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                𝒯𝒽𝑒 𝓇𝒾𝒸𝒽𝓃𝑒𝓈𝓈 𝑜𝒻 𝓁𝒾𝒻𝑒 𝓁𝒾𝑒𝓈
           𝒾𝓃 𝓂𝑒𝓂𝑜𝓇𝒾𝑒𝓈 𝓌𝑒 𝒽𝒶𝓋𝑒 𝒻𝑜𝓇𝑔𝑜𝓉𝓉𝑒𝓃.                                    - Cesare Pavese

Harry stand kurzweilig verwirrt vor dem Denkarium aus dem er gerade erst wieder herausgekommen war. Snape hatte ihn die ganze Zeit geschützt? Diese Erkenntnis ließ einen Schauer über seinen Rücken fahren. Beinahe automatisch holte er eine weitere Phiole aus seiner Hosentasche hervor, mit der Aufschrift Sankt Potter. Die Handschrift, mit der sein Name geschrieben wurde, kam ihm bekannt vor. Nur einer nannte ihn so. Nur einer hatte diese Handschrift, die er bereits in seinem dritten Schuljahr und viele Jahre danach anstarrte. Jahre nach dem der Papierkranich auf ihn zugeflogen kam. Er wusste, wie sauer er damals war und dennoch brachte er, aus einem für ihn unerklärlichen Grund, es nicht über sein Herz das verzauberte Papier zu vernichten. Die Phiole selbst, die er gerade hielt und interessiert betrachtete, während er sie in seiner Hand herumdrehte, hatte er von Dobby, kurz vor dessen Tod, erhalten. Dieser hätte sie, im Malfoy Manor, aus Draco Malfoys Hosentasche fallen sehen. Aufgrund dessen das Harrys Name auf dieser stand, hat er sie mitgenommen und ihm überreicht, bevor er sich bedankte, dass sein Freund bei ihm war, bevor seine großen Augen ins Leere starrten und sein Lächeln erfror. Harry erwartete nicht, dass die Phiole etwas Wichtiges enthielt. Vermutlich waren es unwichtige Details oder Blamagen, die Malfoy feierlich seinen Freunden regelmäßig präsentierte. Ron wiederum war da anderer Meinung. Er ging von Geheimnissen aus, die Malfoy in der Erinnerung verwahrte. Über Harry oder zum Mindestens bezüglich Harry. Wäre es nicht ein leichtes diese Phiole dem dunklen Lord zu überreichen und ihn alles deuten zu lassen? Vor allem da er eine starke Verbindung zu Harry hatte? Doch Malfoy konnte dieses Detail über Harry wohl kaum kennen, es sei denn Voldemort hätte dies kundgegeben, was Harry stark bezweifelte. Snape hatte sehr offensichtlich nichts gesagt. Schließlich wären seine Mühen des Schutzes vollkommen umsonst gewesen, hätte er dies getan. Davon war Harry zum Mindestens nach der Erinnerung, die er kurz zuvor sah, überzeugt. Harry drehte die Phiole mit der Erinnerung, die darin tanzte wie ein kleines Irrlicht, in seinen Fingern umher, gefesselt von der Schönheit des Fadens. Eigentlich hatte er keine Zeit sich die Phiole anzusehen, geschweige denn die Erinnerung. Sie waren mitten im Krieg und er musste auf schnellstem Wege in den Verbotenen Wald. Dennoch öffnete er die Phiole, indem er den Korken mit einem klangvollen Geräusch, der an das Öffnen einer Butterbierflasche erinnerte, von der Phiole löste.

Langsam glitt der leuchtende Faden in das Denkarium und Harry beobachtete diese Szenerie interessierter als je zuvor. Obwohl er sie schon zuvor öfters gesehen hatte, wirkte es diesmal bezaubernder als all die anderen Male. Magisch, wie im Bann, angezogen ließ er sein Gesicht in das Denkarium sinken, bis das silbrige Wasser, dass nun Bilder in diesem tanzen ließ, sein Gesicht berührte. Harry Potter fiel in die Erinnerungen von Draco Malfoy, die dieser Sankt Potter getauft hatte.

Um Harry herum bauten sich Steinmauern auf. Die Mauern von Hogwarts, die er nur allzu gut kannte und ihm so vertraut waren. Er fand sich in der großen Halle wieder, die fröhlicher aussah als heute. Es schien später Morgen zu sein, denn diese war bereits so gut wie leer, die Sonne jedoch noch nicht hoch genug für den Mittag, was man an der magischen Decke ausmachen konnte. Harry sah sich selbst am Gryffindor Tisch sitzen und nachdenklich in einen Zeitungsausschnitt blicken. Er erkannte sofort, dass er sich im dritten Schuljahr befand, denn Sirius Black, sein, mittlerweile toter, Pate war auf dem Titelbild abgebildet. Er erinnerte sich, wie er die Zeitung durchforstet hatte, nachdem er erfuhr, dass Black sein Pate ist und angeblich für den Tod seiner Eltern verantwortlich war. Erst nach dem Harry wieder einfiel, in wessen Erinnerung er steckte, blickte er sich um. Draco Malfoy saß nur wenige Schritte von ihm entfernt am Slytherin Tisch und starrte, so schien es, in die Leere. Erst als Harry auf ihn zu ging, bemerkte er, dass Malfoy nicht in die Leere, sondern eine Person anstarrte, und zwar niemand geringeren als den dreizehnjährigen Harry Potter selbst. "Vermutlich beobachtet er mich, um mich Leiden zu sehen. Zu sehen, wie ich gerade an dieser Lüge zerbreche" dachte sich Harry Potter der hinter dem jungen Malfoy stand. "Er hat es sicherlich gewusst..." murmelte er zu sich selbst. Harry blickte traurig drein, als er seinen wutentbrannten Gesichtsausdruck sah, der nach Rache gierte. Heute war Sirius schon zwei Jahre fort. Der Schmerz an die Erinnerung wie er seinen Paten verlor als auch der Hass, den er zuvor für ihn empfand, schlichen sich in sein Herz. Hätte er es doch nur eher gewusst...Dracos Blick, den er zuvor als analysierend interpretiert hatte, wirkte eher weich, sanft, voller Zuneigung. Und genau dies brachte Harrys Stirn zum Runzeln, er kannte diesen Blick von Malfoy nicht. Er kannte lediglich seinen gehässigen Blick, der nur seinen Nachnamen ausspuckte, als würde er einen schlechten Geschmack auf der Zunge hinterlassen. Er kannte Malfoys Hasserfüllten Blick, der einem eine Gänsehaut und schlechte Laune bereitete. Seine schnippischen Kommentare, die jedes Mal wie Glasscherben in die Seele schnitten. Knochensplitternd kalt. So kannte er Draco Malfoy. Doch dieser Blick, dieses Verhalten. Es war neu. Es war etwas das weder Harry noch sonst jemand, wie es im schien, jemals gesehen hatte. Malfoy seufzte leise, ehe er sich erhob und den Tisch verließ und auch die große Halle. Die Szenerie löste sich auf, die Erinnerung verblasste zu Schatten, die in die Luft flogen und verwischten wie Tinte in Wasser.

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⏰ Última actualización: Jun 25, 2023 ⏰

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