Kapitel 1 - Die Verwandlung

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Der Mond...

Ich fand ihn schon immer irgendwie magisch. Ich fühle mich von ihm immer so angezogen. Ich liebe es ihn einfach nur zu betrachten und diese Kraft auf mich wirken zu lassen. 

Was genau ich an dem Mond so magisch finde, kann ich nicht sagen… Er fasziniert mich und ich ertappe mich oft dabei, wie ich mir wünsche, dass ich eine besondere Verbindung zu ihm habe und ich mich durch ihn verändern könnte, zum Beispiel zu einem Vampir, weil ich kurz unterhalb des Halses zwei gleich große Leberflecken habe, die mich immer an einen Vampierbiss erinnern und ich davon träume fliegen zu können... Aber mir war auch immer klar, dass das nur Fantasien waren und sie nie wahr werden würden – wie so viele meiner Wünsche…

Es ist schon spät als ich nochmal ins Badezimmer gehe. Das Licht ist aus, aber trotzdem ist das Zimmer erhellt. Ich staune! Das Licht kommt vom Mond, aber ich habe nie gedacht, dass das Licht des Mondes wirklich so stark ist. Ich lasse die Lampe aus, schließe die Tür, um das Licht aus dem Flur auszusperren und trete ans Fenster – Der Mond ist in seiner vollen Größe am Himmel zu sehen und wie gebannt betrachte ich ihn. Ich will nicht wieder wegsehen und in mein Zimmer zurückgehen, sondern einfach seine Kraft und Magie auf mich wirken lassen. Überall kribbelt es in meinem Körper, aber es ist ein angenehmes Kribbeln. Ich merke, dass ich mir wieder wünsche, dass der Mond mich verändert und frage mich, ob das der Mond gerade wirklich tut und daher dieses Kribbeln kommt. Und in dem Moment finde ich es nicht mal albern, da ich dieses sonderbare Gefühl, dieses Kribbeln, habe. Aber als ich mich im Spiegel ansehe, blicke ich immer noch mein normales ich an. 'Ach, Gott! Ich und meine dummen Fantasien' seufze, ich in meinen Gedanken, 'Ich höre ja wirklich nie damit auf, wie ein Kleinkind zu denken! Warum werde ich diese albernen Gedanken, dass es Magie gibt, nicht los? Ich bin immerhin schon 14 und kein Kleinkind mehr' Aber trotzdem bleibe ich am Fenster stehen und lasse den Mond weiterhin auf mich wirken und bemerke gar nicht was gerade eigentlich passiert… Schließlich zwinge ich mich, mich doch nochmal vom Mond abzureißen und ins Bett zu gehen, auch wenn ich das verzaubernde Gefühl durch den Mond liebe. Als ich mich umdrehe und einen kurzen Blick auf mein Spiegelbild, das sich im Spiegel abbildet, erhasche, stockt mir der Atem. Das Wesen das mich vom Spiegel aus überrascht betrachtet, bin nicht ich - oder etwa doch?!? Anstatt mein normales ich sehe ich nämlich eine hübsches elfenartiges Wesen: Hinter meinem Rücken ragen zarte, durchsichtige, mit weiß-silbrigen Äderchen durchzogene Flügel hervor und ich entdecke, dass meine Ohren eine typische Form für Elfenohren angenommen haben, da sie nun auch nach oben spitz werden. Obwohl das Badezimmer nur vom Mondlicht beschienen wird, erkenne ich, dass meine Haut blasser geworden ist und auch meine Augen haben einen besonderen Glanz bekommen. 

Ich fange an zu strahlen. Ich hatte als kleines Mädchen immer geträumt eine Elfe zu sein, wie sie in den Geschichten stehen und nun bin ich selber ein solches zauberhaftes Wesen.

