Story I: Ein persönlicher Adonis

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Ein wenig gestresst bahne ich mir meinen Weg durch eine Menge an Leuten. Wer hätte gedacht, dass Urlaub so anstrengend sein kann?

Endlich stehe ich an der Bar.

"Zwei Caipi!", nicke ich dem jüngeren der zwei Bartender zu, der mich freundlich anlächelt.

Während er sich bemüht, meinen Alkoholkonsum zu fördern, bemühe ich mich, ihn nicht so offensichtlich mit meinen Augen auszuziehen. Beeindruckt bin ich auf jeden Fall von dem was ich sehe, aus seinem sehr unglücklich gelben Uniform-T-Shirt schauen zwei muskulöse, sonnengebräunte Arme heraus. Er ist ungewöhnlich groß für einen Griechen, aber vielleicht ist er ja nur als Saisonarbeiter hier.

Bevor ich meine schon leicht beschwipste Analyse weiterführen kann, händigt mir der nette Herr meine Drinks aus.

"Danke vielmals!", grinse ich. Er nickt mir lächelnd zu. Ob er mich verstanden hat bleibt offen, aber ich habe einen Pegel zu halten.

Mit meinen zwei Drinks in den Pfoten ist das Manövrieren durch die Menge immens schwieriger. Dennoch schaffe ich es irgendwie zurück zu unserem Tisch. Auf der Bühne findet irgendein Auftritt eines DJs statt, leider ist die Poolbar direkt daneben, sowie der Pool, das schreit eigentlich Desaster, aber das scheint den Hotelbesitzer nicht zu jucken. Jedenfalls macht es das schwerer, an Drinks zu kommen, gratis dank all inclusive oder nicht.

Einen der beiden Drinks setze ich vor meiner Mom ab, meine Eltern haben klugerweise einen Platz gewählt, der weit genug von der Bühne entfernt ist, dass man sich recht anständig unterhalten kann.

Während ich in Ruhe an meinem Caipi süffele, tratsche ich mit meiner Mom vorsichtig über einige der Leute die wir in der Menge sehen.

"Mit dem Kleid sieht die doch aus wie ein schwer übergewichtiger Kanarienvogel, meinst du nicht, Britta?", deutet meine Mutter auf eine vollschlanke Dame in einem quietschgelben enganliegenden Kleid.

"Autsch!", lache ich, und werfe mir meine blonden Zöpfe über die Schulter. Ich würde mich schlechter fühlen, wenn nicht fast alle Leute hier hemmungslos die Sau rauslassen würden. Wenn sie sich also austoben, kann ich mich auch drüber auslassen.

Mein Dad kichert ebenfalls. Den Kopf aus seinem Buch gehoben, betrachtet er ebenfalls den Kanarienvogel. Er mopst meiner Mutter das Glas und nimmt einen Schluck von ihrem Caipirinha.

"Bring mir doch bitte gleich auch so einen mit.", bittet er mich, mit einem Wink auf mein halb leeres eigenes Glas.

"Ah, Mädels, habt ihr euch schon überlegt was wir morgen machen wollen?", fragt er. "Ich hab gelesen dass es ein altes Fort geben soll, da würd ich gerne hin. Und wenn ihr nicht mehr wollt, könnt ihr euch auch gern zum Shoppen absetzen, die Stadt drumherum ist wohl ganz nett."

Mein Vater kennt eben seine Zielgruppe. Obwohl Geschichte gelegentlich interessant war, könnte ich allerdings eher einen neuen Bikini brauchen. Dass mir der alte zu klein geworden war, hatte ich leider erst hier gemerkt.

Als ich meinen Caipi fertig habe, mache ich mich auf den Weg, das nächste Getränk zu ergattern.

"Ein Caipi und ein Blue Lagoon, bitte!", teile ich dem selben Bartender wie eben meinen Wunsch mit. Die Bitte verbinde ich instinktiv mit meiner Erfolgsstrategie eines (wie mir mitgeteilt wurde) sehr provokativen Augenaufschlages und einem passenden Lächeln. Erst dann fällt mir wieder auf, dass diese Drinks ja in all inclusive enthalten sind und ich nicht versuchen muss, den Bartender zu einem besseren Preis zu bewegen.

"Du hast schöne Augen!", teilt mir der Bartender mit, als er mir meinen Blue Lagoon überreicht. "Hier, das hier passt dazu."

Geschmeichelt grinse ich ihn an. "Dankeschön!"

Short StoriesWhere stories live. Discover now