Kapitel 1

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24 Augenpaare starrten sie an. Sie entpuppte sich als die neue Klassenlehrerin der 7b. "Guten Morgen", sagte sie freundlich. Ihre Stimme klang wie viele Silberglocken. "Ich bin Frau Selea". "Guten Morgen Frau Selea", murmelte die Klasse. Zwei Mädchen in der ersten Reihe, Carlotta und Luna, freuten sich stumm über die, anscheinend nette, neue Lehrerin. Sie waren beste Freundinnen und hatten sich zusammen viele Blicktricks ausgedacht, wie sie es nannten. 'Die ist echt nett' las Carlotta aus Lunas Blick. Schnell blinzelte sie ein 'Ja' zurück. Nun kam Frau Selea an ihrem Platz vorbei und teilte ein Kennlern-Arbeitsblatt aus. "Bitte sehr", sagte sie und lächelte warm. "Dankeschön", antworteten Carlotta und Luna ebenso freundlich. Sie mussten ihr Aussehen ankreuzen. Luna mit ihren weißblonden, glatten Haaren, großen blauen Augen, einer kleinen Stupsnase und der schlanken, etwas kleinen, Figur, kreuzte alles zutreffende an. Carlotta hatte, ganz anders als ihre Freundin, weiche, rötlich braune Locken, ungewöhnlich intensive, türkisfarbene Augen und ebenfalls eine schlanke Figur. Sie kreuzte mit Begeisterung ihre Hobbys und Lieblingsfächer an. Wenn Carlotta, die Luna eigentlich nur Lotta oder Lotti nannte, lachte, tanzten die Sommersprossen in ihrem Gesicht um die Wette. Joe fand die Lieblingssport-Kategorie am besten. Ihn fanden die meisten Mädchen aus der Klasse süß. Er hatte dunkelbraune Haare, die ihm über das linke Auge fielen. Außerdem hatte er leuchtend grüne Augen und ein paar Sommersprossen. Rick war sein bester Freund. "Hat jemand Kreide für mich?", fragte Frau Selea bittend. "Klar", murmelte Ella und wühlte in ihrer grauen Schultasche mit den weißen Sternchen. "Danke sehr, Ella", sagte Frau Selea erfreut als sie ihr die Kreide hinhielt. 'Woher kannte Frau Selea Ellas Namen?' Doch die Frage wurde vergessen als Frau Selea Rick aufrief und ihn seinen Bogen vorstellen ließ.

