Als ich von der Schule nach Hause kam, sah ich die Tür offen. Verwirrt ging ich hinein und entdeckte eine kleine Familie, die unsere Wohnung ansah. Ein kleines Mädchen kam aus meinem Zimmer heraus, ich warf ihr einen grimmigen Blick zu, und das Mädchen wich ängstlich von meiner Seite. Als ich nach links schaute, sah ich meine Mutter auf mich zukommen.
>>Kleines, es tut mir leid. Ich dachte, du wärst noch in der Schule. Hattest du früher Schluss?<<, fragte sie und gab mir eine Umarmung, während ich sie verwirrt in den Arm nahm. >>Ich hatte früher Schluss, Miss Newborn ist im Unterricht erkrankt. Ich wollte dir Bescheid geben, aber du bist nicht ans Handy gegangen<<, sagte ich und ließ sie wieder los. >>Steph, ich muss dir etwas sagen. Du weißt ja, Artur und ich sind schon eine Weile zusammen<<, sagte sie und sah mich mit ihren leicht traurigen, braunen Augen an. >>Und ich wollte es dir schon vorher sagen, aber ich wollte dich nicht stressen, denn ich weiß, wie du sein kannst<<, fügte sie hinzu und strich mit ihrer weichen Hand eine meiner braunen Strähnen aus meinem Gesicht.
Ich wusste, was sie mir sagen wollte. In mir kochte langsam die Wut. Ich hatte unsere Wohnung bereits vor einer Woche im Internet gesehen, wollte es jedoch nicht akzeptieren, dass wir umziehen würden. Ich hatte sie auch nicht darauf angesprochen. Ich verließ die Wohnung, ohne etwas zu sagen, und wusste nicht einmal, wohin ich gehen sollte. Ich spürte etwas Salziges auf meiner Lippe und sah, es war eine Träne. Ich weinte und wusste nicht einmal, warum. Doch ich erinnerte mich an all die Dinge, die mir in dieser Wohnung passiert sind, sowohl die guten als auch die schlechten.
Ich kam an einer kleinen Gasse an und griff nach einer Zigarette. Obwohl ich normalerweise nicht rauchte, nahm ich sie und zündete sie an. Sie gehörte meiner Mutter; ich hatte sie vor ein paar Tagen aus ihrer Tasche genommen und auf diesen Tag gewartet.
Stunden vergingen und gegen 18 Uhr war ich wieder zuhause. Ich wusste, dass ich Ärger bekommen würde wegen des stinkenden Geruchs der Zigarette. Ich öffnete die Tür, und meine Mutter saß auf der Couch, die wir erst vor ein paar Monaten gekauft hatten. Ich sah die vielen Dokumente, setzte mich neben meine Mutter, die mich halbwegs lächelnd ansah. Ich wusste, was sie jetzt sagen würde, und schwups kam es aus ihr herausgeschossen >> Steph, es tut mir lei-<< Sie unterbrach sich selbst und kam mir näher, da ihr der Geruch sehr bekannt vorkam. Sofort änderte sich ihre Laune, sie sah mich böse an und brach zusammen. >>Woher, woher hast du diese Zigaretten?<< fragte sie mich. Ich wusste nicht, ob ich jetzt die Wahrheit sagen sollte oder einfach still vor ihr sitzen sollte. Ich entschied mich, ihr die Wahrheit zu sagen. Es tut mir zwar nicht leid, aber was sie gemacht hat, ist echt Scheiße. Ich zögerte und holte tief Luft ein. >>Ich nahm es aus deiner Tasche. Ich sah die Anzeige schon vor einer Woche. Ich bin sehr sauer auf dich. Ich dachte, wir sind eine Familie ohne "Geheimnisse" << sagte ich und klang dabei sehr wütend. Ich wollte gerade aufstehen, da nahm meine Mutter meine Hand und zog mich wieder auf die Couch. Ich hörte ihr nicht zu, dabei sah ich unser Wohnzimmer an und bemerkte, wie es sich im Laufe der Jahre verändert hatte. Die Wände waren weiß, das große Fernsehgerät über der Kommode, die Gardinen, die sich leicht bewegten wegen dem Windstoß. >> Steph, ich und Artur sind schon so lange zusammen. Wir möchten keine lange distanzierte Beziehung führen. Du wirst es irgendwann auch verstehen'<< sagte sie und legte ihre Hand auf meine. Ich zog meine Hand weg, zeigte ihr die kalte Schulter, stand auf und ging zu meinem Zimmer, schloss die Tür zu.
