Wir öffneten die kleine Holztür des Baumhauses und traten hinein. Da es draußen schon dunkel war, machte Luke die Taschenlampe an, die an der Decke baumelte. Wir sahen uns beide in unserem kleinen aber feinen Häuschen um. Es hatte sich kaum etwas verändert, aber es lag eine dicke Staubschicht auf dem Tischchen und den Kissen auf dem kleinen Sofa. *Ist gar nicht so schlimm, wie ich erwartet habe* sagte Luke mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Ich musste ihn angrinsen und antwortete *Hab ich doch gesagt. Komm, lass uns schnell die Kissen ausschütteln.* Ich öffnete das kleine Holzfenster und wir schüttelten die Kissen aus. *Ist ja fast wie bei Frau Holle, nur etwas staubiger !* gab ich lachend von mir. Luke prustete los. *Gibt wohl staubige Weihnachten dieses Jahr* meinte er und ich lachte mit.
Als wir auch noch den Tisch abgewischt und die Kissen wieder auf ihre ursprüngliche Position gebracht haben, ließen wir uns auf das Sofa fallen. Ich kuschelte mich näher an Luke und er legte seinen Arm um mich, so wie vorhin im Pavillion. Sollte ich ihm erzählen, dass es mir in letzter Zeit so schlecht ging ? Ich denke schon.
*Ähm, Luke ? Also, ich... will dir was sagen.* fing ich an. Luke sah mich an und nickte. *Klar Beca, ich dir auch . Aber du zuerst.* Er lächelte mich liebevoll an. *Okay, Also... ich glaube, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie froh ich bin, dass du wieder hier bist. Dass ich dich wieder bei mir habe. Weißt du, mir ging es in den letzten Wochen wirklich schlecht. Ich habe mich jeden Tag in meinem Zimmer verkrochen und nichts gegessen. Ich hab deshalb auch ziemlich viel abgenommen und so .... und versteh das jetzt bitte nicht falsch, aber du bist der Grund dafür gewesen. Ich habe dich in den letzten Wochen so verdammt schrecklich vermisst wie nie zuvor. Meine Eltern waren ständig bei der Arbeit oder auf Geschäftsreise und Louis war auch andauernd bei seiner Freundin, sodass ich jeden Tag von Morgens bis Abends alleine war. Ich war einsam. Du warst früher immer bei mir, und das hat mir einfach gefehlt. Ich musste jede verdammte Minute an dich denken. Ich dachte echt schon, du hättest mich vergessen, weil wir schon länger nicht mehr geschrieben oder telefoniert haben, und irgendwann hab ich mir Vorwürfe gemacht, dass ich daran Schuld bin. Du bist mir so verdammt wichtig Luke, so wichtig wie keine andere Person....* ich sah ihm in die Augen und merkte, wie sich eine kleine Träne ihren Weg von meinem Auge zum Kinn bahnte. Luke sah mich einfühlsam und etwas geschockt an, bevor er etwas sagte. *Bitte denk nie wieder, dass ich dich vergessen habe. Nie mehr, versprich mir das. Das könnte ich nie tun. Und du bist auch nicht Schuld daran.* Er nahm mich in den Arm. Ich war nun etwas beschämt. Wie konnte ich nur denken, dass Luke mich vergessen hatte ? Als er sich von mir löste, hob er mein Kinn mit einem Finger an, sodass mir nichts anderes übrig blieb, als ihn anzuschauen. *Ich verspreche es.* sagte ich.
Er nahm meine Hand in seine, starrte auf einen Punkt und sprach weiter. *Ich hab das gleiche durchgemacht. Ich hab mich in den letzten Wochen auch von den Jungs abgeschattet und mich zurückgezogen. Auf die letzten Konzerte hatte ich gar keine Lust mehr, ich wollte einfach nur noch zu dir. Und das mit dem Anrufen war auch so eine Sache. Ich hab mich nicht getraut. Ich wusste nicht, ob du sauer auf mich sein würdest, weil ich mich schon so lange nicht mehr gemeldet hatte. Ich war einfach ein Feigling und hab mich nicht getraut..... es tut mir so leid.* Er sah mich traurig an und ich konnte nicht anders, als ihn noch einmal zu umarmen. *Es muss dir nicht Leid tun, Luke. Wirklich nicht. Immerhin hab ich mich doch genauso wenig getraut, den ersten Schritt zu machen. Lass uns das einfach vergessen, ich meine, wir sind ja jetzt wieder bei einander.* Wir lösten uns voneinander und lächelten beide. *Okay. Aber sag mal, geht's dir jetzt wieder besser ? Also ich meine wegen dem Abnehmen und so...* er sah mich besorgt an. *Ja, ich denke schon. Jetzt wo du da bist geht's mir sowieso wieder gut.* Er grinste. *Es sind doch jetzt zwei Monate Ferien, oder ? Lass uns in den zwei Monaten die Zeit nachholen, in der wir getrennt waren. Ash, Mickey und Cal freuen sich auch schon, dich wieder zu sehen.* Ich grinste auch. *Auf jeden Fall holen wir das nach. Ich freu mich auch schon.*
Wir saßen noch ewig aneinandergekuschelt auf dem Sofa. Ich hatte so viele Fragen und Luke erzählte mir alles von der Tour. Wie die Konzerte waren, dass es im Tourbus oft sehr chaotisch mit den vier Jungs zuging und dass sie öfters mit den Jungs von One Direction abhingen, wenn sie in der Nähe waren. Er erzählte mir auch dass Michael sich fast jeden Monat die Haare in einer anderen Farbe färbt, dass Ashton öfters mal seine Drums schrottete oder dass Calum immer seine Unterwäsche stahl. Ich hatte allerdings im Gegensatz zu ihm nicht viel zu berichten.
Wir lachten sehr viel und es tat einfach gut, ihn wieder Lachen zu hören und seine Nähe zu spüren. *Weißt du, wie schön es sich anfühlt, mal wieder dein Lachen zu hören ?* fragte ich ihn. *Wenn es sich nur halb so gut anfühlt, wie deins zu hören, dann muss es wundervoll sein.* sagte er grinsend und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Es breitet sich ein schönes Gefühl in mir aus und ich wollte, dass dieser Moment nie vorbei geht.
Doch wie heißt es so schön ? Man soll aufhören, wenn's am Schönsten ist. Scheiß Sprichwort !
Ich hätte Louis umbringen können, als er an der kleinen Holztür klopfte und seinen Kopf ins Baumhaus streckte. *Ähm ich soll euch sagen, dass wir bald gehen.* Ich und Luke sahen uns an und ich wusste, dass er das gleiche dachte wie ich. Wir beide hätten meinen Bruder am liebsten umgebracht. *Wie spät ist es denn ?* wollte ich wissen. Louis blickte kurz auf sein Handy. * 00:47 Uhr* sagte er. *Ja, wir kommen gleich.* sagte ich und Louis machte nickend die Tür wieder zu.
*Machen wir morgen was zusammen ? wir könnten zum Beispiel hier noch ein wenig Ordnung rein bringen und die Kartons mit unseren alten Sachen da drüben durchschauen und dann später zum Strand gehen ?* wollte Luke mit seinem Hundeblick wissen. *Du fragst noch ? Klar machen wir was zusammen. Und dein Vorschlag hört sich gut an* grinste ich.