➳ Kindergartengeschichten {Le...

By SphWbr

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"Kinder sind wie kleine Sonnen, die auf wundersame Weise Wärme, Licht und Glück in unser Leben bringen." More

Kapitel 1 - 210 Stundenkilometer
Kapitel 2 - Wie ein Igel
Kapitel 3 - Aufdringlichkeiten
Kapitel 4 - Rückennummer 18
Kapitel 5 - Professionalitätsprobleme
Kapitel 6 - Lehrstunde
Kapitel 7 - Entschuldigungen
Kapitel 8 - Privates
Kapitel 9 - Hintergründe
Kapitel 10 - Tränen
Kapitel 11 - Karussell
Kapitel 12 - Sternenklar
Kapitel 13 - Nähe
Kapitel 14 - Enttäuschung
Kapitel 15 - Hafenklänge
Kapitel 17 - Sternschnuppen
Kapitel 18 - Untherapierbare Sucht
Kapitel 19 - Ignoranz
Kapitel 20 - Atemberaubend
Kapitel 21 - Lügen
Kapitel 22 - Frauen
Kapitel 23 - Küsse
Kapitel 24 - Weihnachtsfreude
Kapitel 25 - Partys
Kapitel 26 - Date
Kapitel 27 - Romantik
Kapitel 28 - Brief
Kapitel 29 - Vivienne
Kapitel 30 - Streit
Kapitel 31 - Bremen
Kapitel 32 - Wirrwarr
Kapitel 33 - Gedankenverloren
Kapitel 34 - Retrouvailles
Kapitel 35 - Fehler
Kapitel 36 - Liebelei
Kapitel 37 - Glück
Kapitel 38 - Mamihlapinatapai
Kapitel 39 - Kreuzverhör
Kapitel 40 - Bedingung
Kapitel 41 - Drive In
Kapitel 42 - Öffentlichkeit
Kapitel 43 - Geständnisse
Kapitel 44 - Versetzung

Kapitel 16 - Mamas Rezept

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By SphWbr

Lewis POV

Sonntag - morgen also - ist ihr Geburtstag. Ich weiß nicht, ob sie damit rechnet, aber ich brauche dringend ein Geschenk für sie. Wir kennen uns jetzt über sechs Wochen, da ist es für mich selbstverständlich, ihr eine Kleinigkeit zu überreichen.

Ich habe mir seit Mittwoch einige Gedanken darüber gemacht, aber zu einer richtigen Idee bin ich noch nicht gekommen. Es ist recht schwierig, ihr etwas zu schenken, das wie die Faust aufs Auge zu ihr passt. Dafür kenne ich sie dann doch noch zu wenig.

Ich dachte über etwas Persönliches nach, das allerdings nicht gleich zu dick aufgetragen soll. Ich will die Mitte zwischen persönlich und klassisch treffen, um einfach auch einen guten Eindruck bei ihr zu hinterlassen. Dafür habe ich mir Hilfe von einer Person geholt, die sie schon länger kennt - Matthias.

Elias geht seit zwei Jahren in den Kindergarten und seitdem müsste er sie auch kennen. Und soweit ich es mitbekommen habe, hat sie mit den meisten Eltern ein sehr gutes Verhältnis. Matthias müsste wenigstens eine Idee haben, was ihr gefallen könnte.

"Guten Morgen."

"Morgen. Bereit?" Frage ich euphorisch und schlage in seine Hand ein.

"Ehrlich gesagt - nein. Hast du mal auf die Uhr geschaut?"

"Ja, es ist kurz vor 11. Das ist doch mehr als ok für einen Samstagmorgen. Außerdem ist nachher das Spiel, wir haben sowieso schon kaum Zeit, um uns groß in der Stadt aufzuhalten."

"Schon gut, du brauchst nicht gleich mit Erklärungen überschütten. Bringen wir es einfach hinter uns. Hast du schon eine Idee?"

Ich schüttle meinen Kopf. "Dafür habe ich dich ja dabei. Du kennst sie schon länger als ich."

