Schweißgebadet und mit rasendem Herzen erwachte ich aus meinem verrückten Albtraum voller fliegenden Steinen, Olivenbäumen und einem hübschen Jungen, der mit einem leuchtenden Schwert auf irgendetwas einstach genau dann, als ich von einem Olivenbaum verschluckt wurde. Leicht benommen schaute ich aus dem Fenster, wo ich zu meinem Unglück auch noch unsere alten Olivenbäume erblickte. Ganz ruhig, sagte ich zu mir selbst. Das ist alles nur Einbildung. Oder? Exakt denselben Traum hatte ich nun schon seit Wochen und jede Nacht erwachte ich mit klopfendem Herzen an der Stelle, an der ich von einem Olivenbaum verschluckt wurde. Konnte das ein Zufall sein? Und da meldete sich auch die Stimme wieder, die sich in meinem Kopf eingenistet hatte:"Das ist kein Zufall, Emmy, du gehörst nicht hierher.... Komm zurück!" Die Stimme faselte fast jede freie Minute irgendetwas. Ich solle zurückkehren, diese Dimension bekomme mir nicht, das sei nicht real und dass das alles nur ein Traum wäre. Schön langsam wurde ich verrückt dadurch. Ich beschloss, einfach wieder weiterzuschlafen, mit der Hoffnung, dass die Stimme und die Träume bis morgen wieder verschwanden. Seufzend kuschelte ich mich wieder in mein Bett und war auf der Stelle eingeschlafen. Vermutlich machten mich die ganzen Albträume so müde.
"Aufstehen, Schwesterherz!", weckte mich die Stimme meines Bruders. "Hast du gut geschlafen?", fragte er, als ich mich aufsetzte. "Ja, natürlich", log ich, obwohl es nur halb gelogen war, denn tatsächlich hatte ich, nachdem ich wieder eingeschlafen war, keine Albträume mehr gehabt. "Du siehst aber noch sehr müde aus", meinte mein Bruder, doch ich erwiderte darauf nur, dass ich zu spät ins Bett gegangen sei. Ich hatte meiner Familie noch nichts von der Stimme und den Albträumen erzählt, weil ich befürchtete, dass sie mich als verrückt abstempeln und in eine Psychiatrie stecken würden. Nicht einmal meiner Zwillingsschwester Rosa, vor der ich normalerweise keine Geheimnisse hatte, hatte ich etwas erzählt, deshalb hatte ich auch ein schlechtes Gewissen. Nachdem mein Bruder den Raum verlassen hatte, kraxelte ich schnell aus meinem Bett und ging zum Spiegel, um zu überprüfen ob ich wirklich so schlimm aussah, wie er sagte. Geschockt starrte ich in den Spiegel: Ich hatte extreme Augenringe und meine Haut war noch blasser als sonst. Außerdem spürte ich, dass ich leichte Kopfschmerzen hatte. Ich seufzte resigniert und stapfte hinunter in die Küche, wo die anderen schon mit dem Frühstück auf mich warteten.
"Sie wird nicht zurückkehren. Zumindest nicht, wenn wir nicht einen anderen Weg finden, denn allein durch ihre Träume lässt sie sich nicht beirren und wird von selbst nicht zurückkommen. Ihr werdet euch mehr oder weniger damit abfinden müssen",meinte Hazazel und runzelte dabei seine ohnehin schon alte, faltige Stirn. "Doch es muss doch irgendeinen Weg geben sie zurückzuholen! Wenn du es mir es nicht sagst, dann recherchiere ich eben auf eigene Faust!", erwiderte Leila trotzig und verschränkte die Arme vor der Brust. Nathan hingegen blickte einfach nur stur geradeaus, sein Blick war undurchschaubar. Doch Leila kannte ihn gut genug, dass er seine Gefühle zu verbergen versuchte, was ihm auch ziemlich gut gelang. Er starrte jedoch in der nächsten Sekunde auch schon wieder in die Ferne und war offensichtlich in Gedanken versunken. Hazazel riss Leila aus ihren Gedanken, an was Nathan wohl gerade dachte, mit den Worten:"Eine Möglichkeit, Emmy zurückzuholen, gibt es noch, doch die wäre erstens viel zu gefährlich und riskant und zweitens weiß ich auch fast nichts darüber, nicht einmal ob es wirklich funktioniert." Mit einem traurigen Seufzer ließ sich Leila in ihren Sessel fallen und hatte Mühe, die aufsteigenden Tränen zurückzuhalten. Doch Nathan starrte nach wie vor scheinbar unberührt von der ganzen Situation aus dem Fenster und.... lächelte?! Das war ja mal wieder typisch für einen Nathan, der etwas im Schilde führte...
Nathan dachte an die Worte von Leila, mit denen sie Emmy beschrieben hatte:"Emmy ist eines der stärksten, mutigsten und tapfersten Mädchen, die ich kenne. Sie hat so ein großes Herz und für jeden Typ, mit dem sie irgendwie mal zusammenkommt, ist sie viel zu gut." "Und echt sexy", ergänzte er in Gedanken. Er kannte Emmy zwar nicht, aber er sah sie, also zumindest ihren leeren Körper, fast die ganze Zeit und hielt Wache an ihrem provisorischen Krankenbett und irgendwie gab ihm das Gefühl, sie zu kennen. Jeden Tag aufs Neue hoffte er inständig, sie würde doch endlich zurückkehren. Und jede Nacht aufs Neue hätte er Visionen und Albträume von oder mit ihr, die ihm wahrscheinlich von sehr mächtigen Himmelswärtern geschickt wurden. Diese Mission war für ihn und sie schon lange vorherbestimmt und durch die ganzen Träume glaubte er, sie zu kennen. Er hörte Leila und Hazazel schon lange nicht mehr zu, denn er hatte bereits seit Wochen einen Plan, wie er sie zurückzuholen konnte, auf eigene Faust. Dazu brauchte er Hazazel nicht und wenn niemand, den er ins Herz geschlossen hatte von seinem Plan erfuhr, war auch niemand außer ihm in Gefahr. Er musste Stillschweigen bewahren....
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Homestone
FantasyDie 16-jährige Emmy führt eigentlich ein ganz normales Leben mit ihrer Familie in einer alten Villa mit Olivenbäumen. Doch das sollte nicht so bleiben..... Beziehungsweise war es niemals so. Keine regelmäßigen Updates, bemühe mich aber, so oft wie...
