Man sieht sich

By LetterForJonah

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"Man sieht sich" - als Alex diesen Satz sagte, war ihr noch nicht bewusst, wie schnell sie Emily eigentlich w... More

Einleitung
Kapitel 1.
Kapitel 2.
Kapitel 3.
Kapitel 4.
Kapitel 5.
Kapitel 6.
Kapitel 7.
Kapitel 8.
Kapitel 9.
Kapitel 10.
Kapitel 12.
Kapitel 13.
Kapitel 14.
Kapitel 15.
Kapitel 16.
Kapitel 17.
Kapitel 18.
Kapitel 19.
Kapitel 20.
Kapitel 21.
Kapitel 22.
Kapitel 23.
Kapitel 24.

Kapitel 11.

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By LetterForJonah

POV - Emily

Die Nacht wird heute noch sehr warm für Ende September, also habe ich mich entschieden, ein leichtes Sommerkleid für das Volleyballspiel heute anzuziehen. Da ich eine gute Verbindung habe, bin ich außerdem mit dem Bus gekommen und habe mein Auto stehen lassen, damit ich mich nicht mit der Parkplatzsuche beschäftigen muss.

Ich stehe erst gute fünf Minuten an dem genannten Sammelpunkt, als die ersten Schülerinnen auftauchen. Das Spiel beginnt zwar erst um 20 Uhr, aber da ich mittlerweile einen guten Überblick über meine Klasse habe, weiß ich, dass ein paar von ihnen trödeln werden. Um 19:45 Uhr sind dann alle da, bis auf Alex.

"Okay, da wir fast vollzählig hier bereits eure Tickets und ein Aufgabenblatt von mir, das ich zum Ende des Spiels wieder einsammeln werde", sage ich und teile die Blätter schon einmal aus. "Die Aufgaben werden bis zu 20 % in eure Note für das Halbjahr einfließen, also bitte nehmt das ernst." erläutere ich mit ernster Stimme und scharfem Blick und höre ein paar Protestaktionen der Mädels.

"Ich weiß, ich weiß, aber die Aufgaben sind wirklich nicht so schwer. Außerdem hattet ihr heute keinen Unterricht, also bitte", gebe ich ihnen ein freundliches Lächeln und ein paar von Ihnen scheinen meinen Punkt zu verstehen. "Ihr könnt dann schon einmal rein und eure Plätze suchen, ich warte hier noch auf unsere Nachzüglerin."

Die Klasse bildet sich in ein paar Grüppchen und sie betreten nach und nach die Arena, während ich am Einlass auf Alex warte. Natürlich warte ich auf Alex. Sie bringt zwar gute Leistungen im Unterricht, sowohl Englisch als auch beim Sport, aber dieses ständige zu spät Kommen geht mir langsam auf die Nerven. Wie schwer kann es sein, die Uhr zu lesen?

Fünf Minuten vor Spielbeginn sehe ich dann Alex aus der Ferne. Sie hat ein schwarzes muskelbetontes Shirt an und eine weinrote kurze Sporthose. Ihre blonden Haare fallen zu einer Seite über ihre Schulter. Als sie näher kommt, bemerke ich eine feine silberne Kette über ihren Hals, aber mein Blick bleibt bei den zwei Kaffee hängen, die sie in der Hand hält.

"Ich bin zu spät. Cappuccino mit einem Zucker, als Entschuldigung und nein, das ist keine Bestechung. Sie können mich gerne als verspätet eintragen", hält sie mir einen Kaffeebecher entgegen, mit einem sanften Ausdruck im Gesicht. Sie will lächeln, aber ihre Mundwinkel bewegen sich kein Stück. Sie ist komisch drauf, sie schaut mich nicht an. Schon die ganze Woche hatte sie meine Blicke ignoriert, immer weggeschaut, sobald ich sie nur im Unterricht dran nahm und das, obwohl sie sich gemeldet hatte zum Antworten.

