Levis Sicht
"Bring mich auf den neuesten Stand!" befehle ich Belle im Laufschritt ohne anzuhalten. Der Rückflug war die reinste Tortur gewesen. Nicht nur solange auf neue Informationen warten zu müssen.. Sondern auch das stupide rumsitzen und Nichts tun, hat mich beinahe wahnsinnig werden lassen. Fast erfrischend ist es jetzt, hektisch über den Flughafen Richtung Ausgang zu sprinten. "Es gibt nicht viel Neues Bruder." sagt sie sichtlich unglücklich. "Auruo wird immer noch Notoperiert und weil wir weder ihr Notfallkontakt, noch verwand sind bekommen wir über [V]'s Zustand keine Informationen. Alles was ich dir sagen kann ist, dass sie zusammen eingeliefert wurden."
Als Antwort knirsche ich frustriert mit den Zähnen. "Weißt du was genau passiert ist?" hake ich nach und ignoriere die neugierigen Blicke und gezückten Handys der anderen Reisenden. "Nicht wirklich. Ich weiss nicht, was Erwin dir genau erzählt hat.. Aber Auruo hat sie mittels GPS ihres Handys bis zu der Wohnung ihres Onkels getracked.. Doch dann ist sie statt nach Hause zu kommen, durch das Waldstück südlich des Wohngebiets gelaufen. Also ist Auruo Hals über Kopf aufgebrochen um sie zu suchen. Mehr kann ich dir nicht sagen.. Ausser das eine Stunde später der Anruf aus dem Krankenhaus kam."
Auch wenn wir schon kurz darauf im Auto sitzen und Richtung Krankenhaus rasen, geht mir das alles einfach viel zu langsam. Eld sitzt am Steuer, während ich schweigend mit Belle auf der Rückbank sitze. Dabei ist bereits ein weiteres Fahrzeug mit Security voraus gefahren, um unser Eintreffen falls nötig abzusichern. Beiläufig schaue ich auf die Uhr. Die anderen mussten sich in diesem Moment im Boarding befinden. Wenn alles glatt lief, würden sie 2 Stunden später nach uns eintreffen. Dann seufze ich frustriert. So wie es aussieht hatte [V] tatsächlich Recht gehabt. Wir machten genau da weiter, wo wir aufgehört hatten.. Lag es etwa an mir? Oder warum ist sie das letzte Jahr ohne größere Blessuren durchgekommen und kaum, dass sie wieder bei mir ist, wird sie das Opfer eines Angriffs... Denn auch wenn sie uns nichts über ihren Zustand verrieten, so war es doch eindeutig, dass diese Messerattacke ihr gegolten und Auruo sie lediglich beschützt hatte.
Meine Nerven sind daher bis zum zerreissen gespannt, während ich meinen Blick durch die Dunkelheit wandern lasse ohne wirklich etwas wahrzunehmen. Ich achte auch nicht mehr auf Belles nicht aufhörendes Geplapper. Ohnehin konnte sie mir keine weiteren Informationen geben, die ich jetzt so dringend brauchte. "Levi?" fragt sie mich vorsichtig und bohrt mit ihrer Stimme sofort an meinen ohnehin schon offen liegenden Nerv. "Was!" blaffe ich sie ungehalten an, ohne sie dabei anzusehen. "Was hältst du davon? Soll ich sie wirklich weg lassen? Also die Schlaftabletten?" Völlig ausser mir sehe ich sie jetzt an. [V] wurde gerade mit unbekannten Verletzungen nach einer Messerattacke eingeliefert und Auruo kämpfte in diesem Augenblick um sein Leben.. und SIE wollte meine Meinung zu ihren Schönheitsschlaf haben? Meine Stimme spiegelt all die Wut, Ungeduld und unfassbare Abneigung dieses Thema JETZT zu behandeln. "Tch! DAS INTERESSIERT MICH NEN SCHEISS! HAST DU MICH VERSTANDEN?!" knurre ich so tief und voller Wut, dass sie augenblicklich erstarrt. "UND JETZT HALT VERDAMMT NOCH MAL DEN MUND BELLE!"
Die restliche Fahrt spricht sie kein einziges Wort mehr mit mir. Genau wie ich zuvor, starrt sie jetzt stumm aus dem Fenster und hat sichtlich mühe sich zusammenzureißen. Na großartig... Als ob ich jetzt auch noch die Schuldgefühle, sie zum weinen gebracht zu haben, gebrauchen konnte. "Sir? Wir sind gleich da. Aber lt. dem Securityteam wird es Unannehmlichkeiten geben." reisst mich Eld aus meinen Gedanken. Wieder zische ich fluchend. War ja klar, dass diese Aasgeier schon vor Ort sein würden. Kurz darauf halten wir direkt vor dem Eingang der Klinik, während ich dutzende Fotografen und Reporter auf uns warten sehen kann. Doch das Securityteam steht bereits bereit, um uns den Weg durch die Presse zu bahnen und uns so ins innere des Krankenhauses zu lotsen.
Unser Weg führt uns direkt und ohne Umschweife auf die Intensivstation. Jene Station, auf der ich [V] das letzte Mal hatte gehen lassen müssen. Doch diesmal würde ich mich nicht aufhalten lassen! Weder von irgendwelchen Besuchsrechten, noch von ihrem Vater! Ein flaues drückendes Gefühl legt sich mir auf die Brust, als wir schließlich die Station betreten. Auch mein Magen fängt bei dem Geruch des Desinfektionsmittels an zu rebellieren und mein Herz beginnt sich vor Sorge und Ungeduld zu überschlagen. Bitte... Bitte lass es ihr den Umständen entsprechend gut gehen!
