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Ich konnte es kaum glauben, als Josh mir an meinem Geburtstag gebeichtet hat, mich 17 Mal betrogen zu haben. 17 Mal. In zwei Jahren. Wie zur Hölle sollen das "Ausrutscher" gewesen sein?! Das waren 12 verschiedene Mädels. Er hatte gedacht, an meinem Geburtstag würde ich ihn damit davon kommen lassen aber ich habe es unserem ganzen Freundeskreis erzählt und vor den Augen aller mit ihm Schluss gemacht. Das hatte sich gut angefühlt! Das hatte er verdient! Was für ein notgeiler Idiot! Jetzt, einen Monat später, fühle ich mich zwar ein klein wenig einsam, genieße aber die Genugtuung, dass Josh noch immer um mich trauert. Alle Paar Tage versucht er mich anzurufen und schickt mir SMS, weil ich ihn im Messenger blockiert habe. Aber wen juckt es? Mich allenfalls nicht. Das Studium läuft, mit den Freunden und der Familie ist alles gut und ich schaffe es endlich, regelmäßig Sport zu machen. Es könnte also kaum besser sein. Gerade sitze ich vor meinem weißen Schminktisch in meinem Schlafzimmer und trage etwas Lidschatten auf. Heute gehe ich mit meinen Freundinnen aus. Mal den ganzen Stress fort tanzen und endlich mal wieder flirten üben. Beim flirten fühle ich mich immer komplett bescheuert, deshalb muss ich üben, nicht dabei los zu lachen. Aber das wird schon, da bin ich zuversichtlich. Meine langen dunkelbraunen Haare habe ich in einen hohen Pferdeschwanz gebunden, damit mir nicht zu warm wird. Außerdem sagt mir meine Mutter immer, dass mir Zöpfe stünden. Die braunen Augen werden von sanftem Glitzer, Mascara und Eyeliner umrandet, die vollen Lippen leuchten rot. Dann suche ich mir noch zur schwarzen Hose ein rotes Oberteil mit Rückenausschnitt und Schnürung darüber. Ich bin bereit. Zwinkernd ziehe ich vor dem Spiegel Grimassen, schnappe aber bald meine schwarze Tasche, in der sich schon das Nötigste befindet und verlasse, nachdem ich die schwarzen Vans angezogen habe, die Wohnung. Ich wohne sehr günstig in einer relativ kleinen Wohnung recht zentral in der Stadt. Eine Bekannte meiner Mutter vermietet sie mir, mit Freundinnen-Rabatt, sodass ich problemlos über die Runden komme.

Als ich die Kirche am großen Einkaufszentrum erreiche, ist noch niemand sonst dort. Nach einem Blick auf die Uhr weiß ich, dass ich zehn Minuten zu früh dran bin. Na dann, kein Wunder, die kommen eh alle zu spät, denke ich grinsend. Ich setze mich auf eine nahe gelegene Bank und genieße die langsam verblassenden Sonnenstrahlen. Hoffentlich hat Nicola an den Secco und Clara an die Kurzen gedacht. Ein leichter Wind weht, legt mir einige Haare an meine Wange. Sehr schön. So gut habe ich mich tatsächlich schon länger nicht gefühlt. Ein pieks in meine Wange. "Halli hallo!". Es sind Clara, Nicola und Daniela. Dann kann es ja los gehen! Nachdem wir Burger gegessen haben, wird erstmal der Alkohol verteilt. Eigentlich trinke ich nur sehr selten und wenig, die anderen wollen mich allem Anschein nach aber ordentlich abfüllen. Ich muss vier Jägermeister exen und zwei Becher Secco trinken. Ist zwar wenigstens lecker aber so langsam dreht sich alles. Irgendwie lustig. Ich kichere und die anderen fangen an zu lachen, hängen sich bei mir ein und führen mich zum ersten Lokal. Eigentlich eine Bar/Restaurant aber am Wochenende wird der Keller zur Tanzfläche. Heute ist 80er und 90er Abend. Es ist gerade dunkel geworden und der Laden füllt sich. Grinsend, zeige ich meinen Studentenausweis, zahle den Eintritt, hüpfe die Treppe zum Keller hinunter. Und dann, endlich, werde ich in laute Musik eingehüllt. Wie als Begrüßung beginnt "Enjoy the Silence" zu spielen. Mein all time favorite! Ich gröle, schließe fest die Augen, genieße die Leidenschaft. Als ich die Augen wieder öffne sind die anderen plõtzlich weg. Naja, was solls. Ich kichere. Dann Lippen meinem Ohr. "All you ever wanted, all you ever needed is here, in my arms.", sagt die Person. Ich drehe mich um, stehe einem großen, brünetten Typen gegenüber, der mir lächelnd zu zwinkert. Ich zwinkere kichernd zurück. Gott, wie dämlich. Ich schließe erneut die Augen, versuche mich der Musik hin zu geben, den Typen irgendwie links liegen zu lassen, weil mir die Musik gerade wichtiger ist. Dann spüre ich große Hände an meinen Hüften, er steht nah hinter mir, reibt sich an mir im Rhythmus zum Lied. Die Nähe ist eigentlich ganz schön. Ich lehne mich an ihn, lege meine Hände auf seine und passe mich seinem Rhythmus an. Mein Kopf liegt schief, deswegen wundert es mich kaum, dass seine Lippen den Weg zu meinem Hals finden, ihn küssen, daran knabbern. Mir wird warm. Ich seufze, noch immer mit geschlossenen Augen. Sein Mund lässt von mir ab, ich will das aber nicht, also öffne ich die Augen, drehe mich schwungvoll um und ziehe ihn zu mir herunter. Ich küsse ihn zaghaft, weil ich gerade gemerkt habe, was ich da überhaupt tue. Er ist erst total überrascht, zieht mich dann aber mit einer Hand näher an ihn, die andere wandert zu meinem Po. Okay, das geht mir jetzt doch etwas zu schnell. Mitten im Kuss schiebe ich seine Hand von meinem Hintern und lasse gleichzeitig meine Zunge über seine Lippen gleiten um ihn abzulenken. Er schmeckt nach süßlichem Alkohol. Ich recke mich zu ihm, äußere, dass ich zur Toilette muss und verschwinde. Natürlich verlasse ich in Wirklichkeit die Lokalität und ziehe weiter, zu einem anderen kleinen Club mit hauptsächlich Rockmusik. "Der Abend hat aber schonmal gut angefangen, mal sehen was noch folgen wird", denke ich grinsend, als ich meine Jacke an der Garderobe abgebe.

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⏰ Last updated: May 29, 2019 ⏰

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