Liam

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"Hey schwuchtel!", Jonas kommt auf mich zu. Er hebt die Faust, wedelt damit bedrohlich vor meinem Gesicht herum und gibt mir eins auf die Nase.
"Das hast du verdient du Weichei.", lachend geht er davon. Das passiert mir ständig. Ich werde als schwul beleidigt, und ständig hänseln mich alle. Ehrlich gesagt bin ich wirklich schwul, aber das darf niemals eine Menschenseele erfahren. Nagut, außer meiner besten Freundin Caren. Die Story, wie wir beste Freunde geworden sind ist echt komisch und auch etwas peinlich, aber ich werde sie euch erzählen. Es war vor zwei Jahren. Wir sind uns auf einer Party begegnet, und ja auch ich gehe auf Partys. Wir haben uns richtig gut verstanden, bis sie mich gebeten hat mit ihr mitzukommen. Sie hat mich ins Schlafzimmer gezogen, und war im Begriff mich zu küssen, doch kurz bevor sich unsere lippen berührten, hatte ich sie schon von mir weggestoßen. Es hat sich so komisch angefühlt ein Mädchen zu küssen, so falsch. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich schwul bin, da ich schon einen kleinen Crush auf jemanden hatte. Ich habe es ihr erzählt, und sie hat es mit Humor genommen, statt angewidert oder angepisst zu sein. Seit diesem Abend verstehen wir uns super gut.
"Lass dich von diesen Idioten nicht runterziehen L.", flüstert sie mir zu. Ach übrigens 'L' ist mein Spitzname.
"Naja, wenn das nur so einfach wäre."
"Ach komm schon. Du bist doch eigentlich nicht so ein sensibelchen. Nagut, seit einem Jahr. Du kommst nicht mehr mit auf Partys und wir treffen uns kaum noch. Was ist los?"
"Ich hab einfach zu viel zu tun. Ich muss mich um die Schule kümmern, meinen Eltern helfen, und bin nach der Schule einfach gern allein."
"Das soll ich dir abkaufen?", sie lacht mich an, und sieht zu mir hoch, "Du bekommst noch aufmerksamkeitsmangel!"
"Aufmerksamkeit bekomme ich durch mein Problem genug."
"L! Schwul sein ist kein Problem!", flüstert sie, "Das sind deine Gefühle. Du kannst  es nicht ändern, und außerdem liebe ich dich so wie du bist. Schwul oder nicht schwul du bist und bleibst mein Liam!"

"Mom, ich bin zu Hause!", schallt es durch das Haus. Kev. Mein Bruder. Er kommt durch die Tür und läuft dann die Treppen nach oben. Kurz darauf klopft es an meiner Tür.
"Komm rein."
"Hey L. Wie läuft's mit deiner Wohnung?", er schaut mich fragend an. Er ist 3 Jahre älter als ich und wohnt bei seiner Freundin. Zu der Frage mit der Wohnung. Ich bin 18 und habe vor einem Monat eine gemütliche Wohnung gefunden.
Trotzdem haben sowohl Kev, als auch ich ein Zimmer in diesem Haus.
"Läuft gut wie du siehst.", ich deute mit einem gekonnten Manöver meiner Hände durch den Raum. Er sieht sich um.
"Ah. Die Kartons."
"Richtig, also wenn du nichts dagegen hast, ich würde gerne weiter Lernen."
"Ist ja gut du Streber.", sagt er, während er lachend die Tür hinter sich zu macht.
Promt Wende  ich mich wieder meinem Blatt zu.

Ich höre ein lautes knacken auf der Treppe und werde wach. Das kann nur eins bedeuten. Mein Vater ist da. Mal wieder voll bis oben hin. Mit Wucht reißt er meine Zimmertür auf. Der Gestank von Alkohol zieht durch den Raum. Total besoffen taumelt er auf mich zu und stellt seine Bierflasche auf meinen Schreibtisch. Mit einem bösen Grinsen auf den Lippen kommt er bedrohlich nah, packt mich am Arm und drückt mich gegen die wand. Ich spüre seinen ekelhaften Atem an meinem Ohr. Mit einer Hand hält er mich fest, mit der anderen zieht er seinen Gürtel aus.
"Du wirst für alles bezahlen kleiner.", sagt er, während er mich angewidert anschaut und dann ausholt. Ein lautes klatschen ist zu hören. Ps: ich habe nur eine Boxer an, sonst nix.
Ich zische laut auf. Ein zweites mal schlägt er zu. Wimmern. Und ein drittes mal landet der Gürtel auf meinem rücken. Das leise Wimmern geht mit der Zeit in schmerzhaftes schreien über. Wieso kommt meine Mutter nicht?
"Du hast ja so ein Pech, das wir heute Nacht allein sind."
"Wo sind kev und Mom?"
"Nicht hier kleiner!"
"Lass mich in Ruhe!", dieser Satz klingt eher nach einem flehen, sollte aber als Befehl gesagt sein.
Er zieht meinen Kopf an meinen Haaren zu sich nach hinten. "Hör mal zu Junge! Ich kann es nicht ertragen so eine schwuchtel in der Familie zu haben. Ein richtiges WEICHEI!"
"Nur weil ich auf Männer stehe, heißt es nicht das ich nicht stark bin.", sprudelt es aus mir heraus, geht aber völlig in die Hose, da sich langsam aber sicher Tränen in meinen Augen bilden." Du bist mein Vater!"
"Aber du Hurensohn bist. NICHT. MEIN. SOHN!!"
Mit diesen Worten Schubse ich ihn von mir weg, und dränge ihn aus meinem Zimmer, knalle die Tür zu und lehne mich an diese. Nun kann ich es nicht mehr zurückhalten und fange jämmerlich an zu schluchzen.
So erbärmlich wie jetzt in diesem Moment, hab ich mich noch nie gefühlt. Sitze angelehnt an meiner Tür, während mein Vater stink sauer und besoffen auf der anderen Seite steht und sich nur für seine Familie schämt. Es ist schrecklich einen vater zu haben, welcher mich schlägt.
Ich gehe zu meinem Bett zurück und lege mich hin, stehe aber sofort wieder auf, da der fürchterliche Schmerz meinen Körper durchströmt. Langsam versuche ich eine bequeme schlafposition zu finden, in der ich ruhig, tief und fest schlafen kann.

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⏰ Last updated: Aug 28, 2018 ⏰

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