Er scheint etwas skeptisch und schüttelt den Kopf, als er seine Stirn in Falten zieht. Kurze Zeit später willigt er allerdings ein und schlägt vor, erstmal eine Ideen Sammlung zu machen. Ich präsentiere ihm meine eher unoriginellen Ideen wie Gutscheine, Tickets oder ein Essen.

"Das klingt ja alles schön und gut, aber... Meinst du, das ist, was Luna möchte? Gutscheine sind die unpersönlichsten Geschenke, die es gibt. Das sind meistens Last-Minute Geschenke, die aus Verzweiflung gekauft werden."

"Na ja verzweifelt bin ich ja." Gebe ich zu und zucke mit den Schultern. "Aber du hast recht. Was ist mit den Tickets?"

"Daran kommt sie selbst. Sie ist Vereinsmitglied und hat gute Kontakte. Es gibt selten ein Spiel, bei dem sie keine Karten bekommt."

"Essen?"

"Das behalten wir im Hinterkopf. Jetzt gehen wir erstmal noch nach etwas anderem schauen."

Er läuft vorweg und schaut in die einzelnen Schaufenster herein. Ich hätte es mir einfacher vorgestellt, wenn er dabei ist, aber ok, dann muss ich jetzt damit auskommen.

Vor einer Parfümerie bleibt er kurz stehen, geht dann aber weiter. Ich werfe auch einen Blick in das Schaufenster und schaue, was er sich angeguckt haben könnte.

"Matze komm mal zurück!" Rufe ich und festige mein Augenmerk auf der Verpackung. "Schau mal, was hältst du von dem Parfüm?"

"Ich finde Parfüms zu schenken schwierig. Damit bin ich immer vorsichtig, weil ich schon schlechte Erfahrungen gemacht habe."

"Welche?"

Er seufzt leise und schaut sich dann kurz um. Ist es denn so geheim, dass es keiner wissen darf, oder wie?

"Meiner ersten Freundin hatte ich mal ein Parfüm geschenkt. Das Erste, was sie mir dann gesagt hat, war: Findest du, dass ich stinke? Danach hat sie Schluss gemacht."

Ich bemühe mich wirklich, das Lachen zu unterdrücken und grinse in mich hinein, aber letzten Endes kann ich es nicht mehr halten. Mein Gelächter füllt die Straßen und mit der Zeit laufen Tränen über meine Wangen. Matthias scheint das gar nicht lustig zu finden und schlägt mir gegen die Schulter, sodass ich mich allmählich beruhige. Das war wohl mehr als dumm gelaufen bei ihm.

"Ok, tut mir leid, aber wie alt war sie denn?" Ich muss immer noch mit dem Lachen kämpfen und folge ihm dann, weil er schon langsam weiter gelaufen ist.

"Wir waren beide 14."

"Ok. Angesichts der Tatsache, dass ihr noch halbe Kinder wart, könnte ich Luna eigentlich ein Parfüm schenken. Aber Luna hat einen schwierigen Charakter, da lasse ich es doch lieber sein."

"Ist wirklich besser so, glaube mir."

"Mache ich. Und nun? Weitere Ideen?"

"Du kennst sie doch privat. Wie ist sie? Wovon erzählt sie viel? Was macht sie gerne?" Fragt er.

Ich überlege kurz und erinnere mich an all die Momente, in denen wir uns etwas tiefgründiger unterhalten haben. Es gab das Gespräch über ihren Bruder, dann unser Tag in Berlin, als sie anschließend bei mir übernachtet hat und die Zeit auf dem Dom. Wirklich viel Privates haben wir nicht besprochen und wenn ich genau nachdenke, war ich es, der über sich geredet hat - zumindest in 80% der Zeit.

"Lewis, überlege schneller. Es ist jetzt halb 12. Um 12 müssen wir aller spätestens zurück beim Auto sein, weil wir zum Stadion müssen. Du weißt, wie die Verkehrslage am Spieltag ist."

