Lion ist ein Krieger.
Ein Krieger aus einem Stamm.
Dem Stamm der Selix -der Herrscher über die Elemente.
Doch um in diesem magischen Naturfolk, wo sein Vater Häuptling ist, anerkannt zu werden, muss er eine Aufgabe erfüllen.
Dazu wird er ausgerech...
Der Vollmond leuchtete am Himmel und ließ den Wald taghell erscheinen, als die Selix durch den Wald stampften. Silbern plätscherte der kleine Bach neben dem Weg dahin und spiegelte den Schein der Fackeln in den Händen der Frauen und Männer. Der Himmel war sternenklar und schien unendlich tief zu sein. Durch einen leichten Wind knarrtzten und ächtzten die Nadelbäume um die Krieger herum. Alle gingen den gleichen Weg: In Richtung Lichtung. Diese war der Treffpunkt, Versammlungs-, und mehr oder weniger Allzwegort des Stammes, der oft von klein und groß genutzt wurde. Heute war die alljährliche Versammlung.
Es war eine große Wiese mit hohen Gräsern, Wildblumen und vereinzelten Büschen darauf. Auch mehrere Maulwurfhügel türmten sich wie versteckte Orte auf der Lichtung auf. Ringsherum standen dicht an dicht Nadelbäume, aber auch vereinzelte Laubbäume und Sträucher und ließen den Eingang in den Wald schaurig dunkel erscheinen. Der Waldboden gab keinen Laut von sich, als die Stammesmitglieder ihn betraten, da alles mit Moos bewachsen war. Auch Laub schien die Steine auf dem Boden weicher wirken zu lassen. Ab und zu hörte man Uhugeschrei oder eine Mäuse durch das Unterholz schlüpfen und in ihren Löchern verschwinden. Auch andere Tiere, die jetzt noch wach waren, scheuten und liefen schnell durch das Unterholz davon, als sie die Fußstapfen und den Fackelschein sahen.
Als sich alle Mitglieder auf der großen Waldlichtung eingefunden hatten, kam schließlich ein etwas älterer Mann in die Mitte getreten. Er war etwa Mitte 40 und sehr stattlich. Über der, aus undefinierbarem Material gemachten, Brustplatte hatte er einen bis zum Boden reichenden Umhang aus dünnem Fell über die Schultern gelegt und neben der Lederhose robuste Schuhe aus starkem Leder an. Alles in allem ein typischer Selix. Nur das er wahrscheinlich typischer war als die ca. 25 Mitglieder des Stammes. Denn er war der Anfürer, der Häuptling dieses Volkes. Schließlich trat er in die Mitte auf einen stattlichen Baumstumpf und räusperte sich, bat den Wind um Hilfe, damit man ihn hörte und fing an zu sprechen.: "Brüder und Schwestern meines Volkes. Heute ist wieder ein besonderer Tag. Jeder von euch weiß das. Heute ist der Tag gekommen, an dem wir Aufgaben verteilen werden. Aufgaben an die jungen Krieger unter uns. Oder besser gesagt an diejenigen, die es werden wollen. Ich werde jetzt nacheinander eure Namen rufen und ihr werdet hier vor kommen und euch vor mir in eine Reihe stellen." Unruhiges Gemurmel erhob sich in der Menge. "Ruhe!" War die markerschütternde Warnung, (sofort aufzuhören, außer man wollte bewusstlos enden) von Seiten des Häuptlings Lynx, der in der Mitte stand. Dann fing er an, laut die Namen der Jungen aufzurufen. Laut schallten die Rufe auf der Lichtung wieder und verschwanden schließlich in den schwarzen Tiefen des Waldes. Allesamt Tiernamen, welche von den Frauen für die Töchter und von den Männern für die Söhne bestimmt wurden.
"Elk, Bat, Racoon, Squirrell,..."fing der Häuptling an, die Namen der Jungen im Alter von 15 bis 16 Jahren aufzurufen. Alle kamen sofort wie ihnen geheißen leise nach vorn und stellten sich in einer Reihe nebeneinander auf. Jedem sah man an, dass ihnen nicht ganz wohl war bei der Sache und sie jetzt lieber 2 bis 3 Jahre jünger gewesen wären. Aber die kamen nicht drumrum. "Blackbird, Crane, Deer, Whale,...,Lion".
