Prolog

1 0 0
                                        

Der Wind war eisig und zog durch die Ritzen des morschen Holzes eines leerstehenden Dachbodens. Ein frostiges Zischen, das den Raum erfüllt, weckte das zierliche Mädchen, welches in ihren vermoderten Decken auf den Dielen lag.

Der kalte Windhauch drang zu ihr durch, doch dies machte ihr nichts aus. Dazu war die Kälte bereits ein Teil von ihr geworden, dass selbst ihr Herz nicht verschont geblieben war. Die Kälte hatte sich so weit in ihr festgesetzt, dass sich durch ihre blonden Haare vereinzelt silberne Strähnen zogen und das ihre Augen mit gräulichen Flecken versehen waren, welche vorher in tiefem Blau erstrahlt sind.

Ihr müder Blick schweifte zu dem einzigen Fenster, welches in einem runden Holzrahmen in die Wand eingelassen war. Am Horizont zeichnete sich schon ein heller Streifen ab, der kundgab, dass die Sonne bald über die Dächer, der Stadt klettern würde. Ihre steifen Glieder streckend, erhob sie sich vom Boden und trat an das Fenster.

Zu der Kälte kam der Schnee dazu, der in zarten Flocken sich auf den Dächern und Straßen niederließ.

Vom Anblick des fallenden Schnees losreißend, drehte sie sich zu ihren Habseligkeiten um, um diese in ihrem Beutel zu verstauchen. Ihr Besitz war geringfügig, zu dem Decken, eine Glasflasche und einige Kleidungsstücke gehörte.

Sie wand sich nochmal um, um einen kurzen Seitenblick aus dem Fenster zu werfen.

Der Morgen graute. Bald würde die Sonne aufgehen und sie wollte, bevor die ersten Menschen die verschneiten Straßen betraten, diesen Ort verlassen und weiterziehen.

Der Geruch von verkohltem Holz stieg ihr in die Nase und sie drehte sich abrupt um. Vor ihr stieg schwarzer Rauch durch die brüchigen Dielen empor und ihre Sicht vernebelt sich. Unter ihren Füßen loderte ein Feuer und somit war ihr der Weg nach draußen verwehrt. Die Flammen fraßen sich durch den Boden auf dem sie stand und der einzige Ausweg lag hinter ihr. Die einzige Fluchtmöglichkeit, um der unerträglichen Hitze zu entkommen. Ihre Bewegungen waren voller Hektik, als sie verzweifelt versuchte das Fenster zu öffnen. Und obwohl alles an diesem Ort brüchig und instabil wirkte, war dies das Einzige was ihrer Verzweiflung standhielt. In blinder Panik schlug sie mit ihrem Beutel gegen die Scheibe, die in kleine glitzernde Einzelteile zersplitterte.

Die brennende Hitze schlug nach ihr und sie fiel eher als das sie kletterte aus dem Fenster auf das leicht schräge Vordach unter ihr.

Ihre Lungen füllte sich mit eisigem Atem und sie beruhigte sich ein Stück weit, doch der kurze Moment der Gelassenheit verrauchte schnell wieder, als ihr züngelnder Feind nach ihr griff.

Vor Schreck wich sie zurück und langte ins Leere.

Der Augenblick, in dem sie auf der schneebedeckten Straße aufkam, glich sich mit dem Moment, als der Himmel sich über ihr in einem morgendlichen Rot tränkte.

You've reached the end of published parts.

⏰ Last updated: Feb 14, 2019 ⏰

Add this story to your Library to get notified about new parts!

EisessilberStories to obsess over. Discover now