Gejagt (Winchester Lovestory)

By 0Larezi0

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(Mit Infos aus Staffel 8 sonst recht unabhängig) Sam und Dean Winchester haben schon viel gesehen. Dämonen, E... More

2. Der Geschmack von Fragen
3. Klarstellung

1. Die Jägerin

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Die Luft roch nach verrottendem Laub, feuchter Erde und dem süßlich-metallischen Beigeschmack, den Dean Winchester inzwischen nur zu gut mit übernatürlichem verband. Der Wald am Rande von Crescent City, Kalifornien, war still. Unheimlich still. Kein Vogelzwitschern, kein Rascheln von Kleintieren im Unterholz. Nur das leise Knacken von Ästen unter ihren Stiefeln und das eigene Atmen.

»Also, das übliche Menü?«, murmelte Dean und hielt die Schrotflinte locker im Anschlag, seine Augen gewöhnten sich an das Dämmerlicht, das durch das dichte Blätterdach fiel. »Schattenwesen, Energievampir, gemeiner Sonnenuntergang?«

Neben ihm blieb Sam stehen, den Blick starr auf sein EMF-Gerät gerichtet. Die Nadeln zuckten hektisch aus. »Starkes Signal. Und die Beschreibungen der Überlebenden passen. Es saugt die Lebensenergie aus allem, was ihm zu nahe kommt. Tiere, Menschen... scheint sich nach Einbruch der Dunkelheit hier zu konzentrieren.« Er hob den Kopf, eine Strähne seines Haares fiel ihm in die Stirn. »Dean, das ist kein gewöhnlicher Geist. Wir sollten vorsichtig sein.«

»Vorsichtig ist mein zweiter Vorname«, grinste Dean, doch die Anspannung ließ sein Grinsen kürzer als gewöhnlich ausfallen. Sam warf ihm nur einen vielsagenden Blick zu: den „Dean-ich-kenne-dich-Blick". Sie hatten die Spuren des Wesens mehrere Tage verfolgt. Drei Tote, darunter ein Wanderer, der wie eine ausgetrocknete Pflanze aufgefunden wurde. Keine äußeren Verletzungen, aber jede einzelne Zelle war regelrecht ausgelaugt.

Sie bahnten sich ihren Weg durch das Dickicht, immer der EMF-Anzeige folgend. Das Gerät piepte nun durchgängig, ein schriller Ton, der Deans Nerven blank liegen ließ. Er spürte es jetzt auch selbst, diese eisige Kälte, die nicht vom Wetter kam, sondern von innen heraus zu kriechen schien. Ein Gefühl, als würde etwas an seiner Lebensenergie ziehen, wie ein unsichtbarer Strohhalm.

»Es ist nah«, flüsterte Sam.

Dann hörten sie es. Ein leises Summen, das an eine riesige Mücke erinnerte. Und ein Schatten. Er bewegte sich zwischen den Bäumen, nicht wie ein normaler Schatten, sondern wie ein lebendiges, undichtes Loch im Licht. Es hatte keine feste Form, waberte und zog sich zusammen, und in seiner Mitte schien das ohnehin spärliche Licht vollständig verschluckt zu werden.

Dean hob die Flinte, bereit, eine Ladung mit Salzkugeln abzufeuern. »Sam, auf drei...«

Da war ein Geräusch. Ein leiser, fast unhörbarer Pfiff, gefolgt von einem kurzen, scharfen Zisch.

Der Schatten zuckte zusammen, ein fahles, violettes Leuchten durchzuckte ihn für den Bruchteil einer Sekunde, und er stieß einen lautlosen Schrei aus, der jedoch tief in ihren Knochen vibrierte. Dann, noch bevor Dean den Abzug durchdrücken konnte, flog ein zweiter Pfeil, wenn man es so nennen konnte, durch die Luft. Diesmal warf er einen dünnen, silbrigen Faden hinter sich her, der sich wie eine Schlange um den wackelden Schatten legte. Der Faden zog sich zusammen, es gab ein brutales Zischen und das Wesen schien sich um sich selbst zu drehen, bevor es mit einem letzten, erstickten Laut in sich zusammenfiel und zu einem kleinen, pulverisierten Haufen auf dem Waldboden zerfiel, der seltsam im schwachen Mondlicht glitzerte.