Dieser Moment könnte für mich unendlich sein, wie ich im Mondlicht mein neues hübsches ich betrachte und mir denke, dass meine Kindheitsträume von Elfen und vom Fliegen tatsächlich Realität wurden, was ich immer trotz meinen wilden Fantasien nie für möglich gehalten hätte. 

Ich weiß nicht wie lange ich hier so stehe, als mir plötzlich einfällt, dass ich so auch vor meine Eltern treten muss und - noch schlimmer - vor meine Klasse und den Rest der Öffentlichkeit. Wie werden sie wohl reagieren, wenn sie mich so sehen? Glauben sie, ich bin verrückt geworden und habe mich wie ein albernes Kleinkind verkleidet? Oder glauben sie, dass das echt ist? Und wenn sie glauben, dass es echt ist, bewundern sie mich dann, oder machen sie sich über mich lustig, oder haben sie sogar Angst vor mir?  Während ich darüber nachdenke, gehe ich zurück in mein Zimmer und lasse mich mit einer Mischung aus Glücksgefühl, Verwirrung und Angst auf mein Bett fallen. Um mich von den nicht so schönen Gedanken abzulenken, beschließe ich, meine neuen Flügel wenigstens mal genauer zu prüfen und versuche  sie zu bewegen. Erst muss ich mich darauf konzentrieren, welche Muskeln ich anspannen muss, da ich diese Muskeln ja noch nie hatte oder gar gebraucht hatte. Als ich es stolze 8-mal geschafft habe, die Flügel zu bewegen, lasse ich mich wieder etwas erschöpft aufs Bett sinken. Nach einer kurzen Pause versuche ich es dann aber nochmal. Ich bin jetzt voller Eifer und möchte es unbedingt weiter probieren. Das Bewegen der Flügel geht nun schon deutlich leichter als zu Anfang und nach kurzer Zeit flattere ich glücklich schnell mit meinen Flügeln.  Plötzlich merke ich, dass ich mich auf die Zehenspitzen erhebe. Die eigentliche Funktion der Flügel - das Fliegen - hatte ich vor lauter Freude und Eifer ehrlich gesagt ganz vergessen. Ich muss über meine Dummheit lachen und sofort bewegen sich meine Flügel langsamer und ich sacke wieder zurück auf den Boden. Etwas verärgert über meine Unachtsamkeit versuche ich es erneut, aber diesmal mit dem Ziel vom Boden abzuheben, anstatt nur die Flügel zu bewegen. Und während ich es voller Tatendrang immer wieder versuche, überhöre ich fast das Klopfen. Es klopft nochmal. Verwirrt drehe ich mich zu dem Fenster, von dem das Klopfen kam, um. Ich erschrecke mich heftig, als ich dort zwei Gesichter sehe. ‚Was wollen die hier?‘, frage ich mich und bekomme etwas Angst. Man sieht ja normalerweise nicht abends an einem Fenster im 2. Stockwerk zwei Menschen hängen. ‚Soll ich jetzt aufmachen oder nicht? Ich weiß es nicht! Wenn ich doch wüsste was sie hier wollen. Und wie sind die hier überhaupt her gekommen? Man kann unmöglich die Hausfassade bis in den zweiten Stock hochklettern und dann auch noch so entspannt wirken.‘ Meine Gedanken rasen wild durcheinander. Da sehe ich plötzlich etwas hinter den Rücken der beiden Fremden aufblitzen. Es erinnert mich sofort daran, wie ich meine Flügel im Spiegel entdeckt habe und erst jetzt wird mir bewusst, dass die beiden mich jetzt auch so sehen können. ‚Was jetzt?‘ Ich werde leicht panisch. Aber jetzt wird mir bewusst, was das Glitzern hinter den beiden überhaupt bedeutet. Ich hatte das bis gerade nur auf mich selbst bezogen, aber eigentlich zeigt es etwas, was noch bedeutsamer ist: Die beiden Wesen, die dort an mein Fenster klopfen, sind auch Elfen!

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