Es war spät und ich konnte nicht schlafen. Zu viele Gedanken nahmen mir die Ruhe. Ich dachte darüber nach, was Cayden gesagt hatte. Wieso durfte ich ihn nicht lieben? Und wieso war so viel Schmerz in seinen Augen zu sehen, während er mich abservierte? Ich wusste nur eins: ich musste hier raus. Raus aus der Lodge. Weg von Robin. Ich musste mich ablenken. Joggen wollte ich nicht, also kramte ich meine Schwimmsachen aus dem Schrank und machte mich auf den Weg zum Pool.
Draußen war es kühl, die Hitze des Tages war verklungen und man konnte die Sterne am wolkenlosen Himmel sehen. Aus einigen Lodges konnte man Gekicher und murmelnde Stimmen hören. Ich atmete tief ein und sog die klare Luft in meine Lungen.
"Wo gehst du hin?", fragte Kalchas Stimme in meinem Kopf. Ich hatte nicht bemerkt wie er neben mir aufgetaucht war, doch ich erschrak nicht. Ich wusste, dass ich ihm vertrauen konnte. Beim Laufen schmiegte sich der Wolf an mein linkes Bein, aber es störte mich kein bisschen. Die linke Seite, er war immer auf meiner linken Seite, meiner schwächeren Seite. Der Seite auf der mein Herz lag.
"Den Kopf abkühlen.", sagte ich knapp, "Ich muss mich bewegen." "Was hat er dieses Mal angestellt?", fragte er genervt und ich spürte die Wut, die er gegen Cayden verspürte. "Ich, ich will jetzt nicht darüber reden.", stöhnte ich ausgelaugt. "Ich habe dir oft genug gesagt, dass du dich nicht von ihm verwirren lassen sollst!", knurrte er. „Wenn er dich noch mehr verletzt, dann-" „Kalchas, hör auf!", unterbrach ich den Wolf mit schneidender Stimme. „Entweder du verschwindest jetzt oder du bist leise!" „Ich wollte nur für dich da sein.", murmelte er bedrückt und verschwand, ohne ein weiteres Wort, in Richtung Wald. Ich wusste, dass es kindisch von mir war ihn so anzufahren, aber ich konnte nicht darüber reden, ohne dass ich in Tränen ausbrach. Nachdem ich noch ein Stück gelaufen war, bemerkte ich zwei andere Schüler, die am Wegrand an einen Baum lehnten und sich gegenseitig die Zungen in den Hals steckten. Na toll, das hatte mir jetzt noch gefehlt. Der Junge schob gerade die Hand unter das Top des Mädchens, als ich mich leise räusperte. Doch liesen die beiden sich nicht von mir stören und ignorierten mich einfach.
Als ich dann in meinem Bikini aus der Umkleidekabine trat erfasste mich eine kühle Briese und ich beeilte mich in das, noch von der Sonne aufgewärmte, Wasser zu kommen. Ich tauchte mit einem Kopfsprung in das klare Chlorwasser ein und zog ein paar Runden. Ich hatte gerade meinen Rhythmus gefunden, als Jemand zu mir ins Wasser sprang. Ich verschluckte mich vor Schreck und tauchte prustend auf. „Habe ich dich erschreckt?", hörte ich eine erschreckend bekannte Stimme fragen. Schon komisch, wie schnell man sich an den Klang einer Stimme oder den Geruch einer Person gewöhnte. „Cayden?!", japste ich. „Ja ich. Also?" „Was?", fragte ich verwirrt. Ich hatte ihn schon öfters oberkörperfrei gesehen, aber noch nie war ich alleine mit ihm gewesen, wenn er es war - das eine Mal, als er mich vor dem Seemonster gerettet hatte, zählte nicht -! „Ob ich dich erschreckt habe?", fragte er abermals amüsiert. „Ich- Äh. Nein.", stammelte ich. Doch dann fiel mir wieder der eigentliche Grund ein, warum ich überhaupt zum Pool gegangen war. „Was willst du?", fragte ich mit möglichst neutralem Ton. „Eigentlich ziemlich viel, aber ich denke das geht nicht.", sagte er mit einem umwerfenden Grinsen im Gesicht, „Aber ich will mich bei dir entschuldigen." „Wofür?" „Dafür, dass ich dir vorhin wahrscheinlich das Herz gebrochen habe." Was? Wer dachte er eigentlich, wer er war? Okay er war ein Titan, der schon seit ein paar Jahrtausenden existierte, aber deswegen