"Ja ich weiß. Aber ich habe doch selbst keine Idee. Wir haben nie wirklich über solche Dinge geredet. Und ich weiß nicht, ob sie lieber etwas hat, wovon sie über längeren Zeitraum Gebrauch machen kann oder dann lieber etwas Einmaliges."

"Ok dann bringt es jetzt nichts, hier stehen zu bleiben. Lass uns weiter gehen. Wenn wir aber in 15 Minuten nichts gefunden haben, dann musst du das Essen nehmen."

Ich gebe ihm keine Antwort und laufe stattdessen weiter. Das Tempo ziehen wir etwas an, weil wir ziemlich oft sinnlos Zeit verloren haben.

Eigentlich kann ich nicht kochen, aber eine Einladung in ein Restaurant kommt definitiv nicht in Frage. Wenn wir gesehen werden, dann haben wir ein Problem, denn das wäre ein Verstoß gegen den Vertrag. Natürlich, wir könnten als Freunde dort sein, allerdings denke ich nicht, dass Freunde ein Essen in einem schicken Restaurant zu zweit genießen und die ganzen Pärchen um sich herum total fehl am Platz sind. Es müssen also meine Kochkünste richten, wobei ich nicht glaube, dass sie so anspruchsvoll ist.

Sie kennt mich und damit auch meine Stärken. Ich bin mir sicher, dass sie weiß, dass ich nicht kochen kann. Vielleicht ist es ja deswegen auch eine Besonderheit für sie.

"Lewis, höre auf von ihr zu träumen. Es geht hier zwar auch um sie, aber bleibe bitte bei der Sache."

"Ich habe nicht von ihr geträumt." Gebe ich kleinlaut zurück und konzentriere mich dann wieder auf die Schaufenster. Vor einer halben Stunde habe ich gesagt, dass es schwieriger ist, als ich es erwarte. Allerdings hatte ich mich selbst da getäuscht. Es ist viel schwerer, als ich gedacht habe.

So allmählich verliere ich den glauben daran, dass perfekte Geschenk zu finden. Es scheint mir mittlerweile sogar fast so, als würden wir im Kreis laufen, denn das eine Geschäft habe ich heute definitiv schon zweimal gesehen.

"Lewis, wir sind jetzt wieder am Anfang." Gut, dann sind wir wirklich im Kreis gelaufen. "Es ist fast viertel vor 12. Wir müssten langsam zurück, wenn wir nicht zu spät kommen wollen."

"Gib mir noch zehn Minuten."

"Und wo willst du etwas finden? Wir sind gerade jedes Geschäft hier abgelaufen und mehr ist hier jetzt nicht."

"Keine Ahnung aber vielleicht liegt irgendwas auf dem Weg zum Stadion." Antworte ich und fahre mir nervös durch die Haare, denn so allmählich läuft uns die Zeit davon. "Hey schau mal da, die Frau mit dem Kind dort drüben."

"Was ist mit ihr?"

"Die Tüte!"

Er schaut kurz zu ihr herüber, dreht sich dann aber entgeistert zurück zu mir. "Das ist ein Spielzeuggeschäft. Ich glaube kaum, dass Luna damit etwas anfangen kann."

"Man, nein, nicht die Tüte! Gucke mal, was sie in der anderen Hand hat."

"JustMusic. Ja und?"

"Na wie ja und? Das ist die Idee!" Sage ich euphorisch und ziehe ihn kurz in meine Arme, weil gerade eine riesen Last von mir fällt. "Eine neue Gitarre! Sie hat sich ihre damals von ihrem ersten Geld gekauft und sie erwähnte einmal, dass sie schon ganz schön gelitten hat. Und, hätte sie sich mehr leisten können, dann wäre es eine andere geworden. Also komm, wir fahren jetzt dort hin."

"Na gut." Er seufzt und folgt mir dann zügig zu seinem Auto. Es hätte eigentlich von Anfang an viel leichter sein können, aber ok. "Aber das Essen würde ich trotzdem machen. Sie mag solchen Schnickschnack."

"Ich habe da schon eine Idee. Mach dir da mal keine Sorgen."

