"Lass uns einsteigen...", sprach Ardian, nachdem er mich etwas beruhigt hatte.
Meine Schluchzer wurden weniger, ich richtete mich wieder weiter auf.
Ich nickte ihn stumm an, sah zu wie er mir die Beifahrertür öffnete und ich daraufhin einstieg. Er schloss sie ebenfalls wieder, joggte um seinen Wagen und stieg dann ein.
Ich lehnte meinen Kopf gegen die kühle Fensterscheibe und beobachtete den Regen, der mit einem plätschern auf den Scheiben des Autos aufprallte. Von Minute zu Minute wurde er stärker. Ein kleiner Wasserfall.
"Mir ist es immer wieder ein Rätsel wie du mich findest.", sagte ich nach einer Zeit des Schweigens zu Ardian.
"Du solltest froh drum sein, dass ich dich im Auge habe.", antwortete Ardian kalt.
Seine sorgsame Seite war wieder fort.
Sein Pokerface standhaft.
Ich rollte mit den Augen.
"Sag mal, dieser Schmierlappen-", fing Ardian an.
"Er heißt Chris.", ergänzte ich ihn, probierte ebenfalls so kalt wie er zu wirken.
"Mir egal wie er heißt. Macht der das öfter? Also dir auflauern? Hab ich da Zwischenfälle verpasst für die ich ihm noch eine hätte mitgeben müssen?", fuhr er fort.
"Damals..", gab ich bloß von mir.
"Wie damals? Muss man dir alles aus den Fingern saugen, bevor du dich von selbst mal öffnest?", patzte er nun.
"Ja damals da war es halt auch schon so, dass er mich gestalkt hat.", prustete ich los.
"Bastard.", murmelte Ardian darauf bloß.
Es herrschte wieder eine Weile Stille.
Ich fragte mich bloß, wie ich bei Ardy dran war?
Mal war er abweisend, kalt und unausstehlich zu mir. Dann wieder liebevoll, sorgsam und hilfsbereit. Ich verstand die Welt nicht mehr. Es war fast so, als hätte er zwei Persönlichkeiten.
"Du meintest zu Chris ich wäre dir wichtig. Du warst plötzlich wieder da. Du meintest du musst mich beschützen. Ich versteh' die Welt einfach nicht mehr. Ardia-...Ardy, ich hab so viele Fragen die nur du mir beantworten kannst. Die Ungewissheit macht mich fertig.", redete ich weiter.
"Ich hab dir doch bereits gesagt, dass du mit dieser Ungewissheit zurecht kommen musst. Ich will dir das alles nicht erklären, Stella."
"Ich will es aber erklärt haben!", schimpfte ich nun.
Es machte mich sauer.
Es machte mich sauer, dass er nicht mit der Sprache rausrücken wollte.
"Wo fährst du überhaupt hin?", fragte ich nun.
"Zu dir nach Hause.", antwortete er knapp.
"Wieso bist du nur immer da, wenn ich in Schwierigkeiten bin...", murmelte ich eher zu mir selber als zu ihm.
"Wir sind hier nicht bei 'wer wird Millionär'. Du solltest aufhören so viele Fragen zu stellen und den Mund halten. Manchmal ist schweigen besser.", die Kälte in seiner Stimme jagte mir einen Schauer über den Rücken.
Die vorbeiziehenden Häuser wirkten auf einem mal so viel interessanter. Diese unangenehme Stille war von mir mehr als verhasst. Und nach Ardians Ansage hatte ich nicht mehr genug Mut um weitere Fragen zu stellen, die ihn womöglich nerven würden.
Die Gegend durch, der das dunkelgrüne Auto jagte, kam mir so unbekannt vor. Sie erinnerte mich nicht an das gewohnte Umfeld in dem sich mein Zuhause befand. Alles wirkte so anders und fremd. Er fuhr mich nicht nach Hause, das wurde mir spätestens dann klar, als er vor einem grauen Gebäude hielt, welches sich in einem verlasseneren Viertel der Großstadt befand.
Ich wollte ansetzen um zu fragen, wieso er mich nicht zu meinem Heim fuhr, doch er kam mir zuvor.
"Wag es garnicht erst zu fragen 'wieso?', 'Weshalb?', 'Warum'. Ich werde es dir eh nicht sagen. Später vielleicht, jetzt ist nicht der Zeitpunkt dafür."
Und ob dies der passende Zeitpunkt war! Es gab keinen besseren.
Idiot.
Das knallen seiner Autotür schreckte mich auf. Er joggte ums Auto und öffnete mir die Tür. Verdutzt sah ich ihn an.
"Worauf wartest du? Ich werd' dir garantiert nicht wie Wiefels die Hand entgegen strecken um dich aus dem Auto zu ziehen. Du kannst dich schon von alleine aus der Karre bewegen.", sprach er wieder so unheimlich monoton.