Stille.

Dean und Sam standen wie angewurzelt da, die Waffen noch halb erhoben. Was zur Hölle?

Aus dem Schatten eines mächtigen Redwoodbaumes löste sich eine Gestalt. Sie war schlank, bewegte sich mit einer anmutigen, kontrollierten Geschmeidigkeit, die Dean sofort an eine Jägerin denken ließ, oder an eine Tänzerin. Vielleicht auch beides. Als sie näher trat, fing der Mond ihr Gesicht ein. Dunkles, welliges Haar, das zu einem lockeren Pferdeschwanz zusammengebunden war, scharfe, hohe Wangenknochen und Augen, die im schwachen Licht fast schwarz wirkten und dennoch ein unheimliches Funkeln hatten. Sie war jung, vielleicht Mitte zwanzig, und trug eine eng anliegende, schwarze Lederjacke über einem dunklen Oberteil.

In ihrer Hand hielt sie einen Bogen. Aber nicht aus Holz oder Metall, wie sie es kannten. Er wirkte elegant, fast zerbrechlich, aus einem dunklen, glänzenden Material gefertigt. An der oberen Spitze des Bogens befand sich eine kleine, kunstvoll gearbeitete Verzierung, ein Fach, das sich gerade geöffnet hatte. Dort steckte sie, mit flinken, sicheren Bewegungen, etwas hinein, das wie eine kleine, zusammengerollte Schriftrolle aussah. Dann ließ sie den Bogen an einer Schlaufe über ihrer Schulter baumeln und zog einen großen, schwarzen Leichnamssack aus ihrem Rucksack.

Die Fremde ignorierte sie vollkommen. Sie beugte sich zu dem glitzernden Pulverhaufen hinunter, schob ihn mit einer fast zärtlichen Bewegung in den Sack und verschloss ihn sorgfältig. Kein Blick, kein Wort. Als wären Sam und Dean Luft.

Dean schnappte als erster aus seiner Starre. »Hey!«, rief er und machte einen Schritt auf sie zu. »Einen Moment! Wer zur Hölle bist du? Das war unser Fall!«

Die Frau hob den Kopf. Ihre Augen, jetzt sah er es genauer, hatten eine ungewöhnliche, hellgraue Farbe, fast wie polierter Stahl. Sie musterte sie kurz, ihr Blick glitt über Deans Gesicht, dann zu Sam, mit einem Ausdruck, den Dean nicht deuten konnte. Kein Interesse, keine Angst, nur eine kühle Distanz.

Dann stand sie auf, den Sack lässig über der Schulter, und drehte sich einfach um. Sie verschwand in dem Schatten, aus dem sie gekommen war, so lautlos wie sie aufgetaucht war.

»Hey! Ich hab mit dir geredet!«, rief Dean wütend und wollte ihr nach, doch Sam legte eine Hand auf seinen Arm.

»Dean, warte.«

»Warte? Sie hat unser Monster geklaut, Sam! Und zwar mit... mit einem Zauberbogen oder was das war!«

Sam starrte in die Richtung, in der die Frau verschwunden war, seine Stirn in Falten gelegt. »Hast du das gesehen? Das war kein normaler Jäger. Das war... Magie.« In seiner Stimme lag eine Mischung aus Unglauben und Neugier, die Dean an ihm so sehr kannte. »Und der Bogen... das Fach an der Spitze... das war für die Komponenten. Sie hat das Ding mit einem einzigen Schuss unschädlich gemacht, ohne es zu zerstören, und dann... eingesammelt. Für was?«

»Für ihre private Trophäensammlung, was weiß ich«, knurrte Dean und kickte frustriert gegen einen Baumstumpf. »Der Punkt ist, sie hat sich einfach verpisst. Kein „Danke", kein „Hallo, ich bin die Neue". Nichts!«

»Sie hat uns gesehen und beschlossen, dass wir nicht existieren«, sagte Sam leise, immer noch in die Dunkelheit starrend. »Das war nicht nur Ignoranz. Das war Absicht. Als ob sie uns nicht kennenlernen will. Oder kann.«

Sie standen noch eine Weile schweigend da, das leise Rascheln der Blätter im Wind war das einzige Geräusch. Die Frau war wie ein Geist verschwunden. Der Fall war vorbei, aber er hatte eine viel größere Frage hinterlassen.

