Heimatlich, vertraut, chaotisch, verwirrend, sprunghaft, abscheulich, verletzend und schön – ein so facettenreicher Ort, den ich mein Zuhause nenne und Ursprung von großartigen Werken, aber auch von Ängsten ist.
Ein erdrückendes Gefühl, nicht einen klaren Gedanken fassen zu können. Es ist wie das Schwimmen im Meer: Eine so große Masse, in der du dich befindest, du wirst von Gedankenwellen mal hierhin mal dorthin getrieben.
Obgleich du manchmal Angst hast zu ertrinken, das Treiben an der Oberfläche hält dich über Wasser. Es scheint relativ klar zu sein, doch trotzdem kannst du dich niemals vergewissern, was sich auf dem Grund befindet.
Das Schwimmen im Meer gibt dir das ultimative Urlaubsgefühl und doch weißt du, dass du dich nicht allzu sehr vom Wasser leiten lassen darfst, denn sonst gehst du in diesem riesigen Ozean verloren oder irgendetwas – wenn nicht zuletzt deine fehlende Kraft – wird dich in die Tiefe reißen.
Und auch wenn du eingeschüchtert bist von der Kraft der Wellen und dich die Ungewissheit bedrückt, so kannst du es nicht lassen dich in die wilden, mächtigen Wellen zu stürzen, dich auf den Rücken zu drehen, um auf dem Wasser zu schweben.
Du atmest die salzige Meerluft tief ein und horchst dem vertrauten Wellenrauschen. Deine Augen sind geschlossen und du kannst das lustige Wechselspiel zwischen Sonne und Wolken auf deinem Gesicht spüren. Nie bist du dir selbst so nahe wie genau in diesem Moment.
Zeit scheint keine Rolle zu spielen. Da bist nur du. Nur du und das Wasser. Obwohl das Wasser viel stärker als du ist und du weder genau weißt, was sich unter oder neben dir befindet, vertraust du dem Wasser. Es ist nicht nur dein liebster Freund, sondern auch ein Teil von dir selbst.
Auch wenn du so mit dir selber und der Natur im Einklang zu sein scheinst, weißt du ganz genau, dass du nicht für das Leben im Wasser gemacht wurdest.
Deine Haut wird schrumpelig, Deine Lippen färben sich von der Kälte blau, dein Körper ist mit Gänsehaut übersät und deine Augen brennen von dem Salzwasser.
Du fühlst es, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, an dem du wieder zum Strand und raus aus dem Wasser kommen musst.
Das Gefühl kommt, ob du willst oder nicht.
Es kommt um dich zu beschützen; beschützen vor dem tiefen Grund voller Ungewissheit, vor der Kälte die deinen Körper durchdringt und vor den imposant brausenden Wellen, die dich in die Tiefe spülen können.
Da du all das weißt, schwimmst du dorthin zurück, wo du wieder Boden unter den Füßen hast und die Wellen anfangen zu brechen. Du läufst bis das Wasser immer niedriger ist, deine Füße sinken tief in den nassen Sand, als wolle er dich festhalten. Und auch das Wasser schlägt schwer an deinen Körper, als wolle es dich überreden zu bleiben.
Doch dein Blick schweift den langen Sandstrand entlang auf der Suche nach deinem Handtuch. Der Strand ist voll mit Menschen, nach deinem Empfinden viel zu voll. Die Gespräche schlagen dir entgegen wie lästiger Lärm durch den du dich fremd und betäubt fühlst. Doch dann hast du dein Handtuch entdeckt und auf den Weg dorthin gewöhnst du dich an die Geräusche um dich herum. Auch wenn dich der Sand, der an deinen nassen Füßen klebt, nervt, bist du froh dich bei deinem Handtuch etwas aufwärmen zu können.
Aber sollte dir dort wieder zu heiß werden, machst du dich gewiss wieder auf den Weg ins Wasser.
