76 Rosen blühten in unserem Garten. 76 blutrote Blüten, eine hübscher als die andere. Das frisch geschnittene Gras bohrte sich in meine nackten Füße und kitzelte meine empfindlichen Stellen. Die Abendsonne hing schief über dem Westflügel. Ich musste meine Augen zusammen kneifen um weiter auf die Rosen starren zu können. Mutter würde es nicht gutheißen, wenn sie mich wieder im Garten herumtollen sah, wie sie es immer nannte. Das gehörte sich schließlich nicht für eine Lady. Aber Mutter regte sich allgemein über jedes meiner Worte auf, über meine schmutzigen Füße, meine spröden Lippen oder über die Erd- oder Grasflecken auf meinen Kleidern. Der Garten war mein Lieblingsort im Palast. Während Madison ihre Nachmittage beim Unterricht oder in der Schneiderei zur Anprobe einer ihrer tausenden Kleider verbrachte, war ich im Garten, hielt meine Füße in den eiskalten Springbrunnen, oder steckte mit der Nase in einem Buch. Mittlerweile hatte ich bereits fast alle Bücher aus unserer riesigen Bibliothek gelesen. Selbst die Biografien lauter Estischer Grafen und ihren Geliebten. Manchmal begleitete ich meinen Bruder Aspen auch auf seinen Jagdausflügen oder spielte mit seiner Frau Esmee. Jedoch gewann sie immer, was mir den Spaß nach einiger Zeit verdarb. Ich war trotzdem froh, dass sie mich nie gewinnen ließ. So zu spielen wäre wirklich unfair.
Als hätte Mutter meine Gedanken gelesen, kam sie in diesem Moment die weiß verputzten Marmortreppen hinutergeschritten, mit einer Miene, die nichts Gutes verheißen konnte.
"Sofia."
Ich erhob mich vom Rasen und schüttelte die vielen Pollen von meinem orangefarbenen Kleid.
"Du hast mir versprochen pünktlich beim heutigen Abendessen zu sein. Und sie dich nur an. Du siehst aus wie eine Bedienstete."
Sie deutete auf meine nackten Füße und meinen Bauernzopf.
"Vielleicht sollte ich deiner Zofe sagen, dass du dir in Zukunft nicht mehr alleine deine Kleidung aussuchen sollst."
Sie übertrieb mal wieder maßlos. Ich war 18. Ich konnte selbst Entscheidungen treffen.
"Du solltest zur Feier des Tages etwas Make-up auflegen. Du weißt, heute reißt die Königsfamilie von Selvia an. Ich erwarte, dass du dich höflich verhälst und pünktlich bist."
Ihre dirigierte Stimme fing langsam an zu schwanken. Sie mochte es leugnen, jedoch war sie aufgeregt. Heute kam Madisons Verlobter. Der Mann, mit dem sie bald an einer Seite regieren sollte. Ich konnte ihre Nervosität nachvollziehen, obwohl ich auch nicht gerade in Madisons Haut stecken mochte. Sie hatte ihn noch nie zu Gesicht bekommen und musste ihn trotzdem heiraten. Was für eine Zumutung.
"Ja Mutter, ich werde mich benehmen."
Sie nickte zufrieden und setzte zur Abwechslung mal ein Lächeln auf. Sie hatte ihr aschblondes Haar zu hübschen Locken drehen lassen, die nun ihre rosigen Wangen und die hohen Wangenknochen umrundeten. Sie war bildhübsch. Manchmal sah man ihr das Alter gar nicht an.
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"Ich kann jetzt wirklich nicht Sofia. Ich habe alle Hände voll zu tun. Du weißt doch heute kommen die..."
"Sinclairs. Ich weiß. Die Königsfamilie von Selvia."
Bockig schob ich meine Unterlippe nach vorne und wippte mit meinen baumelnden Füßen hin und her. Ich hatte mich auf eine der hölzernen Küchentheken in der Palastküche gesetzt und beobachtete Logan bei seiner Arbeit. Meinen Logan. Seine blonden Haare hingen ihm knapp vor der Stirn und seine blauen Augen strahlten, so schön, wie sie es immer taten. Ich biss mir auf die Lippe. Logan war wirklich einer der attraktivsten Männer den ich jemals begegnet war. Und ich war froh, dass er allein mir gehörte. Wenn meine Mutter von unserer Beziehung erfahren würde, wäre Logan seinen Job als Küchenhilfe los. Wir waren uns bewusst, welches Risiko wir eingingen. Manchmal fühlte ich mich schlecht deswegen. Logans Familie ging es nicht so gut, das wusste ich. Ich hatte ihm schon oft Hilfe angeboten, jedoch wollte er nicht das ich ihm unter die Arme griff. Nichts hätte ich lieber getan, als das.
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Mabey not.
Romance"Du bist mit meiner Schwester Verlobt Jasper. Das Hier ist absolut unmöglich." Er lachte, ein bezauberndes lachen bei dem jedes Mädchen auf die Knie gehen würde. "Papier ist Papier Sofia. Mein Herz gehört dir." Und sofort meines in tausend Stücke...
