Sie kamen und nahmen sich alles was da war,
Sie fragten sich nichtmal wofür.
Und so, wie es scheint, haben sie nun sehr viel,
Doch das Größte, mein Kind, gehört dir.
Deine Augen, dein Lachen, die Art wie du sprichst,
Wie du bist, wie du fühlst, das gehört ihnen nicht!
Wohin du gehst, woher du kommst und dein inneres Licht,
Was du denkst, was du tust, das gehört ihnen nicht!
So steh auf und steh ein für all das, was ist dein.
Ja solange du bei mir bist, bist du niemals allein.
Und sie wollen alles haben, sogar mich und auch dich.
Doch, das du zu mir gehörst, das gehört ihnen nicht!
Das mein Herz dir gehört, das gehört ihnen nicht!
Das Funkeln in Lorenzons Augen strahlte heller als die Sterne in dieser Nacht. „Seht her, meine Freunde! Ein Engel hat das Licht der Welt erblickt. Meine Tochter ist geboren, um unser aller Leben zu bereichern!" Das fröhliche Volk der Walhadrins setzte in den Jubel des angesehenen Beraters mit ein. „Möge die Welt immer gut zu deiner schönen Tochter und deiner ganzen Familie sein, mein treuer Freund." Tonans Stimme schallte durch die sonst ruhige Nacht. Freudig legte der Anführer seinen starkem Arm um Lorenzon und küsste das neugeborene Mädchen sanft auf die Stirn. „Wie soll deine Tochter heißen?" „Sie wird Nora heißen.", antwortete ihm der Vater. Tonan stellte sich vor ihm auf, neigte den Kopf und sprach: „Nora Mandorino, Tochter des Lorenzon Mandorino, meines geehrten Beraters. So dunkel, wie die Nacht, in der du geboren, so hell soll dein Leben bei uns sein. Im Namen der Walhadrin heiße ich dich willkommen auf dieser Erde. Möge der schönste deiner heutigen Tage der Schlimmste deiner morgigen sein. Dein Herz soll rein sein, wie das deiner bezaubernden Mutter. Dein Wille soll alle Zeit frei sein, wie das deines furchtlosen Vaters." Und mit diesen Worten nahm er das Mädchen in seinen Stamm auf.
Die Walhadrin feierten noch die ganze Nacht die Geburt ihres jüngsten Mitgliedes. Glückselig sangen sie über ihre Geschichten und tanzten und tranken noch bis in die Morgenstunden. In dieser Zeit dachten sie nicht an das Leid, das ihnen sonst ihr Weltbild so trübte. Nicht schwieriger konnte man derzeit glücklich sein und nicht einfacher konnte man leben, als es dieses Volk tat. Und doch waren sie zufrieden mit sich und ihren Taten, so haben sie dieses Schicksal auch aus freiem Willen gewählt. Als Normaden zogen sie durch das Reich, wohnten überall und nirgends. Kämpften für ihre Ansichten und verabscheuten die Hierarchie. Sie blieben solange, wie sie gebraucht wurden und gingen erst, wenn sie wieder Hoffnung in den Augen derjeniger sehen konnten, denen sie begegneten. So nannten die Unteren sie Wanderer, während die Oberen nur hässliche Namen für sie hatten. Räuber, Diebe, Abschaum und Rebellen. Gegner des Königreichs, Feinde der Gerechtigkeit. Doch gerecht sah das Land nur von oben aus.
Seit der Mondwende herrschte in Waldinsel die Königsfamilie Flamagon. Doch menschliche Schwäche verletzte des Königs stolz. So verfiel er kurz nach seinem Aufstieg der Gier nach mehr. Macht ist ein dunkler Begleiter, der die Sicht auf das Gute trübt. Das Land brauchte jedoch Führung und so schuf der König ein System, welches ihn an die Spitze der Menschheit stellt. Die Bevölkerung wurde in Schichten geteilt, Freundschaften wurden zertrennt. Die Oberen, der Adel, hatte das Privileg, mit der Königsfamilie in Coronar zu leben, der Marktstadt von Waldinsel. Sie arbeiteten als Berater und Händler für den König, einige waren auch Ärzte oder Kämpfer. Jeder, der sich die Gunst des Königs erkaufen konnte, wurde privilegiert. Geld spielte schon damals eine zu große Rolle.
