Flamme

By ShadowPrince13

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Seit Jahrhunderten flackert sie dort. Man sagt, sie habe geheimnisvolle Kräfte, sie mache den Träger weiser... More

Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48

Kapitel 22

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By ShadowPrince13

Ihre Euphorie über den neu erworbenen Sinn war so schnell verschwunden, so plötzlich sie gekommen war. Jetzt wollte sie diese schrecklichen Eindrücke nur wieder loswerden. Sie wollte zurück in ihre Welt. Doch die blaue Welt waberte weiter in ihrem Kopf herum, es fühlte sich an, als würde sie träumen.

Sie drückte sich vom Gras hoch. Sie konnte das Gras sehen mit seinen blauen Wurzeln, die sich wie Wasserrinnsale in den Boden bohrten, aber es fühlte sich nicht an, als würde sie gehen. Viel mehr war es ein Schweben. Deshalb stand sie torkelnd auf den Beinen und auch zwei starke blaue Schemen, die Arme sein konnten, konnten sie nicht davon abhalten, zurück auf die Knie zu sinken.

Sie hielt sich den Kopf, denn das Sirren wurde lauter. Es mischte sich ein tieferes zu den vielen hohen Geräuschen, es hätte die Stimme eines Menschen sein können, aber für Gedanken hatte Mila gerade keine Zeit. Sie sorgte sich ganz um das, was sie wahrnahm. Die vielen Einflüsse auf einmal, die so seltsam waren, blau und schemenhaft, keine geraden Konturen.

Und alles strömte auf sie ein, voller Energie und Kraft. Wenn sie hier nicht gefangen wäre, das Summen nicht immer lauter würde und sie sich nicht so verloren fühlen würde, würde sie es viel-leicht sogar genießen. Es war fast ein wenig so, als würde sie in der Sonne liegen, auf der Wiese. Dann schien es oft auch so, dass sie wegen der wohligen Wärme geradezu zu schweben schien, dass sie sich so voller Energie fühlte.

Und mit einem Mal wurde das kreischende Surren und Pfeifen zu Liedern. Sie hörte klar und deutlich die Gesänge der Vögel. Und in dieser Welt passte alles zusammen. Es sang nicht jeder Vogel sein Lied, sondern es war ein gemeinsames Lied. Melodisch und angenehm. Lieder, wie sie Zuhause, wenn sie einen guten Barden gehabt hatten, oft gehört hatte.

Die Gräser wiegten sich dazu im Takt und die Bäume rauschten dazu. Der Bach gurgelte und alles fügte sich so wunderbar ineinander, dass sie sich gar nicht vorstellen konnte, warum es eben nicht auch schon so gewesen war. Wie im Flug war ihre Panik verschwunden. Nur die blauen Schemen waren noch unscharf, aber sie wurden auch nicht schärfer.

Sie machte die Augen auf und zu, aber statt dass sie nun scharfe blaue Schatten sah, sah sie farbige Umrisse der Bäume und der Wiese. Die Stimmen der Vögel klangen wieder unverständlich und durcheinander, das Gurgeln des Baches gliederte sich nicht ein. Sie hörte Portah neben sich.

„Mila? Geht es dir wieder besser?", fragte er ernsthaft besorgt um sie.

Erschrocken erkannte sie, dass sie noch im Gras kniete, die Stirn auf den Boden gepresst und sich mit den Händen die Ohren zuhielt. Sie richtete sich auf, ließ sich im Schneidersitz wieder neben Portah nieder und schüttelte erst einmal ihren Kopf. Jetzt wusste sie, was der sechste Sinn war und wie er sich anfühlte.

„Ja, jetzt schon.", beschwichtigte sie ihren Lehrer und war dabei noch beschäftigt, sich wieder an diese Welt zu gewöhnen, die so anders war.

„Du hast dich auf dem Boden gewälzt und immer wieder geschrien, es solle aufhören.", meinte Portah besorgt. Er musterte sie von oben bis unten, doch ihr fehlte nichts. Sie war nur ein wenig verwirrt und musste dringend ihre Gedanken ordnen.

„Wie kann ich kontrollieren, wann ich den blinden Sinn benutzen will und wann nicht?", fragte Mila. Es war die Frage, die sie am brennendsten interessierte, weil sie sich fast davor fürchtete, die Augen wieder zu schließen, wenn sie sie nicht mehr aufbekam.

