Brenda - Ein Prinz zum Verlie...

By WolfHeichele

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Zu den schönsten Dingen, die man in Kalifornien erleben kann, gehören die Sonnenuntergänge an der Pazifikküst... More

Kapitel 2: Die Prinzessin und der Dieb

Kapitel 1: Dämliche Jungs

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By WolfHeichele

Mit einem schrillen Läuten kündigte die Schulglocke das Ende der großen Pause an. Brenda und ihre beste Freundin Amy schnappten sich ihre Schultaschen und machten sich auf den Weg zurück ins Klassenzimmer. Dabei hatten sie es wie immer nicht eilig, denn mit dreizehn, beziehungsweise vierzehn Jahren, galt es als ziemlich uncool, wenn man wie ein kleines Mädchen über den Pausenhof rannte. Außerdem hatten die beiden den Weg schon so oft zurückgelegt, dass sie genau wussten, in welchem Tempo sie gehen mussten, um pünktlich im Klassenzimmer anzukommen.

»Hey, Brenda, sieh doch, wie dämlich die Typen vom Chemiekurs heute wieder gaffen. Die nerven mich, echt!« Amy strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und setzte den arrogantesten Blick auf, den sie drauf hatte. Das war ihre Art, die Jungs spüren zu lassen, wie sehr sie sie langweilten. Amy bildete sich eine Menge auf ihr Aussehen ein und obwohl sie erst vierzehn Jahre alt war, wurde sie von vielen Jungs schon für fünfzehn oder sechzehn gehalten. Sie schminkte sich jeden Tag, hatte ein stylishes Adler-Tattoo auf ihrem Rücken, das sie auch gern zeigte, und war ansonsten total cool unterwegs. Dies spiegelte sich auch in ihrer Sprache wider:

»Fuck! Was wollen diese zurückgebliebenen Nerds eigentlich andauernd von uns, Brenda? Für mich sind sie Luft, nichts als degenerierte Halbaffen.«

Amy liebte es, in besonders abfälligem Ton über ihre Mitschüler abzulästern. Das gab ihr das sichere Gefühl, sich von ihnen abzugrenzen. Die gleichaltrigen Kerle waren schlicht und ergreifend zu jung für sie, denn sie selbst hatte bereits einen sechzehnjährigen Freund, mit dem sie seit fünf Wochen zusammen war und um den sie alle Klassenkameradinnen beneideten.

»Ach, Amy, was kümmern dich diese Loser«, beruhigte sie Brenda. »Freu dich doch lieber auf die Ferien! Hey, ab morgen beginnt das Leben!«

Amy nahm Brenda in den Arm.

»Wie Recht du hast, Bren'. Ab morgen leben wir für acht Wochen in Freiheit, das wird killer! Hey, da fällt mir was ein: Leroy möchte mit mir in den Ferien für ein paar Tage nach Las Vegas fahren. Ist das nicht spitze, Sista?«

»Wow, klasse.« Brenda freute sich total für ihre Freundin, wurde aber gleichzeitig ein wenig neidisch, denn sie war selbst schon einmal mit ihren Eltern in Las Vegas gewesen und hatte wunderbare Erinnerungen an die Stadt.

Sie dachte an die vielen Attraktionen, die es dort gab, an die eindrucksvollen Lichtspiele der Casinos und an die aufwendig gestalteten Themen-Hotels, von denen eines prachtvoller war als das andere. Da gab es zum Beispiel ein Casino namens Paris, in dem alles an die französische Hauptstadt erinnerte und in dem man sogar den Eiffelturm nachgebaut hatte, dann ein durch das alte Ägypten inspirierte Hotel, das man Luxor nannte und in dessen Eingangsbereich eine riesige Sphinx und turmhohe Pharaonen auf die Gäste warteten und zu guter Letzt ein etwas älteres Casino, das Excalibur hieß und das es Brenda ganz besonders angetan hatte.

