Der Regen prasselte auf die Scheiben des alten Wagens während Jenn in die Dunkelheit starrte, die in rasender Geschwindigkeit an ihr vorüber zog. So viel war in diesen Tagen passiert. Es gibt schöne Erinnerungen, aber vor Allem viel Schmerz, sogar der Tod hatte ihr zugewunken.
Alles begann mit der irrationalen Entscheidung ihrer Mutter einen Trip ans Meer zu machen, für 2 Wochen. Jenn ist zwar ein Fan des Meeres, aber sie wäre lieber zu Hause bei ihrem Freund geblieben. Als Jenn ihm von den Plänen ihrer Mutter berichtete reagierte er völlig ungerührt. "Okay, dann sehen wir uns im später." Hatte er gesagt. Nicht einmal einen Abschiedskuss hatte er ihr gegeben, eine unterkühlte Umarmung und dann hatte er sich weggedreht und war wieder in seiner Wohnung verschwunden.
Der Ausflug begann vielversprechend mit einer Panne auf der Autobahn. Das Auto hatte einen Kurzschluss, sagte der Techniktyp vereinfacht, aber da er das Auto abschleppen musste, war es wohl doch mehr. Kurzfristig wurde der Plan geändert und sie verbrachten eine Nacht in einem Motel. Im Zimmer nebenan trieb es das Paar als ginge es um ihr Leben. Jenn stapfte frustriert aus dem Zimmer um Luft zu schnappen, ihre Mutter schlief unterdessen wie ein Murmeltier.
Es gab nicht viele Fluchtmöglichkeiten. Hinter dem Motel befand sich eine Klärgrube die zum Himmel stank, daher spazierte Jenn irgendwann an der Autobahn entlang. Das war eine der schönen Erinnerungen. Mit der frischen Luft, ab und an schoss ein Auto an ihr vorbei und sie traf ihren größten Fehler, von dessen schwere die nicht mal hätte träumen können. Der Kerl sah nich unbedingt aus wie jemand mit dem sie sich verabreden würde, aber er hatte etwas reizvolles. Mit einem schiefen Lächeln auf dem Gesicht fragte er: "Was macht ein Mädchen wie du mitten in der Nacht an einer Autobahn?" Schnippisch und missgünstig entgegnete Jenn: "Das Selbe könnte ich dich fragen, aber ich will es nicht wissen." Abwehrend hob er die Hände und sagte mit einem funken Respekt im Unterton: "Ich wollte dir nicht zu nahe treten Kleine." Jenn machte sich auf um sich an ihm vorbei zu drücken, aber er ließ sie nicht auf der Seite mit der Bande vorbei, also ging sie auf der Seite der Fahrbahn an ihm vorbei. Parallel zu ihm befand sie sich plötzlich mitten auf der Fahrbahn. Bis Heute ist sie sich nicht sicher ob sie gestolpert ist, oder ob er sie gestoßen hat. Das herannahende Auto ist ihr allerdings gut im Gedächtnis geblieben. Wie ein aufgeschreckter Hase sprang sie zurück an die Bande. "Du solltest wirklich besser aufpassen." Sagte der Typ. Sein Gesicht lag im Schatten und es waren in dieser Dunkelheit einfach keine klaren Gesichtszüge zu erkennen. Das Adrenalin schoss durch Jenns Adern und ihre Hände, die sich in die Bande krallten, zitterten. Er nahm ihre Rechte Hand und sagte: "Keine Angst, ich werde dich beschützen." Völlig überrumpelt, von Gefühlen die aus dem nichts auftauchten und dem Adrenalin, zog sie ihn zu sich ran und küsste ihn. Bereits in der nächsten Sekunde war ihr bewusst was für ein riesen Fehler das war, aber sie ließ nicht von ihm ab. Ihr ganzer Körper stand unter Strom. So etwas hatte sie noch nie erlebt. "Kleine, ich kenn nicht mal deinen Namen." Presste er zwischen ihren stürmischen Küssen hervor. Atemlos flüsterte Jenn: "Ist doch egal." Sie spürte wie ein kurzes Lachen seinen Körper erzittern ließ.