Mein schneller Schritt kommt schließlich ins stocken, als ich jemanden zusammengekauert auf einen der hinteren Bänke sitzen sehen kann. Für eine einzige Sekunde habe ich das Gefühl zu fallen, als die Person ihren Kopf hebt und weinend in unsere Richtung sieht. [V]... Fuck! Ihr ging es gut! Doch mein anfängliches Glücksgefühl versickert augenblicklich, als sie unsicher aufsteht und sich in unsere Richtung dreht. Es ist wie ein unerwarteter Schlag direkt in meinen Magen, als ich das ganze Blut an ihr sehe.. Überall.. Ihr Shirt.. Ihre Jacke.. Sogar ihre Oberschenkel und ein Teil ihrer Haare sind voll davon. "Levi.." spricht sie zwar erleichtert aber mitgenommen und völlig erschöpft meinen Namen, als ich auch schon handle.
Deine Sicht
Völlig fertig und mit den Nerven am Ende, nehme ich meine Augen nicht eine Sekunde von ihm, als er auch schon auf mich zustürmt. Seine Hände legen sich noch im laufen an meine Wangen, als er unsicher abbremst und mich mustert. "Bist du verletzt?" fragt er mich hektisch mit hörbarer Sorge und nimmt mich schlagartig in Arm, als ich stumm den Kopf schüttle. Dankbar schließe ich die Augen und genieße das Gefühl seiner Nähe und die damit verbundene Sicherheit seiner festen Umarmung. Dabei kann ich die Anspannung in jeder Faser seines Körpers deutlich spüren, während er mich weiterhin fest im Arm hält. Auch sein Atem klingt immer noch leicht gehetzt, als er sein Gesicht seitlich in meine Haare vergräbt und versucht sich zu beruhigen. Dabei lässt er sich weder von Belle, noch den anderen stören die nun langsam zu ihm aufschließen.
Erst eine wundervolle gefühlte Ewigkeit später lockert sich sein Griff, bis er seine Hände an meinen Hals legt und mit seinen Daumen weich über meine Wangen streichelt. Dabei sieht er mir mit der gleichen Sorge in die Augen, die auch seine Stimme füllt. "Mach das nie wieder mit mir! Hast du verstanden? Ich bin fast wahnsinnig geworden vor Sorge.." flüstert er und zieht mich in einen weichen gefühlvollen Kuss, bevor er mich erneut an sich drückt. Doch als er kurz darauf das verstärkte Zittern meines erschöpften Körpers spürt, mustert er mich erneut mit prüfenden Blick, während er mich zurück Richtung Sitzbank schiebt. Nur flüchtig nehme ich Belle zur Begrüßung in den Arm, bevor mich Levi auch schon zum sitzen bringt und sich vor mich hinhockt. "Erzähl mir was passiert ist."
Ich hole tief Luft und beginne ab dem Moment, als ich das Anwesen verlassen hatte... Wie sich niemand um mich scherte.. Wie ich meine Sachen gepackt hatte und wie ich überstürzt aufgebrochen bin, als der Videocall zu Mum abbrach.. Die Geschehnisse bei den Freyds behandle ich eher oberflächlich, wobei ich das Zusammentreffen mit Leonard im Foye völlig aussen vor lasse. Stattdessen erzähle ich direkt von Mum's Zustand, Leonards Versuch mich einzuschüchtern.. Von der Waffe und dem Messer, bis zu dem Augenblick als Auruo ihn überwältigte und er mich aus dem Anwesen zog. Levis Reaktion ist vielseitig, während er mir aufmerksam zuhört. Doch anders als erwartet spricht er eher mit Fürsorge als mit der erwarteten Wut über mein dummes Verhalten. "Du hättest nicht alleine gehen dürfen!" mahnt er. "Fuck! Du hättest gar nicht gehen dürfen! [V].. Man kann niemanden helfen, dem nicht geholfen werden will!"
"Sie ist meine Mutter Levi! Ich kann doch nicht einfach zusehen, wenn sie misshandelt wird!" entgegne ich verzweifelt. Sein Gesicht verzieht sich zu einer verständnisvollen Miene. Nachdenklich lässt er kurz den Kopf hängen, bevor er mich erneut entschlossen ansieht. "Wir werden sehen, was wir rechtlich tun können okay? Aber versprich mir, dass du dieses Haus nie wieder allein betrittst!" Meine ganze Körperhaltung sprüht förmlich vor Einwände, als er auch schon nachsetzt. "Versprich es mir!" fordert er eindringlich und als mein Blick über meinen vollgebluteten Ärmel wandert, senke ich mitgenommen den Blick und nicke schließlich zustimmend. Doch nicht nur das. Das Blut erinnert mich wieder an Auruo's Zustand und wie Unrecht ich ihn getan hatte. Als Reaktion steigen mir nicht nur umgehend die Tränen in die Augen.. Ich fange auch kurz darauf erneut an heftig zu schluchzen. Levi reagiert ohne umschweife. Er setzt sich neben mich und nimmt mich erneut tröstend in Arm. "Ich hab dich Baby!" flüstert er leise; drückt mich fester an sich und streichelt mir liebevoll über mein Haar. "Es ist vorbei.. Ich bin hier.."