Denn hier ging es ausschließlich um Ritter – und um Pferde –, also um ihre beiden Lieblingsthemen. Im ganzen Hotel fühlte man sich wie ins Mittelalter zurückversetzt. In jedem einzelnen Zimmer gab es Artefakte, außergewöhnliche Accessoires und farbenprächtige Gemälde von stolzen Rittern in Rüstungen. Auch der Name des Casinos klang wie Musik in Brendas Ohren. Excalibur! Das war der Name eines alten, sagenumwobenen Schwertes, das seinen Träger unbesiegbar machte. Einst soll es auf der geheimnisvollen Insel Avalon geschmiedet worden sein und später hat es eine tragende Rolle in der Artus-Sage gespielt. Brenda hatte extra nach der Bedeutung des Excalibur-Schwertes gegoogelt und herausgefunden, dass sich zahlreiche Legenden um das berühmteste Schwert der Geschichte rankten – und in Las Vegas wurden diese Geschichten zum Leben erweckt, denn es gab jeden Abend monumentale Ritterspiele im Excalibur.

Die Leute mochten über die Stadt denken, was sie wollten, für Brenda war sie ein himmlischer Ort – ein Märchenschloss inmitten der Wüste Nevadas. Ein Zentrum der Magie, in dem die Träume das Laufen lernten und Märchen wahr wurden.

Brenda dachte noch immer voller Sehnsucht an das Excalibur, als sie Hand in Hand mit Amy das Klassenzimmer betrat. Die beiden setzten sich auf ihre Plätze und warteten darauf, dass Mister Oberman, der Mathematiklehrer, vor der Tafel erschien.

»Du, Amy. Las Vegas ist wirklich ein zauberhafter Ort, daran besteht kein Zweifel«, flüsterte Brenda ihrer Freundin ins Ohr, »aber es ist auch ein Ort, der zum Leichtsinn einlädt. Du wirst mir doch keine Dummheiten dort mit deinem Leroy machen? Du weißt, was ich meine! Bitch dich also nicht zu sehr auf, wenn ihr in Vegas seid, versprochen?«

Sie warf ihrer Freundin einen prüfenden, fast strengen Blick zu. Amy wich diesem jedoch gekonnt aus und spielte die Frage herunter:

»Du kannst dich auf mich verlassen, Sista!«

Doch so schnell ließ Brenda nicht locker und bohrte weiter:

»Und was ist mit Leroy? Kann ich mich auf ihn auch verlassen? Immerhin ist er schon sechzehn. Und was sagt eigentlich deine Mutter zu diesem Ausflug. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie dir das erlaubt.«

»Hey, kein Stress, meiner Mom habe ich erzählt, dass ich auf ein Zeltlager der Pfadfinderinnen gehe. Und was Leroy angeht, vertrau mir einfach, okay? Ich weiß, wo meine Grenzen sind. Sieh lieber zu, dass du selbst nicht vom Pferd fällst in deinem Reiterurlaub.« Amy hatte den letzten Satz etwas bissig betont, da sie Brenda gerne wegen deren Liebe zu Pferden aufzog.

Im Gegensatz zu ihr selbst galt Brendas Interesse nach wie vor dem Reiten und nicht den Jungs und sie freute sich sehr auf ihren bevorstehenden Reiterurlaub, den sie auf der Farm ihrer Tante Fernanda verbringen würde.

»Vielleicht läuft dir endlich ein netter Stallknecht über den Weg«, witzelte Amy weiter und stieß Brenda mit dem Ellbogen an, gerade so, als wollte sie sagen: Es wird langsam Zeit, dass du dir einen Freund suchst! Dann gab sie Brenda demonstrativ einen dicken Kuss auf die Wange und lachte dabei laut. Das war typisch Amy. Zurückhaltung war nicht ihre Stärke. Sie lebte im Hier und Jetzt und es war ihr vollkommen egal, was andere über sie dachten. Sie tat stets das, worauf sie gerade Lust hatte und sprach aus, was andere nicht zu sagen wagten. Sie liebte das Leben und wollte Spaß haben – und dazu gehörte für sie auch ein cooler und älterer Freund an ihrer Seite.

