Einziges Kapitel

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Die Arbeit hier war nicht anstrengend, die simple Reihenfolge der Bewegungen beruhigte mich für den Moment. In zwei Wochen würde das alles schon wieder vorüber sein.
Was danach kam, wusste ich nicht.
Mein Leben ähnelte einem weißen Bild, es war riesig, eine ganze Leinwand und so wenig davon war ausgefüllt. Nur einige Centimeter am Rand waren mit schlichten Farben betupft. Es war Platz, Platz für etwas Riesiges, für die Explosion von Farben, etwas, das den Rahmen in all seiner Wunderbarkeit sprengen würde.
Ein Abenteuer.

(Meine Semesterferien hatten vor zwei Wochen begonnen und die nächsten zwei würde ich noch hier verbringen. Ich hatte mich zur Umräumung einer Bibliothek angemeldet, die Bezahlung war nicht besonders hoch, aber es ging mir eher darum, dass ich etwas neues ausprobierte. Mein Team bestand aus Linda und Frau Roth, beide etwa im selben Alter. Frau Roth war meine Chefin für diese kurze Zeit und Linda ihre langjährige Mitarbeiterin und Freundin. Dann war da noch Maeva, eine Auszubildende, und viel mehr wusste ich auch nicht von ihr.
Doch das wollte und sollte (s)ich bald ändern.)

Man hörte Linda irgendwo weiter vorne lachen, "Guck mal, was ich gefunden habe..", sagte sie in der Ferne. Frau Roth musste bei ihr sein. Wo war Maeva?
Sie schien mir wie die Stille, die Ruhe und Dunkelheit der Nacht, die sich sanft und doch bestimmt auf alles legt. So leise, leise wie der Wind, doch zugleich schien sie mir überwältigend.
Ich sah mich um, blickte nach hinten, doch sah sie nirgends.
So leise.
Und doch so gewaltig drang sie in meine Welt ein.

Die nächsten Tage vergingen ohne dass ich von ihnen Notiz nahm. Ich wurde immer mehr in das Team integriert, Maeva und ich sprachen nicht. Nur manchmal, ganz selten, begegnete mein Blick zwischen den Bücherregalen ihrem. Und ohne sie zu kennen, stellte nur ihre Anwesenheit meine Welt auf den Kopf.
Meine Gedanken waren gefangen in einer Welt, die mir verschlossen blieb. Und meine Sehnsucht, plötzlich erschien sie mir grenzenlos. Sie war blind, tapste, rannte umher, stieß gegen Wände und dieser Schmerz durchfuhr mich durch und durch. Und zugleich schien es mir das einzig erstrebenswerte, neben alldem, wonach es mir in meinem Leben verlangt hat.

Am Freitagmorgen betrat ich das alte Bibliotheksgebäude. Lichtstrahlen fielen durch die großen Fenster. Es war ein warmer Morgen, es hat etwas Frieden in der Luft gelegen. Nun stand ich inmitten dieser riesigen Halle, die gefüllt mit Wissen und Worten so immens und zeitlos war, die mit ihren flüsternden Geschichten ein Mysterium aus sich machte. Ich könnte nun wer anders, wann anders sein, dem ewigen grauen Zyklus des Lebens entfliehen, sei es auch nur ein Augenblick.
Vielleicht reise ich zurück in eine Zeit, die mir nicht bekannt ist.

Ein Räuspern ließ mich zusammen schrecken. "Ich wollte dich nicht erschrecken", hörte ich hinter mir flüstern.
Mein Körper reagierte auf Maevas sanfte Stimme, ich drehte mich um und sah sie an. Noch war ich noch in meinem Traum, noch war es nicht heute, nicht die Zeit, in das vernünftige graue Ich zu schlüpfen, noch konnte ich jemand anderes sein und Maeva.. Maeva würde immer sein.
Sie kam zwei Schritte näher, direkt neben mich und sah hoch zu den Fenstern, die ich vorhin noch fasziniert betrachtet hatte. Ich sah auf ihr Gesicht, wie das Licht sich sanft auf ihren Gesichtszügen niederließ.
Ihre Haut strahlte, man hatte das Gefühl, jede Pore würde für sich atmen. Die feine Nase, nach oben gestreckt und darunter zart geschwungene Lippen. Ob man das Licht auf ihnen schmecken könnte?
Und als sie kurz lächelnd zu mir sah, selbst ihre Augen schienen lichterfüllt mit mir zu sprechen, mich zu erhellen, mich sanft aber bestimmt erblinden zu lassen. "Das ist alles nicht real", flüsterte ich vor mich hin, und verspürte den Drang mit meiner Fingerspitze über ihre Haut zu streichen, die aus dem Inneren heraus erstrahlte, als sei die eigentliche Sonne nur ein Spiegelbild von Maeva.
"Warum muss es das sein?", fragte sie, lächelte und lief halb zu mir gedreht in Richtung Eingangstür.

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