Du kapierst es nicht

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Du wachst auf. Neben dir liegt sie, das Gesicht das du so gut kennst. Es duftet wie sie. Nach ihr eben, wie soll man es beschreiben, kann man nicht, muss man nicht. Langsam erhebst du dich um sie nicht zu wecken.

Die Halbdunkelheit ist angenehm für deine Augen. Du machst kein Licht. Schleichst den Weg zum Badezimmer, den du auswendig weißt. Das grelle Licht überm Spiegel kneift deine Augen zusammen. Hinten aus der Wohnung hörst du deinen Namen zwischen gebrummten Lauten heraus.

Du reagierst schon automatisch. Es ist gewohnt, es ist gewünscht, es geschieht nicht mehr bewusst. Du nimmst die Kommunikation auf, wie genau weist du auch nicht, es funktioniert jedenfalls. Du hast noch etwas zu erledigen, du willst alles erledigen, du willst alles vereinfachen.

Du machst es möglich. Das Bedürfniss wird befriedigt, du hast es dir vorgenommen und du ziehst es durch. Wäre jetzt auch bisschen spät um damit aufzuhören. Was sind deine Bedürfnisse ? Ihre Bedürfnisse. Dein Bedürfniss ist von ihr gebraucht und geliebt zu werden, es macht dich glücklich, es macht dich wirklich glücklich.

Es vereinahmt deine ganze Zeit. Sie liebt dich. Du liebst sie über alles. Über dich selbst. Du weißt, du bist der Ritter in glänzender Rüstung, du willst sie ausgleichen, um jeden Preis. Es ist dein Geschenk an sie. Unbedingtheit. Nicht sehr modern aber nun mal dein Ding. Es ist alles was du dir bisher in deinem Leben gewünscht hast.

Sie ist da. Du hörst sie, siehst sie. Lebst mit ihr, sie lebt in dir, du lebst in ihr. Ihr seid ein Team, mehr, ihr seid eine Einheit. Niemand versteht, was es bedeutet, welche Exklusivität, welche Besonderheit es alles verkörpert. Du bist der Einzige, der fähig ist zu sehen, deine Verantwortung, deine Leidenschaft.

Es wird ein gewöhnlicher Tag, es beschäftigt dich wenig, es ist ein langer Tag geworden, ein langer Tag, so viel hat sich geändert, ihr wart bloß Freunde, Freunde in einer Clique, du fühltest schon, warst aber noch nicht sicher ob es angebracht wäre. Du hast gewartet, lange gewartet und dich letztendlich doch getraut.

Oh, welche Angst du hattest. Tränen flossen über deine Wangen. Im Innern hattest du dich schon halb von ihr verabschiedet, befandest dich schon mit Stock und Hut am Horizont aber Nein, du hast bei ihr gesessen und hattest ihr alles gestanden und konntest seit langen nicht mehr ahnen was passieren würde.

Das alles ist schon fast nicht mehr wichtig und du denkst auch nicht mehr daran während du dich im Badezimmer für den Tag bereit machst. Du bewegst dich wie als würdest du tanzen und die Wohnung ist dein Parkett. Im Duett.

Es ist eng aber ich tretet euch nicht auf die Füße, seid im Takt, täglich eingeübt, zur Perfektion gebracht. Anfangs war sie so ängstlich, Zusammenziehen, eine Riesenveränderung, meckernd und missmutig stand sie im Flur und proklamierte die Unmöglichkeit diese Unternehmung zum Abschluss zu bringen.

Deine Reaktion war nicht eingeübt, oder vom Band sondern einfach ehrlich, du hast nicht viel nachgedacht, hast sie getröstet, ihr gut zugeredet versucht sie zu beruhigen. Du hast ihr in die Augen gesehen und alles Vertrauen hervorgerufen, das du an deine Beziehung zu ihr hast. Es hat gereicht. Nie würde es nicht reichen.