„Das musst du lernen." Portah war nun endlich davon überzeugt, dass es Mila gut ging.

Sie blinzelte in die Sonne und ließ ihren Blick über die Natur schweifen. Es erschien ihr alles so perfekt im sechsten Sinn, aber dennoch so trostlos, da alles blau gewesen war. Und sie hatte sich nicht als Mensch gefühlt, sondern eher als ein kontrollierter Teil ihrer Umwelt. Als hätte sie kaum noch eigene Meinung.

„Und wie?"

„Es ist eine Willensaufgabe. Der sechste Sinn ist die Wahrheit, heißt es. Es ist der Sinn mit dem wir die Welt sehen, wie sie wirklich ist. Mit ihm kann man viele Geheimnisse aufdecken, doch er birgt auch seine Tücken, wie du eben erlebt hast."

Mila sah Portah ratlos an. „Ich muss den Sinn also einfach nur wollen oder nicht wollen und dann sollte er gehorchen?"

„Genau." Portah grinste. „Manche Menschen beherrschen ihn besser als andere, sie können ihn besser verstehen oder ihn besser kontrollieren oder besser anwenden – zur Anwendung kommen wir gleich. Ich kann nichts davon, im Gegensatz zu dir, aber ich habe dennoch ein wenig Grundkenntnisse, die ich mir mit viel Mühe erarbeiten musste." Portah lächelte über sich selbst. Mila traute sich das nicht, aber sie hätte nicht gedacht, dass Portah in irgendetwas schwächer sein konnte, als sie.

„Das heißt, ich habe Talent?", fragte sie neugierig. Das machte sie schon etwas stolz und erklärte, warum Portah es ihr in einer Woche lernen wollte.

„Ja, sehr großes sogar. Innerhalb weniger Sekunden hast du es geschafft, deinen Sinn vollkommen unter Kontrolle zu bringen."

„Am Anfang hat es mich aber trotzdem sehr verstört." Mila rieb sich in Erinnerung daran die Ohren. Das Pfeifen und Surren hallte noch nach.

Doch am Ende war es ein perfektes Bild.", stellte Portah fest.

„Woher willst du das wissen?"

„Weil du still geworden bist, als du dann auf der Wiese gekniet hast.", entgegnete Portah. „Du kannst dir denken, wie lange es bei einem untalentierten Burschen wie mir gedauert hat, bis ich die Harmonie im sechsten Sinn erkannte."

„Sehr lange."

„Ein ganzes Jahr voller Surren und verstörender Eindrücke.", sagte Portah mit harter Miene. Und nun waren Mila die Unterschiede bewusst. Sie war unheimlich froh gewesen, als sich endlich ein harmonisches Bild ergeben hatte, doch wenn Portah das Ganze ein Jahr hatte aushalten müssen, dann tat er ihr schon leid.

Sie blies die Backen auf. „Da habe ich ja glück."

„Nein, Talent.", berichtigte die Portah. Er faltete seine Hände im Schoß. „Ich erkläre dir jetzt, wie du den sechsten Sinn anwenden kannst, aber ich muss dich warnen. Wir werden es nicht ausprobieren, denn du musst die Kontrolle noch besser beherrschen. Im Schlaf sozusagen."

„Aber ich dachte, ich hätte die Kontrolle schon.", protestierte Mila.

„Bist du freiwillig zurückgekehrt oder ist es eher zufällig passiert?"

„Zufällig.", gestand Mila enttäuscht. Sie hatte sich schon darauf gefreut, den Sinn anwenden zu dürfen. Er musste enorme Vorteile im Kampf mit sich bringen.

„Also müssen wir das noch üben." Portah wechselte das Thema und begann zu erzählen. „Mit dem sechsten Sinn siehst du, wie ich schon sagte, die wahre Welt. So haben es die Magier und Schwertkämpfer jedenfalls empfunden."

„Die Magier sehen auch mit dem sechsten Sinn?", unterbrach Mila ihren Lehrer.

Portah nickte. „Gewissermaßen ist der sechste Sinn der Sinn der Magie."

Mila stutzte. „Ich lerne Magie."