Doch ich schluchze nur noch heftiger. "Nichts ist vorbei.." antworte ich wimmernd. "Ich hab ihn angeschrien.. Verstehst du.. Ich hab ihn für seine Hilfe sogar angegriffen.." übertreibe ich meine kleine Handgreiflichkeit. "Er hat mich nur kurz allein gelassen, damit ich mich beruhige und um das verdammte Auto zu holen.." mache ich mir weiter Vorwürfe. "..und plötzlich war sie da." Levis Haltung versteift sich leicht. "Wer war da?" fragt er hellhörig und gibt mir etwas Platz mich bewegen zu können, während er gleichzeitig den Blickkontakt sucht. "Annie.." sage ich und schlucke einen Teil meiner Emotionen herunter. Levis Reaktion ist deutlich. Seine Miene wird steinhart und seine Augen funkeln in diesem altbekannten mörderischen Glanz. Trotzdem spreche ich unvermittelt weiter. "Sie wollte sich an mir rächen.. Aber Auruo ist dazwischen gegangen!" Levis Kiefer fängt angespannt an zu arbeiten, während ich erzähle. "Sie macht mich dafür verantwortlich was passiert ist... Für all die Tode und ihre Verluste ..Weil ich Eren trotz meines Wissens nicht aufgehalten habe.." Ich sehe an seinem Blick, dass er meine Begegnung und mein Gespräch mit ihr im Kopf am durchspielen ist. Dann fliegt sein Blick über einen kleinen dünnen Verband an meinem linken Unterarm. Die einzige Verletzung neben einem großen blauen Fleck am rechten Handgelenk, die ich heute davon getragen habe.
"Wieso hat sies nicht zu Ende gebracht?" fragt er mit emotionsloser harter Stimme, während sich seine Hand vorsichtig auf meinen neuen Verband legt. "Die Polizei.. Sie ist geflüchtet, als sie das Blaulicht sah.." beginne ich jetzt ruhiger. "Wegen dem gemeldeten Einbruch bei des Freyd's suchten sie aus Sicherheitsgründen die direkte Umgebung ab.. Das ist auch der einzige Grund, wieso Auruo überhaupt eine Chance hatte.. Weil sie die Situation am Tatort nicht einschätzen konnten, haben sie direkt einen Notfallsanitäter samt Rettungswagen zum Einsatzort mitgenommen." Ich hole einmal tief Luft, als ich an die darauf folgenden Stunden und seine unbeantworteten Anrufe denke. "Erst haben sie mich gründlich durchgecheckt und dann wurde ich von der Polizei ausführlich befragt.." Dabei hatte die Polizei deutlich versucht einen Zusammenhang zwischen unserem Angriff und den Einbruch zu finden. "Als ich deine Anrufe gesehen habe, wollte ich sofort zurück gerufen... Aber dein Handy war aus."
Auch wenn die Situation immer noch alles andere als angenehm ist, tröstet mich Levis Nähe ungemein. Mit ihm an meiner Seite fällt es mir viel leichter auch Mike, Hanji und Erwin nach ihrem Eintreffen ausführlich zu berichten was passiert ist. Als sich dann schließlich auch Auruos behandelnder Arzt mit guten Nachrichten meldet, kann ich das erste Mal an diesem Abend wirklich durchatmen. "Wir müssen uns überlegen, was wir der Presse sagen." grübelt Erwin angestrengt und lässt mich fragend zu ihm aufblicken. "Was meinst du?" frage ich ihn irritiert. "Wie währe es mit der Wahrheit?" Doch er schüttelt nur den Kopf. "So einfach ist das nicht [V]! Ihr wart auf der Flucht vor der Polizei! Wenn unser Vertragspartner davon Wind bekommt, dass du an einer vermeintlichen Straftat beteiligt warst und wir deshalb zusätzlich ein Konzert haben platzen lassen sind wir geliefert! Die Situation ist so schon brisant genug.." Skeptisch mustere ich ihn. Irgendetwas lief doch schon wieder völlig an mir an mir vorbei.. Oder? Mein Blick wandert von Erwins grübelnder Miene über Mikes angespannte Haltung zu Levis eiskaltem Pokerface. "Levi... Raus damit! Was läuft hier schon wieder hinter meinem Rücken?" knurre ich ihn jetzt an und sehe schon wie er mit den Augen rollt.
"Tch.." zischt er genervt und schüttelt frustriert den Kopf. Als er immer noch nichts sagt, spricht es schließlich Erwin aus. "Das Meeting ist nicht so gut gelaufen, wie erhofft.." beginnt er mit hörbarer Frustration in der Stimme. "Zwar haben sie keine wirkliche rechtliche Handhabe mehr, aber sie halten dich für einen schlechten Umgang und denken das du einen negativen Einfluss auf die Entwicklung von *No Name* hast." Er seufzt nachdenklich. "Sie suchen krampfhaft nach einem Weg uns irgendwie vertraglich festzunageln.. und das geplatzte Konzert wird es nicht besser machen." Ich denke noch über seine Worte nach als sich Levi neben mir bewegt. "Ich sagte es dir bereits Erwin! Es ist mir scheiss egal, was sie wollen.." knurrt er. "Eher nehme ich die Folgen des Vertragsbruchs in Kauf." Als Erwin antwortet schwingt dieser bekannte Hauch von Kalkül in seiner Stimme. "Das habe ich verstanden.. Aber ich bin mir nicht sicher, ob du es auch verstanden hast.. Keine andere Firma wird dich wieder unter Vertrag nehmen, wenn du dich nicht an die Regeln hältst." Wie aus dem Nichts springt Levi wütend auf und geht drohend auf Erwin los. "Wag es ja nicht mir sowas vorzuwerfen!" knurrt er plötzlich so rasend vor Wut das ich tatsächlich fürchte, er könnte handgreiflich werden.