Ich nehme schließlich den Kaffee aus ihrer Hand und halte ihr das Ticket mit dem Aufgabenzettel entgegen "Hier, Reihe 8 Platz 16 und das Blatt wird bis zu 20 % in die Note mit einfließen." Und als ich nicht direkt loslasse, als sie nach den Sachen greift, schaut sie mich endlich an. Für nicht einmal eine Sekunde schaut sie mir in die Augen und direkt wieder weg, also lasse ich den Zettel los.

In diesem kurzen Augenblick, als ich ihr in die Augen schauen konnte, war mir, als wäre Wut und Ärger in ihren Augen, aber gleichzeitig auch Leidenschaft. Nur durch diesen kurzen Augenblick bin ich wieder durcheinander.

Sie läuft wortlos an mir vorbei zum Eingang und nimmt einen Schluck ihres eigenen Kaffees. Ich entscheide mich, meinen zu probieren und als der Geschmack sich auf meiner Zunge verteilt, merke ich einen leichten Hauch von Karamell. Genauso wie ich meinen Kaffee mag, aber woher wusste Sie das?

Ich laufe in die Arena, völlig neben der Spur und versuche mich darauf zu konzentrieren, meine Klasse zu finden und einfach nur meinen Platz einzunehmen.

Beim Bestellen der Tickets habe ich uns alle in eine Reihe gepackt. Mein Platz ist direkt am Gang Reihe 8 Platz 1. Das heißt, dass Alex am anderen Ende sitzt, direkt am anderen Gang.

Sobald ich sitze, beginnt das Spiel und ich lehne mich mit meinem Kaffee zurück. Ich halte ihn links vor mir, nah am Gang. Es wäre besser, wenn man nicht direkt merkt, dass Alex und ich die gleichen Kaffeebecher haben.

Als ich wieder einen Schluck nehme, kommen mir mehrere Fragen in den Kopf. Immer noch, woher sie weiß, wie ich meinen Kaffee trinke.

Aber Kaffee als Entschuldigung, wie war das gemeint?

Irgendetwas stimmt nicht.

Etwas in mir sagt, dass die Entschuldigung nicht für die Verspätung ist, aber wofür will sie sich dann? Wieso hat sie überhaupt das Gefühl, sich bei mir entschuldigen zu müssen?

Die Fragen kreisen in meinen Gedanken hin und her, aber ich finde keine plausible Erklärung dafür. Ich würde sie ja fragen, aber was soll ich den sagen.

Das Spiel läuft schon eine Weile und ich schaue in meiner Reihe entlang, ob die Mädels auch die Aufgaben machen. Zu meinem Erstaunen sind viele von Ihnen sehr fokussiert auf das Spiel und viele sind am Schreiben. Dann fällt mein Blick auf Alex und ich muss einmal tief Luft holen, als ich mir fest auf die Zähne beiße. Sie schaut weder auf das Spielfeld noch auf ihre Aufgaben. Stattdessen sitzt sie locker in ihrem Sitz und ist am Handy. Als hätten wir dieses Thema nicht schon durchgemacht.

Bevor ich aufstehe und eine Szene mache, versuche ich das anders zu regeln. Vielleicht funktioniert es.

Ich zücke mein Handy aus meiner Handtasche und halte es dicht an mir, ein wenig weggedreht von der Schülerin neben mir. Ich gehe auf meine Nachrichten und tippe unüberlegt.

Ich
Muss ich wirklich rüberkommen?

Keine Minute vergeht und sie hat es gelesen. Dann dauert es aber etwas mit ihrer Antwort.

Alex
Was meinen Sie?

Ich
Pack dein Handy weg.

Alex
Ansonsten? Darf ich es mir später wieder abholen?

Meine Augen verdrehen sich und ich greife mein Handy fester, als Ihre Nachricht auf meinem Bildschirm erscheint.

