Prolog

11 2 0
                                        

Aus der Sicht von Adrien:

«Heute sind wir hier versammelt, um den Seelentag zu feiern. Ein Tag, dass das Leben von vielen hier für immer verändern wird. Heute werden alle volljährigen Schüler ihre Seelenverwandte finden. Den anderen Teil eurer Seele. Euer Seelengefährte ist vielleicht euer bester Freund, Liebhaber, Waffenbruder oder vielleicht ist es einer von euren Geschwistern. Heute wird die Wahrheit offenbart. Heute ist der Tag, auf den ihr alle gewartet habt! Heute ist ein Feiertag, aber wir dürfen nicht vergessen, es ist auch ein Tag der Trauer. Vor genau fünf hundert Jahren wurde das Volk der Erdmagier von den Menschen vernichtet und das auf eine widerwärtige, feige Art. Eines Tages werden wir diesen Krieg beenden und die Erdmagier rächen. Unsere Zeit wird kommen! Ihr Jugendliche seid die nächste Generation! In ein paar Jahren werdet ihr Könige und Königinnen, Generäle, Politiker, Krieger, Heiler und Alchemisten sein. Ihr seid die Zukunft. Nun aber genug geredet! Fangen wir an!»

Endlich hat meine Mutter ihre dramatische Rede beendet. Sie und die anderen Könige und Königinnen stehen auf eine aufgestellte Bühne. Keiner von ihnen scheint in diesem Raum mit ihren majestätischen Kleidern zu passen. Obwohl der Ballsaal, der normalerweise als Kantine benutzt wird, prächtig in Rot und Gold dekoriert ist, ist der Raum die Ausstrahlung der königlichen Familien nicht gewachsen. Ich habe das Gefühl, man hat ein Stein goldig angemalt und versucht ihn somit schön genug für ein Diamant zu machen. Erfolglos.

Jedes Jahr ist es das gleiche. Einer der Könige und Königinnen sagt eine aufwühlende Rede. Sie wechseln sich jedes Jahr ab, dann werden die volljährigen Schüler einer nach den anderen aufgerufen. Durch einen Zauber zeigt ein magischer Spiegel einem sein Seelengefährte oder seine Seelengefährtin. Es gibt Freudentränen, Jubel, Glückwünsche, bla, bla, bla.

Ihr fragt euch wahrscheinlich, was in aller Welt meine Mutter da für ein Blödsinn redet. Nun, es gibt fünf Reiche. Solis Ortus, das Reich der Menschen. Ignardor, das Reich der Feuermagier. Maraqua, das Reich der Wassermagier. Ventaura, das Reich der Luftmagier. Sensanima das Reich der Seelenmagier und Terranat, das Reich der Erdmagier. Oder es war einmal das Reich der Erdmagier. Die Menschen haben vor Jahrhunderte die Flüsse und Seen der Erdmagier mit einem Gift vergiftet, der erst nach einigen Tagen anfängt zu wirken. Die Erdmagier sind so zusagen einfach auf einmal tot umgekippt. Seitdem gibt es Krieg zwischen Menschen und uns. Es ist ein niemals endete Krieg.

Wir hatten niemals ein gutes Verhältnis zu den Menschen. Sie haben schon immer Magie gehasst, selbst unter ihnen. Menschen, die von der Natur mit Magie beschenkt wurden, heissen Hexen. Sie sind verbrannt, gejagt und geköpft worden, bis es keine mehr gab. Ausser eine, und zwar Marianne. Sie ist, soweit wir wissen die letzte lebende Hexe und meine Adoptivschwester. Der Unterschied zwischen uns und Hexen ist, dass Hexen mit Worten und Ritualen aus den nichts Sachen herbei zaubern können, während wir die bestehenden Elemente dazu bringen, das zu tun, was wir wollen.

Es gibt fünf Elemente: Feuer, Wasser, Erde, Luft und Seele.

Meine Familie gehört zu den Seelenmagier. Für uns ist ein Seelengefährte umso wichtiger, denn er stärkt unsere Magie.

