1. Tropical Hell

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„The perspectives of palm and beach and water

drew to a point at infinity;

and always, almost visible, was the heat."

Lord of the Flies

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Das Meer erstreckte sich vor ihr, soweit ihre verengten Augen blicken konnten. Das Grell der Mittagssonne blendete sie. In der Ferne die blaue Tiefe, zu ihren Füßen das sanfte Hellblau, wie die Farbe des wolkenlosen Himmels weit über ihr. Der Wind strich durch die feinen, langen federartigen Glieder der Palmenblätter, welche die sengende Hitze bereits gelb gefärbt hatte.

Kleine Wellen brachen sich an ihren Füßen, umspielten ihre Haut beinahe freundlich. Das Wasser war so warm wie die Luft. Ein Wetter wie aus Seide.

Strähnen umwirbelten wild ihren Kopf, aber sie merkte es kaum.

Nicht nur die Palmenblätter waren der Gewalt der Sonne ausgesetzt. Auch ihre Haare hatten bereits ihre Farbe, ihre Struktur, verändert. Gold waren die Spitzen, hell die Längen. Ihre Haut war tief gebräunt, bereits angepasst an dieses alles andere als gemäßigte Klima.

Obwohl es tropisch heiß war, fror sie innerlich. Obwohl die Geräusche fast beruhigend wirkten – der Wind, die sanfte See – dröhnte es in ihren Ohren. Das Geräusch der Palmenblätter bohrte sich praktisch in ihr Bewusstsein, war wie ein ewiger Begleiter immer da. Das, und die leise Prophezeiung, dass sie diesen Ort nie mehr verlassen würde. Und sie weinte. Heiße Tränen rannen über ihre Wangen, benetzten ihre trockenen Lippen, und der unberührte weiße Sand zu ihren Füßen, legte sich nass und fest um ihre Knöchel, wie um sie zu halten.

Wie hatte es soweit kommen können, fragte sie sich verzweifelt. Dieser Postkartenausblick, der sich ihr bot, war nur eine Fassade. Wie sich die Insel doch verstellen konnte, dachte sie fast enttäuscht. Fast zornig. Denn sie wusste um die vielen Gefahren, die hier lauerten. Zwar mochten sie am Rand nicht so deutlich hervortreten, dort, wo nur der weiße Sand und die Palmen waren, wo das Meer so einladend nach ihr zu rufen schien.

Aber das Meer war gefährlich. Unter der Oberfläche tobten die Strömungen. Und tiefer lauerten die Raubtiere der See, die nicht erwarten konnten, frisches Fleisch zu schmecken. So viel wusste sie, nach ihren Ausflügen, um Fische zu fangen.

Hinter ihr erstreckte sich der tiefe Dschungel, wo die Luft praktisch stand, so reich an Feuchtigkeit, dass die vielen giftigen Pflanzen schneller wuchsen und gediehen, als dass man es mit wachem Auge überhaupt bemerken konnte.

Nichts in diesem Tropenparadies war für Menschen erdacht. Die Bäume wuchsen hoch. Zu hoch, um an die Früchte zu gelangen, zu breit, als dass man sie zum Schutz erklimmen konnte. Der Boden war überwuchert von Pflanzen, die ihre Wurzeln wie Fallstricke ausstreckten, nach allem, was sich bewegte. Und manchmal hörte sie nachts Geräusche, so unmenschlich, so uralt, dass sie voller Furcht wie gelähmt reglos in die Dunkelheit starrte, bis sich die Sonne endlich über dem Wasser erhob und die Geräusche verstummten.

Sie schauderte, denn sie wollte nicht wirklich wissen, was es war.

Und dann bückte sie sich schwerfällig, um die Hände in das seichte, warme Wasser zu halten. Das Salz brannte auf den immer frischen Kratzern und Schnitten ihrer Haut, aber sie merkte es kaum. Und mit den klaren Wellen mischte sich das Rot so leuchtend hell, dass ihr Blick sich kurz verfing.

Schnell hatte das Wasser ihre Hände gesäubert. Auf ihrer rechten Hand erkannte sie noch die Färbung, die das Blut hinterlassen hatte. Und so schnell wie das Blut sich mit dem Meer vermischte, so schnell hatte es die Strömung davongetragen. Das Wasser war wieder klar.

The Kings of ParadiseStories to obsess over. Discover now