Ich lag bis 21 Uhr in meinem Bett, bis meine Mutter anklopfte. Ich öffnete die Tür und sah meine Mutter. >>Schatz, du musst gleich packen. Wir fahren morgen übers Wochenende zu der Familie von Artur. Ich finde, du solltest ihn auch mal langsam kennenlernen, da werden wir bald eh dorthin ziehen<< sagte sie etwas traurig. Ich sah in ihren Augen, dass sie nicht die glücklichste war; unter ihren braunen Augen zeigte sich Müdigkeit. >>Okay<< sagte ich und zog dabei meine schultern hoch und schloss die Tür. Ich ging zu meinem Kleiderschrank, suchte mir etwas für die nächsten paar Tage aus, nahm die Tasche unter meinem Bett und legte meine Kleidung hinein.
Ich ging ins Bad, um mich für morgen fertig zu machen. Ich nahm eine kalte Dusche, stieg aus der Dusche, putzte meine Zähne und trocknete dabei meine Haare. Nachdem ich fertig war, rief ich meine Freundin Dzey an. Wir unterhielten uns ein wenig, und ich erzählte ihr von der heutigen Situation. Sie war schockiert, aber auch traurig, dass ich umziehe. Ich legte mich hin, schloss meine Augen und versuchte zu schlafen. Doch es gelang mir nicht. Die ganzen Erinnerungen an die Zeit mit meinem Dad hier kamen hoch. Eigentlich wollte ich das alles nicht, aber ich musste es akzeptieren, weil ich auch wollte, dass meine Mom auch glücklich ist. Nach einer Weile schlief ich trotz all dieser Gedanken ein.
Nächster Tag
Meine Mutter weckte mich gegen 9 Uhr. Ich öffnete meine Augen, gähnte und streckte meine Arme aus, ließ sie dann aber wieder fallen. Mein Bett war so gemütlich, dass ich gar nicht aufstehen wollte. Dennoch stand ich auf und begann mich anzuziehen. Nachdem ich mich bereit gemacht hatte, machte ich mir einen schnellen Toast. Meine Mutter wartete bereits unten auf mich. Ich schnappte meine Tasche und schloss die Tür. Am Auto angekommen, verstaute ich meine Tasche im hinteren Kofferraum. Unser Auto war nicht sehr groß, perfekt für zwei Personen. Ich setzte mich auf den Beifahrersitz, und wir fuhren los. Die Fahrt dauerte fünf Stunden, bis wir schließlich unser Ziel erreichten.
Es war 15 Uhr. Wir stiegen aus, und ich sah das große Haus mit einem riesigen Garten. Es hatte zwei Stockwerke und war aus Marmor gefertigt, dazu einen beeindruckenden Pool. Die Aussicht sah auch mega cool von hier oben aus.
Ein großer Mann öffnete die Tür. Er sah gut aus, gepflegt, und hatte seine braunen Haare nach hinten gekämmt. Seine braunen Augen strahlten förmlich, als er meine Mutter sah. Mit einem kleinen Lächeln sagte er: "Kommt rein, wir haben auf euch gewartet. Das Essen ist gerade fertig geworden.
Als wir reingingen, roch es schon perfekt. >>Heyy, ich bin übrigens Sam Ryan. Schön, dass ihr da seid, sonst müssten wir jetzt alles selber aufessen<< kam er schnell von der Treppe lächelnd herunter. >>Es ist schön, Sie mal persönlich kennenzulernen, Nadine<< fügte er nur noch hinzu. Es interessierte mich nicht besonders, ob er sie zuvor kannte oder nicht. Trotzdem hatte er einen netten Eindruck hinterlassen. Ich sah zu meiner Mutter und Artur rüber; sie sah glücklich aus. Es tat mir richtig weh, wie viel Leid sie in den letzten Jahren von meinem Dad abbekommen hatte, und jetzt, jetzt ist sie endlich glücklich. Mein Mundwinkel ging leicht hoch, als ich sie sah.
Plötzlich kam die Tochter die Treppe herunter. Ihr finsterer Blick durchbohrte mich förmlich, und es war offensichtlich, dass sie überhaupt keine Lust auf die bevorstehende Unternehmung hatte. Obwohl auch ich keine große Begeisterung verspürte, ließ ich es nicht so offensichtlich durchblicken wie sie. Schon aus der Ferne konnte ich ihre aufkommende Wut spüren, ihre blauen Augen wirkten in diesem Moment beinahe teuflisch. Während sie die Treppe hinunterstieg, nahm sie ihre blonden, langen Haare und band sie zu einem Zopf zusammen.
Ein emotionsloses >>Hallo, ich bin Ila<< entkam ihren Lippen. Artur, der offenbar gute Laune verbreiten wollte, rief uns fröhlich zu: >>Leute, setzt euch hin! Eine fünfstündige Fahrt lag vor euch. Ich hoffe, ihr habt Hunger mitgebracht.<< Wir nahmen Platz, als plötzlich...