Kapitel 1

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Irgendwo mitten in Texas lag ein Mädchen auf dem rauen Gras der Prärie. Die Augen geschlossen und den Geräuschen der wilden Natur lauschend. Neben ihr ein braungestromter Hund, der auf einem Stück Holz kaute. Nur ein leichter Wind wehte und von weitem hörte man das gelegentliche Schnaufen eines Büffels oder eines wilden Pferdes, ansonsten war alles totenstill. Auf einmal zerriss ein Schrei die Stille: „Leonida!" Sofort schoss der Kopf des Mädchens, Leonida, in die Höhe. Auch der Hund stand jetzt mit gespitzten Ohren neben ihr. „KitKat? Was hast du diese mal angestellt?" Leonida wusste genau wer und warum gerufen hatte und schaute ihrem Hund in die Augen. Schuldbewusst senkte KitKat den Blick. „Na los, hilf mir beim Aufräumen, sonst wird Grams noch wütender, wenn du immer nur daneben liegst." Seite an Seite liefen sie im Laufschritt zu einer Siedlung aus Blockhütten.

Direkt vor der ersten Hütte stand eine alte Frau mit einem grimmigen Gesichtsausdruck. „Hallo Grams!" begrüßte Leonida sie schon vom Weiten. Doch der Gesichtsausdruck ihrer Großmutter verfinsterte sich nur noch mehr. „Was hat KitKat denn diesmal angestellt? Hat er wieder deinen Mokassin versteckt?" versuchte Leonida die alte Dame zu beruhigen. „Schau doch mal in der Hütte nach, was dein toller Hund angestellt hat." forderte diese ihre Enkelin mit scharfem Ton auf. Leonida ging, geschockt von dem scharfen Ton ihrer Großmutter, zum Eingang der Hütte und schob das Fell zur Seite. Der Anblick, der sich ihr dort bot, ließ ihr den Atem stocken. Die Tonschalen, in denen Grams ihre Kräuter anmachte, lagen in Scherben auf dem Boden, die Lederbeutel, in denen wichtige Flüssigkeiten und auch seltene Wurzeln verstaut waren, von denen waren nur noch kleine Fetzen übrig. Jetzt konnte Leonida die Wut ihrer Großmutter nachvollziehen. Diesmal war ihr Hund zu weit gegangen. Ein versteckter Mokassin oder mal ein angepinkeltes Lederstück, waren noch akzeptabel gewesen, aber das...? Von draußen konnte Leonida die scharfe Stimme ihrer Großmutter wahrnehmen: „Ich warne dich, Hund, nie wieder wirst du eine deiner Pfoten in diese Hütte setzen, nicht solange ich lebe! Haben wir uns verstanden? Und schlafen wirst du dort drinnen auch nicht mehr!" Bei diesen Worten horchte Leonida auf. Sie steckte ihren Kopf hinter dem Leder hervor und frage: „Aber Grams, wo soll KitKat denn sonst schlafen?" Doch als Antwort kam nur ein schroffes. „Das ist mir egal, Leonida. Er wird es überleben nicht in der Hütte schlafen zu können." Definitiv nicht die Antwort, die sie hören wollte. „Und jetzt geh da rein und räume das Chaos auf, das dieser Hund angerichtet hat." Auch ein so ein Satz, den sie nicht hören wollte.

Währenddessen hatte sich KitKat draußen vor die Hütte gelegt. Er rührte sich nicht vom Fleck, denn bei den Prescotts galt: Wenn Grams etwas sagte, dann war das Gesetz! Und für ihn galt jetzt bloß keine Pfote in die Hütte setzen. Aber wann würde Leonida denn endlich da rauskommen? Mittlerweile war schon mindestens eine Stunde vergangen und von drinnen konnte man nur das Umherschieben von Stühlen, das Rumpeln von wieder umkippenden Schalen und hin und wieder ein Fluch von Leonida hören. KitKat stieß ein Stöhnen aus und ließ sich niedersinken. Wie gerne würde er jetzt mit Leonida durch die Prärie rennen, mit Stöcken spielen oder einfach nur daliegen und Wolkenbilder anschauen.

Allmählich fing es an zu dämmern und die untergehende Sonne tauchte die kleinen Blockhütten in feuerrotes Licht, man könnte fast meinen sie würden brennen. Endlich wurde das alte Fell, das als Tür diente, zurückgeschlagen und Leonidas Gestalt erschien vor KitKat. Freudig sprang dieser auf, vielleicht konnten sie ja noch einen kurzen Ausflug machen. „Weißt du, KitKat, vielleicht hat Grams ja Recht..." Augenblicklich setzte der junge Hund sich vor sein Mädchen und musterte es mit einem schiefen Blick. „Naja, ein wenig Erziehung könnte dir nicht schaden. Wir könnten jeden Tag doch ein paar Übungsstunden einlegen, denn so kann es auf keinen Fall weitergehen, mein Freund. Wenn du wieder in der Hütte schlafen willst, dann musst du möglichst schnell lernen, dich zu benehmen. Was hältst du davon?" Mit einem leichtem Schwanzwedeln stimmte KitKat ihr zu. „Es ist spät mein Junge, wir sollten schlafen gehen. Ich werde die ein Fell bringen, dann kannst du dich darauflegen."

Leonida - ein Mädchen aus dem Wilden WestenStories to obsess over. Discover now