Jane, ein Mädchen, welches einen Kampf gegen sich und ihren Körper führt und nahezu daran ist, diesen Kampf zu verlieren, entscheidet sich dazu, ihrem Leben noch eine letzte Chance zu geben.
"Nur noch eine letzte Chance. Und wenn es wieder nichts br...
Mit einem trüben, blassen Gesicht blickte ich in den Spiegel und sah in die glasigen und rötlichen Augen meines Spiegelbildes.
Wer bin ich nur?
Lippen - Aufgerissen, blutig und grau Wangen und Nase, die ihre rosige Farbe verloren hatten. Ohren, die die Worte nicht mehr ertragen konnten. Und da wieder; Meine Augen, die sich selbst verabscheuten. Sich selbst bissig anschauten. Und jedes Mal in Tränen ertrinken müssen, wenn ich erneut falle.
Was ist aus mir nur geworden?
Mit stockendem Atem drehte ich den Wasserhahn auf und hielt meine Hände unter das kalte Wasser. In meinen Handflächen fühlten sich die kalten Wassertropfen wie Hagelkörner an. Mehrmals warf ich mir etwas Wasser in mein Gesicht, in der Hoffnung, dass dieses äußerliche Ich durch die Kälte einfach verschwindet und ich lächelnd zurück in den Spiegel blicken konnte. Doch so weit kam es nie. Denn meine Augen wehrten sich jedes Mal dagegen, zurück in den Spiegel zu schauen.
Ich atmete tief ein und träufelte etwas Wasser über meine Arme. Auch sie waren blass und mit blauen und roten Flecken übersäht. Ich bekam eine starke Gänsehaut bis in meine Fingerspitzen. Meine langen schwarzen Fingernägel unterstützten das Gefühl von Kälte, das ich bekam.
Meine Augen streiften noch einmal das Spiegelbild von mir, während ich mich umdrehte und aus dem Badezimmer ging. Mit jedem Schritt spürte ich jedes Körperteil an meinem Körper. Mal brannte es, mal schmerzte es oder es zerrte sich ein wenig. Auch meine Gelenke knackten manchmal. Aber was ich am meisten Spürte, war mein unregelmäßiger langsamer Herzschlag.
Ich ging durch den langen Flur zurück in mein Zimmer, während der Boden leise knarrte, wenn einer meine Füße aufkam und stellte mich vor meinen Spiegelschrank. Der große Spiegel war jedoch abgeklebt, sodass ich mich nicht sehen konnte. Es fühlte sich an, als wäre mein Arm aus Blei, als ich ihn hob, um eine der beiden Schranktüren zu öffnen. Mit müden Augen suchte ich mir Klamotten für den heutigen ersten Schultag heraus. Ich wählte eine dünne Leggings und einen Pullover, der mir fast bis zu den Knien reichte und auch eigentlich ein oder zwei Nummern größer war, als meine eigentlichen Klamotten. Darunter konnte man einfach so viele Fehler, die sich an seinem Körper befanden, verstecken. Niemand konnte meinen Schmerz und mein Leid sehen, oder meine ganzen Krankenhausbesuche und Stationären Behandlungen. Denn noch nie konnte ein Mensch den Schmerz in meinen Augen ablesen.
Mit meinen dünnen Fingern strich ich einmal über den wolligen grauen Pullover und kniete mich auf den Boden. Ich ignorierte den drückenden Schmerz an meinen Kniescheiben und nahm mir meine Creepers aus dem Schrank. Sie waren ebenfalls grau und hatten kleine rosane Blüten als Verzierung.
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Während ich mich an der Schranktür festhielt, zog ich mich langsam wieder nach oben auf beide Beine und setzte mich auf mein Bett, um mir die Schuhe anzuziehen. Nachdem ich mich komplett angezogen hatte, schnappte ich nach meiner Tasche und ging mit langsamen und leisen Schritten nach draußen in den Flur. Unser neues Haus war sehr alt und teuer gewesen und ich hätte niemals geglaubt, dass meine Mutter es jemals hätte bezahlen können. Alles roch nach frischem Holz und es war so gut verarbeitet, dass keine Kratzer oder andere Schäden an den vielen Stützen und Säulen zu sehen waren. Auch an der langen Wendeltreppe, oder von mir benannt „Die stille Spirale" war kein einziger Schaden zu sehen. Durch die winterlichen Sonnenstrahlen, die durch das große Fenster brachen, sah man nichts weiter als partikel- und faserförmige Immissionen oder Hautpartikel in der Luft; kurz gesagt war das Haus noch sehr staubig seit dem Einzug. Auch auf den vielen golden schimmernden Bilderrahmen von den Portraits und Landschaftsbildern liegt der Staub. Es wirkte fast schon unheimlich.
Mit zitternden Beinen ging ich die Treppe hinunter und schien mich fast an das Geländer zu klammern. Ich habe seit ich klein bin, Angst Treppen oder Leitern runter zu steigen, weil ich fallen könnte. Dabei hatte ich mir auch noch nie etwas gebrochen. Unten angekommen erwartete mich schon meine Mutter, die gerade ihre Tabletten einnahm.
„Morgen.", sagte ich leise und ging zu ihr an den Tisch.
„Guten Morgen, Süße.", entgegnete sie mir, nachdem sie etwas getrunken hatte.
Nach was roch das? Kaffee. Es roch nach komplett überzuckertem Kaffee.
„Frühstück steht für dich in der Küche. Du kannst es mit in die Schule nehmen.", sagte sie und lächelte leicht.
„In welcher Klasse bist du jetzt? A? B?"
„C.", meinte ich knapp und sie nickte.
So lief fast jedes Gespräch mit meiner Mutter ab. Sie erwähnt jedes Mal, dass irgendwas zu Essen bereit für mich in der Küche wartet und nach mir ruft:"Iss mich." Und lenkt danach mit irgendwelchen Dingen ab, die sie schon längst weiß.