Sofort springe ich auf und schiebe mich vorsichtig zwischen die beiden, während ich mich gleichzeitig an Levis Brust schmiege um ihn zu bremsen. Doch er scheint mich gar nicht wahr zu nehmen. "Nur weil ich auf ihre scheiss Regeln gehört habe, sind wir heute hier! Nur deswegen, währe sie um ein Haar getötet worden!.. Es ist mir scheiss egal was sie sagen Erwin!" Während er spricht wickelt sich jetzt zwar sein Arm um meine Taille, doch immer noch schenkt er mir nicht die geringste Aufmerksamkeit. "Ich werde sie nicht mehr aus den Augen lassen! Erst Recht nicht solange Annie noch frei rumläuft!" Erst als ich ihn mit meiner Hand am Kragen seines Hemdes ziehe, sieht er mich endlich an. "Hey.." spreche ich in einem beschwichtigenden, leicht mahnenden Tonfall und sehe ihm völlig ruhig in sein kochendes Stahlblau. Als Reaktion legt er seine Hand auf meine, die noch immer an seinem Kragen liegt und schnaubt einmal wütend bevor er gänzlich verstummt.
"Das heisst also es geht um mehr als nur den Überfall.." frage ich jetzt Erwin. "Viel mehr.. fürchte ich." Ich nicke nachdenklich. "Dann bleiben wir bei der Wahrheit!" sage ich schließlich ohne jeden Zweifel entschlossen in die Runde. "Ich sagte bereits, dass können wir nicht!" entgegnet Erwin prompt. Doch kommt er ins Stocken, als ich anfange siegessicher zu grinsen. "Doch das können wir Erwin! Ich bin seid 5 Stunden hier und alles was mich die Polizei gefragt hat ist, ob die Täterin aus Richtung des Anwesens der Freyds kam! Lenoard hat ihnen nichts erzählt! Was soll er ihnen auch schon sagen? Das er mich bedroht hat, weil ich ihn davon abhalten wollte meine Mutter weiter grün und blau zu schlagen? Fuck! Wahrscheinlich hat er nicht mal nen Waffenschein für dieses Ding!" setze ich energisch hinterher. "Das ist genau die Art von Aufmerksamkeit, auf die jemand wie er verzichten will!" Dann drehe ich mich in die Runde und erkläre meinen Plan, als währe er bereits beschlossene Sache. "Wir werden nicht nur bei der Wahrheit bleiben; Wir werden ihnen das ganze Ausmaß der Situation vor Augen führen, wenn wir so das Krankenhaus verlassen! Niemand kann euch einen Vorwurf machen das Konzert abgebrochen zu haben, wenn sie mich in diesem Aufzug sehen! Und niemand wird es auch nur wagen Levis Einwände zukünftig in Frage zu stellen! Ganz zu schweigen davon, dass wir mit der medialen Aufmerksamkeit auch noch den Druck auf Annie erhöhen!"
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"Bist du wirklich sicher, dass du das für uns tun willst?" fragt mich Erwin ein letztes mal im Fahrstuhl mit kraus gelegter Stirn. Seid ein paar Minuten sind ihm seine Kopfschmerzen deutlich anzusehen und zu hören. Doch statt zu antworten atme ich tief durch und versuche mich auf das kommende *Schauspiel* vorzubereiten. Dabei frage ich mich kurz wieso ich so nervös bin.. Im Grunde ist es doch ganz einfach.. Mit möglichst mitgenommenen Blick den kurzen Weg von der Eingangstür zum Auto laufen und sich dabei von den Fotografen ablichten lassen. "Wenn diese Fotos einmal draussen sind, kann sie niemand mehr löschen.." setzt er noch einmal ernst hinterher. Ich seufze angespannt und nicke kurz. "Ich weiss.. Ist Okay.." Ohnehin gab es schon schlimmere von mir. Oder?.. Vielleicht würden sie ja das Bild von mir; betrunken in Levis Armen liegend ablösen. "Ich danke dir [V].." setzt Erwin ruhig hinterher, als sich auch schon die Fahrstuhltür öffnet. "Showtime.." Wie abgesprochen stürmen wir in Formation, flankiert von gut ein Dutzend Security, aus dem Lift und halten ohne anzuhalten auf die große Eingangstür zu. Doch meine Entschlossenheit kommt augenblicklich ins Wanken, als ich die Masse an Menschen direkt ausserhalb des Eingang aufgeregt warten sehe. Es ist doch mitten in der Nacht verdammt! Wo zur Hölle kommen all diese Menschen her? "Nicht langsamer werden." flüstert mir Levi von der Seite zu, als ich auch schon den Zug seines Arms an meinem Rücken spüre.