musste er noch lange nicht so mit mir reden! „Hast du nicht. Was ist mit dir los?", fragte ich stockend. „Wie, was ist mit mir los?", fragte er in der gleichen Tonlage, wie vorher. „Du bist gerade nicht du Selbst." „Woher willst du wissen wie ich wirklich bin? Ich lebe schon so lange, woher willst du wissen, dass ich nicht einfach meine eigene Schöpfung manipuliere. Schon vergessen? Ich bin Prometheus, der der euch Menschen aus Lehm geformt hat!", schrie er mich jetzt an. „Wie willst du mich also wirklich kennen?", flüsterte er jetzt nur noch schwach und vermied Blickkontakt. Ich trat an ihn heran, so nah bis mir sein vertrauter Geruch in die Nase stieg und so nah, dass er mir ins Gesicht sehen musste. „Ich weiß, dass ich dich nicht dein ganzes Leben kenne, aber ich weiß, wie du momentan drauf bist und so wie du dich gerade benimmst stimmt etwas nicht! Du kannst es mir erzählen. Ich kann für dich da sein.", eigentlich war ich ja diejenige, die wütend auf ihn war, aber er brauchte mich jetzt. Sonst war er derjenige, der mich rettet und jetzt konnte ich für ihn da sein. Nach diesen Worten veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Er sank seinen Kopf und lies sich seine nassen Haare ins Gesicht fallen. Er sah nicht mehr wütend aus. Er sah verletzlich aus, wie ein kleines Kind, das Schutz brauchte. Ich trat noch näher an ihn heran und umarmte ihn. Erst lies er seine Arme hängen, nach einem kurzen Moment aber, schlang er seine Arme ebenfalls um mich und vergrub sein Gesicht in meinen nassen Haaren. Wir standen einfach nur so da, ohne etwas zu sagen und ohne uns zu bewegen. Irgendwann fing er das Schluchzen an. Das war das erste Mal, dass ich einen Jungen weinen sah. „Schhh, alles wird gut.", flüsterte ich in sein Ohr, um ihn zu trösten. Er hob den Kopf und flüstere: „Es tut mir so leid." Mir blieb keine Zeit ihm zu antworten, denn er küsste mich. Erst ganz leicht und zögernd, als ob er Angst hatte mich zu verletzen, doch dann immer fordernder und inniger. Er knabberte an meiner Lippe und ich öffnete meinen Mund.
Ich wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, bis wir uns voneinander lösten. Er wollte gerade etwas sagen, als ich ihn etwas fragte, worüber ich schon länger nachgedacht hatte: „Hast du eigentlich Kinder? Ich mein so vor ein paar Jahrhunderten?" Die frage brachte ihn völlig aus dem Konzept. „was?", fragte dieses Mal er verwirrt. „Ob du Kinder hast." „Äh gut möglich. Weiß ich nicht." Wir schauten uns an und lachten gleichzeitig los.
Nachdem wir uns wieder beruhigt hatte sagte er liebevoll: „Ich glaube wir sollten jetzt in unsere Lodges zurück und schlafen. Und danke, dass du für mich da warst." „Äh ja. Gerne. Ich hatte nicht gedacht, dass ich jemals einen Gott weinen sehen würde." „Titan.", verbesserte er mich. „Wie auch immer. Schlaf gut.", flüsterte ich mit einem Lächeln, küsste ihm zum Abschied auf die Wange, holte meine Sachen, wickelte mich in ein Handtuch und ging zu meiner Lodge.
Als ich dann frisch geduscht wieder in meinem angenehm warmen Bett lag, dachte ich wieder über Cayden nach und über das, was gerade passiert war. Warum hatte er geweint? Und warum küsst er mich ständig, wenn ich ihn doch nicht lieben soll? Vielleicht hatte er im Moment doch mehr Probleme als ich dachte. Mit diesen letzten Gedanken fiel ich in einen unruhigen Schlaf.
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götterfunke fanfiction
FanfictionDas ist meine erste Fanfiction, sie ist von dem Buch "Götterfunke liebe mich nicht" von Marah woolf. sie spielt sich zu dem zeipunkt ab, nachdem Cayden Jess sagte, dass sie ihn nicht lieben darf. viel Spaß beim lesen und ich würde mich über eine Rü...