Bevor ich wieder anfange zu tippen, sehe ich im Augenwinkel wie Alex aufsteht und die Treppen nach oben läuft. Ich packe mein Handy wieder in meine Tasche und schwinge mir diese über meinen Arm, als ich aufstehe und die Halle nach oben verlasse. Ich schaue mich in dem Gang einmal um, aber sehe sie nirgends, also gehe ich in das nächste Badezimmer und schmeiße meinen leeren Kaffeebecher auf dem Weg dorthin weg.

Ich betrete das Badezimmer und gehe rüber zu den Waschbecken und lege meine Tasche an der Seite ab. Mein Blick richtet sich auf den Spiegel, als ich höre, wie eine Kabine sich öffnet und Alex aus ihr herauskommt.

Sie richtet ihr Shirt und ich kriege einen komischen Flashback von der einen Nacht im Club, nur das dieses Mal nicht noch jemand hinter Alex hervorkommt. Als sie ihren Blick von ihrem Shirt hebt, treffen sich unsere Augen in dem Spiegel vor uns.

Sie senkt ihren Blick, als sie näher an die Waschbecken kommt und sich die Hände wäscht. "Werde ich jetzt nicht nur angestarrt, sondern auch verfolgt?" sagt sie.

Ich lehne mich mit meiner Hüfte an das Waschbecken, überkreuze meine Arme und schaue sie an. Mein Blick neutral und desinteressiert "woher weißt du, wie ich meinen Kaffee trinke?"

"Jeden Montag, wenn sie zum Unterricht kommen haben Sie einen Kaffee in der Hand. Cappuccino, ein extra Zucker und ein extra Schuss Karamell, steht auf dem Etikett. Das ist mir mal aufgefallen", sagt sie gelassen, als wäre es das normalste auf der Welt.

Sie dreht das Wasser wieder zu und trocknet Ihre Hände.

"Und du dachtest, wenn du schon zu spät dran bist, dann macht es der Kaffee wieder gut?"

Etwas an diesem Satz muss sie verärgert haben, denn als sie nach den Tüchern zum Abtrocknen greift, zieht sie so fest, dass der Spender ein knackendes Geräusch von sich gibt.

"Nein", sagt sie so leise und rau, dass ich es fast überhöre. Ich gehe einen Schritt auf sie zu und sie geht einen Schritt zurück. Sie zuckt zusammen, als sie merkt, dass sich direkt hinter ihr eine Wand befindet und sie nicht weiter zurück kann. Sie schaut um sich herum, bis ihre Augen dann auf mir landen.

Ich mache einen weiteren Schritt auf sie zu, meine Arme weiterhin überkreuzt "Wofür ist der Kaffee Alex? Wieso willst du dich bei mir entschuldigen?", frage ich sie fordernd.

Sie beißt ihren Kiefer fester zusammen und ich will jetzt eine Antwort haben. "Wieso?", hebe ich meine Stimme, nicht zu doll, aber so, dass sie weiß, dass ich es ernst meine.

"Weil ich an Sie gedacht habe!", haut sie raus, ohne zu zögern und fixiert mich so stark mit ihren Augen, dass ich meine Arme bei den Worten an die Seiten fallen lasse und sich mein Mund leicht öffnet, um etwas zu sagen. 

"Was?" Kriege ich nur mit einer zittrigen Stimme hin und mache einen Schritt zurück. 

Mein Blick bleibt an ihrem hängen. Es darf jetzt nichts Unüberlegtes passieren; ich muss jetzt genau schauen, was sie sich verhält.

"Die ganze Zeit", sagt sie und macht einen Schritt auf mich zu "Während ich eine andere Frau befriedigt habe, waren Sie ständig in meinen Gedanken." Mein Herz fängt an schneller zu schlagen und als ich merke, wie ich mich immer weiter entfernt habe, doch sie sich genährt hat. Und jetzt bin ich diejenige, die an die Wand gedrückt ist.