Doch als sich kurz darauf die große gläserne Tür durch den Bewegungsmelder aufzieht, bin ich völlig überwältigt. Ich hatte noch versucht mich auf das bereits vorgefahrene schwarze Auto zu fixieren, als mich die Situation auch schon völlig aus der Bahn wirft. Hunderte Stimmen prasseln in einem völligen Durcheinander auf uns ein, während sie laut und aufgeregt meinen oder Levis Namen rufen.. Gleichzeitig ist das Blitzlicht der Kameras derart penetrant, dass ich schon nach den ersten zwei Schritten das Gefühl habe völlig Blind zu sein. Ehrlich eingeschüchtert durch diese geballten Eindrücke drücke ich mich scheu an Levis Flanke um mich an ihm festzuhalten, als sich auch schon seine freie Hand an meine Schläfe legt. Mir leicht zugedreht; mit einer Hand um meinen Rücken und der zweiten an meiner Schläfe, lotst er mich die restlichen Meter zum Auto. Ich will schon erleichtert durch die offene Autotür auf den Rücksitz gleiten, als eine besonders nahe, laute und penetrante Männerstimme mich in der Bewegung erstarren lässt. "Hey Bitch! Sags uns! Wen hast du diesmal abgestochen?"
Mein Blick hebt sich ganz von allein fassungslos in seine Richtung. Was hatte er gerade gesagt? Sofort nutzt er die Situation der geweckten Aufmerksamkeit aus und hält mir seine Kamera direkt ins Gesicht. Das grelle Licht des plötzlichen Blitzlicht auf so kurzer Entfernung schmerzt derart in meinen Augen, das ich reflexartig zusammen zucke und mich erneut schützend in Levis Arm drehe. Ich bin immer noch geblendet von den tausenden Sternchen vor meinem inneren Auge, als sich Levis Körper spürbar anspannt. Dabei muss ich seine Miene nicht sehen um zu wissen, in welcher Stimmung er gerade ist. Der Griff seiner Hand wird bereits lockerer, als er sich auch schon minimal von mir zu lösen versucht. Bitte nicht das auch noch! Bevor er wirklich reagieren kann, kralle ich mich mit der Hand an seinem Hemd fest. Gleichzeitig sehe ich besorgt zu ihm auf, während sein Fokus und sein mörderischer Blick auf dem Fotografen liegt. "Wag es ja nicht, mich jetzt los zu lassen!" spreche ich warnend auf ihn ein.
Keine Ahnung ob es an meinen Worten oder dem ängstlichen Ton in meiner Stimme liegt.. Aber Levis Griff festigt sich kurz darauf wieder spürbar, während seine Aufmerksamkeit zurück zu mir gleitet. Für eine Sekunde tauschen wir stumme Blicke.. Dann schiebt er mich vorsichtig ins Auto und rutscht ohne ein weiteres Wort hinterher. Dankbar darüber das es vorbei ist, lege ich mir die Hände ins Gesicht und schließe die Augen. Die ganze Prozedur hatte keine 2 Minuten gedauert.. Trotzdem fühle ich mich ausgelaugter, als nach einer ganzen Trainingseinheit. Dabei bemerke ich erst jetzt meinen keuchenden Atem und meine innere Anspannung, die mich deutlich zittern lässt. "Alles in Ordnung?" fragt mich Levi immer noch mit deutlicher Wut in der Stimme. Statt zu sprechen nicke ich nur angespannt und beobachte beim vorbei fahren, wie sich Erwin und Belle der geballten Masse der Presse entgegen stellen. "Wo sind eigentlich deine Sachen?" fragt er mich jetzt mit hörbarer Skepsis, während ich tatsächlich einen Moment brauche um mich zu erinnern. "Ich hab sie in der Wohnung gelassen.." antworte ich vorsichtig und bin mir der Ironie daran durchaus bewusst. "Tch.." zischt er fast belustigt und rollt mit den Augen. "Wo auch sonst.."
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Levis Sicht
Skeptisch betrete ich hinter [V] die kleine Wohnung ihres Onkels und lass meinen Blick durch die Wohnung schweifen. Wenn ich mich hätte entscheiden müssen, währe es wohl Urig gewesen um den Einrichtungsstil bestmöglich zu beschreiben. Deckenhohe mittelbraune Schränke mit allerlei Tand und Trödel vollgestellt, erdrücken die ohnehin schon kleine Stube, in denen kleinere bunte Teppichläufer auf einem einfarbigen Teppichboden ausgelegt sind. Auch die Sitz und Sofaecke hat nichts modernes an sich und lässt die einzige Neuheit, einen Flachbildfernseher, wie einen futuristischen Gegenstand aussehen. Während [V] in der Küche verschwindet und mit dem Wasserkocher hantiert, sehe ich mich etwas genauer um. Kaum zu übersehen ist dabei das sorgfältig zusammen gelegte Bettzeug direkt neben dem Sofa. Hatte sie etwa das ganze letzte Jahr auf diesem alten und viel zu kurzem Sofa geschlafen? Irritiert drehe ich mich zum Flur. Nein.. Ich hatte richtig gesehen. Es gab nur ein weiteres Zimmer neben Küche und Badezimmer.. Roberts Schlafzimmer.. und dieses schien sie bis jetzt nicht zu nutzen. Ein weiteres Zeichen dafür, wie sehr dieser Verlust noch an ihr nagte.
Dann wende ich mich wieder dem Wohnzimmer zu. Zwischen all den Staubfängern hatte Robert überall Bilderrahmen mit wertvollen Erinnerungen aufgestellt.. Die meisten von ihnen zeigten ihn zusammen mit [V], oder [V] allein.. Dabei sind es so unfassbar viele, dass es wie ein ausführlicher Spaziergang durch ihre Vergangenheit ist. Interessiert greife ich schließlich nach einem Bild, dass Robert und [V] als junges Mädchen zeigt.. Ein ziemlich schlechtes Selfie.. Sitzend auf einer Spielplatzbank mit einem Eis in der Hand, grinst sie frech in die Kamera. Eigentlich ist es nichts besonderes.. Doch erinnere ich mich an [V]'s Erzählung, was ihr dieses Ritual damals bedeutet hatte. Ich seufze zufrieden bei meiner Feststellung. Es ist die richtige Entscheidung gewesen, die restliche Nacht hier zu verbringen.
