Kapitel 1

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„Hast du alles?", besorgt lief ihre Mutter hin und her, während Anastasia gelangweilt auf ihr Handy blickte.
„Rosa hat gesagt sie würde mich jede Ferien besuchen kommen, wenigstens eine Person die mich gerne öfter sehen würde."

Ihre Mutter richtete sich mit einer genervten Miene auf: „ich dachte wir hätten das bereits geklärt. Wir schicken dich nicht nach Sotus weil wir dich loswerden wollen, sondern weil wir dir hiermit Türen öffnen wollen."

Anastasia stand augenrollend auf und stapfte hoch in die dritte Etage, auf welcher ihr Zimmer liegt und rief „Es reicht mir vollkommen wenn nur diese Tür sich öffnet" und schlug diese ebengenannte Tür mit Schwung zu. Sie hörte nur noch wie ihr Vater wutentbrannt ihr respektloses Verhalten kommentierte, ehe sie sich ihre Kopfhörer einsteckte und die Musik voll aufdrehte.

Sotus, die Eliteschule im Norden des Landes, Schule für drogenabhängige, arrogante Kinder der reichen Menschen, die nicht wissen, was sie mit ihren Gören und Bälgern anfangen sollten. Als würden ihr nicht schon die jährlichen Neujahresfeiern mit den schnöseligen Freunden ihrer Eltern reichen.

Die Zeit verging während sie ihre Playlist durchscrollte, abwechselnd Balladen und Rocksongs anklickte und jede paar Minuten zwischen Instagram und Snapchat hin und her wechselte.

Diese für sie so kostbaren letzten Stunden, vor der Fahrt in das ihrer Meinung nach mit einem Gefängnis gleich zustellende Internat, nutze sie also ihrem Ermessen nach völlig zufrieden stellend.

Doch ihre Ruhe wurde abrupt unterbrochen als die Tür genauso schwungvoll wie sie von Anastasia zugemacht wurde, aufgestoßen wurde und im Türrahmen zwei ihr nur zu gut bekannte Mädchen auftauchten. „Anaaaaaaas!" Rosa und Celine hingen schneller um Anastasias Hals als das arme Mädchen überhaupt realisieren konnte, wieso ihre besten Freunde um 9 Uhr morgens, einer eher untypischen Uhrzeit für die beiden, ihr Zimmer stürmten. Doch die Überraschung in ihrem Gesicht wurde schnell durch Freude ersetzt und sie fing an zu kichern „Ihr hier? Habt ihr nichts besseres zu tun? Wolltet ihr nicht in die Stadt?" Sie setzte sich auf und sah ihre beiden Freundinnen fragend an, diese lächelten ihr wie Honigkuchenpferde entgegen. „Wer? Wir? Wir könnten doch niemals einfach gehen ohne uns von unserem Kobold zu verabschieden!" Rosa zwinkerte ihr lachend zu und Celine fügte grinsend „Wir wollten dich überraschen" hinzu „außerdem..." Celine's Augen begannen zu funkeln und die anderen beiden richteten sich gespannt auf. „Tada!" Celine holte einen großen Eimer voller Joghurt aus ihrer Tasche „ab heute darf ich wieder wirklich alles essen!" Sie zeigte auf ihren Eimer und die drei Löffel in ihrer anderen Hand „sogar Joghurt!" Anastasia und Rosa sahen sich gegenseitig amüsiert an ehe sie nach jeweils einem Löffel griffen und genüßlich anfingen vom Joghurt zu kosten. „Diese zwei Monate hast du aber gut überstanden" Rosa sah Celine stolz an, diese nickte nur und strahlte über beide Ohren „auch die Wochen danach in denen ich ja nach und nach erst wieder anfangen durfte bestimmte Lebensmittel zu essen waren nicht gerade der Hammer, aber" Sie hielt einen Löffel Joghurt hoch und es sah so aus als würde sie ihn anbeten „ich bin so froh wieder alles normal essen zu können. Ich lass mich von Morbus Crohn nicht unterkriegen" Die zwei anderen Mädchen fingen an zu klatschen und nickten verständnisvoll „Diese ganze Prozedur mit dem nichts essen und nur dieses Nahrungsergänzungsmittel trinken, dass hast du wirklich gut gemacht. Respekt an dich"

Der Joghurt war schon leer und Rosa redete schon wieder über eine ihrer neuen Flammen, als es an der Tür klopfte und Anastasias kleiner Bruder seinen Kopf durch den Türspalt quetschte, „Mama sagt du sollst kommen, wir fahren jetzt los". Die drei nickten traurig und ehe sie standen fiel Rosa Anastasia auch schon als erstes in die Arme „Wir können dich nicht zum Bahnhof begleiten, deswegen müssen wir uns jetzt schon verabschieden"

Celine hatte Tränen in den Augen als sie Anastasia ebenfalls eine Umarmung schenkte „du musst uns mindestens einmal am Tag ein Bild von dir schicken dass auch alles ok ist und uns alles detailgetreu schildern, was wenn du von den kleinen Teufelchen dort gegessen wirst" Anastasia nickte nur, unfähig etwas zu sagen, aus Angst an ihren Tränen zu ersticken. Am Auto umarmten sich die drei ein allerletztes Mal ehe, das Auto der Familie aus dem Blickfeld der Mädchen, auf den Weg zum Bahnhof verschwand, mit dem Ziel den Zug in den Norden noch rechtzeitig zu erwischen.

CaralWhere stories live. Discover now