Krieg

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Liebe Lilli,
Denkst du nicht auch, dass wir wohlbehütet leben. Ohne Krieg und seine Gewalt. Ohne Gewehrschüsse und das obwohl vor 100 Jahren in Europa noch Krieg herrschte. Vielleicht haben wir noch Eltern/ Großeltern/ Urgroßeltern, die uns vom Krieg erzählen können. Wie sie damals weggelaufen sind, Kinder, Geschwister, Ehepartner und Freunde verloren haben. Oder auf dem Schlachtfeld standen und gezwungen waren Menschen zu töten. Wie sie kalte Winter überstanden und gehungert haben. Vielleicht lesen wir Bücher über den Krieg von Autoren die diesen erlebt haben. Aber wir werden nicht wissen wie sich Krieg anfühlt, nicht bis wir ihn am eigenen Leib erfahren. Wir werden die Schmerzen und die Verzweiflung der Mutter nicht verstehen, nicht bis wir selbst unsere Kinder in den Krieg, den Tod ziehen lassen müssen. Wir werden die Angst und das Donnern der Kanonen und Gewehre nicht kennen, nicht bis wir uns selbst in einem düsteren Versteck die Ohren zuhalten. Aber wollen wir das? Wir können fragen: "Warum?" Aber wir werden die Bedeutung dieses einfachen Wortes erst verstehen, wenn wir uns zurückziehen müssen und der Tod treuer Kameraden umsonst war. Aber wollen wir verstehen? Und dieses Opfer bringen müssen, um zu verstehen? Wir werden nicht von Albträumen geplagt, Albträume, in denen die Schreie von Verwundeten einen verfolgen und die glanzlosen Augen der Toten einen anstarren, während man an ihnen vorbeigeht. Wir werden nie wissen, wie es ist, wie es sich anfühlt, seine Menschlichkeit gegen Disziplin austauschen zu müssen, seinen Stolz, Alter und Erfahrung abzulegen, nur um einen Vorgesetzten zu grüßen, der einen dann auch noch schikaniert, obwohl er viel jünger ist und das Schlachtfeld noch nie mit eigenen Augen gesehen hat. Nicht bis wir es selbst tun müssen. Wollen wir das? Natürlich, wir können so tun als würden wir verstehen wie grausam es ist, wenn Vater und Sohn, einer grausamen Laune des Schicksals ausgeliefert, sich auf dem Schlachtfeld gegenüber stehen und es verlangt wird, dass sie sich gegenseitig bekämpfen. Vielleicht verstehen wir es ja tatsächlich, aber es ist nicht dasselbe. Doch vielleicht ist das gut so? Natürlich wissen wir das alles. Aus Büchern , Erzählungen oder dem Geschichtsunterricht. Wir wissen Krieg ist grausam, wir wissen er ist nicht fair, sinnlos und voller Dummheit. Aber wir kennen ihn nicht. Würden wir es tun, würden wir ganz anders auf die Welt schauen, auf Waffenexporte, Terroranschläge und den Krieg selbst, auch wenn er nicht in der unmittelbaren Umgebung stattfindet. Und jetzt sage ich euch was ihr schon längst wisst. Es gibt zwei Möglichkeiten. Wir erleben den Krieg selbst und lernen das was unsere Eltern/ Großeltern/ Urgroßeltern schon gelernt und wovor sie uns gewarnt haben. Oder wir sind froh darüber den Krieg nicht zu kennen und setzen alles dran, dass es so bleibt. Wofür entscheiden wir uns Lilli? Was denkst du?

~ Dein Jaro

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⏰ Letzte Aktualisierung: Feb 16, 2020 ⏰

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