Eigentlich begann dieser Tag wie alle Tage in meinem bisherigen Leben. Jedoch trat ein Ereignis ein, welches mein Leben komplett auf den Kopf stellte. Ein Ereignis, welches mir den ersten richtigen Blick in unsere Welt verschaffte.
Heute gibt es ein kleines Buffet. nahm ich meine Mutter von etwas weiter weg wahr. Kein Wunder, zu dieser Jahreszeit. Aber nicht wieder die kleinen roten, oder? Meine Gedankenstimme klang vermutlich wirklich angewidert. Wär ich zu dem Zeitpunkt ein Mensch gewesen, hätte ich wahrscheinlich würgen müssen. Es kam schon häufiger vor, dass wir die Nachkommen unserer eng verwandten Nachbarn verspeisten.
Meine Mutter und vor allem aber ich, waren kein großer Fan davon.
Misstrauisch setzte ich meine Beine schonmal langsam in Bewegung. Irgendwie war es für mich immer ein unschöner Anblick zu sehen, wie unsere Nachbarn verspeist wurden, obwohl es eigentlich das normalste der Welt sein sollte. Keine Sorge, wieder kleine schwarze Flieger. Immerhin.
Ich ließ meine 8 Beine mich schneller tragen. Das letzte Blatt aus dem Weg gedrückt bot sich mir dieser befriedigende Anblick. Eine Menge kleiner geflügelter Tiere, die gerade aus einer strahlend pinken, fauligen Frucht krabbelten. Von Innen war es etwas schwieriger die Tiere alle zu erkennen, denn das helle Fruchtfleisch war mit vielen schwarzen Kernen durchzogen.
Meine Mutter war schon ordentlich dabei mit ihren Scheren eine Menge der kleinen Krabbler in ihren Mund zu stopfen. In Gedanken seufzend gesellte ich mich dazu und begann auch welche in meine Fressluke zu schaufeln. Die letzten Tage hatten wir ständig nur "kleine schwarze Flieger" zu essen, wie wir sie damals nannten. Meine Mutter und ich waren ja nur zu zweit und mussten uns selber Namen ausdenken für alles was wir fanden.
Während ich so gierig alles in mich rein schlung, richtete ich meinen Blick gen Himmel. Die untergehende Sonne schickte ihre letzten Strahlen durch die Blätter, direkt auf unser schönes Ufer. Niemals hätte ich gedacht, dass dies der letzte Sonnenuntergang sein würde, den meine Mutter und ich gemeinsam genießen.
Gleich neben uns beiden war eine kleine Pfütze und ich betrachtete mich, wie ich mich kannte. Dunkelvioletter Körper und leuchtend gelbe Augen. Nicht gerade perfekt getarnt. Ich sah eigentlich genau aus wie meine Mutter, wenn ich uns so verglich. Sag mal, warum sind wir eigentlich so... Bunt? versuchte ich meine Mutter zu fragen. Bunt? Was meinst du? Eine derartige Antwort hatte ich eigentlich erwarten sollen. Meine Mutter konnte Farben nicht gut wahrnehmen.
Ich meine, wir haben so auffällige Farben. Hier ist doch sonst alles Braun und vorallem Grün und wir überhaupt nicht. Meine Mutter schien zu überlegen. Manchmal fragte ich mich, ob sie überhaupt weiß, was Farben genau sind. Hmm, ich weiß nicht was du meinst. Sie widmete sich weiter des Fressens.
Obwohl sie mir dieses Wort beibrachte, weiß sie nicht was es bedeutet. Solche Dinge machten mich häufig stutzig, weil ich meine Mutter für allwissend hielt. Aber mit dem älter werden wurde mir klar, meine Mutter wusste absolut nicht viel. Was ich schade fand. Aber jetzt weiß ich ja, dass man nicht besonders viel wissen kann, wenn man als Krabbe in der Wildnis aufwächst. Leider aus eigener Erfahrung. Ich bin fertig. teilte ich meiner Mutter mit und machte mich auf den Weg ins Wasser. Vermutlich schaute sie mir wieder verdutzt nach, weil ich nicht aufgegessen hatte.
Ich ging absichtlich ein Stück weiter von meiner Mutter weg, damit ich in Ruhe denken konnte, ohne dass sie wieder alles mitbekommt. Denken, etwas was sie nicht allzu oft tat. Aber ich kann es ihr eigentlich nicht verübeln, woran soll eine Krabbe denn schon den ganzen Tag denken?
Kurze Zeit später erreichte ich dann auch den einen Ort. Der Ort den meine Mutter nicht gern besuchte, weil sie Angst bekommen hat. Angst vor den großen nackten Säugetieren die hier manchmal langmarschierten, doch das kam nicht allzu oft vor. Auf jeden Fall war hier eine schöne Vertiefung die mit klarem Wasser gefüllt war. Es fühlte sich wunderbar an, die Beine in das abkühlende Wasser zu setzen und bis auf den Grund zu kriechen. Hier war ich allein. Eigentlich habe ich es immer genossen mich mit meiner Mutter oder anderen Krabben zu erholen. Aber manchmal wurde dies sogar mir zu viel.
Diesen Ort besuchte ich in letzter Zeit häufiger. Hier versuchte ich oft eine Antwort auf Fragen zu finden, die meine Mutter nicht beantworten konnte. Diesmal auch auf die Frage mit den Farben. Und Farben generell. Ich verstand zu diesem Zeitpunkt fast nichts von der Welt und konnte keine Antworten finden, auf all meine Fragen. Ich war zu dem Zeitpunkt so ahnungslos. Irgendwann wurde ich dadurch müde. Schlaftrunken kletterte ich noch an Land und blies unbewusst ein paar Bläschen aus meinem Mund. Kurze Zeit später döste ich ein.
Unschuldig und dumm.
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Die Welt ist bunter als du denkst
FantasíaEin kleines Wesen, welches von der Welt nichts gesehen hat, als den Java-Regenwald, in dem sie aufgewachsen ist. Eine winzige Vampirkrabbe, welche so viele Farben von der Welt noch nicht kennt. Diese Farben wird sie bald kennenlernen... Und leider n...
