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Sind wir mal ehrlich. Jeder von uns hatte doch schon mal davon geträumt etwas in seinem Leben zu erreichen und etwas in der Welt zu verändern, dass die Leute sich an einen erinnern, dass die Eltern auf einen stolz sind.

Ich hatte mein ganzes Leben lang davon geträumt Medizin zu studieren.
Die beste Ärztin Deutschlands zu werden, international zu gehen und versuchen Wunder zu verbringen.

Doch der Weg war kein leichter.

Ich beendete das Gymnasium mit einem Durchschnitt von 1,3 und hatte schon jegliche Hoffnung verloren Medizin zu studieren. Da mein Durchschnitt „relativ" schlecht war und somit die Chancen gleich null waren. Jedoch überzeugten meine Eltern und Freunde mich davon es zu versuchen, so schrieb ich also ein ausführliches Motivationsschreiben und hoffte das Gott und die Vorsitzenden der Universität es gut mit mir meinten. Natürlich hatte ich einen Plan B, aber wie sagt man so schön „Die Hoffnung stirbt zuletzt.". Also ging ich einfach davon aus, dass alles funktionieren würde und ich nicht auf Plan B zurückgreifen müsste. Ich weiß, ich weiß, das ist ganz schön naiv und dumm von mir gewesen, aber ich konnte mir nichts anderes vorstellen. Das war eben mein Traum.

Es vergingen die ersten Wochen und es kam keine Rückmeldung, also suchte ich mir zur Überbrückung ein Nebenjob, in einem kleinem Café, in welchem ich als Kellnerin arbeitete, denn ich hatte es satt zuhause zu sitzen und nichts zu machen. Klar war es ganz schön nach den geschriebenen Prüfungen erstmal nichts mehr machen zu müssen. Auf einmal hatte ich so viel Zeit, also schaute ich alle Serien, für die es mir vorher eben an Zeit gefehlt hatte. Natürlich pflegte ich auch sorgfältig meine soziale Kontakte, machte Party und genoss das junge Leben in vollen Zügen.

Es vergingen weitere zwei Monate und ich hatte bis Dato immer noch keine Rückmeldung, weder eine Zusage noch eine Absage. Das war wohl die schlimmste Zeit in meinem bisher jungem Leben. Und dann ein Brief aus der Universität. Darin wurde niedergeschrieben, dass ich in das Wartesemester rutsche aber die Chancen gut stehen, dass wenn ein Student doch abspringen sollte, ich in der näheren Auswahl sei.

Ich konnte meine Gefühle nicht ganz zuordnen, denn es war keine Absage aber auch keine Zusage. Also änderte sich im Grunde genommen nichts an meiner Situation. Ich hing weiterhin in der Luft und hoffte, dass ich noch reinkommen würde.

Ich erinnere mich daran, als wäre es erst gestern gewesen. Es war der 18. Oktober 2014, ein weiterer Brief aus der Universität. Das Studium hatte seit einer Woche begonnen und so rechnete ich damit, dass es eine offizielle Absage für dieses Semester sei.

Meine Hände waren so schwitzig und mein Blutdruck gefühlt bei 200 mmHg systolisch. Nach weiteren fünf Minuten des Anstarrens entschied ich mich doch dazu den Brief zu öffnen.

„AHHHHHHHH", ich konnte es nicht glauben es war eine Zusage, ich solle mich in den nächsten sieben Tagen entscheiden und denen eine Rückmeldung geben. Ich brauchte keinen Tag, geschweige denn sieben. Ich antwortete sofort und machte mich auf den Weg es der ganzen Welt zu erzählen, dass ich meinem Traum einen kleinen Schritt nähergekommen bin.

11 Semester, Hunderte von Nervenzusammenbrüchen, Tausende von schlaflosen Nächten und andere schlimme Dinge später befinde ich mich immer noch hier und frage mich, ob ich das wirklich alles will. Ob Arzt sein wirklich meine Berufung sei.

Es ist der 04. August 2020.

"Ich darf allen hier Anwesenden gratulieren, Sie haben es geschafft. Nach so langer Zeit können wir Sie mit einem guten Gewissen auf die kranken Menschen losschicken." Beendet der Dekan seine Rede und alle fangen an zu lachen.

"Maiiii. Hey warte, kommst du heute mit feiern?" Höre ich eine mir bekannte Stimme zurufen. "Es tut mir leid Franz, aber ich kann wirklich nicht. Ich fahre morgen schon nach Frankfurt." Sage ich. "Aber das kann doch nicht sein, dann werden wir uns erst nächstes Jahr wiedersehen, wenn überhaupt." "Sooo gerne ich auch mitkommen würde, muss ich morgen ausgeschlafen und bei vollen und insbesondere beim klaren Verstand sein." Franz umarmt mich und drückt mir einen Kuss auf die Stirn. "Mai, ich wünsche dir nur das Beste in Russland, halt mich auf dem Laufenden. Du kannst mich jeder Zeit anrufen oder mich besuchen kommen. Ich glaube Frankreich würde dir gefallen." Sagte er. „Ach man, ich habe dich so wahnsinnig lieb Franz. Ich danke dir für alles und verspreche dir dich schnellstmöglich zu besuchen." Mit diesen Worten verabschiede ich mich von ihm und steige in mein Auto.

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⏰ Last updated: Dec 14, 2020 ⏰

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