***

Lunas POV

"Wohin willst du um diese Uhrzeit noch?"

"Ich bin eingeladen worden."

"Wohin?"

"Zu jemanden nach Hause."

"Wer ist jemand?"

Ich packe, ohne ihr zu Antworten, die wichtigsten Gegenstände in meine Handtasche - mein Handy, meine Geldbörse und den Schlüssel. Dann greife ich nach meiner Jacke und lege sie gleich wieder neben mir ab, um mir meine Schuhe zuzubinden.

"Luna, ich lasse dich nicht eher gehen, bevor du mir sagst, wohin du gehst."

"Ich gehe zu jemand Bekanntes. Kannst du jetzt bitte zur Seite gehen und mich raus lassen."

"Nein. Seit wann machst du so ein Drama daraus, wohin du gehst? Ich bin deine beste Freundin. Du erzählst mir sonst immer, auf welcher Seite du am Abend eingeschlafen bist und jetzt nicht sowas?"

"Man ich gehe zu Lewis, ok? Kann ich jetzt los? Ich muss den Bus gleich schaffen."

"Ach so, zu deinem... Kollegen." Sagt sie und betont das letzte Wort mit Absicht anspielend auf unsere doch eher stärkere Beziehung. "Dann will ich dich nicht weiter aufhalten. Kollegen versetzt man schließlich nicht."

"Da läuft nichts, Kira. Und danke. Bis dann."

"Wann kommst du zurück?"

Ich zucke mit den Schultern. "Kommt ganz darauf an, was er vor hat. Also, bis später."

Ich schließe dir Tür schnell hinter mir, damit sie mich nicht weiter mit Fragen bombardieren kann. Dann hetze ich die Treppen herunter und konzentriere mich möglichst darauf, nicht zu stolpern. Als ich unten angekommen bin, treffe ich noch auf eine Nachbarin, die ich nett grüße und dann das Haus verlasse. Auf dem Fußweg krame ich noch schnell meine Kopfhörer aus der Tasche und schließe sie an das Handy an, ehe ich meinen MP3-Player starte und der Musik lausche.

Ich weiß wirklich nicht, was Lewis vor hat. Eigentlich dachte ich, dass er nach einem Spiel keine Nerven für spontane Aktionen hat. Es war eine Niederlage, die man aber eigentlich nicht erwartet hatte. Gespielt haben sie zwar heute, besonders in der ersten Halbzeit, weniger gut, aber Stuttgart ist normalerweise schlechter - laut Tabelle zumindest. Es wundert mich also, warum er dennoch Lust hat, etwas zu unternehmen. Seine Nachricht habe ich bereits vor dem Spiel erhalten und ich habe danach mit einer Absage gerechnet. Aber so wie es jetzt ist, freue ich mich dann doch umso mehr, dass ich trotzdem zu ihm gehe.

Mein inneren Monolog beende ich, als ich bereits im Bus sitze. Es dauert jetzt eine Viertelstunde, dann muss ich aussteigen und noch ein paar hundert Meter zu Fuß laufen. Um diese Uhrzeit ist es schon ziemlich gruselig, immerhin sind nicht einmal zehn Personen im Bus. Normalerweise würde ich auch jetzt nirgendwo mehr alleine hinfahren, aber was macht man nicht alles?

Die Menschen steigen ein und aus, irgendwann bin ich die Einzige, die noch mitfährt. Es ist nur noch eine Station, das ist ertragbar. Als der Bus dann schließlich hält, nehme ich meine Tasche und steige zügig aus, weil es dann doch irgendwie unheimlich war.

"Hey."

"Lewis, hi!" Sage ich und umarme ihn flüchtig. "Was machst du hier? Ich dachte, ich komme zu dir?"

"Es ist eigentlich schon schlimm genug, dass du alleine mit dem Bus fahren musstest. Ich wäre ja eigentlich auch vorher bei dir vorbei gekommen, damit du nicht ohne Begleitung bist, aber ich habe es zeitlich nicht geschafft. Also ist es jetzt das Mindeste, dass ich dir wenigstens ab hier Gesellschaft leiste."