Deine Sicht
"Tut mir Leid.." entschuldige ich mich schon auf dem Flur. "Ich weiss, dass du besseres gewohnt bist." füge ich hinzu und stelle 2 Tassen Beuteltee auf den Couchtisch. Dann mustere ich ihn beiläufig, als ich meinen Rucksack zu Seite stelle und mich aufs Sofa setzte. Selten bis nie sah Levi so fehlplatziert an einem Ort aus wie jetzt. "Tch.." zischt er als Antwort und setzt sich auch schon zu mir. "Er wird schon nicht schlechter als die Plörre in Paradies sein." Dann nimmt er einen Schluck und lässt seinen Blick zu meinem Rucksack wandern. "Hast du keinen Koffer?" fragt er mich mit einem abschätzigen Ton. Natürlich habe ich einen.. Aber der ist unerreichbar für mich.. Fein säuberlich weggeräumt hinter Onkel Robs Schlafzimmerschrank.. "Nein.." lüge ich also und ignoriere Levis prüfenden Blick. "Hast du was dagegen, wenn ich kurz dusche? Ich seh aus wie Sau und könnte etwas Entspannung gut gebrauchen." lenke ich ihn ab und zupfe dabei auffällig an meinen verklebten Haaren. Sicherlich wollte er so schnell wie möglich wieder los. "Nur zu.." überrascht er mich. "Wir sind nicht Eile. Eld kommt erst in ein paar Stunden wieder."
Dann werfe ich ihm einen interessierten Seitenblick zu. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass er sich hier länger aufhalten wollen würde, als unbedingt nötig. Als ich aufstehe und gehe bleibe ich kurz in der Tür stehen und werfe ihm einen kecken Schulterblick zu. "Die Dusche ist groß genug für zwei, weisst du..." Dann zwinkere ich ihm mit einem verschmitzten lächeln zu. "Tch.." Er schnaubt zwar als Antwort, doch kann er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. "Geh!" knurrt er hörbar belustigt, während er gleichzeitig mit den Augen rollt und den Kopf schüttelt. Doch ich stehe keine 5 Minuten unter der Dusche, da öffnet sich die Badezimmertür ein zweites Mal. Kurz darauf schiebt sich die milchige Duschtür beiseite, als sich ein rabenschwarzer Schopf über meine Schulter in mein Sichtbereich schiebt. Nur unwesentlich später legen sich ein paar weiche Lippen auf meine Schulter, während sich 2 starke Arme um meinen Körper wickeln als er sich von hinten an mich anschmiegt. "Lass mich dir helfen zu entspannen.." flüstert er mir weich ins Ohr, als seine Hände auch schon angenehm über meinen Körper streicheln.
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Erschrocken fahre ich aus dem Schlaf, als sich eine Hand vorsichtig an meine Schulter legt. Perplex öffne ich die Augen; setze mich hektisch auf und schaue völlig verschlafen in Levis amüsierte müde Miene. "Mach dich fertig. Wir müssen los!" sagt er mit einem hörbaren Schmunzeln auf seinen Lippen. "WwWa.." murmle ich müde und reibe mir dabei den Schlaf aus den Augen. Ich hatte mich doch nur für ein paar Sekunden an Levi angekuschelt und die Augen zugemacht. Wieso ist es verdammt nochmal hell draussen? "Gib mir ne Minute." beginne ich müde. "Ich hab noch nicht fertig gepackt... und.." Er steht auf und geht ein paar Schritte durch den Raum. "Aber ich." sagt er zufrieden. "Unser Auto wartet bereits." Ich strecke mich ein letztes Mal und schlurfe Richtung Badezimmer, als mein Blick auch schon sehnsüchtig Richtung Küche wandert. "Kaffee gibts in der Firma!" ruft er mir aus dem Wohnzimmer hinterher. "..Und etwas schneller wenns geht! Sonst kommen wir zu spät!" Firma, seufze ich innerlich.. Es ist also so weit, diesem leidigen Thema endlich ein Ende zu setzten.
Ich steige gerade ins Auto, als mir der Beutel auf der Rückbank ins Auge sticht. "Was ist das?" frage ich und runzle neugierig die Stirn. "Anschauungsmaterial." antwortet Levi knapp und tickert in sein nagelneu aussehenden Handy. Ich überlege einen Augenblick nachzuhaken, doch entscheide ich mich dagegen als er sein Handy ans Ohr legt und ein flüchtiges Telefonat mit Belle führt. "Ja ich weiss.. Wir sind unterwegs." sagt er genervt auf einen längeren Part von seiner Schwester und rollt mit den Augen. "Bis gleich!" setzt er nach und legt fast gleichzeitig auf. "Alles in Ordnung?" frage ich ganz automatisch und ernte einen flüchten zufriedenen Seitenblick. "Zumindest öffentlich läuft schonmal alles nach Plan!"