„Du lernst Magie zu sehen und dabei auch ein wenig zu beherrschen, ja. Aber wieder zurück zur Anwendung. Was du als blaues Wasser siehst, das nie stillsteht und mal kräftiger und mal schwächer erscheint, ist Energie. Es ist die Energie, die in jedem Lebewesen steckt, ob Tier, Mensch, Pflanze oder in den Wasser oder Feuer. In ihnen ist ebenfalls eine ganze Menge Energie. Wie in jedem Gegenstand, bloß können Gegenstände mit geringer Lebenskraft kaum gesehen werden. Nur von Menschen, die den sechsten Sinn außergewöhnlich gut beherrschen.

Wir hatten einmal einen blinden Schüler an unserer Schule, der genauso gut gesehen hat, wie jeder andere. Es dauerte nicht lange und man fand heraus, dass er mit dem sechsten Sinn arbeitete. Er konnte den sechsten Sinn mit seinen normalen vier Sinnen, die er noch besaß perfekt kombinieren. Er lebte in zwei verschiedenen Welten gleichzeitig und doch konnte er sie verschmelzen und war so ein herausragender Schwertkämpfer. Seine einzigen Schwächen waren Schrift und Farbe. Beides vermochte er nicht zu erkennen.

Jemand der so alle seine sechs Sinne verschmelzen lassen kann, ist sehr mächtig. Er besitzt in seinen Sinnen eine solch mächtige Waffe, dass er fast kein spitzes Schwert mehr zu führen braucht. Er durchschaut die Welt mit einem Blick. Aber das ist nur sehr wenigen Menschen vergönnt.

Du siehst also Energie und mit ihr auch die wahre Gestalt der Welt. Dadurch kannst du Dinge hören und erkennen, die dir mit deinen normalen fünf Sinnen verborgen bleiben. Was das alles genau ist, musst du selbst herausfinden, ich kenne sie auch nicht alle. Der Nachteil:

Entweder benutzt du deine fünf menschlichen Sinne oder den magischen sechsten. Jeder hat seine Vorteile und du kannst nur schwer mit einem von ihnen leben. Du musst entscheiden, wann du welchen gebrauchst und der Kampf ist ein Ort, an dem du den sechsten gut verwenden kannst. Denn dadurch, dass du nicht vom Licht oder vom Schall abhängig bist, sondern dich nur an dem Vorhandensein der Energie orientierst, nimmst du vieles schneller auf und kannst dadurch auch schneller reagieren. Außerdem bemerkst du vielleicht, wie dein Gegner seinen Fuß nur ein bisschen nach rechts stellt, um dir damit eine Falle zu stellen.

Mit deinem sechsten Sinn nimmst du nicht vieles verschiedenes auf und unterschiedlich schnell sondern alle gleichzeitig genau zu dem Zeitpunkt, als es auch passiert. Ein Philosoph hat einmal gesagt, wir leben eigentlich nur in der Vergangenheit, weil wir nichts genau dann wahrnehmen, wenn es auch passiert, sondern erst Sekundenbruchteile danach, sodass es aber kaum noch auffällt."

Abrupt endete Portah. Mila war kaum hinterhergekommen und hatte deshalb auch keine Frage. Portah hatte es gut erklärt, aber das mit der Energie ... Dass man sie gar nicht sah, sondern wahrnahm. Mila hatte sie gesehen. Oder?

„Hast du überhaupt was verstanden?", fragte Portah grinsend.

Mila nickte verhalten. „Ein wenig schon, aber alles nicht.", gab sie zu.

„Es ist auch nichts, was groß erklärt werden kann.", beruhigte Portah sie. „Man muss es langsam selbst verstehen und das wirst du, da bin ich mir sicher."

„Und wie wende ich dann Magie an?"

„Das muss dir ein anderer Lehrer zeigen." Portah zuckte mit den Schultern. „Wir sind auf keiner Magieschule, sondern in der Klingenburg, da wird mit dem Schwert gekämpft und nicht mit Energie und Lebenskraft."

Allmählich verstand Mila tatsächlich. Mit dieser Lebenskraft oder auch Energie wirkte man Magie. Und nun konnte sie sie sehen. Wie sahen Magier dann aus? Wie ein normaler Mensch oder anders? Zumindest mussten sie mit der Energie, die sie sahen irgendwie etwas in der Welt verändern können. Mila fragte sich, ob sie dazu auch Talent hatte.

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