Immer wenn sie sich auf Glatteis fühlt, und sie tut es oft, reichst du ihr die Hand und gibst Ihr Stabilität, zeigst ihr das sie nicht allein ist, nie wieder. Draußen spielt sie so gut die Erwachsene aber bei dir ist sie jung, so jung. Ängstlich, verletzt, wehmütig, verrucht, nur du darfst sie so sehen, nur dir offenbart sie sich ganz.

Und es ist normal. Deine Fähigkeiten sind hier am richtigen Platz. Du bist hier am richtigen Platz. Teil eines Ganzen sein, so fühlt es sich an. Nimmst du dich noch wahr, eher nicht. Du hast alles schon an, bist schon auf dem halben Weg zur Arbeit. Wenn etwas ist, wird sie dir Bescheid sagen.

Du hast dein Handy ja dabei, koordiniert begeht ihr euren Alltag. Nur so klappts. Abgestimmt, aufeinander eingespielt wie ein Orchester. Das Leben ist nicht besonders aufregend zurzeit, sehr strukturiert, Ritual folgt auf Ritual.

Dann wird eingekauft, dann wird gewaschen, dann Fernsehen, dann in einem halben Jahr musst du dir eine neue Beschäftigung suchen. Vielleicht wirst du Erzieher oder fängst eine andere Ausbildung an, eigentlich egal.

Es gibt immer was zu tun, wozu stressen, alles was du willst, ist doch bereits da. Du bist frei und kannst auf alle Arten glücklich werden. Du erlebst wahrscheinlich ein Gefühl der Vollkommenheit. Es ist nicht besonders intensiv, bist weder megahappy oder am Ende deiner Probleme angelangt.

Es ist als würdest du sanft vom Fluss getragen, du musst nicht mehr nachdenken, jedenfalls nicht mehr viel. Hin und wieder sehen dich deine Freunde mit diesen Augen an, als würden sie dich gerne befreien wollen aber du bist doch garnicht gefangen, du kapierst es nicht. Es ist auch nicht weiter schlimm.

Schließlich hast du heute noch Dinge zu erledigen. Das ist wichtiger, nicht wichtiger aber relevanter für dich. Du meinst es nicht böse, würde dir nie einfallen. Sie verstehen das schon bei Zeiten und dann verzeihen sie dir, müssen sie, auch wenn es dir nicht besonders wichtig ist, schließlich wusstest du als einziger das Spreu vom Weizen zu unterscheiden.

Ihr Unverständnis ist nicht ihre Schuld. So kannst du zufrieden lächelnd weiter in den Tag schreiten. Dann hängst du doch mal wieder mir deinen alten Freunden herum, alles wie früher, man versteht sich, erzählt, bleibt sich treu, vermeidet durchgekautes, lässt sich ein wenig schelten, hört nur mit einem halben Ohr hin wenn es um Sie geht.

Die Aussagen wiederholen sich oft. Sie gehört zu dir und warum solltest du die Aussagen richtigstellen wollen? Wer würde von seinem festen Bild abrücken? Kaum jemand. Das ist jetzt dein Leben und du kannst dich kaum erinnern, dass es mal anders war.

Du bist zuversichtlich, während du auf der Arbeit mit den Kindern am Tisch sitzt. Während du im Bus sitzt, deine Videospiele spielst, zufällig alte Bekannte triffst, auf Seminare gehst, deine zweitausendste Zigarette drehst, unter der Dusche stehst.

Vielleicht heiratest du sie. Das hat zwar noch Zeit aber der Gedanke klingt angenehm und macht dir keine Sorgen. Du beruhigst dich bei ihrem Anblick, deine beste Version kommt zum Vorschein, mit ihr schaffst du das schon.

Du bist nicht müde, es herrscht optimale Betriebstemperatur, es geht weiter und du räumst die kleinen Hindernisse aus dem Weg, damit die Fahrt so weitergehen kann, wie bisher.

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⏰ Terakhir diperbarui: Apr 25, 2021 ⏰

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