Jetzt stecke ich hier in einem fremdartigen, arabischen Land fest, dass mich lächerlicher Weise aufgrund der Tatsache, dass ich mich auf dem Dach dieses Hauses unverschleiert gezeigt habe, mich auspeitschen oder einkerkern oder beides will.
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Je mehr ich darüber nachdenke, was ich in der letzten Zeit erlebt habe, desto mehr fühle ich mich wie in einem schlechten Film. Meine Freundin Lisa heißt jetzt Selima und führt das Leben einer total verschleierten Araberin. Und sie ist mit ihren 20 Jahren schon verheiratet und schwanger.
Sie schrieb mir, dass sie mich so gerne wiedersehen möchte und schickte mir Visum und Ticket. Ich hatte tief in mir Fantasien von ‚Tausend und einer Nacht', wenn ich an Arabien dachte und da ich mal wieder arbeitslos war, machte ich mich voller Vorfreude auf den Weg zu ihr.
Und das war der größte Fehler meines Lebens. Denn so wie es jetzt aussieht, darf ich mich bald auf ein Leben als eingesperrte Schleiereule freuen! Die Alternative wäre um ein Vieles schlimmer!
Doch zurück zum Anfang:
Ich heiße Sandra und zu Hause kann ich nur bescheiden bezahlte und befristete Jobs bekommen, aber auch nur dann, wenn ich willig bin, mehr als nur zu arbeiten ... Dass ich hübsch und sexy bin, betrachteten meine Chefs als Freibrief, diese verfickten Arschlöcher. Meine Familie ist komplett zerrüttet und jeder interessiert sich da nur noch für sich.
Jetzt stecke ich hier in einem fremdartigen, arabischen Land fest, dass mich lächerlicher Weise aufgrund der Tatsache, dass ich mich auf dem Dach dieses Hauses unverschleiert gezeigt habe, mich auspeitschen oder einkerkern oder beides will.
Okay, ich war nicht nur unverschleiert, ich war fast nackt!
Am Besten ich beginne von vorne:
Ich wurde am Flughafen von Jussuf abgeholt in seiner Begleitung befand sich ein anonymer, stummer Kegel. Das war Lisa, oder besser Selima! Der Kegel umarmte mich stumm und rieb seine Schläfe an meine. Jussuf erklärte mir, dass Selima in der Öffentlichkeit aus Scham und Sittsamkeit nicht spricht. Im ersten Moment war ich wie vor den Kopf geschlagen.
Dann reichte er mir einen Ballen schwarzen Stoff rüber und Selima begann mich einzukleiden. Besser gesagt, sie ließ mich nach und nach darunter verschwinden, bis auch ich ein schwarzer Kegel war. Selbst meine jetzt von schwarzem Satin bedeckten Hände verschwanden hinter einem Schlitz in der Abaya; so nannte man hier diesen Mantel mit Kapuze. Auf der einen Seite hatten sie mich wohl überrumpelt, andererseits empfand ich alles so neu und aufregend.
„Liebe Sandra! Ich freue mich, dich als den Gast meiner Frau Selima, begrüßen zu dürfen und danke dir für deine Freundlichkeit, dich den Sitten meines Landes entsprechend zu kleiden.", sagte Jussuf. „Ich weiß, es ist vielleicht zuviel verlangt, aber es wäre unglaublich nett von dir, wenn du diesen Knebel tragen würdest."
Er hielt mir einen Gummiball mit Riemen an den Seiten hin. Neugierig und unüberlegt schob ich meine schwarzen, behandschuhten Hände aus der Abaya und ergriff ihn. Sofort stellte sich Selima hinter mich und schob den Knebel unter meinen Niqaabi.
„Mach den Mund weit auf!", befahl Jussuf und reflexartig gehorchte ich. Ein Klicken im Nacken sagte mir, das war es dann mit meinem Plappermaul.
Jetzt bekam ich doch ein mulmiges Gefühl. Doch ehe ich mich versah, drehte sich Jussuf um und verließ schnurstracks die Halle. Mir blieb nichts anderes zu tun als ihm mit Selima zu folgen.