Ein Seelengefährte ist der andere Teil deiner Seele. Manche Seelengefährte sind beste Freunde, andere sind Geschwister. Die Ausnahme bilden die liebeskranken Pärchen. Einfach nur zum Kotzen. Egal, ich weiche ab. Die Hauptsache ist: Das einzige, was dieses Jahr anders ist, ist, dass diesmal ich und meine Brüder volljährig sind. Jeder wartet sehnsuchtsvoll auf sein Seelengefährte. Alle ausser ich.

Ich bin ein Seelenmagier von königlichem Blut. Mich zu töten ist praktisch unmöglich. Keine Klinge vermag meine Haut zu durchschneiden. Keine Flüche haben bei mir irgendeine Wirkung. Ich bin einer der fünf Prinzen. Mit anderen Worten eine lebende Zielscheibe. Bis jetzt war es mir egal. Es war nie ein Problem. Wenn man nicht sterben kann, gibt es wenig, was man fürchtet. Aber was ist mit meinem Seelengefährte? Er oder sie ist definitiv sterblich. Angreifbar. Bis jetzt hatte ich nie eine Schwachstelle. Mein Seelengefährte wird aber mein Schwachpunkt sein. Durch ihn oder sie werde ich angreifbar werden und das gefällt mir überhaupt nicht. Mit jedem Schüler, der aufgerufen wird, habe ich das Gefühl, mehr und mehr die Kontrolle zu verlieren. Ich habe die Zügel nicht mehr in der Hand und ich kann nichts dagegen tun.

Wo wir sind? Wir befinden uns in der Blut Akademie. Ein ziemlicher psychopathischer Name meiner Meinung nach, aber so ticken halt die Leute hier. Alles hat mit Blutlinie, Familie, Erbschaft zu tun. Hier in der Schule gibt es kleine Gruppen:

Die adligen Wassermagier. (Eingebildete Idioten.)

Die ,,normalen Wassermagier. (Allesamt Freaks.)

Die adligen Feuermagier. (Alle so dumm wie Brot.)

Die nicht adligen Feuermagier. (Haben Aggressionsprobleme.)

Die adeligen Luftmagier. (Sie sind alle geistergestört!)

Die bürgerlichen Luftmagier. (Mir fallen keine Synonyme für Idioten mehr ein.)

Die adligen Seelenmagier. (Arrogante Dummköpfe. Alle ausser ich und meine Familie natürlich.)

Das normale Volk der Seelenmagier. (Keine Ahnung, wie sie sind. Sie reden mit mir, als ob ich bereits schon König wäre. Mann hasse ist das Wort Majestät!)

Die Blut Akademie ist eine Schule für die Mächtigen. Wir sind die Elite. Die nächste Generation. Wir alle sind dazu bestimmt, Könige, Generäle, Krieger, Politiker, Heiler und Alchemisten zu werden. Das ist das Problem dieser Schule. Alle halten sich für wichtiger oder besser als andere. Alle hier haben ein zu grosses Ego. Die Blut Akademie ist eine Schule voller Intrigen, Machtkämpfe und Eifersucht. Um hier aufgenommen zu werden, musst du oder superbegabt sein oder adlig. Ist das ungerecht? Ja, verdammt! Aber das Leben ist halt scheisse. Dennoch, alle wollen hier aufgenommen werden, aber die meisten bereuen es kurz darauf. Wenn du hier überleben willst, musst du dir Respekt verschaffen. Du musst stärker, schneller, listiger, grausamer sein als die anderen. Hier kannst du nicht gut sein. Du musst perfekt sein. Oder katastrophal. Es gibt weiss oder schwarz, grau existiert hier nicht. Wenn du weisst was gut für dich ist, renn. Renn so schnell du kannst, und komm nicht wieder. Wenn nicht, nun wage nicht zu sagen, ich habe dich nicht gewarnt.

SoulmateStories to obsess over. Discover now