"Danke." Mehr als das bekomme ich gerade nicht raus aus mir, denn irgendwie ist es schon lieb von ihm, dass er sich so sorgt. Ich habe ihn anfangs ganz schön unterschätz, das muss ich zugeben. Ich hätte nie gedacht, dass er so fürsorglich ist.

"Ist dir kalt?"

"Nein. Ich hab mir extra eine wärmere Jacke angezogen. Außerdem ist es ja nicht weit bis zu dir."

"Stimmt."

Den Rest des Weges laufen wir eher unauffällig durch die Straßen. Hin und wieder erschrecke ich mich, weil jemand urplötzlich um eine Ecke gelaufen kommt. Lewis findet es lustig, anfangs hält er sich noch mit dem Lachen zurück, dann allerdings kann er es nicht mehr halten. Ich schlage ihn leicht gegen den Arm, aber selbst das hält ihn nicht davon ab, also bleibe ich stehen. Einen Augenblick lang scheint er es nicht zu merken, dann allerdings dreht er sich um.

"Warum bleibst du stehen?"

"Weil du dich über mich lustig machst."

"Quatsch. Ich lache mit dir. Und ich habe dir letztens erst gesagt, dass du das Leben nicht so negativ sehen darfst. Also jetzt komm, wir haben noch was vor."

"Ach so?" Frage ich und gehe dann auf ihn zu, damit wir bald ankommen. "Was hast du geplant?"

"Ist eine Überraschung."

Ich akzeptiere seine Antwort und laufe dann schweigend neben ihm her. Keine zwei Minuten später kommen wir bereits bei seiner Wohnung an. Das Treppenhaus wird durch uns mit Leben gefüllt, weil wir uns gegenseitig anspornen und einen Wettbewerb daraus machen, wer als erstes oben ankommt.

"Gewonnen!" Schreie ich und beginne zu lachen. "So Holtby, wer ist nochmal der Profifußballer von uns?"

"Ich habe dich ja gewinnen lassen."

"Als ob. Gib es zu, ich war besser."

"Du hattest auch kein Spiel am Nachmittag."

"Ok, das lasse ich gelten."

Er lächelt und schließt die Tür auf, bevor er sich aus seinen Schuhen drückt. Ich stelle meine an die Seite und folge ihm dann in seine Wohnung, die etwas anders aussieht.

"Lewis. Was genau wird das?"

"Wir feiern dein Geburtstag. Also, wir feiern rein. Du hast gesagt, du willst nicht feiern, aber man wird nur einmal im Jahr älter. Das muss man feiern."

"Also ist das jetzt... meine Geburtstagsfeier?" Er nickt und schmunzelt etwas, wahrscheinlich wegen meines irritierten Gesichtsausdruckes. "Warum machst du das alles?"

"Weil... äh... Weil man Geburtstage immer feiert. So wie ich eben gesagt habe. Also komm."

Er nimmt mich bei der Hand und zieht mich in seinen Wohnbereich, den er mit Luftballons und Girlanden ausgeschmückt hat. Alles - als ob er es gewusst hätte - in rosa und mit Glitzer. Entweder hat er es einfach weiblich gestaltet, mit der Hoffnung, dass es mir gefällt, oder ich habe es irgendwann mal erwähnt, dass mein inneres Kind immer noch auf rosa und Glitzer steht.

"Das hast alles du gemacht?"

Er nickt wieder. "Gefällt es dir so?"

"Es ist wunderbar."

"Freut mich, dass es so gut ist. Aber jetzt lass uns essen. Ich habe wirklich Hunger."

"Ok. Was gibt es?"

"Äh... Also, ich habe noch nichts gemacht. Ich kann nicht so gut kochen. Für Nudeln und Tiefkühlpizza reicht es gerade noch aus, dann ist aber schon Schluss."

Ich schüttle grinsend meine Kopf, ehe ich ihn hinter mir her in die Küche schleife. "Dann kochen wir eben gemeinsam. Was hast du alles da?"

