Es war ein himmlischer Morgen in New York. Ein Dienstag. Die Vögel zwitscherten im Central Park, die Blumen blühten. Ich saß dort und las mein Buch. Ein Buch über Veränderung, über Liebe und Zukunft. Die drei Dinge, die mein Leben in letzter Zeit wohl am meisten nötig hätte. Ich sehnte mich nach Spannung, nach Abenteuern, nach der Schärfe im Tag, dem Kitzeln im Nacken. Zurzeit bestand die einzige Spannung für mich darin, den richtigen bestellten Kaffee von Starbucks zu machen, ohne den Namen des Kunden falsch zu schreiben. Mein Name ist Grace Johnson. Ich bin Anfang Zwanzig und wohl einer der Menschen, dessen Leben man als Durchschnitt empfindet. Als ich mich damals entschlossen hatte, dem Landleben in Texas zu entfliehen und in die große Stadt zu ziehen und Journalismus zu studieren, hatte ich mir alles anders vorgemalt. Jetzt nach zwei Jahren frage ich mich langsam, was ich falsch gemacht habe. Ein Studium, mein Job bei Starbucks, eine kleine Wohnung in Queens mit Balkon. Wenn ich es wüsste, hätte ich es wohl schon geändert. Es ist nicht so, dass mein Leben schlecht sei. Es ist nur mein unstillbarer Drang nach Erfolg, der wohl durch mein chronisches schlechtes Leben in der Kindheit entstanden ist. Ich bin die Jüngste von drei Kindern, meine Eltern geschieden, die Mutter drei Jahre arbeitslos. Wie wir es damals geschafft haben, ist mir bis heute nicht klar. Aber hier bin ich, lese mein Buch, in New York. Eine Tatsache auf die ich auch durchaus Stolz bin, wäre nur nicht diese Mittelmäßigkeit. Ich beschloss nicht weiter nachzugrübeln und folge meinem Weg nach Hause. Einen Teil der Strecke bewältigte ich wie immer mit dem Fahrrad, dar es mir an Sportlichkeit nicht mangelte. Ich liebte die frische Luft, den Wind in meinen Haaren, genauso wie ich Yoga liebte. Dreimal die Woche besuchte ich einen Kurs, um den Fokus nicht zu verlieren. Als ich einige Zeit später an meiner Wohnung ankam saßen weniger meine Haare mehr, noch mein Körpergeruch, also entschied ich direkt unter die Dusche zu schlüpfen. Als das warme Wasser auf meine kalte Haut prasselte verfleuchten sich meine Gedankrn und Sorgen. Es gab nur mich und das Wasser, welches schon seit Kindheitstagen eine beruhigende Wirkung auf mich hatte. Nach dem Duschen trocknete ich mich ab, wobei mein Blick auf den Spiegel über meinem Waschbecken fiel. Meine braunen Haare reichten mir nun bis zu den Ellenbogen. Ein Wunder, da ich sie mir vor zwei Jahren radikal abgeschnitten hatte. Sie waren wie immer leicht gewellt und strahlten eine Kühlheit aus, die sich mit meinen Augen verband. Diese strahlten grün hervor, was sehr schmeichelnt war durch meine gebräunte Haut mit dem italienischen Touch. Meine Figur war nicht dementsprechend, was gerade für viele angesagt ist. Ich bin sportlich, dass steht außer Frage, jedoch hab ich auch Kurven. Eine normale Figur eben, zumindest in meinen Augen. Ich trocknete mein Gesicht ab und zog mir Jogginghose und Shirt an. Im Wohnzimmer machte ich es mir bequem und schaltete den Fernseh ein. Wieder ein Flugzeugabsturz, dachte ich. Flugzeug vollkommen zerstört, alle Insassen tot. Ein schreckliches Schicksal und bereits der dritte Flugzeugabsturz innerhalb kurzer Zeit. Das Merkwürdigste jedoch ist, dass alle nah beieinander verunglückt sind. Genauso rätselhaft wie das Bermuda-Dreick. Beunruhigend, dank der Tatsache, dass ich durch mein Studium bedingt, bald einen Flug nach Bogota antreten muss, in genau drei Tagen. Falls ich es noch nicht erwähnt habe, ja, ich studiere Journalismus. Allerdings mit einem bestimmten Schwerpunkt: ich schreibe Artikel und erforsche Menschen im Drogenkrieg. Eine Thematik, die mich immer schon interessiert hat, die mich gereizt hat. Mein persönliches Abenteuer und mein erster Auslandsauftrag. Und dann gerade Bogota. Nicht, dass es mich stören würde, es juckt mich schon in den Fingern, jedoch schwingt dabei immer der Respekt mit, für die Kriminalität, die in dieser Gegend herrscht. Die Einschränkungen, die die Menschen dort ertragen müssen. Kaum vorstellbar, doch ich bin bereit es der Welt zu zeigen, unverschlüsselt und völlig transparent, nichts wird verschönigt. Das ist meine Mission.
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Transparent
FantastiqueEine 21-jährige Frau wird in ein mysteriöses Ereignis verwickelt, was ihr Leben und ihre Sichtweise drastisch verändert. Sie muss fortan ihr Leben teilen, unfreiwillig. Dabei ahnt sie nicht, in welcher geheimnisvollen Welt sie sich verirrt.
