1. Leuchtende Finsternis

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1 Kapitel

„Paris!", erschrocken blicke ich in das Gesicht meines Lehrer's. Einige aus der Klasse tuscheln um mich herum und ich spürte wie sich die Blicke meiner Klassenkameraden sich in meinen Rücken brennen und sie mich anvisierten. Jede Unterrichtsunterbrechung kam ihnen gelegen, sollte dabei zusätzliche Demütigung eines Klassenkameradens für sie herausspringen, umso besser. Alles. Beinahe alles wäre ihnen lieber, als sich weiterhin das monotone Gefaßel des Geschichtslehrer in dem lauen, staubumwölkten Klassenzimmer anzutun. „Ähem, Entschuldigung, was haben Sie gesagt?", frage ich verwirrt. Lacher ertönen. Finster drehe ich mich um, will die Verantwortungsvollen schon anfahren, doch da fällt mir auf, dass mein Geschichtslehrer immer noch vor mir steht und mich erwartungsvoll anblickt. Die drei Furien, wie ich die lipglossbesessenen, hirnverbrannten Klassenkameradinnen liebevoll getauft hatte, die sich seit Beginn des Jahres den Platz hinter mir, möglichst weit weg vom Lehrerpult und abgeschirmt von den Blicken der Lehrernden gekrallt hatten, kicherten immer noch ungehalten vor sich hin.
„Falls Sie es noch nicht bemerkt haben sollten, befinden Sie sich in einem Klassenzimmer und nicht in Ihrem Schlafgemach! Wissen Sie was, stehen Sie auf und holen etwas Kreide, so können Sie sich zumindestens ein wenig nützlich machen!", „Sofort, Sir.", antworte ich ein wenig widerwillig, wobei ich mich allerdings innerlich freue über die Gelegenheit mich aus dem Unterricht, wenn auch nur für wenige Minuten, zu entziehen und dieser langweiligen Geschichtsstunde zu entkommen.
Ich stehe auf und verlasse zügig mit einem Lächeln im Gesicht den Raum, nicht jedoch ohne mich vorher umzudrehen, um den kichernden Furien gegenüber eine Fratze zu ziehen und mich mit meinem gehoben Mittelfinger ehrwürdig zu verabschieden. Naja, zumindestens hatte ich das vor, bis ich sah, dass mein Lehrer mich immer noch erwartungsvoll anstarrt und offensichtlich darauf wartete bis ich den Raum verlasse. Also gebe ich mit einem wütenden Blick in ihre Richtung hin zufrieden, bei dem ich hoffe, dass sie die Feindseligkeit darin erkennen.

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Mit schleifenden Schritten schreite ich den Gang entlang, in der Hand hielt ich fest umschlossen den Gang-Pass, den ich von meinem Geschichtslehrer in die Hand gedrückt bekommen habe, falls ich auf einen anderen Lehrerenden stoßen sollte. Auf dem Westconciere Internat, das ich nun schon seit beinahe einem Jahr besuche galten wesentlich strengere Regeln, als auf der Gesamtschule in meinem Heimatdorf. Verschnörkelte Fensterrahmen umwölbten den endlos erscheinenden Gang, den ich hinabschritt, um zu dem Materialienraum zu gelangen. Der dunkle Mahagoniboden glänzte nur schwach, die prächtigen Schlingpflanzen, die beinahe von allen Richtungen in den Gang hineinspruddelten und sich von der Fensterfront abdrängten ließen nur wenig Sonnenlicht hinein. Glitzernd funkelten die Traumfänger, die von den Schülern aus den jüngeren Jahrgangsstufen angefertigt wurden und an der Decke herabhängend angebracht wurden. Wohl war, die Schule hatte ganz und gar keine Ähnlichkeiten mit der Gesamtschule.
Gedankenversunken biege ich am Ende der Ganges um die Ecke. Und da höre ich sie zum ersten Mal...

Ich folge ihr immer weiter und tiefer durch die leeren Gänge der Schule. Wie magisch angezogen fühle ich mich davon und ehe ich mich versehe, befinde ich mich vor ihr. Eher gesagt vor einer Tür. Wie zur Hölle bin ich eigentlich her gekommen? Ich bin ihr wie benommen gefolgt, um endlich zu wissen wem sie gehört.
Ich sehe noch einmal zu beiden Seiten, um zu schauen, ob sich jemand anderes sich im Gang aufhält, jedoch ist da niemand. Kein Wunder, es ist schließlich auch Unterrichtzeit. Mein Lehrer fragt sich sicherlich auch schon wo ich abgeblieben bin. Aber zuerst muss ich herausfinden wem sie gehört. Meine Hand bewegt sich langsam Richtung Türklinke und mir fällt auf, dass ich diese Tür noch nie gesehen habe.

Quietschend ließ sich die Tür öffnen. Tiefe Finsternis erwartetete mich. Wie automatisch fuhr ich die Wand entlang auf der Suche nach einem Lichtschalter. Dafür bewegte ich mich leicht in den Raum hinein und blickte mich nervös um. Mit einem leichten Schaudern auf dem Rücken rückte ich mit tippelnden Schritten immer weiter in den Raum hinein, langsam vortastend mit den Händen stieß ich mich von der Wand ab, immer noch auf der Suche nach einem verflixten Schalter. Immer weiter bewegte ich mich in den finsteren Raum hinein, der mich wie magisch in den Bann zog und förmlich danach schrie endlich vom Licht erleuchtet zu werden.  Hoffentlich gibt es hier keine Spinnen. Die Vorstellung eines so kleinen Krabbeltiers, das mir trotzdem ungeheuerliche Angst einjagt, brachte mich dazu mich zu schämen. Ich meine das Viech hat doch mehr Angst *nervöses  Lachen*, oder?

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⏰ Last updated: May 25, 2023 ⏰

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