Nach einer gefühlen Stunde waren Jenns Haare vollkommen verfilzt und der Fremde grinste stolz in sich hinein. Er folgte ihr bis zum Motel, was ihr ein wenig Sorgen machte. Sie ließ ihn bis vor das Zimmer kommen bevor sie fragte warum er ihr folgte. Offenbar war das Paar, von dem sie sich hatte vertreiben lassen, auch sein Grund. Es waren seine Eltern. Bevor ihre Tür ins Schloss fiel hörte sie noch wie er sagte: "Ron." Mit dem Fuß stoppte sie die Tür, streckte den Kopf raus und fragte: "Was?" "Mein Name." Perplex fasste Jenn sich in die verfilzten Haare und sagte: "Achso, ja, mein Name ist Jenn." "Das ist ein außergewöhnlich normaler Name, passt gar nicht zu dir." Ein dreckiges Grinsen verzerrte sein Gesicht und Jenn entglitten ihre Gesichtszüge. Vermutlich sah man ihren Ekel vor sich selbst und vor ihm in ihrem Gesicht. "Auf das wir uns nie wieder sehen." Sagte Jenn und die Tür fiel ins Schloss. Sie hörte noch sein spöttisches Lachen bevor sie sich neben ihre Mutter schlafen legte.
Nachdem Jenn in den frisch gemieteten Wagen gestiegen war, setzten sie ihre Reise fort. Stille beherrschte den Wagen und Jenn versank in ihren Gedanken. Ihr Freund würde nie davon erfahren. Sie war schließlich schon ewig weit von zu Hause weg und der Kerl schien hier nicht in der Nähe zu Wohnen. Niemand müsste je vom Fehler der vergangenen Nacht erfahren. Außerdem würde es nie wieder passieren, dachte sie.
Zu Jenns überraschung formte sich bald aus dem Flachland am Meer ein Bergland. "Ähm, du weißt schon das das Meer woanders ist oder?" Sagte Jenn skeptisch zu ihrer Mutter. Diese lächelte vergnügt und sagt: "Überraschung! Wir fahren an einen Kurort." Sprachlos saß Jenn da und überlegte ob das jetzt gur war oder nicht. "Da gibt es einen Pool der 24/7 geöffnet hat." Fügte sie hinzu und sofort befand Jenn es als gut. Sie wohnten dort in einer Hütte mit genug Platz das sie sich auch aus dem Weg gehen konnten. Es gab sogar ein unnötiges 3. Schlafzimmer. Jenn war wieder sie selbst und machte sich ohne ihre Mutter auf den Weg zum besagten Pool. Er war ein indoor Pool, also auch bei schlechtem Wetter benutzbar.
Tiefenentspannt tauchte Jenn ins Wasser. Stundenlang tauchte und schwamm Jenn, bis ihr die Muskeln versagten. 5 Tage lang tat sie nichts als essen, schlafen, schwimmen. Ihre Mutter sah sie kaum, denn sie probierte jedes Angebot auf Abenteuer und Unternehmungen aus.
Auch der 6. Tag schien sich nicht zu ändern, bis sie aus dem Pool auftauchte und in ein vertrautes Gesicht sah. Der Typ, Ron, von der Autobahn ließ sich gerade in den Pool gleiten. "Oh Gott!" Sagte Jenn und tauchte erneut in der Hoffnung er hätte sie nicht gesehen. Er hatte sie gesehen und schwamm geschmeidig auf sie zu. "Hi." Sagte er und kam direkt vor ihr zum stillstand. Wortlos standen sie sich gegenüber. "Lust auf eine Wiederholung?" Jenn wusste nicht wie sie darauf reagieren sollte. Sie hatte einen Freund und noch ein fünkchen Ehre das es zu verteidigen galt. Vergebene Mühe, denn die nächsten Tage war schwimmen zweitrangig geworden.
