Prolog

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Wir haben keine Kontrolle

über die Lektionen

diewir lernen müssen.





4.September

Liebes Tagebuch,

heute wird etwas Schreckliches passieren.
Warum ich diesen Satz geschrieben habe? Es ist absurd, denn es gibt keinen Grund für mich, mir Sorgen zu machen. Eher tausend Gründe mich zu freuen, aber...
Ich schaue auf den Wecker. Halb sechs morgens. Ich liege im Bett, bin hellwach und fürchte mich. Immer wieder rede ich mir ein, dass ich nur total durcheinander bin wegen den Zeitunterschieds zwischen Frankreich und hier. Aber das erklärt noch lange nicht warum ich solche Angst habe. Und mich so entsetzlich verloren fühle. Fühlte meine Schwerster sich auch so?
Vorgestern, als ich mit Tante Jena und meiner Schwester vom Flughafen kam, hatte ich schon diese merkwürdige Vorahnung. Wir bogen in unsere Straße ein und ich dachte:
Mom und Dad warten zu Hause auf uns. Ich wette, sie stehen schon ungeduldig auf der Veranda oder hinter dem Wohnzimmerfenster. Sie haben mich sicher schrecklich vermisst.
Ich weiß. Das hört sich vollkommen verrückt an. Sie konnten ja nicht mehr auf uns warten.
Doch selbst als ich zu Hause war und die leere Veranda sah, ließ mich dieses Gefühl immer noch nicht los. Ich rannte die Stufen hoch und klopfte an die verschlossene Tür, auch wenn ich wusste, dass sie niemand öffnen würde.
Als Tante Jena aufschloss, stürmte ich hinein und blieb mitten im Flur stehen. Ich lauschte und erwartete jeden Moment, das Mom die Treppe herunterkommen oder Dad aus dem Wohnzimmer nach uns rufen würde.
Genau in diesem Moment ließ Tante Jena mit einem lauten Knall einen meiner Koffer hinter mir fallen, seufzte und sagte: „Gott sein Dank. Wir sind wieder zu Hause."
Elena schmunzelte. Und ich? Ich fühlte mich so verlassen und allein wie noch nie in meinem Leben.
Zu Hause. Nach zwei Monaten, die ich nach dem Tot meiner Eltern in Frankreich verbrachte, war ich wieder zu Hause. Aber warum klang das wie eine Lüge?
Ich wurde hier in Mystic Falls geboren und habe immer in diesem Hausgelebt. Da ist mein altes Zimmer mit dem Brandfleck auf den Dielenbrettern, der entstanden war als Caroline und ich unsere erste Zigarette geraucht hatten und dabei fast erstickt wären. Ich kann aus dem Fenster sehen und den großen Baum sehen, den Matt und paar seiner Freunde hochgeklettert sind, um in die Pyjamaparty an meinem Geburtstag vor zwei Jahren zu platzen, die ich nur für die Mädchen hab steigen lassen. Das ist mein Bett, mein Stuhl, mein Schrank.
Alles kommt mir jetzt so fremd vor, als ob ich nicht hierher gehöre würde. Und das schlimmste ist, ich fühle eine schreckliche Sehnsucht.
Irgendwo anders ist mein Platz, aber ich kann diesen Ort nicht finden. 

Grace Gilbert





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