Ich schaue herunter, um zu sehen, wie viel Platz zwischen uns ist, als sie ihre Hände flach an die Wand legt, neben meinem Gesicht. Mein Blick wandert an ihrem tätowierten Arm herauf zu ihren Augen, die mich bereits tief anschauen. Ihre Augen sind dunkler geworden, seitdem sie vor mir steht. So dunkel, dass ich kaum mehr das Blau erkennen kann.

Sie denkt an mich? Während sie mit einer anderen Frau schläft, denkt sie an mich? Das ist so banal und trotzdem schmeichelt es mir gleichzeitig.

"Sie sind ständig in meinem Kopf", sagt sie tief und mein Blick landet auf ihren Lippen. Auf ihren vollen, blassen Lippen. "Es macht mich krank, aber ich kann an niemanden anderen mehr denken". Ihre jetzt raue Stimme bewirkt, dass ich einmal schlucken muss.

Ein leichter Schauer überkommt mich, als sie ihre linke Hand senkt und mit ihren Fingerspitzen über meinen Arm von unten nach oben streift, ihr Oberkörper sich mir immer weiter nähert. Meine Lippen öffnen sich leicht, als mein Blick ihrer Hand folgt. Meine Nase füllt sich wieder mit dem süßen Geruch von Vanille und ich merke, dass meine Knie weich werden.

Als ich wieder zu ihr hochschaue, ist ihr Blick nun auf meinen Lippen fixiert.

"Wie soll i-" will sie einen Satz anfangen, doch bevor ich wissen will, was als Nächstes kommt, drücke ich meine Lippen fest gegen Ihre und meine Hände landen automatisch um ihren Nacken.

Ich küsse sie intensiv und energisch und ihre Lippen sind wie im Einklang mit meinen. Ihre weichen Lippen überkommen mich vollkommen, als sie die Kontrolle über den Kuss übernimmt und ich drücke mich gegen sie. Es fühlt sich an, als hätten wir beide nur auf diesen Kuss gewartet und jede Minute, die vergangen ist, war eine verlorene.

Ihre Hände greifen an meine Hüfte und ich merke, wie sie mich mit einer Leichtigkeit packt und an sich hochzieht. Sie drückt mich mit Ihrem Oberkörper an die Wand und ich spüre, wie mein Kleid hochrutscht, als ich meine Beine um Ihre Hüfte schmiege. Diese Nähe zu ihr ist das, was mein Körper verlangt, jede einzelne Ihrer Berührungen.

Es könnte jederzeit jemand hereinkommen und uns sehen. Viel schlimmer könnte es jederzeit jemand aus der Klasse sein. Doch in diesem Moment ist es mir so egal. Alles, was ich in diesem Moment will, sind Alex's Lippen und Hände an meinem Körper.

Mein Kopf neigt sich leicht in meinen Nacken, als sie ihre Lippen von meinen löst und sie anfängt, sich an meinem Kinn herunterzuküssen bis zu meinem Hals. Ihre Hände gleiten unter mich und halten mich fest, so fest, dass ich Ihre Fingerspitzen in meiner Haut merke.

Meine Hand gleitet an ihrem Nacken hoch in ihre Haare und vergräbt sich darin, damit sie bloß nicht von meinem Körper wegzieht, während ich mit dem anderen Arm um ihre Schulter greife.

Alles fühlt sich so harmlos an, als wären wir dafür bestimmt, in unseren Körpern diesen Hunger zu stillen. Und obwohl ich weiß, wie falsch das jetzt ist, will ich nicht, dass ihre Berührungen aufhören. Ich will sie spüren, an jeder Stelle meines Körpers. Ich will mich in ihren Armen verlieren, als wäre sie der letzte Halt, bevor ich falle - und sie soll mich wieder auffangen.

