Kaum stand der Becher vor mir, hatte ich ihn bereits ausgetrunken und auch schon den nächsten bestellt. "Noch einen!"
Wann war ich so tief gesunken, dass ich mich freiwillig betrank und dazu auch noch wegen Cecilien. Vor allem da ich mit Trunkenheit bisher nur schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Ich erinnerte mich noch wie die Sklavenhändler, als wir noch recht jung waren -nicht älter als siebzehn oder achtzehn- uns immer zwangen ein komisches Biergebräu zu trinken und uns betrunken machten, damit die anderen und ich aufhörten Wiederstand zu leisten und brav gehorchten. Und auch das eine Mal als mein Onkel bei einem Familienfest betrunken meine Tante geohrfeigt hatte, war mir immer in Gedanken geblieben.
Und doch war ich dabei mich selbst mit Wein vollaufen zu lassen. Ohne Grund. Oder doch. Wegen Cecilien
Ihre Sturköpfigkeit machte mich fertig. Dabei konnte es mir doch egal sein was sie tat. Sollte sie doch ihren Körper einem X-beliebigen Mann geben. In diesem Fall kam es mir sogar zugunsten. Trotzdem hatte ich bei dieser Sache kein gutes Gefühl. Erst recht wenn ich daran dachte, dass sie zu diesem Federico gegangen war. Zum Kotzen dieser Typ.
Wahrscheinlich waren die beiden gerade dabei sich prächtig zu amüsieren, während ich hier wie ein Häufchen Elend saß und mich betrank. Erbärmlich. Ceciliens Diener betrank sich, weil... Weshalb eigentlich? Ich wusste es schon nicht mehr. Wirklich erbärmlich.
Nein, ich war nicht erbärmlich. Sondern Cecilien war das. Ja, sie war sogar bemitleidenswert. Genau.
Ich fasste mir an den brummenden Kopf. Meine Gedanken schwirrten wild umher und für einen Moment wusste ich nicht mal mehr wo ich war.
Cecilien... Genau! Ich musste ihr sagen was ich von ihr hielt. Dass ich sie hasste und dass sie dass sie unausstehlich war. Und dann würde ich verschwinden, abhauen und mich auf die Suche nach meiner Familie machen.
Mühsam stand ich von meinem Stuhl auf und versuchte mich zu orientieren. Meine Sicht war zuerst leicht verschwommen und klärte sich nur langsam. Inzwischen saßen nur noch wenige Leute in der Gaststube und unterhielten sich leise. Und einer von ihnen sah mir verdächtig nach diesem Federico aus. Den würde ich mir vorknöpfen.
"Du! Wo... Wo ist sie?"
Blöderweise nur, war der Mann den ich so eben angesprochen hatte, wie ich leider zu spät erkannte, nicht Federico und er blickte mich nur herablassend an. "'Tschuldigung!", murmelte ich, ehe ich mich abwandte und diesmal den richtigen Federico anvisierte.
Moment mal. Wenn Cecilien bei Federico war und Federico aber jetzt gerade hier war; bei wem war denn dann Cecilien?
"Du! Du..." Unsanft rempelte ich ihn an, da er gerade anscheinend dabei war das Gasthaus verlassen zu wollen. "Wo ist sie? Ich muss... mit ihr reden."
Was grinste der denn jetzt so idiotisch? Ich wollte ihm eine verpassen, aber er wich mir aus. Unsanft packte ich ihn am Kragen. "Wo ist sie?!"
Da er sich weigerte mir zu antworten, beschloss ich mich kurzerhand selbst auf die Suche zu machen. Zuvor ließ ich es mir jedoch nicht nehmen ihm, diesmal erfolgreich, eine runterzuhauen sodass er mir nicht direkt folgen konnte. Mühsam kämpfte ich mich wieder die Treppe hoch und begann eine nach der anderen rücksichtslos zu öffnen.
Langsam wurde mir etwas schwindelig. Warum hatte ich bloß so viel getrunken?
Als ich schließlich die richtige Tür öffnete, hätte ich mich am liebsten direkt übergeben.
"Ach du meine Güte."
Ich wollte nicht glauben was für ein Bild sich da vor mir erstreckte. Cecilien saß weinend, an einen Bettpfosten gefesselt auf dem Boden und die roten Flecken auf ihrem Kleid sahen mir sehr nach Blut aus.
"Merde...", schaffte ich es nur zu flüstern, als ich den Mann entdeckte der wohl anscheinend für das ganze hier verantwortlich war. Er schien dabei gewesen zu sein irgendwelche Sachen zusammenzupacken, hatte sich jetzt aber zu mir umgedreht, da ich ja in den Raum geplatzt war. Ein schämisches Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.
Und ehe mir bewusst wurde was er vorhatte hatte er mich zu Boden geschubst. Jedoch ließ ich mir das nicht gefallen und zog ihn an seinem Bein ebenfalls auf den Boden. Wir begannen uns zu prügeln und gerade als der Mann begann die Oberhand zu gewinnen und mir einen heftigen Tritt in den Magen verpasste, musste ich würgen und dann ging alles sehr schnell. Mir kam mein gesamter Mageninhalt wieder hoch und ich brach direkt auf mein Gegenüber. Geschah ihm recht.
Eilig rappelte ich mich, so gut es mir benommen und unter Schmerzen möglich war, hoch und stolperte auf Cecilien zu.
"Ist alles in Ordnung?... Ich schätze, eurem Aussehen zufolge nicht, aber dafür bleibt jetzt keine Zeit." So schnell ich konnte band ich sie los und hob sie hoch. Ich verpasste dem Typen noch einen Tritt zwischen die Beine, ehe ich mich schnellstmöglich auf den Weg zu Ceciliens und meinem Zimmer machte. Glücklicherweise hatten wir unsere Taschen noch nicht ausgeräumt, sodass ich sie nun schnell packen konnte, wieder zurück nach unten polterte und mich zielstrebig auf die Stallungen zubewegte. Dort setzte ich sie kurz auf den Heubedeckten Boden, damit ich unsere Sachen verstauen und eines der Pferde satteln konnte. Ich bezweifelte, dass sie in ihrem Zustand alleine reiten konnte.
Ich warte es einen kurzen Blick zu ihr rüberzuwerfen. Sie wirkte ziemlich mitgenommen und schien immer noch am Weinen zu sein. Ich war mir nicht sicher was vorgefallen war, aber ich konnte es mir denken.
"Alles wird gut." Hoffentlich.
Vorsichtig hob ich sie auf mein Pferd. "Ihr müsst euch jetzt ganz kurz festhalten, damit wir aus dem Stall raus können. Schafft ihr das?"
Ich führte mein und ihr Pferd an den Zügeln aus dem Stall, ehe ich mich hinter Cecilien auf meinen Hengst setzte und lostrabte. Ich wollte nicht zu schnell reiten, weil ich mir nicht sicher war wie groß ihre Schmerzen waren und ich es vermeiden wollte ihr noch mehr zuzufügen. Außerdem hoffte ich inständig, dass ihr Hengst treu genug war uns von selbst zu folgen.
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A girl and her Servant II
RomanceBand 2 Cecilien und Joseph befinden sich auf dem Weg zu dem französischen Fürsten, welchem die Prinzessin versprochen ist. Doch vieles stellt sich ihnen in den Weg und bringt ihre Beziehungs ins Wanken. Gefühlschaos, eine Vergewaltigung und der verz...
