Es gibt Dinge, die ich sogar mehr hasse als Mathe. Und glaubt mir, in meiner Vorstellung ist Mathe das schlimmste, was auf dieser Erde existent ist (liegt aber nicht an meinen schlechten Noten). Als Herr Holzner eine Klassenfahrt verkündete, wünschte ich, ich würde auf der Stelle umkippen. Eine Klassenfahrt mit Herr Holzner. Na Super. Paula stupste mich ein bisschen zu fest in die Seite.
„Aua! Spinnst du?!" rief ich entgeistert und rieb meine Hüfte.
„Sorry, wollte dir nicht weh tun. Was hälst du von Herr Holzners Idee?"
„Dezent wenig."
„Hätte ich mir auch fast gedacht..." seufzte Paula und versuchte vergeblich, nicht zu grinsen. Während Herr Holzner Packlisten und jede Menge anderen Papierkram austeilte, schaute ich genervt aus dem Fenster. Herr Holzner war der schlimmste Deutschlehrer auf Erden, doch in den Augen meiner Erzfeindin Marlene war er, ich zitiere: "Ein äußerst fairer und anspruchsvoller Lehrer." Ich hatte immer noch nicht herausgefunden, wieso sie so viel von ihm hielt.
„Als Hausaufgabe macht ihr bitte folgende Seiten im Deutschbuch..." brummte Herr Holzner und versuchte mit seinen fetten Wurstfingern, die Kreide vom Pult aufzuheben. Während er etliche Seitenzahlen an die Tafel schmierte und den Jungs Strafarbeiten aufbrummte (heute war ich ausnahmsweise mal auf der Seite der Jungs, da sie lautstark dagegen protestierten), versuchte ich nicht einzuschlafen und starrte fast jede Minute auf die Uhr. Es war 17 Uhr. Endlich verkündete der Gong das Ende der Stunde und wir drängten uns aus dem stickigen Klassenzimmer.
„Was haben wir jetzt?" erkundigte sich Paula.
„Biologie bei Frau Großmann. Das wird ein Spaß..." stöhnte ich und folgte Paula zum Biosaal, wo wir auf den Stühlen platz nahmen. Eigentlich finde ich Biologie interessant, doch bei Frau Großmann war es das langweiligste Fach der kompletten Woche. Mit ihrer schleppenden Stimme faselte sie etwas von Bakterien und Viren und ich war froh, als der Gong endlich Schulschluss verkündete.
„Freu dich. Wenigstens gehen wir campen." versuchte Paula mich aufzumuntern, als wir die Straße zu unseren Wohnungen entlangstapften.
„Ich hasse campen" gab ich zu.
„Gibt es irgendwas, das du nicht hasst?" seufzte Paula.
„Jap. Ich stehe auf Sushi!" lachte ich.
„Na, dann ist ja gut..."
Ich schloss die Wohnungstür auf und versuchte, an etwas anderes zu denken als an diese verdammte Klassenfahrt. Ich hatte meinen ganz eigenen Charakter und teilte ihn nicht gerne mit den anderen. Im Schrank fand ich einen abgewetzten Rucksack, den ich mit überlebenswichtigem Kram vollstopfte und holte mein altes Zelt aus dem Keller. Es sah wirklich ziemlich mitgenommen aus und ich hatte das Gefühl, es würde jeden Moment in sich zusammenfallen.
„July!!" schrie jemand und ich erkannte Paulas kratzige Stimme.
„Was ist?" stöhnte ich genervt. Ich kannte Paula viel zu lang, um zu wissen, das es nichts gutes verhieß wenn sie Abends bei mir auftauchte. Als ich mich im Zimmer umsah, viel mir siedend heiß ein, dass Paula den Chaos hasste, und ich vorher unbedingt noch einmal aufräumen sollte. Hektisch stopfte ich einige Klamotten hinters Bett, als Paula ins Zimmer gestürmt kam.
„Mann July! Wie sieht das denn schon wieder aus?!"
„Ich hatte nicht mit dir gerechnet." gab ich zu bedenken.
„Solltest du aber. Kann ich bei dir schlafen?"
„Schon wieder? Wie oft wollen sie dich noch rausschmeißen? Naja, du weißt ja, wo die Matratze ist..." seufzte ich und widmete mich wieder dem Buch zu, das ich letzte Woche angefangen hatte. Draußen vor dem Fenster verschwand die Sonne hinter den Hügeln und tauchte unser Zimmer in goldenes Licht. Ich liebte diese Momente.
„Du hast ja schon gepackt." bemerkte Paula mit einem spöttischen Blick.
„Ja, und?"
„So wie ich dich kenne, bist du eine totale Aufschieberin!"
„Da kennst du mich aber schlecht."
„Ich kenn dich besser als andere Leute." versicherte Paula. Ich grinste und Paula rutschte an mich heran. Sie war wirklich die beste Freundin die man nur haben konnte.
„Lass uns pennen. Ich bin komplett kaputt und morgen ist ja Wochenende..." seufzte ich.
„Meinetwegen..." meckerte Paula. Sie kuschelte sich an mich und zog die Bettdecke über uns. Ich beobachtete die letzten Sonnenstrahlen, die hinter meinen Vorhängen hindurchblitzten, bevor auch ich einschlief.
ŞİMDİ OKUDUĞUN
Just Survive (or die)
KorkuJuly ist 15, und sie hasst ihren Deutschlehrer, Klassenausflüge und Mathe mehr als alles andere. Doch es kommt, wie es kommen muss: Julys Klasse geht campen in einen Wald. Und noch dazu liegt dieser über 100km von Daheim entfernt. Kann es noch schli...
