I.

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Vorwort: Ich hoffe sehr, dass euch diese Geschichte gefällt. Sie ist eigentlich aufgrund des Wunsches einer Freundin entstanden, aber mit der Zeit hat sie sich zu einem kleinen Projekt entwickelt, das mir sehr am Herzen liegt. Sie umfasst insgesamt 5 Kapitel und wenn mein Internet mitmacht, habe ich vor, jeden Tag ein Kapitel zu veröffentlichen. Ich habe während des Schreibens geweint, lasst euch das eine Warnung sein ^^
Und nun viel Spaß beim Lesen~

~•~

Leise summte er vor sich hin. Abwartend. Nichtsahnend. Ein bisschen fröhlich. Ein bisschen glücklich. Kein Stück traurig. Ziemlich zufrieden. Der laue Wind spielte mit seinen Haarspitzen. Die Dunkelheit der Nacht wurde durch ein paar gelb-leuchtende Laternen durchbrochen. Das Wasser des Flusses plätscherte ruhig, ein bisschen verspielt unter seinen Füßen daher. Er lächelte leicht.

Die Melodie, die er summte, klang unschuldig. Als würde niemand etwas ahnen. Und tatsächlich war dies auch der Fall. Niemand ahnte etwas. Niemand stellte sich auch nur im entferntesten vor, was gerade am anderen Ende der Stadt passierte.

Lennart summte. Corwin hörte zu. So war es immer, würde es immer sein. Lennart hatte eine Hand in dem sandfarbenen Haar seines Freundes vergraben. Corwin hatte seinen Kopf auf die Brust des Anderen gelegt, dem Herzschlag gelauscht. Der Melodie gelauscht. Es war eine nie endende Melodie, die manchmal eine kleine Tonabfolge wiederholte, dann wieder nach neuen Tönen und Höhen oder Tiefen griff und doch in sich stimmig war. Immer, wenn Lennart summte, kam ein neuer Teil hinzu und die Parts griffen alle ineinander. Passten alle zueinander. Nie endend.

Nie endend. So fühlte es sich an, das, was sie hatten. Das, was sie miteinander verband. Das, was nie vergehen sollte. Zumindest glaubten sie das. Hofften darauf. Träumten davon. Wenn Corwin in den Armen seines Freundes lag, war er glücklich. Wenn Lennart die Anwesenheit Corwins genoss, erfüllte es ihn mit Wärme. Sie hatten es beide noch nie zuvor so intensiv gespürt. Sie beide hegten zu diesem Zeitpunkt keinerlei Verlangen, dieses Gefühl zu benennen. Und sie gaben sich das wortlose Versprechen, es nicht auszusprechen. Denn dann würde es real werden. Tief in sich drin wussten sie beide aber ganz genau, dass es dieses Gefühl war.

Dieses Gefühl, von dem die Erwachsenen immer schwärmten. Dieses Gefühl, aus dem heraus Leute heirateten und glücklich waren und Familien gründeten. Dieses Gefühl...Liebe. Zwei junge Herzen, die sich gefunden hatten und nie wieder gehen lassen wollten. Doch das Leben holte alle ein. Die Zeit holte alle ein. Die Ungerechtigkeit holte alle ein. So war es immer gewesen und so würde es immer sein. Daran ließ sich nicht rütteln.

Und so kam es, dass Lennart nichtsahnend vor sich hin summte. Während am anderen Ende der Stadt...jemand um sein Leben kämpfte. Bettelte. Flehte.

Eine Tür, die zugeknallt wurde. Eine dunkle Gasse. Eine Kneipe, in der sich immer noch Leute aufhielten. Männer, alte, bärtige, besoffene Männer. Nicht die beste Gesellschaft. Für junge Burschen wie ihn erst recht nicht. Er sollte sich nicht mehr draußen rumtreiben. Und doch hielt ihn nichts mehr zuhause. Da, wo er sicher war. Da, wo es warm war. Da, wo er lieber hätte bleiben sollen.

Er bewegte sich zügig durch die Gasse, strahlte eine Ruhe aus, von der in ihm kein bisschen vorzufinden war. Innerlich tobte es in ihm. Vor Angst und Unwohlsein. Vor Grauen und Schrecken, wegen der ganzen Gruselgeschichten, die man ihm erzählt hatte, als er noch kleiner gewesen war. Die Geschichten von bösen Männern. Und dunklen Gassen. Und blutigen...er wollte es nicht zu Ende denken. Seine Schritte hallten leise von den Wänden der Häuser wider.

Corwin atmete tief durch. Da vorn. Da vorn, da konnte er Licht entdecken. Die etwas belebtere Straße. Laternen. Lärm. Kein Kneipenlärm, sondern vereinzeltes Klappern von Pferdehufen und Menschen, die vorbeiliefen und sich unterhielten. Nie allein, immer mindestens zu zweit. Vielleicht wäre das ein wenig schlauer gewesen.

Er wollte ihn sehen. Die Sehnsucht nach seinem Freund hatte ihn hinausgezogen. Er müsste nur ein Stück laufen, um genau zu sein sogar bis ans andere Ende der Stadt, doch das wollte er in Kauf nehmen. Das, was er fühlte, wenn er bei Lennart war. Das war es wert. Aber war es auch das Kommende wert? Das Unvorhersehbare? Das, was von niemandem bemerkt werden sollte?

Er zuckte zusammen, als er Schritte hörte. Andere, schwere Schritte, die ihm eilig folgten. Oder bildete er sich das nur ein? Corwin wurde von einer Angst erfasst, die er sich nicht erklären konnte. Da war nur jemand hinter ihm. Jemand, der ein anderes Ziel hatte als er. Und als ihn. Es gab niemanden, der sich an ihm vergreifen wollte. Das redete er sich ein.

"Spürst du das auch?", hatte Lennart gefragt. Hatte sich die braunen Haarsträhnen aus den Augen gepustet. Hatte mit seinen Fingerspitzen leicht Corwins Arm berührt. „Es kribbelt", hatte er gesagt. Und er hatte auch gegrinst. Sein Grinsen. Das Grinsen, das Corwin so schön fand. So schön, wie einige seiner Kameraden die Beine oder Augen einer Frau fanden.

„Ja", hatte er gehaucht. Sie waren sich irgendwie näher gekommen. „Es kribbelt", hatte er geflüstert. Zwischen ihren unschuldigen Mündern war grad ein Spalt breit Platz. Sie sahen sich einen Moment lang in die Augen, bevor sie in einem zarten Kuss versanken. In einem Kuss, wie ihn normalerweise Männer mit ihren Frauen teilten. In einem Kuss, so süß und wunderschön und unschuldig. Und gleichzeitig so verboten. So süchtig machend. Sie beide konnten nicht genug bekommen. Und doch mussten sie aufpassen. Niemand dürfte hiervon erfahren. Und niemand würde hiervon erfahren. Es würde ihr Geheimnis bleiben.

The Sound of DestinyStories to obsess over. Discover now