Teil I

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Dies ist eine lange Geschichte, jedoch eine, welche du zuvor noch nicht gehört haben wirst. Dies ist eine Geschichte über einen Ort, welcher auf einem Berg zu finden ist; ein Ort, an dem böse Dinge geschehen. Und du magst denken, du wüsstest von diesen bösen Dingen, du magst für dich entscheiden, du hättest es letzten Endes alles ergründet, aber das hast du nicht. Denn die Wahrheit enthüllt etwas, übler als Ungeheuer und Menschen...

Zunächst hatte es mich aufgeregt, als sie mir erzählten, dass wir in eine Kleinstadt draußen in den ›Ozarks‹ ziehen würden. Ich erinnere mich noch daran, wie ich auf mein Abendessen starrte und dabei dem Wutanfall meiner Schwester lauschte, welcher ganz und gar nicht entsprechend einer vierzehnjährigen Einserschülerin wirkte. Sie heulte, sie bettelte und dann beschimpfte sie unsere Eltern. Meinem Vater warf sie eine Schüssel entgegen und klagte, dass es alles seine Schuld gewesen sei. Mutter versuchte noch Whitney zu besänftigen, da war sie jedoch bereits davon gestürmt, um auf dem Weg in ihr Zimmer jede Tür des Hauses lautstark zuzuwerfen.

Im Geheimen beschuldigte ich ebenfalls meinen Vater. Ich hatte auch gehört, was die Leute unter der Hand flüsterten. Mein Vater hatte etwas Falsches getan, etwas Böses, und die Polizeiabteilung hatte ihn nun in einen entlegenen Bezirk abgestellt, um das eigene Gesicht zu wahren. Meine Eltern wollten nicht, dass ich davon wusste, aber ich wusste es.

Ich war neun Jahre alt, und somit erforderte es nicht viel Zeit, mich mit der Idee einer Veränderung anzufreunden; es war wie ein Abenteuer. Neues Zuhause! Neue Schule! Neue Freunde! Whitney, gewiss jedoch, verspürte das Gegenteil. In ihrem Alter auf eine neue Schule zu wechseln war hart, von ihrem Freund losgerissen zu werden hingegen noch viel schmerzlicher. Während der Rest von uns also seine Sachen zusammenpackte und Abschied nahm, schmollte, weinte und drohte Whitney damit, von Zuhause fortzulaufen. Einen Monat später saß sie jedoch neben mir, als wir in die Einfahrt des neuen Hauses in Drisking, Missouri, bogen, wild auf ihrem Telefon tippend.

Ich war dankbar dafür, dass wir im Sommer umgezogen sind und ich mehrere Monate voller Freizeit besaß, um die Stadt zu erkunden. Als Vater seinen neuen Job im Polizeibüro antrat, kutschierte Mutter uns durch die Stadt, hie und da über dieses und jenes kommentierend. Die Stadt war viel, viel kleiner als St. Louis, dafür jedoch ein gutes Stück schöner. Es gab keine »düsteren Ecken« und die gesamte Stadt wirkte wie von einer Postkarte. Drisking war erbaut in einem Bergtal, umgeben von unversehrter Waldlandschaft, mit Wanderwegen und kristallklaren Seen. Ich war neun, es war Sommer; und dies war der Himmel.

Wir hatten geschätzt kaum eine Woche in Drisking gelebt, da kamen unsere Nachbarn herüber, um sich uns vorzustellen: Mr. und Mrs. Landy sowie deren zehn Jahre alter Sohn Kyle. Während unsere Eltern eine Unterhaltung führten und ein paar »Mimosas« tranken, beobachtete ich den schlaksigen, rothaarigen Sohn der Landys, wie er im Türrahmen herumhing und zurückhaltend die PlayStation 2 im Wohnzimmer beäugte.

»Ähm, spielst du?«, fragte ich.

Er ließ seine Schultern zucken. »Nicht wirklich«

»Willst du? Ich habe gerade erst Tekken 4 bekommen.«

»Hmm...« Kyle warf einen Blick zu seiner Mutter, welche gerade ihren dritten Cocktail entgegennahm. »Ja. Klar.«

An diesem Nachmittag sollten Kyle und ich durch die Einfachheit und Unbedarftheit unseres Alters beste Freunde werden. Wir verbrachten die kühlen Tagesanbrüche draußen mit dem Erkunden der Ozarks, und an den heißen Nachmittagen spielten wir an der PlayStation im Wohnzimmer. Er stellte mich dem einzigen Kind unseres Alters in der Nachbarschaft vor, einem dürren, stillen Mädchen namens Kimber Destaro. Sie war schüchtern, aber freundlich und jederzeit für alle Ideen empfänglich. Kimber verstand sich mit uns so ausgezeichnet, dass sie schon bald die dritte Person in unserem Bunde wurde.

BorrascaWhere stories live. Discover now