Der 8. Tag brach an und Ron lag neben ihr, in der Hütte die ihre Mutter gemietet hatte. Sie hatte keine Ahnung von Ron. Er schlief noch als Jenns Mutter die Tür einen Spalt öffnete, zum Glück sah sie nicht ins Zimmer, sie sagte: "Jenn, Schatz, komm mal bitte ins Wohnzimmer." "Sofort" erwiderte Jenn und warf sich ein Sommerkleid über. Im Wohnzimmer stand ihr Freund und jede Farbe wich aus Jenns Gesicht. Sie versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, aber Panik erfasste sie. Nach bestem können tat Jenn so als würde sie sich total über diese Überraschung freuen. "Daniel, wer hätte damit gerechnet." Brachte Jenn hervor, wobei ihre Stimme leicht brach. "Daniel, mein Lieber, du kannst dein gepäck ins Zimmer den Gang runter bringen. Jenn und ich bereiten das Frühstück vor." Daniel nickte und ging in das dritte Zimmer, das nun Sinnvoll war. Jenn hätte damit rechnen können. "Ich muss noch ein paar Sachen wegräumen. In meinem Zimmer. Du verstehst schon." Jenns Mutter lachte und deutete ihr zu gehen.
Die blanke Panik schoss durch ihre Venen. Sie rüttelte Ron aus seinem Schlaf. "Schon bereit für eine nächste Runde?" Fragte er noch halb schlafend. Jenn zog ihn aus dem Bett während sie ihm die Situation kurz schilderte. Er lachte böse und sagte: "Jenn ist echt viel zu artig für ein Mädchen wie dich." Wütend funkelte sie ihn an. "Aus dem Fenster." Noch immer leise vor sich hin lachend stieg Ron aus dem Fenster. Er war gerade aus dem Sichtfeld als auch schon die Tür auf ging und Daniel eintrat.
Der Morgen verlief harmonisch und ruhig. Daniel und Jenn gingen zum Pool und verbrachten dort viele Stunden flirtend und verliebt. Außer den zweien war niemand in der Schwimmhalle. Daniel und Jenn ruhten sich gerade etwas auf den Liegen aus als Ron die Halle betrat. Er lief direkt auf Jenn zu. Jenn war erstarrt vor schreck, doch Daniel bekam davon nichts mit. Sie stand auf und Daniel tat es ihr gleich. "Was ist denn los?" Fragte er. Noch bevor Jenn antworten konnte stellte sich Ron vor ihn, streckte seine Hand aus und sagte: "Hey. Ich bin Ron, die Affäre deiner Freundin." Entsetzt stand Daniel der Mund offen. "Wie bitte?" Der Streit des Jahrhunderts brach aus. Es wurde geschrien, gestoßen und geschlagen. Jenn stand nur da und sah geschockt, erbleicht und vollständig gelähmt zu. Die Kraft kehrte zu Jenn zurück und sie packte beide Jungs an den Schultern um sie zu trennen. Womit sie nicht rechnete war der Schwung mit dem Beide sie von sich stießen. Sie stolperte rückwärts und schlug mit dem Kopf gegen die Wand. Das letzte das Jenn mitbekam war das Desinteresse an ihr und das Warme Blut das ihre Schultern herunter rann. Dann war da nur noch Dunkelheit.
Jenn schlug die Augen auf und sah ihre Mutter vor gleißend hellem Licht. "Wo ist Daniel?" Fragte sie. Der Gesichtsausdruck ihrer Mutter wurde mitleidig und sie sagte das er nicht kommen würde, sie wisse schon warum und sie solle ihn nie wieder kontaktieren. Jenn fragte nach Ron, doch da zuckte ihre Mutter nur mit den Schultern.
Ausbeute des Urlaubs: Ein Koma von 5 Tagen, eine hässliche Narbe am Hinterkopf und keinen an den sie sich wenden kann. Ab nach Hause.
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Ein paar Kurzgeschichten
RandomViele verschiedene Geschichten von völlig unnötig brutal, lustig, bis hin zu "versteh ich nicht" ist alles irgendwie dabei.