Mein Atem ist tief und meine Brust bebt verrückt, als sie mit ihren Zähnen leicht an der Haut meines Halses zieht. Ein leises Stöhnen entweicht mir unabsichtlich und dann spüre ich, wie sich Ihre Fingerspitzen nun in meine Haut bohren. Meine Lust steigt und so wie Alex sich mit ihren Becken in meine Mitte drückt, macht es mir nur noch schwerer, das reizende Gefühl in mir zu kontrollieren.

Ich höre Stimmen, die sich dem Badezimmer nähern und in einem Moment lässt Alex von mir los und meine Beine finden wieder auf den Boden zurück. Sie hat sich bereits zwei Schritte von mir entfernt, als die Tür sich öffnet und zwei fremde Gestalten das Badezimmer betreten, gefangen in ihrem eigenen Gespräch. Alex greift nach einem Tuch und wischt sich über die Hände, als sie dann das Tuch in die Tonne schmeißt. Sie wirft mir noch einen Blick zu und ich kann ein leichtes Grinsen auf ihren Lippen erkennen; dann geht sie an mir vorbei und verlässt das Badezimmer. Ihr Parfüm bleibt noch für eine Weile wie eine Wolke im Raum, die hinter ihr zieht.

Ich streife mir über die Haare, als ich noch an der Wand stehe und mein Atem wieder herunterfährt. Bevor ich das Badezimmer verlasse, werfe ich noch einen Blick in den Spiegel und erkunde mit meinen Fingern meinen Hals, ob irgendetwas auf diese Situation von eben zurückführen kann. Mein Hals ist leer, genau wie mein Kopf, der nun keinen klaren Gedanken fassen kann. Aus meiner Tasche ziehe ich meine Zigaretten und dann suche ich den Weg nach draußen.

Vor der Arena setzte ich mich auf eine leere Bank an dem Raucherbereich und zücke mein Feuerzeug, um der Zigarette, die sich bereits zwischen meinen Lippen befindet, einen Sinn zu geben.

Soeben waren noch Alex's Lippen an meinen und der bittere Geschmack ihres schwarzen Kaffee's der noch auf meinen Lippen verweilt, wird jetzt durch die Zigarette ersetzt.

Ist das gerade wirklich passiert? Die ganzen Male, als wir uns fast geküsst hätten, sind jetzt nicht mehr abzustreiten. Aber ich bin diejenige, die den ersten Schritt gemacht hat.

War das zu viel? War ich zu voreilig?

Meine Gedanken spielen verrückt und mit einem Seufzen lehne ich mich zurück und ziehe an der Zigarette. Das ist doch verrückt, das ist falsch, aber trotzdem sitze ich hier und will mehr.

Ich will ihre Berührungen an meinem Körper und wenn es die letzten sind, die ich spüre.
Der Filter meiner Zigarette wird heiß und dann merke ich, dass sie fast leer ist. Ich stehe auf und schmeiße den Rest in die Tonne, bevor ich mich wieder hinein bewege.

Als ich wieder meinen Platz einnehme, stecke ich die Schachtel wieder in meine Tasche. Es soll aussehen, als wäre das der Grund meines Wegbleibens gewesen.

Die Schüler neben mir scheinen sich dafür aber nicht zu interessieren und ich lehne mich in meinem Sitz zurück. Ich werfe einen Blick in die Reihe entlang und sehe Alex, entspannt in ihrem Sitz, an ihrem Handy. Als würde sie meinen Blick merken, dreht sie ihren Kopf zu mir und schaut eine Weile in meine Richtung, bevor sie einmal zwinkert und ihr Interesse wieder ihrem Handy widmet. Ich verdrehe meine Augen und versuche mich wieder auf das Spiel zu konzentrieren.

Nach etwas mehr als einer halben Stunde ist das Spiel vorbei. Die Heimmannschaft hat mit drei Sätzen gewonnen. Ich verlasse die Arena, begehe mich zu unserem Treffpunkt und warte auf die Klasse, um die Aufgaben einzusammeln.

