eins dieser Bandeau–Tops mit Blumenmuster. Schulterfrei und bauchfrei würde ich bei so einem Wetter und in der Schule nie tragen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich das sowieso nicht anziehen würde. Dieses Top hatte sie mit einer schwarzen Lederhose kombiniert und roten Pumps. Wie gesagt: Sie sah aus wie eine riesige Schlampe.
Hier vergingen die Stunden wie im Flug. Viel Zeit der Stunde ging auch dafür drauf, dass wir uns immer wieder vorstellen mussten. Nach Physik begann dann die Mittagspause. Emily erzählte uns, dass sie mit Liam, Niall und Harry mit seiner Freundin, die sich Taylor nannte, immer an einem Tisch saß. Wir gingen vom Physikraum zur Pausenhalle und setzten uns an deren Stammtisch.