"Na ja, das ist eine gute Frage."

Er öffnet den Kühlschrank und schließt ihn kurz danach wieder. Dann schaut er in die Regale und widmet sich anschließend wieder mir. Ein entschuldigendes Lächeln erscheint in seinem Gesicht.

"Ok, dann bestellen wir Pizza?"

"An deinem Geburtstag?"

"Genau genommen habe ich erst morgen Geburtstag und ich bin nicht so penibel und brauche ein drei Gänge Menü. Pizza ist vollkommen in Ordnung, wenn es für dich auch ok ist."

"Klar. Ich dachte eben, dass es für dich unzureichend wäre."

"Quatsch." Sage ich und lehne mich gegen die Küchentheke neben ihm. "Ich bin recht schnell und einfach zufrieden zu stellen. Also, rufst du an? Ich nehme eine Pizza Margherita."

***

"Wie lange ist noch?"

"Lewis du hast vor nicht mal einer Minute nachgefragt. Es ist immer noch zwei vor Mitternacht. Du bist schon fast aufgeregter als ich."

"Ich glaube, das bin ich wirklich. Ich komme gleich wieder, ok?"

Ich nicke und schaue ihm kurz nach, ehe ich mir Hamburg bei Nacht anschaue. Es ist unglaublich schön auf seiner Dachterrasse. Man hat indirekt Blick auf die Alster, dazwischen liegt nur der Alsterpark. Im Herbst, sobald die Bäume kahl sind, sieht man sogar, wie sich die Lichter darin Spiegeln.

Ich könnte stundenlang starren und die Nacht bewundern, aber mein inneres Ich zwingt mich dazu, auf die Uhr zu schauen. 23 Uhr 59 Minuten und 43 Sekunden. Ich seufze leise und drehe mich um. Lewis ist noch nicht zurück. Gut, dann zähle ich eben meinen eigenen Countdown.

"Noch 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1-"

"Zum Geburtstag viel Glück. Zum Geburtstag viel Glück. Zum Geburtstag alles Gute, zum Geburtstag viel Glück!" Singt er und läuft grinsend auf mich zu - seine Hände vollgepackt. "Alles Gute zum Geburtstag, Luna."

"Ein Kuchen? Hast du den gebacken?" Er nickt. "Sogar mit Kerzen! Sind es 22?"

"Ja, genau abgezählt. Ich hoffe der schmeckt dir auch. Das ist ein Himbeer-Zitronen-Kuchen nach Mamas Rezept."

"Na wenn das Rezept von Mama ist, dann kann ja fast gar nichts schief gehen. Lass uns kosten."

"Moment!" Sagt er und zieht den Kuchen zurück, ehe ich ihn greifen konnte. "Du musst erst die Kerzen auspusten und dir was wünschen. Und dann machen wir erst dein Geschenk auf."

"Ich bekomme noch ein Geschenk?"

"Du hast noch gar keins bekommen."

"Lewis." Sage ich und umarme ihn vorsichtig, sodass er nicht das Gleichgewicht verliert. "Die Einladung war eigentlich schon Geschenk genug. Du machst dir viel zu viele Gedanken um mich."

"Jeder das, was er verdient. Und... dafür, dass du mir so viel geholfen hast im Kindergarten, hast du es mehr als verdient. Und nun, wünsch dir was."

Ich überlege mir einen Wunsch und puste dann die Kerzen aus. Ich schaffe es nicht, mit einem Atemzug alle auszupusten, allerdings gelingt es mir beim zweiten Versuch. Als nächstes stellt Lewis den Teller ab und übergibt mir die Blumen - Gerbera in orange, rosa und rot. Ich schaue mir den Strauß einen Augenblick an und rieche daran, ehe ich ihn abstelle, weil Lewis ungeduldig vor mir steht.

"Jetzt dein Geschenk." Sagt er und freut sich, als wäre es sein eigener Geburtstag. "Aber du musst es suchen. Es ist hier auf der Terrasse."