Während er spricht bildet sich dieses wunderschöne leichte Schmunzeln auf seiner Miene. Ein Anblick den ich viel zu selten zu Gesicht bekomme und der mich immer wieder aufs neue sprachlos macht. Erst jetzt wo ich ihn so gebannt ansehe, fällt es mir auf. Er hatte sich umgezogen.. Wie tief hatte ich verdammt nochmal geschlafen, dass ich nichts von all dem mit bekommen habe? "Hast du Hunger?" fragt er mich, als mein Magen hörbar zu knurren beginnt. "Normalerweise stürme ich morgens nicht so aus dem Haus." antworte ich ausweichend, als Levi immer noch nicht den Blick hebt. "Mach dir keine Gedanken. Ich werde vor Ort was kommen lassen." spricht er weiterhin vertieft, während er eine Nachricht am verfassen ist.
Eine halbe Stunde später fahren wir bereits auf das kleine Gelände der Plattenfirma. Ein großer blickdichter hässlicher Zaun und ein ebenso großes blickdichtes Tor sorgen für möglichst viel Privatsphäre vor der Öffentlichkeit. Dies ist wohl der Hauptgrund, warum dieser Ort für Fotografen so unattraktiv ist, dass uns niemand beim Einlass behelligt hat. Ohne zu trödeln springen wir aus dem Auto und betreten gerade das mehrstöckige große Haus, als Levi fast beiläufig nach meiner Hand greift. Mit meiner rechten Hand in seiner linken und dem Beutel in seiner Rechten, führt er mich zügig und zielsicher durch die zahlreichen langen Gänge. Dabei ignoriere ich genau wie er die Blicke der vereinzelten Mitarbeiter, die uns gelegentlich entgegen kommen.
"Erwin.. Glauben Sie mir. Wir sind wirklich bestürzt darüber, was passiert ist... Es ist tragisch und wir wünschen eurem Sicherheitsmann nur das beste.. Aber war das nicht absehbar? Es ist eine Sache von der Beziehung seines Idols zu lesen.. Aber eine völlig andere sie in der Öffentlichkeit life zu erleben." spricht eine tiefe dumpfe Männerstimme aus einem verglasten Konferenzraum. Seine Freundlichkeit klingt dabei derart falsch und aufgesetzt, dass ich ihm seine Worte nicht eine Sekunde abnehme. "Wir haben Sie davor gewarnt, dass so etwas passieren kann! Es währe klüger gewesen, sie von Anfang an still im Hintergrund zu halten... So wie wir es Ihnen geraten haben." Erwin räuspert sich bevor er antwortet. "Wir haben die Gründe bereits ausgiebig erläutert, wieso ihr öffentlicher Auftritt im Kapitol notwendig war! Ich weiss, dass Sie es anders sehen. Aber sie ist der Grund wieso die Band überhaupt noch existiert! Und als Dank für ihre Hilfe ist sie jetzt in ihren Augen selbst an diesen Übergriff Schuld? Ich denke es ist offensichtlich, dass ich das nicht akzeptieren kann."
Die erste Stimme räuspert sich. "Wie ich bereits sagte. Solche Zwischenfälle sind äusserst tragisch, aber leider keine Seltenheit." Mein Blick fällt durch die halb aufgezogenen Lamellen in das innere des Konferenzraums, als es auch schon still wird. Alle Blicke der Anwesenden folgen Levi und mir die lange Glaswand entlang, bis wir schließlich gemeinsam Hand in Hand durch die Tür treten. Neben Erwin und Belle sitzt zu meiner Überraschung auch Nile und 4 weitere unbekannte Anzugträger mit an dem langen Konferenztisch.
"Ihr findet den Zwischenfall also tragisch?" zischt Levi völlig ausser sich über diese Aussage und schmettert den Beutel in seiner Hand wütend über den Tisch. Kaffee spritzt und Porzellan zerspringt, als der Sack seinen Inhalt über den Tisch ausbreitet.. Ich schlucke einmal hörbar, als mein Blick über meine blutdurchtränkten Kleider von gestern wandert. Auch die Blicke der anderen, welche zum Teil von ihren Stühlen gesprungen sind, sind sichtlich erschrocken. Doch kann ich nicht sagen, ob es an dem Anblick oder an Levis handeln liegt. "Für das hier.." knurrt er weiter und deutet auf den Tisch. ".. seid ihr verantwortlich! Und ihr könnt von Glück reden, dass sie nicht mehr als ein paar Schrammen davon getragen und mein Bodyguard überlebt hat!"
"Mr. Ackermann.. Ich verstehe ihren Unmut. Aber wir sind nicht dafür verantwortlich, wenn Sie ihre Partnerin ohne Aufsicht und ausreichend Schutz einfach draussen rumlaufen lassen." spricht der dickste von ihnen. Es ist die gleiche falsche Stimme, die ich schon vor dem eintreten gehört habe. Sofort fühle ich mich von seinen Worten angegriffen. Was war ich denn bitte für ihn? Ein Haustier oder was? Er hat kaum ausgesprochen, da lehnt sich Levi auch schon vor und stützt sich auf den Tisch, während ich verstimmt die Arme verschränke. "SIE sind dafür verantwortlich, dass ich sie nicht in meiner Nähe hatte!" Der dicke schnalzt genervt mit der Zunge. "Bitte seien Sie doch endlich vernünftig Mr. Ackermann! Sie wollen doch nicht ihre Karriere für dieses Mädchen gefährden..." Während er Levi fleissig Honig ums Maul schmiert, spricht er so abschätzig über mich wie es nur möglich ist.