Brenda ging – wie fast immer – nicht auf die Anspielungen bezüglich ihres Beziehungsstatus' ein. Sie war ein völlig anderer Typ als die extrovertierte Amy. Sie ließ die Dinge lieber etwas ruhiger angehen und dachte auch gerne mal im Stillen über sich und das Leben nach. Zudem waren ihr Pferde lieber als die meisten Menschen und nicht zuletzt deswegen hatte sie es mit den Jungs bei Weitem nicht so eilig wie ihre frühreife Freundin.

Die meisten Jungs sahen das natürlich etwas anders und nicht wenige unter ihnen hätten Brenda gerne zur Freundin gehabt. Denn sie war ein hübsches Mädchen. Sie hatte eine sportliche Figur und war immer bestens gekleidet. In der Schule trug sie nur Klamotten von Holister oder Abercrombie & Fitch und die Tatsache, dass sie mit der coolen Amy befreundet war, machte sie noch interessanter. Bei den Jungs galt sie deshalb als eyecandy – so sagt man in Kalifornien zu einem hübschen Mädchen. Das einzige, was die Jungs an Brenda nicht mochten, war ihre Begeisterung fürs Reiten, denn das fanden sie ziemlich uncool.

Aber das kümmerte Brenda nicht im Geringsten – im Gegenteil, es bestärkte sie darin, sich mit keinem ihrer Schulkameraden auf ein Techtelmechtel einzulassen. Wer so primitiv ist, dass er das Reiten für einen Fehler hält, ist meiner nicht würdig, dachte Brenda in solchen Momenten und das war auch der Grund dafür, warum sie bis heute nur einen einzigen Freund gehabt hatte – und auch den hatte sie nach nur sieben Tagen in die Wüste geschickt.

Die meisten anderen Mädchen aus ihrer Klasse hatten schon mehrere Freunde gehabt und waren ausnahmslos der festen Überzeugung, dass Mädchen aus Kalifornien möglichst früh etwas mit Jungs anfangen müssten. Brenda – wie gesagt – teilte diese Meinung nicht:

»Hör bitte auf, mich ständig wegen eines Freundes zu löchern«, zischte sie Amy an, »wenn der richtige kommt, dann werde ich schon bereit sein, mach dir keine Sorgen!«

»Das weiß ich doch«, meinte Amy. »Lass mich dich doch ein wenig ärgern.« Sie umarmte Brenda und flüsterte ihr ins Ohr:

»Ich hab dich einfach so lieb, Sista, und ich möchte, dass es dir gut geht!« Und schon konnte Brenda ihr nicht mehr böse sein. Amy war zwar ziemlich crazy, aber in ihrem Inneren war sie ein sehr liebes Mädchen und ein grundehrlicher Mensch. Bei ihr wusste man immer, woran man war. Und genau das mochte Brenda so an ihr.

Amy würde ihr niemals etwas vormachen oder ihr Honig ums Maul schmieren.

Richtig gute Freundinnen sind nur diejenigen, die dich auch hinterfragen, pflegte Amy immer zu sagen. Und wie Recht sie damit hatte. Welchen Wert haben Freundinnen, die einem immer nur die Dinge sagen, die man hören will? Keinen!

Brenda und Amy hätten zwar unterschiedlicher kaum sein können, aber genau diese Gegensätze verbanden sie auch. Die Basis ihrer tiefen Freundschaft lag aber sicher nicht nur an den Gegensätzen, die sich ja bekanntlich anziehen, sondern vielmehr in ihrer Offenheit zueinander. Diese Art von Freundschaften sind die ehrlichsten und halten oft sehr lange – manchmal sogar ein ganzes Leben lang.

Mr. Oberman hatte zwischenzeitlich das Klassenzimmer betreten. Gemeinsam lauschten Brenda und Amy den gähnend langweiligen Ausführungen ihres Mathe-Lehrers. Brenda hasste Mathematik – und am letzten Schultag des Jahres konnte sie erst recht nichts damit anfangen. Dennoch bemühte sie sich nach Kräften, wach zu bleiben. Sie stützte ihr Kinn in die Hände und starrte angestrengt zur Tafel. Das ging etwa eine Minute lang gut, bis ihr die Augen zufielen. Eine weitere Minute später befand sie sich bereits im Tiefschlaf und begann zu träumen.


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