Ich wurde in meiner Kutsche hin und her geworfen. Durch das kleine Gitterfenster konnte ich vorbeiziehende Bäume und Büsche erkennen. Es war dunkel; kurz nach Sonnenuntergang. Ich wusste nicht, wie lange wir schon fuhren oder wann wir ankommen würden, aber es würde sicher noch dauern.
Ich klopfte stark gegen die Wand, die mich vom Kutschbock und vom Kutscher abschirmte. "Wie lange fahren wir noch?" rief ich durch das circa handbreite Fensterchen, durch das mich der Kutscher beobachten konnte, damit ich nichts anstellte oder abhaute. Er ignorierte mich, dafür brüllte einer der Soldaten, die die Kutsche begleiteten und bewachten: "Halt's Maul, Weib!" "Genau!" rief ein anderer, "dir hat niemand erlaubt zu sprechen!" "Du brauchst nicht so ungeduldig sein, Hexe!" ertönte die höhnische Stimme eines dritten Soldaten, "du wirst schon bald auf dem Scheiterhaufen brennen!" Die Männer brachen in spöttisches Gelächter aus. Ich schwieg. Die Soldaten lachten zwar, aber ich wusste, dass sie nur auf einen Vorwand warteten mir die Kehle aufzuschneiden. Also wartete ich bis wir ans Ziel ankamen. Ich nahm an, dass es sich dabei um Kalathá handelte. Dorthin wurden alle angeblichen Hexen, Dämonen und andere Ausgeburten der Hölle gebracht und dann meist zum Tode verurteilt. Das rhythmische Hufgeklapper der Pferde lies mich schläfrig werden, bis ich dann schließlich einnickte.
"Aufstehen, Weib!" Hände packten mich und zerrten mich auf die Füße. Ich blinzelte und sah in das schmutzige Gesicht eines der Soldaten. Er öffnete den Eisenring, der um meinen Hals lag mit einem alten, rostigen Schlüssel. Bevor ich über meinen wund gescheuerten Hals reiben konnte, drehte er meine Arme brutal auf den Rücken, dass ich fast in die Knie ging und fesselte meine Handgelenke mit einem groben Seil so fest, dass ich dachte er wolle meinen Armen die Blutzufuhr abschneiden.
Er zerrte mich aus der Kutsche und ich fand mich auf einem Marktplatz wieder. Um mich herum wuselten alle möglichen Leute umher. Es schien eine gute Saison zu sein, denn die Menschen drängten sich an mir vorbei um zu den Ständen zu eilen. Während ich umgeben von sechs Soldaten über den Marktplatz gezerrt wurde, hörte ich die Verkäufer ihre Waren lautstark anpreisen. "Frische Kartoffeln! Kauft sie jetzt! Ihr werdet weit und breit keine Prächtigeren finden!" "Äpfel! Keine sind praller und roter als meine!"
Ich sah mich neugierig um. Trotz der Situation in der ich mich befand war ich fasziniert. In meinem Heimatdorf gab es keinen Markt dieser Größe. Auf dem Dorfplatz gaben es nur einen Stand an dem man Obst und Gemüse kaufen kann. Hier gab es so unglaublich viele Stände. Für Stoffe, Gewürze, Fisch, Fleisch, Eier, Käse, Geschirr, Brot und auch Schafe, Ziegen und Pferde sah ich.
Ich bemerkte, dass sich Leute um ein Stelle drängten und plötzlich loderte eine Feuerflamme aus der Menge hervor. Ich reckte den Hals und sah ein Dutzend Gaukler, unter ihnen auch ein Feuerschlucker. Sie alberten, sprangen umher, stellten sich zu Pyramiden auf und taten alles um die Menschenmenge zu beeindrucken. Etwas entfernt von ihnen stand ein Mann an einem Holztisch. Er hatte wie die Gaukler auffällig bunte Kleidung an. Mit ausladenden Gesten zeigt er der Menge einen Zaubertrick. Es schien irgendein Verschwindetrick zu sein. Die Menge gab überraschte und erstaunte "Ohhhh" und "Ahhhh" Laute von sich. Dem Mann schien die Bewunderung zu gefallen, denn er verbeugte sich mehrmals und strahlte in die Menge. Klar, er wurde schließlich nicht wegen Hexerei angeklagt.
Das erinnerte ich mich wieder an meine Situation und meine schlechte Laune kehrte zurück. Wir waren mittlerweile an einem großen Steinhaus angekommen, das die anderen Häuser um ihm herum deutlich überragte. Ich kam mir in dem Schatten so klein vor. Mit in den Nacken gelegtem Kopf sah ich an dem Haus - man konnte fast schon Festung sagen - hoch. Ich hatte aber nicht sonderlich viel Zeit das Gebäude zu mustern, denn ich wurde grob an der Schulter gepackt und rein gezerrt. Es ging Treppen hinunter - anscheinend in das Verlies der Stadt. Die Wände waren feucht und aus den vereinzelten Zellen kam immer wieder ein Stöhnen oder Wimmern.
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Haerit
FantasyVon zu Hause verschleppt und zum Tode verurteilt kommt Haerit zum ersten Mal mit dem Hass in Kontakt, den die Menschheit gegenüber allem, was über dem Begreifbarem liegt, empfinden. Doch in der Nacht vor ihrer Hinrichtung wird sie von Calaren, dem M...