Doch plötzlich durchfährt mich die Erkenntnis wie ein Blitz. Es liegt nicht an Levis wutentbrannter Haltung oder dem Klang der gesprochenen Worte, das mich zusammenfahren lässt. Es ist der wahre Grund der mir plötzlich so deutlich ins Augen sticht, dass es förmlich weh tut. Der wahre Grund meines *Schlechten Einflusses* und wieso sie soviel Energie investierten um Levi auf den ersten Blick ans Bein zu pissen.. Aber tatsächlichen wollten sie ihn, oder ihre Investition nur beschützen! Vor mir! Ich lege Levi meine Hand an den Oberarm um ihn davon abzuhalten etwas falsches zu sagen. Gleichzeitig liegen meine Augen fest auf den dicksten von ihnen, während sich ein kalkuliertes grinsen auf meiner Miene bildet. "Natürlich.." zische ich belustigt und wecke damit sämtliche Aufmerksamkeit. "Das muss das Schlimmste sein, was ihr euch vorstellen könnt oder?" Ich grinse selbstsicher durch diese Erkenntnis und mache einen weiteren Schritt vorwärts um mich in den Vordergrund zu schieben. "Himmel und Hölle vereint.."
"Wovon sprichst du?" fragt Erwin irritiert, doch wirft mir der dickste von den dreien einen finsteren Blick zu und nimmt mir die Chance zu antworten. "Wir haben uns diesen Unsinn lange genug angehört. Lassen sie die Security rufen und dieses Mädchen entfernen!" Mein Blick wandert von dem dicken zu Erwin. "Levi hat es mir auch bei unserem ersten Gespräch nach dem Unfall im Krankenhaus vorgeworfen." fange ich an zu erzählen. "Mein Vater hat damals versucht für seinen eigenen Profit die Firma zu ruinieren." Erwins Augen werden groß während er mir aufmerksam zuhört.
"Ich weiss nicht genau was abgelaufen ist.. Angeblich ging es um eine Luxusimmobilie.. Aber Tatsache ist, dass er Künstler schon immer verachtet hat." Jetzt grinse ich breit bei dem Wissen, dass seine eigene Tochter eben jenen verhassten Weg eingeschlagen hatte. "Levi hat mir erzählt, dass *No Name* zu dieser Zeit sein Debut mit Kenny als Manager gefeiert hat. Und ich vermute, dass das diese Firma gerade so über Wasser gehalten hat." Nile nickt stumm und bestätig mir so meine Vermutung. "Davon wusste ich bis jetzt gar nichts!" Erwins Miene nimmt augenblicklich diesen kalkulierte Ausdruck von Sicherheit an, den er häufig trägt wenn er eine Situation kontrollierte. "Meine Herren!.. Dann können wir endlich an dem wahren Problem arbeiten und dieses Missverständnis ein für alle Mal aus der Welt räumen." spricht er positiv gestimmt und deutet uns Platz zu nehmen.
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Völlig ausgelaugt sitzen wir alle schließlich in dem großen Van und fahren zu Levis Anwesen zurück. Auch wenn es eine Menge an Zeit und Mühe gekostet hatte.. So hatten wir schließlich gemeinsam die gröbsten Bedenken und Sorgen aus der Welt schaffen können. Hoffentlich würde es auch ausreichen... Jetzt liegt mein Blick prüfend auf Belles angeschlagener Miene. Sicher.. Eigentlich kannte ich sie immer noch nicht wirklich, aber nach unserem letzten Gespräch hatte ich eigentlich gedacht Fortschritte gemacht zu haben. Doch schon den ganzen Tag über, wirkt sie in sich gekehrt und ist extrem kurz angebunden. Zumindest was mich betrifft. Bin ich ihr etwa mit irgendetwas versehentlich auf den Schlips getreten?
Dieser Verdacht verstärkt sich sogar noch weiter, als sie kaum vor Ort angekommen aus dem Auto springt und sich umgehend zurück zieht. "Ist mit Belle alles Okay?" frage ich die zwei Männer, während ich Belle verunsichert hinterher blicke. "Wieso sollte mit ihr etwas nicht stimmen?" entgegnet Levi beiläufig, während er hinter mir die Autotür schließt. Auch Erwin scheint meiner Sorge nicht wirklich Beachtung zu schenken. Männer.. denke ich und rolle mit den Augen. Dann würde ich die Situation also selber im Auge behalten müssen.
Kurz darauf knie ich allein vor meinem Koffer in Levis Schlafzimmer. Ich schmunzle und korrigiere mich augenblicklich.. Unserem Schlafzimmer.. Ab jetzt würde dies auch mein Zuhause sein und Onkel Robs Wohnung wieder zu Onkel Robs alter Wohnung werden. Seufzend ziehe ich bei diesem Gedanken den Reissverschluss meines Koffers auf. Denn ich würde bald entscheiden müssen wie ich mit ihr weiter verfahren würde. Der Gedanke daran diesen Ort komplett loslassen zu müssen, macht mich jedenfalls etwas traurig. Um so krasser ist meine Reaktion, als ich schließlich den Deckel meines Koffers öffne und bei dem Anblick des Bilderrahmens auf meinen Kleidern erstarre.
Automatisch bildet sich ein breites berührtes Lächeln auf meinen Lippen, als ich vorsichtig nach dem Rahmen greife und das Bild liebevoll mustere. Von all den Bildern hatte Levi ausgerechnet dieses ausgesucht... Das Bild von Rob und mir beim Eis essen auf der Spielplatzbank..