Schnaubend bewegte ich meinen Körper aus dem Auto, worauf er die Tür zuschmiss und ich ihm hinterher lief. Er steuerte auf das graue etwas zu.
Vor der dunklen, steinernden Tür des Hauses blieb er stehen.
Es war nicht sein Haus, das wusste ich.
Es war ein anderes.
Er drückte auf die, ebenfalls graue, Türklingel. Ein schriller laut ertönte.
Ein poltern war aus dem Gebäude zu hören. Die Tür wurde von dem Jungen geöffnet, der sich mir am Dom als Ju vorgestellt hatte.
Ohne ein Wort zu sagen ging Ardian einfach an diesem Ju vorbei und ließ mich mit ihm an der Tür stehen.
"Öhm...", stotterte Ju und sah mich verwundert an.
"Was machst du hier?"
"Um ehrlich zu sein, ich hab keine Ahnung.", gestand ich und schmunzelte.
Ju winkte mich zu sich rein. Ich trottete ihm hinterher. Das Gebäude, von dem ich dachte es wäre ein Haus in dem jemand wohnte, stellte sich als eine Art "Trainingshalle" heraus. Ich ging davon aus, dass sie hier ihre Tanzstunden fortführten, nachdem sie aus der Musikschule geworfen wurden.
Ju führte mich in eine kleine Küche, die sich angrenzend an dem eigentlichen Trainingsraum und Umkleidekabinen, die ich im Vorbeigehen entdeckt hatte, befand.
In dieser Küche sah ich Ardian sitzen, wie er sich mit diesem Tommy unterhielt und mich eiskalt ignorierte.
Toll, erst brachte er mich hierher und dann ignorierte er mich. Zu Chris meinte er ich wäre ihm wichtig, hatte mich gerettet. Und jetzt war Ardian wieder dieser Eisblock, dem niemand so wirklich eindeutige Emotionen zuordnen konnte.
"Ey, Ardy, du bringst Blondie einfach hier her? Die spielt im gegnerischen Feld, du Idiot! Wieso ist die hier?", fragte nun Tommy aufgebracht Ardian als er mich sah.
Mit dem 'gegnerischen Feld' war dann wohl das Spielfeld der, wie Ardian mal schön zu pflegen sagte, 'Neureichen' gemeint.
"Hab die aus den Händen eines Perverslings befreit. Du weißt doch wieso ich sie beschützen muss, Dummkopf. T macht keine Späße mit seinen Drohungen!", verteidigte sich Ardian nun.
"Und da bringst du sie ausgerechnet hier her? HIER? Ich bitte dich, jeder Ort ist sicherer als unser kleines Trainingsheim hier.", beteiligte sich nun auch Ju an deren Diskussion.
"Ich wusste nicht was ich machen sollte, okay? Ich kann sie jetzt schlecht nach Hause bringen. T ist nun besonders auf der Lauer nach ihr. Er will nicht mehr warten! Er will sein Geld, man.", sagte Ardian nun wieder und setzte sich auf einen der Küchenstühle.
Er stützte seine Ellenbogen auf seinen Knien und vergrub sein Gesicht in seine Hände.
"Scheiße, Ardy. Was willst du nun machen? Wir können dir deinen Arsch nicht retten, das weißt du.", sprach Tommy nun wieder.
"Ich weiß, ich weiß...", nuschelte Ardian in seine Hände.
"Moment mal, wer ist dieser 'T'?", warf ich dazwischen.
Die Köpfe der 3 widmeten sich mir.
"Willst du mir ernsthaft sagen, dass du Blondie nichts von T erzählst hast? Nichts?! Ardy, bist du des Wahnsinns! Du hast sie einfach ahnungslos weiter durch Köln's Straßen wandern lassen obwohl du wusstest, dass T sie im Auge hat und sie hätte entführen können? Oder schlimmer? Er will DIR schaden, und er weiß, dass dir das Wohlergehen von Stella nicht egal ist. Und du weißt das auch.", sprach nun wieder Ju.
"'T', ist Tjarks. Er hasst uns, ich hab Schulden bei ihm. Tjarks will sein Geld und erpresst mich, droht mir, will dir Schaden zufügen, bekommt er sein Chash nicht wieder. Er ist gefährlich. Tjarks ist ein Mörder, ein Dieb...der Inbegriff für Kriminalität.", erklärte mir Ardian letztendlich doch. Ein Wunder, eine Erleichterung, Angst.
Endlich hatte ich meine Antworten.
Tjarks.
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Dödödöööööö!
T ist der Unbekannte.
C:
Es wurde gemunkelt, nun ist's raus.
Freue mich über eure Kommentare<3
Wie findet ihr die Story bisher?🙈😏
XOXO