Für heute hatte ich genug vom Leben.
Ich war ausgelaugt und meine Augen mussten vor Müdigkeit ganz rot gewesen sein, jedenfalls brannten sie bei jedem Wimpernschlag.
Es half meinem Wohlbefinden auch nicht gerade weiter, dass die Pfützen auf dem verlassenen Gehweg vor mir unbarmherzig die Lichter der Straßenbeleuchtung reflektierten.
Ich blinzelte unentwegt und der Wind peitschte einzelne Regentropfen in mein Gesicht.
Ich hatte es nicht weit nach Hause. Vom Passenger - der Bar, in der ich am Wochenende jobbte - bis zu mir nach Hause waren es gerade mal drei Blocks. Zu Fuß ein Klacks, ehrlich.
Und trotzdem fühlten sich die wenigen Schritte heute an wie ein Marathonlauf. Der Stress der letzten Tage holte mich gerade erbarmungslos ein.
Meistens tat mir die ruhige Nachtluft gut wenn ich nach einer Schicht nach Hause lief. Sie machte den Kopf klar und wehte die ganzen Bargeräusche weg.
Wie sonst auch waren meine Ohren von einem dumpfen Druck belegt, was den hitzigen Unterhaltungen am Tresen und der zu laut aufgedrehten Musikanlage geschuldet war.
Ich fühlte mich wie ein Häufchen Elend und es war nicht auszuschließen, dass ich morgen meinen Schauspielunterricht mit mörderischen Halsschmerzen überstehen musste.
Klägliche Aussichten.
Mein Handy piepste und ich entschied, es zu ignorieren. Meine Finger waren zu feucht und kalt, - bei meiner Geschicklichkeit würde ich es sicher noch in die nächste Wasserlache am Wegrand fallen lassen. Wer auch immer jetzt etwas von mir wissen wollte, musste sich gedulden bis meine Körperwärme sich wieder auf alle Gliedmaßen verteilte und ich trocken war.
Vor meiner Tür atmete ich dann endlich auf. Alle Lichter im Haus waren aus, was gut war, und ich kramte hektisch nach meinem Schlüssel. Mom war noch nicht von ihrer Veranstaltung wieder zu Hause, was bedeutete, dass ich mir gleich direkt einen Tee kochen und mit Kuschelsocken auf der Couch versinken würde.
Netflix an, Welt aus.
Kein Gespräch mehr heute. Davon hatte ich den ganzen Abend lang genug.
Mein Handy piepste wieder. War mir aber egal.
Ich kramte immer noch nach meinem Schlüssel und meine Couchpläne verflüchtigten sich von Sekunde zu Sekunde mehr, bis ich mir zähneknirschend eingestand, dass er nicht in meiner Tasche war.
Gottverdammt, das konnte jetzt nicht wahr sein.
„Du würdest auch deinen Kopf vergessen, wäre er nicht angewachsen", hallten mir verhöhnend Granny's Worte durch den Kopf. Ich hätte mich im Moment am liebsten selbst geohrfeigt, wären meine Hände noch brauchbar dazu gewesen.
Also gut. Brachte alles nichts.
Mit einem jämmerlich geringem Rest meiner Willensstärke im Gepäck machte ich kehrt.
Zu allem Überfluss legte der Regen einen triefenden Film über meinen Parka und an meinem Kragen liefen kalte Rinnsale meinen Nacken hinab.
Dreckswetter. Ich hasste den November hier in Portland, Oregon.
Viel zu kalt für meinen Geschmack.
Viel zu britisch.
Als mein Handy das dritte mal piepste, war ich einem Tobsuchtsanfall nah. Sicherlich war es nur Paul, mein lieber, fürsorglicher On-Off Freund, der mir eine gute Nacht wünschen wollte. Das machte er jeden Abend und da er wusste, wie lange meine Schicht heute im Passenger ging, war die Chance gering, dass ich daneben lag. Er konnte nichts dafür, dass ich schlechte Laune hatte, weshalb es umso besser war, dass ich mein Handy jetzt nicht herausholen konnte. Paul war immer schon eher der unsichere Typ gewesen. Besser, ich fauchte ihn nicht grundlos an.
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Silver - Wrong Choices (Book 1) - Hier bis zur Veröffentlichung zu lesen.
RomanceLorna besucht privaten Schauspielunterricht und jobbt nebenher in der Bar, die dem Vater ihres Freundes Paul gehört. Ohne Vorwarnung wird sie plötzlich in Streitereien verstrickt, die ihren Chef betreffen und weiß nicht mehr, wem sie trauen kann. I...