»Komm«, sagte Sam schließlich und klopfte Dean auf die Schulter. »Wir fahren zurück zum Bunker. Vielleicht hat sie Spuren hinterlassen. Oder wir finden ähnliche Fälle.«

Dean brummte nur zustimmend. Während sie zurück zum Impala gingen, drehte er sich noch einmal um. Der Wald wirkte jetzt weniger bedrohlich, aber auch irgendwie leerer. In seinem Kopf kreisten tausend Fragen. Wer war diese Frau? Wo hatte sie diese Kampfkünste gelernt? Und vor allem: Warum zum Teufel hatte sie sie beide so eiskalt ignoriert?

Sam schien ähnlich zu grübeln. »Eine Jägerin, die Magie und einen Bogen benutzt«, murmelte er, als sie den Wagen erreichten. »Das ist nicht alltäglich. Ich habe noch nie von ihr gehört. Und sie wirkte... erfahren. Sehr erfahren.«

Dean startete den Motor, der vertraute, beruhigende Sound des Impala erfüllte die Stille. »Erfahren oder nicht«, sagte er und warf einen letzten Blick in den Rückspiegel, als ob er erwartete, sie dort auftauchen zu sehen, »Sie hat das Ding alleine gejagt, ohne uns auch nur eines Blickes zu würdigen. Das macht mich misstrauisch. Und Sam?«

»Ja?«

»Das nächste Mal, wenn wir sie sehen, werden wir nicht so höflich fragen.«

Die Fahrt zurück zum Bunker verlief größtenteils schweigend, jeder in seine Gedanken versunken. Sobald sie die schwere Metalltür hinter sich geschlossen hatten, stürzte Sam sich auf die Computer. Dean zog sich ein Bier aus dem Kühlschrank und lehnte sich an die Wand, beobachtend.

»Also«, begann Sam, seine Finger flogen über die Tastatur. »Ich suche nach ungewöhnlichen Jägern. Weiblich, Magieanwenderin, benutzt einen Bogen mit einer Aufbewahrungsvorrichtung. Das ist so spezifisch...«

»Und?«, fragte Dean nach einem langen Schluck.

Sam schüttelte den Kopf. »Nichts Konkretes. Ein paar Gerüchte, Mythen. Aber kein Name, kein Gesicht. Es ist, als ob sie ein Geist ist.« Er hielt inne. »Allerdings habe ich etwas gefunden. Ein ähnlicher Fall. Vor einem Monat, etwa 25 Kilometer von hier. Ein Bauer hat seine ganze Ernte über Nacht verloren. Es wurde gemeldet, aber dann... nichts. Keine weiteren Vorfälle. Die Untersuchung wurden eingestellt.«

Dean stellte sein Bier ab und trat näher. »Glaubst du, das Monster hat es ausgelöst und sie hat dafür gesorgt, dass es nicht fortfährt?«

»Es ist möglich«, sagte Sam und drehte sich zu ihm um. In seinen Augen lag dieser intensive Blick, den er immer hatte, wenn er einer Spur folgte. »Dean, wenn sie solche Fälle systematisch bearbeitet und die Überreste mitnimmt, dann ist das kein Zufall. Sie sammelt etwas. Oder sie versteckt etwas. Wir müssen sie finden.«

Dean nickte langsam. »Dann suchen wir weiter. Sie hat heute unser Monster erledigt. Aber sie hat auch eine Menge Fragen hinterlassen.« Ein schmales Lächeln umspielte seine Lippen. »Und eines Tages werden wir die Antworten bekommen. Ganz gleich, ob sie will oder nicht.«

Er blickte auf die endlosen Daten auf dem Bildschirm, die Sam durchforstete, und das Bild der Fremden tauchte wieder vor seinem inneren Auge auf. Die anmutige Bewegung, der kalte Blick, das Geheimnis, das sie umgab. Es roch nach Ärger. Aber vor allem roch es nach einer Geschichte, die es wert war, erzählt zu werden.

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