"Ich bin schlecht im Suchen, aber einverstanden. Falls ich es nicht finde, verrätst du es mir aber, ok?"

Er grinst vor sich hin und beobachtet, wie ich mich langsam auf die Suche mache. Ich weiß nicht, wonach ich Ausschau halten muss. Ist es etwas Kleines, oder etwas Großes? Ist es auffällig, oder eher nicht? Ist es überhaupt eingepackt, oder steht - oder liegt - es einfach nur herum?

"Lewis bekomme ich einen Hinweis?"

"Kommt darauf an, was willst du wissen?"

"Wie sieht es aus?"

"Dir wird es auffallen, glaube mir. Außerdem ist ja hier nun auch nicht so viel Platz."

Etwas, das nicht hier her gehört, also auffällig sein sollte. "Also ist es nicht eingepackt?" Er schüttelt den Kopf.

Die Blumen sind es nicht, genauso nicht der Kuchen. Die Pflanzen standen schon letztens dort und das Podest auch. Die Lichter waren auch schon beim letzten Mal da und die Gitarre... Die Gitarre?

"Hast du dir eine Gitarre gekauft?" Frage ich und zeige in die Richtung des Instrumentes.

"Das könnte ich auch mal machen, aber nein."

"Die Gitarre ist aber neu."

"Ja, aber es ist nicht meine." Erwidert er und grinst, bevor er sich im Nacken kratzt.

"Die gehört mir?" Er nickt. "Du kannst sie dir auch gerne nehmen und genauer betrachten."

Ich gehe zu meinem Geschenk und nehme sie in meine Hand, ehe ich zum Podest laufe, wo Lewis sitzt. Er beobachtet, wie ich meinen Blick über die Gitarre schweifen lasse und immer wieder das Instrument scanne. Ich fahre einmal kurz mit den Fingern über die Saiten und schaue dann lächelnd zu Lewis.

"Ist es so eine, wie du sie schon immer wolltest?"

"Die ist perfekt. Danke, Lewis."

Für ein paar Momente starren wir uns einfach grinsend an, ehe ich dann die Gitarre beiseite lege und ihm um den Hals falle. Er festigt seinen Griff um meiner Taille und bewegt sich genauso wenig wie ich. Wir sitzen einfach da und umarmen uns für eine ganze Weile.

Ich habe mit Vielem heute Abend gerechnet, aber bei weitem nicht mit einer kleinen Geburtstagsfeier und schon gar nicht mit Geschenken. Ich war schon glücklich, als ich wusste, dass ich den Abend mit ihm verbringen werde. Dass ich nun aber mit ihm in meinen Geburtstag hineingefeiert habe, ist kaum zu übertreffen.

Er hat an so viele Details gedacht, was ich ihm gar nicht zugetraut hätte. Er hat gebacken und mir ein Geschenk gemacht - ein sachliches Geschenk. Das eigentlich Geschenk ist für mich der ganze Abend, denn das kann mir wirklich keiner mehr nehmen.

"Lass uns Kuchen essen." Flüstert er und löst sich allmählich aus der Umarmung.

"Danke Lewis. Für alles heute Abend." Sage ich noch einmal, während er mir ein Messer reicht. "Aber ich kann den Kuchen doch jetzt nicht kaputt machen."

"Dann essen wir ihn eben so."

Er bricht ein Stück vom Rand ab und steckt es sich in den Mund. "Koste auch mal, der ist mir sogar gelungen. Zumindest ist er nicht giftig, ich lebe ja noch."

"Das ist dann die Nebenwirkung." Grinse ich und breche mir auch ein Stück ab, das ich mir in den Mund stecke. "Der ist wirklich gut! Sag deiner Mama, dass das Rezept klasse ist."

"Das werde ich ihr ausrichten. Genießt du deinen Geburtstag bisher?"

"Es sind zwar erst," ich werfe einen flüchtigen Blick auf die Uhr: "0:12 Uhr, aber ja. Bis jetzt ist es einer der schönsten Geburtstage, die ich je hatte."

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