Ein neues Leben

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Sie will doch gar nicht auf so eine Schule! Eine Privatschule, deren Gebühr so hoch ist, dass im Grunde genommen nur reichen Leuten der Zutritt gewährt wird. Oder man nimmt den Umweg über die viel zu schwierige Aufnahmeprüfung. Minda hatte diese natürlich fehlerfrei bestanden. Die Prüfer hatten vielleicht Augen gemacht. Als sei sie die Erste, die je bestanden hätte. Möglicherweise war sie das auch. Aber was tut das schon zur Sache? Ihre Eltern hatten solch eine Schule als die Beste für sie erachtet. Naja, sie vertraut ihren Eltern auch blind. Egal wie viele Beförderungsvorschläge sie von ihren Vorgesetzten bekommen, meist lehnen sie sie ab. Um wenigstens etwas Zeit mit den Kindern verbringen zu können. „Mit DEM Kind", korrigiert Minda sich selbst in Gedanken.

Vor drei Wochen sind sie endgültig umgezogen in die neue Stadt; vor zwei Wochen bestand sie die Aufnahmeprüfung mit Bravour und jetzt steht sie vor der Schule welche sie ab heute besuchen wird. Noch bevor sie das Gebäude betritt, ärgert sie sich über die nicht vorhandenen Schuluniformen. Sie kann sich schon denken, dass sie als kompletter Außenseiter dastehen wird. Nicht etwa weil ihre Eltern arm sind, denn das sind sie - als Büroangestellte und Ableitungsleiter-nicht. Das Problem ist nur, dass sie auch nicht reich sind. Minda würde das als oberen Durchschnitt bezeichnen. Eigentlich hat sie das bisher kaum gestört, NICHT stinkreich zu sein, aber sie kann sich schon vorstellen, dies bald zu bereuen. Sie holt einmal tief Luft, drückt dann die Türklinke runter und bekommt ihre Vorahnung direkt bestätigt. Sie bereut es direkt, ihre Jeans von unbekannter Marke aus H&M mit dem pinken Kapuzenpullover angezogen zu haben, in denen sie sich eigentlich normalerweise wohlfühlte. Passend dazu hat sie sich ihre dunkelblauen Sneakers angezogen. An Accessoires trägt sie eine pinke Perlenkette zusammen mit einem Ring mit einem blauen Schmetterling dran. Alles in allem also eigentlich perfekt abgestimmt. Nur leider ein klitzekleines Problem: keine bekannte, übertreue Marke, Kein Gold, Platin oder wenigstens Silber, kein Make-up oder Parfüm mit weltbekannten Logos auf deren Verpackungen. Schlicht ausgedrückt: nichts unnötig teures, was eigentlich eh niemand braucht, sondern, wie gesagt, oberer Durchschnitt. Kaum schreitet sie durch die Aula -oder ist das ein Ballsaal? So riesig und übertreiben ausgestattet...- schon hört sie Getuschel und sieht, wie man heimlich mit dem Finger auf sie deutet. Na super. „Aller Anfang ist schwer" würde ihre Mutter jetzt bestimmt sagen.

Als Erstes muss sie in das Sekretariat und die Anmeldeformulare abholen. Desweiteren sollte sie doch wenigstens wissen, wo sich die Klasse befindet und wie sie dahin kommen könnte.

Obwohl die nette Sekretärin Minda alles so genau wie nur irgend möglich erklärt hat, ist sie dennoch zu spät zum Unterricht gekommen. Unmöglich in so einem Palast von Schule den Überblick zu bewahren.

Nun klopft also die 5 Minuten verspätete Minda an der Tür. Der Tür zu ihrem neuen Leben- mehr oder weniger. Denn seit dem Umzug hat ihr neues Leben bereits begonnen.

Nach dem wahrgenommenen „Herein!" öffnet sie die Tür und blickt in eine Klasse mit mindestens zwanzig Schülern, wobei mehr als die Hälfte Jungs sind. Die Lehrerin wird von ihr so um die 30 geschätzt und von der Art der Lehrerin schließt Minda darauf, nun wohl Mathe zu haben. So eine Schreckschraube.

„Oh, du bist wohl die Neue; Minda Roxwell, richtig?" kommt von der Lehrerin. „Ich heiße Frau von Rosenheim." Sie mustert Minda, welche sich nun noch unwohler fühlt. Ein adliger Name... Muss aber nichts heißen, oder? „Ja, die bin ich", kommt von Minda, „ich werde ab jetzt diese Klasse besuchen!"

Ein Schüler aus der Klasse deutet auf sie und verkündet: „ Hey! Die Schultasche die sie da hat! Die kenn' ich doch irgendwoher. War die nicht letztens bei C&A im Angebot? Wie viel kostet sie noch gleich? 38€? Was ein Drecksstück. Schämst du dich nicht mit sowas rumzulaufen?" Schallendes Gelächter aus der Klasse. Dabei war Minda eigentlich so stolz auf diese wunderschöne Tasche. Aber er hat sich stark geschnitten wenn er denkt er kann ihr etwas anhaben. Minda war - besonders fremden Menschen - schon immer kalt gegenüber. Dies hat sich seit einem Ereignis vor Kurzem erweitert gesteigert.

Herz oder ReueWhere stories live. Discover now