Lion's Sicht
Und dann wurde ich aufgerufen. Natürlich schlotterten meine Knie wie verrückt. Mein Vater stand da in der Mitte und redete so selbstsicher, so majestätisch. Und ich? Ich musste ja nicht einmal was sagen! Aufgerufen zu werden und vor 20 Augenpaaren nach vorn zu laufen brachte mich schon ins Wanken. Was würde meine Aufgabe sein? Was, wenn ich sie nicht annehmen will? Was, wenn ich eine zu schwere Aufgabe bekomme, nur weil ich der Sohn des Häuptlings bin?. Langsam ging ich mit gesenktem Kopf nach vorn und stellte mich neben die anderen in meinem Alter. "Ich werde jetzt die Aufgaben für jeden einzelnen ansagen, diese näher erklären und den Jungen fragen, ob er diese annehmen will. Wer dies nicht will, wird nicht dazu gezwungen, muss dann allerdings aus dem Stamm der Selix austreten. Haben mich alle klar und deutlich verstanden?" Alle nickten zustimmend, auch wenn sich da niemand so ganz sicher war, glaub ich. Na toll. Also hatte ich keine andere Wahl. Ich musste diesen Job annehmen. Sonst war ich draußen und würde für alle Zeit ausgelacht werden für den feigen Häuptlingssohn. "Elk, deine Aufgabe wird es sein,...." Fing mein Vater an zu reden, doch ich hörte nicht zu. Ich fühlte mich so benommen wie zuletzt als er mich aus den Tiefen des Baches fischen musste... Ich hörte nix mehr, alles fing an zu rauschen und ich merkte, dass ich langsam ins Wanken kam. Bis ich meinen Namen hörte. " Lion, deine Aufgabe ist es, mit Crane zusammen, in die Menschenwelt zu gehen. Dort werdet ihr eine Zeit lang als ganz normale Menschen leben müssen. Ihr werdet für mich dieses Mädchen ausfindig machen." Nach einem kurzen Gemurmel und Fingerwink seinerseits ließ mein Vater ein Gesicht auf der ruhig geworden Oberfläche des Baches erscheinen und erklärte weiter. "Sie ist eine Gefahr. Eine Gefahr für uns alle.", fuhr er mit bebender Stimme fort. "Sie kann mit den Elementen umgehen. Genauso wie wir. Ihr müsst herausfinden, warum, seit wann, usw. Bringt sie her."
Ich war am Ende. Am Ende von allem. Wie sollte ich das alles nur schaffen? Tausend Fragen flogen mir durch den Kopf. Doch ich konnte die ganze Zeit nur auf sie starren. Auf das Bild im Wasser. Ein wunderschönes Gesicht schien da auf dem Wasser zu schwimmen. Sie hatte ein zierliches Gesicht, eine hübsche Nase, welche von unzähligen wunderschönen Sommersprossen geziert wurde und verdammt tolle, lange, dunkelbraune Haare, die in großen Wellen über ihre Schultern fielen. Aber das krasseste waren die Augen. Eine Mischung aus hellem Braun, immer grüner werden und am Rand sogar ein klares, aber dunkles Blau. Einfach...magisch.
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Plötzlich wurde ich aus meinen Bewunderungen gerissen. Mein Vater fing wieder, an uns gerichtet, an, zu reden und faselte irgendwas von einverstanden. Da Crane laut und deutlich 'Ja' sagte und mir dann auffordernd gegen die Rippen stieß antwortete ich ebenfalls mit 'ja' was ich später allerdings bereuen sollte...
Zu Tagesanbruch lag ich auf meiner Matte aus Moos in dem lair (Tippiartischers Gebilde aus Ästen, Laub und Moos) meiner Familie und versuchte zu schlafen. Doch es war einfach nur unmöglich. Um mich herum hörte ich ab und zu ein Knacksen, Rascheln oder Knistern. Diese Nacht ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Was war das für eine kack Aufgabe die ich da bekommen hatte? Und auch noch mit Crane, dem Trottel des Stammes zusammen! Einzige Katastrophe! Aber ich hatte keine Wahl. Doch dann war da noch sie. Von dem ersten Moment, wo ich sie gesehen hatte an, war ich absolut fasziniert von diesem Menschenwesen. War sie überhaupt ein Menschenwesen? Der einzige Weg, das herauszufinden war natürlich, die Aufgabe zu erfüllen, das wusste ich. Da gab es kein Reißaus mehr. Jetzt nicht mehr.