Mein einziger Gedanke war, so weit wie möglich von hier weg zu kommen. Weg von ihm, dem Jungen, der mir schon so oft das Herz gebrochen hatte, welcher immer wieder eine neue Chance bekam und diese immer wieder vermasselte. Warum tat ich ihn mir eigentlich an?
Ich wollte ihn überraschen, ein schönes Picknick am See, nur wir zwei, ganz alleine. Und kaum war ich in der Roten Fontäne angekommen, da sah ich ihn schon, in seinen Armen ein Mädchen, seine Lippen an den ihren ...
Und dann seine Augen, die plötzlich zu mir huschten, erschraken, und seine Lippen, die sich sofort von den ihren lösten.
Was er dann tat, bemerkte ich nicht mehr. Ich war schon am rennen. Fort von ihm, den Mädchen und all den neugierigen Blicken der umstehenden. Wohin ich genau wollte, war mir nicht bewusst, doch noch ehe ich weiter darüber nachdenken konnte, befand ich mich am See, saß auf einem Stein und weinte.
Warum, warum, warum? Warum tat er mir das an? Was hatte ich ihm getan, dass er mich so behandelte? Es war so ein schreckliches Gefühl, mir wurde schlecht, einfach schlecht. Ich hatte das Befinden, mich gleich übergeben zu müssen und spürte diese Stiche direkt unter meiner Brust, als würden tausend Schwerter auf einmal darauf einstechen. Die Tränen flossen meine Wangen entlang und ich stutzte meine Hände auf ded Stein, auf dem ich saß, ab, einfach, damit ich Halt hatte.
So verharrte ich, meinen Blick auf den Horizont gerichtet. Ich spürte die Zeit nicht, sah nur die Sonne, welche sich langsam mit dem Rot des Untergangs dieser vermischte.
"Musa!", ertönte plötzlich eine Stimme hinter mir.
"Musa!" Erneut. Wer rief mich da?
"Musa!" Das war Bloom, definitiv.
"Musa!" Und Flora.
"Ich habe sie gefunden", rief nun eine Stimme kaum ein paar Meter von mir entfernt, welche unverwechselbar die von Stella war. Sofort ertönten Schritte, Holz zerbrach, und schon standen meine fünf besten Freundinnen um mich herum; Bloom, Stella, Flora, Tecna und Layla.
"Musa, hier bist du ja. Brandon hat mir das mit Riven, diesem Schwein, erzählt und wir-"
Auch wenn ich nicht aufblickte, war mir klar, dass der Rest Stella mit einem Blick ansah, der sagte, dass sie mal wieder zu unsensibel gewesen war.
"Musa?", fragte Flore leise und kniete sich zu mir herunter, sodass sie direkt in meine Augen sah. "Wie geht es dir?"
Mir war wirklich nicht nach reden zumute, also brachte ich nur ein mürrisches 'Scheiße' heraus. Mir war klar, dass das Grinsen der anderen eine Mischung aus Mitleid und Belustigung war.
"Was hast du nun vor?", fragte Bloom vorsichtig.
"Was wohl. Ich geh zurück nach Alfea und leg mich schlafen. Ich bin wirklich sehr müde."
Und so stand ich auf, kehrte den anderen den Rücken zu und ging hoch zur Schule.