Diejenigen, die keines hatten oder es im Krieg verloren, waren Untere. Bauern, Arbeiter, Schmiede, Diener und sämtliche Menschen, die nicht fein genug waren, in direktem Kontakt mit dem Königshaus zu stehen. Es war ein unfaires Auszählen nach Laune eines sadistischen Mannes. Doch sie hatten nichts und keine Kraft, sich zu wehren.
So entstand in Waldinsel eine Monarchie, die bis heute das Ordnungssystem beschreibt. Wer mutig genug war, sich dagegen zu wehren, wurde gejagt und vertrieben. Der König war ein schwacher Mann. Zu groß war die Angst vor dem Sturz der Krone. Und so ließ er jeden, der sein Weltblick nicht akzeptieren konnte, verfolgen und hinrichten.
Zu seinen Opfern gehörte jeder, der eine Bedrohung für seine Herrschaft darstellte. Seine Paranoia trieb in so weit, dass er alles hinrichten ließ, was sein enger Verstand nicht begreifen konnte. Bald verbrannte man Heiler und Künstler, Studenten und Philosophen aufgrund ihrer Erkenntnisse. Forschung war dem König ein Dorn in Auge. Niemand sollte erkennen, das seine Ordnung ungerecht ist und so hielt er seine Untertanen ungebildet und einfältig.
Als eine Gruppe von Heilern sein falsches Spiel durchschauten, flohen sie an die andere Seite des Mittelwaldes, um zu überleben. Sie gründeten ein kleines aber zufriedenes Volk, die Druiden. Im Schutz der Weiten von Waldinsel vertieften diese ihre Studien und lehrten sich reichlich Wissen an. Nach einiger Zeit waren sie unheimlich gebildet. Sie lebten im Einklang mit der Natur, brauten Medizin und Tränke für sämtliche Krankheiten. Sie waren tief mit den Wurzeln des Waldes verbunden und man munkelte, dass sie magische Kräfte aus den Bäumen zogen, um ihre Künste auszuüben.
Unter ihnen lebte ein weiser Mann namens Granon. Seine Intelligenz überstieg die der meisten und sein Mut war bewundernswert für jeden, der ihn traf, jedoch war er ein bodenständiger und gütiger Mensch.
Heimlich heilte er die Verletzten des Krieges und schon bald bekam er Mitleid mit den ausgenutzten, zerrissenen Familien. So verließ er die Druiden mit einer Gruppe Kriegsveteranen, um eine Rebellion zu gründen.
Eine Hand voll tapferer Männer, die den Oberen die Stirn bieten und den Armen helfen. Ein Leben für die Freiheit, nicht gezwungen durch die Monarchie. Ein Leben für das, an was sie glaubten: Frieden und Gerechtigkeit. Granon wusste, das er sich zwischen dem richtigen Weg und dem leichten entscheiden musste. Und er wählte den Weg seines mutigen Herzens.
So entstanden die Walhadrin. Als Granons Ende nahte, übernahm Tonans Vater die Führung der Rebellion und führte sie bis heute durch ganz Waldinsel, um den Schwachen zu dienen.
Die letzten 2 Monate lebten sie in Canras, einem kleinen Dorf möglichst fern von Coronar, da Tamnara am Ende ihrer Schwangerschaft nicht weiter reisen konnte. Sie bezogen ein paar der leerstehenden Wohnungen und halfen den Bauern bei der Arbeit auf dem Acker. Sowohl die Armut als auch die Krankheiten waren dort weit verbreitet, sodass Tonan nach Absprache mit dem Hauptrat beschloss, solange zu bleiben wie möglich.
Und so machte die kleine Nora nach einiger Zeit ihre ersten Schritte auf dem Boden von Canras.
Willkommen zu meiner neuen Geschichte ihr Lieben :)
Die ersten Kapitel sind nur Einführung, aber bald passiert etwas spannendes, versprochen!
Viel Spaß damit, ich hoffe es gefällt euch!
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Tod oder Freiheit
أدب تاريخيSeit ihrer Geburt gehört Nora den Walhadrin an, den gefürchtetsten Freiheitskämpfern von Waldinsel. Ihr Stamm kämpft gegen das Schichtsystem, den Zwang der Monarchie und die Armut, die diese verursacht. Sie kämpfen gegen den Adel und helfen dessen O...
