Eine lange Menschen Schlange hat sich nun vor der Rettungsstation gebildet. Das kann nur heißen das wir jetzt weiter zum Zug müssen um den anderen Platz zumachen. Ein paar Minuten später kommt ein Mann von der Caritas um uns aufzuwecken. Verschlafen machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof, der hier gleich in der Nähe liegt. Ich schau mich um, denn ich habe noch nie so eine schöne und saubere Stadt gesehen. Meine Schwester scheint auch sehr beeindruckt von den hohen, zum teil, gläsernen Häusern. Die Sonne lacht ihr ins Gesicht und zaubert ein leichtes lächeln darauf. Endlich sehe ich sie wieder lächeln, denn seit der Flucht hat sie niemals nur ein bisschen gelächelt, ich merke ,es besteht noch Hoffnung. Nach einer Weile erreichen wir den Bahnhof. Ein großes Gebäude mit hohen Türmen und Fenstern, und sehr sehr sauber, viel sauberer als in Libyen. Wir betreten ein großes, weißes Gebäude. Viele Menschen werfen uns abwertende Blicke zu. Meine Familie und ich schauen verlegen zu Boden. Mein Vater schämt sich, denn er war ein angesehenerMann in Lybien. Ich bin davon entsetzt. Wie können diese Menschen nur denken sie wären etwas Besseres, und uns solche abwertenden Blicke zuwerfen als wenn wir das letzte Stück Dreck wären. Als wir dann endlich den Bahnsteig erreicht hatten, war mir etwas besser zu Mute. Auf einer Schalttafel stand in flimmernden Buchstaben: >D1 route Triest-Innsbruck, arrives at 07:30< Es war kurz vor halb acht, also müsste der Zug bald kommen.
Als der Zug dann da war zögerte ich einen Moment. Wenn ich jetzt einsteige, heißt das, dass ich nie wieder nachhause könnte. Nie wieder den großen Garten von meinem Großvater sehen, und nie wieder in die Eisdiele von dem guten alten Menit gehen könnte, in der es mein heiß geliebtes Zitronen- Erdnuss Eis gibt. Diese Vorstellung ist traurig, doch jetzt gibt es kein zurück mehr. Ich gebe mir einen Ruck, drücke die Hand meiner Mutter ganz fest, und steige ein.