Auf dem Weg nach Hause dachte Carlotta darüber nach, wie perfekt alles für sie lief. Das neue Schuljahr hatte gut gestartet, sie freute sich endlich in der 7. Klasse zu sein, saß neben Luna, hatte einen super Stundenplan und nur einmal bis zur 8. Stunde. Frau Selea war nett und... 'Stopp' zwang sie ihren Gedankenschwall. 'Frau Selea....dieser Name' Carlotta runzelte die Stirn. 'Dieser Name ist so geheimnisvoll...' Das war Frau Selea übrigens auch. Mit ihrer ungewöhnlich hell schimmernden Haut, den dunkelbraunen Augen, die wie flüssiges Gold schimmerten, den schulterlangen schwarzen Haaren und dem smaragdgrünen Kleid, was sie heute getragen hatte, zog sie viele Blicke auf sich. Lotta schüttelte den Kopf. 'Alles normal' ermahnte sie sich. Gedankenverloren stoppte sie vor einem goldenen Tor in der Wintersteinallee. Eine silberne 16 prankte auf dem Tor. Zielstrebig drückte sie auf den Klingelknopf. Es summte und Lotta stieß das Tor zur Seite. Sie stolperte die Steintreppe, die von Buchsbäumen gesäumt wurde, hinunter. Vor der Haustür stand Lottas Mutter. Elina Waldenfels rief:" Hallo Lotti! Komm rein, das Hähnchen ist gleich fertig." "Hi Mama", erwiderte Lotta. In der Eingangshalle, mit dem schwarzen Fliesen, einem Schuhschrank, einer Kommode mit einem großen Spiegel darüber, kickte Lotta ihre Schuhe in einer Ecke, hängte ihre Jacke auf und legte ihren Haustürschlüssel, den sie vorsichtshalber eingesteckt hatte, in die Schale auf der Kommode. Gegenüber standen zwei cremefarbene Ledersessel, auf die sie ihre hellblaue Schultasche mit grauen Punkten stellte. Sie lief gradeaus durchs Wohnzimmer und durchs Esszimmer in die Küche. Ihre kleinen Geschwister zappelten schon ungeduldig auf ihren roten Stühlen. Chiara und Victoria, die von allen Kiki und Vicki genannt wurden, hatten große graue Augen und anders als Lotta mit ihren rotbraunen Locken, glänzend rote Wellen. Sie waren eineiige Zwillinge. Kiki und Vicki trugen die gleichen dunkelblauen Sommerkleidchen. Im Charakter unterschieden sie sich ebenfalls nicht: beide waren freundlich und konnten Geheimnisse gut für sich behalten. Manchmal übten sie auch Streiche aus, meinten es aber nie böse. Chiaras Hobbys waren tanzen, reiten, zeichnen und Cello spielen. Victoria spielte am liebsten Cello, las gerne, ging Tennis spielen und beide trafen sich natürlich gerne mit Freunden. "Hi Kikivicki", sagte Lotta freundlich. Sie ließ sich auf ihren Stuhl plumpsen. "Hi Lotti", riefen die Zwillinge wie aus einem Mund. Auch bei ihren Sopranstimmen waren sie nicht zu unterscheiden. Wie ihre Eltern ihre Geschwister auseinanderhalten konnten war ihr ein Rätsel. Ihr Geheimnis war, dass sie die beiden nur an ihren Hausschuhen unterschied. Kiki hatte türkisgrüne und Vicki blaue. Da stellte ihre schlanke Mutter mit den Lachfalten und braunen Haaren, die in der Sonne einen rotstich bekamen, eine Schüssel Kartoffeln, Hähnchen und Kaisergemüse auf den Tisch. Jeder tat sich auf. "Guten Appetit", tönte es. "Car", sagte Vicki und Kiki fügte schnell hinzu:"Lotta". Es klang wie eins. "Hm?" Vicki begann wieder:"Leihst du uns.." "..deinen Atlas?", und so endete Kiki wieder. So redeten die Zwillinge ständig. Carlotta nickte. "Danke" "Lotti", riefen sie. Lotta kicherte.
Nachdem sie fertig mit dem Essen waren, ging sie auf ihr Zimmer. Nach einer halben Stunde rief ihre Mutter sie nach unten. "Lotti-Schatz", trällerte sie gut gelaunt. Brummeln kam Lotta nach unten gepoltert. "Telefon. Es ist Luna." Als sie sah das Lotta schlechte Laune hatte, hielt sie ihr demonstrativ einen Brief unter die Nase. "Von der Schule. Und das am ersten Schultag! Was hast du denn ausgefressen?", maulte sie los. Wenn sie schlechte Laune hatte, hatte sie keine Lust zu diskutieren und gab immer klein bei. "Da wird die neue Klassenlehrerin vorgestellt. Mit E-Mail-Adresse und so", zischte Lotta. Entnervt schnappte sie sich ihr Telefon mit dem zartlila  Häschenohren. "Hallo", quietschte Luna. Die Stimme ihrer allerbesten Freundin versetzte sie in ihre gute Laune. Anders als die temperamentvolle Lotti, war Luna ruhig und entschlossen und neigte nicht zu Temperamentsausbrüchen, was für Lotta nur ein Segen war, weil sie mit ihren eigenen schon genug gestraft war. So holte Luna Lotta auch diesmal auf den Teppich. "Hi Hallo", quietschte Lotta zurück. Und der übliche Kassentratsch ging los. Bis Lunas Mutter sagte sie müsse auflegen und ihr Zimmer aufräumen. "Du, Lotti?", fragte Luna am Schluss nachdenklich. "Ja?" "Weißt du was mir Sorgen macht? Woher kennt Frau Selea unsere Namen? Die von uns allen?" Ein Gedanke durchzuckte Lotta. 'Geheimnisvoll und gefährlich'.

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⏰ Última actualización: Sep 28, 2019 ⏰

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