Nach und nach kommen die Mädels raus und geben ihre Zettel bei mir ab; sie bedanken sich und wünschen ein schönes Wochenende. Ich gebe jedem ein freundliches Lächeln und bedanke mich für das Kommen. Ich zähle 14 Zettel in meiner Hand. Einer fehlt, natürlich der von Alex.

Als ich gerade eine weitere Zigarette anmachen will, bemerke ich mehrere Tropfen auf meiner Haut. Ich stelle mich gerade unter das Dach der Arena und wie aus dem Nichts fängt es an zu schütten. Prima, weißes Kleid, kein Auto – das wird ein beschissener Heimweg.

Nach der halben Zigarette sehe ich dann auch endlich Alex, die auf mich zukommt. "Du lässt mich gerne warten, hm?", sage ich unüberlegt und leicht genervt.

Sie bleibt dicht vor mir stehen und hält den Zettel zwischen uns. Als ich ihn greifen will, beugt sie sich an mein Ohr und flüstert "Es gibt da eine Art und Weise, bei der ich Sie nicht warten lassen würde."

Mein Puls wird höher und meine Lippen öffnen sich leicht, als sie sich wieder von meinem Ohr entfernt und ich ihren tiefen Blick sehe, der mir verrät, dass sie das vollkommen ernst meint. Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll oder was ich sagen soll, also senke ich nur meinen Kopf zur Seite und nehme einen Zug der Zigarette, um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können.

Als ich weiterhin nichts aus mir herausbringen kann, geht sie einen Schritt zurück und hält mir den Zettel entgegen. Ich nehme ihn zögernd von Ihr und sie lässt einen tiefen Atemzug von sich. "Ein schönes Wochenende", sagt sie, dreht sich um und verschwindet in dem Regen in Richtung der Parkplätze.

Ich schüttle meinen Kopf und trete die Zigarette aus, dann packe ich die Aufgaben in meine Tasche und prüfe mein Handy. Der Bus kommt in zehn Minuten, dann mal los.

Der Regen ist kalt und stark; nach nicht einmal einer halben Strecke bis zur Haltestelle merke ich mein Kleid an mir kleben und die Tropfen auf meinen Armen von meinen nassen Haaren fallen. Der Frust steigt in mir mit jedem Schritt, doch es ist nicht der Regen, der mich nervt. Es ist mein Verhalten. Ich muss einen Weg finden, das zu beenden und wenn ich dafür die Klassen tauschen muss, es wird schon einen Weg geben.

Gerade als ich auf mein Handy schauen will, wie viel Zeit mir noch bleibt, fährt ein Auto an mich heran. Ich drehe mein Blick und sehe den schwarzen Truck langsam neben mir herfahren, als meine Schritte langsamer werden. Die Scheibe geht runter und Alex lässt ihren Blick nicht von der Straße. "Steig ein, ich fahre dich nach Hause", sagt sie nur und ich bleibe stehen, überlege kurz.

Für einen Moment will ich mich einfach nur wegdrehen und weitergehen, doch dann schaue ich einmal nach links und rechts, ob irgendjemand Bekanntes in der Nähe sein könnte und greife nach dem Türgriff.

Sie schaut mich nicht an, als ich auf dem Beifahrersitz Platz nehme und sobald ich die Tür wieder zumache, fährt sie los, ohne etwas Weiteres zu sagen. Die Musik spielt leise im Hintergrund, als der Regen gegen die Fenster prasselt. Es ist Countrymusik und sie hatte es schon auch beim letzten Mal an, als sie mich nach Hause fuhr.

"Was ist aus dem 'Sie' geworden", unterbreche ich die Stille, schließlich hat sie mich soeben geduzt. Soll der Kuss wirklich etwas verändert haben?

Sie dreht ihren Kopf etwas zu mir, ihr Blick eher weniger amüsiert.

"Sie fangen an, mich zu nerven", sagt sie mit einer tiefen, doch verführerischen Stimme.

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